The Nun

Originaltitel: La monja (Großbritannien/Spanien 2005)
Regie: Luis de la Madrid
Drehbuch: Manu Díez (nach einer Story von Jaume Balagueró)
Kamera: David Carretero
Schnitt: Bernat Vilaplana
Musik: Luc Suarez
Darsteller: Anita Briem (Eve), Belén Blanco (Julia), Manu Fullola (Gabriel), Alistair Freeland (Joel), Cristina Piaget (Schwester Úrsula), Paulina Gálvez (Zoe), Natalia Dicenta (Susan), Lola Marceli (Mary), Tete Delgado (Cristy), Oriana Bonet (Eulalia), Katrine Romming (Mary, 17 Jahre), Maia Jenkinson (Eulalia, 17 Jahre), Joana Rañé (Zoe, 17 Jahre), Gemma Martínez (Cristy, 17 Jahre), Meritxell Santamaria (Susan, 17 Jahre), Montse Pla (Joanna, 17 Jahre), Giles Cooper (Harley), Brendan Price (Detective Malone), Alexia Iborra (Eve als Kind), Anna Vives (Geister-Nonne) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s New Media
Erscheinungsdatum: 04.01.2007 (DVD); Neuauflage: 02.10.2008
EAN: 4020974160964 (DVD); Neuauflage: 4020974167628 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

In einem katholischen Internat in Spanien sollten die Töchter besorgter und vor allem gut betuchter Eltern unterrichtet und den üblichen Jugendsünden ferngehalten werden. Vor allem Schwester Ursula hatte sich dies zum Lebenszweck gemacht und dabei die Grenze zum Wahnsinn eindeutig überschritten. Als sie entdeckte, dass die junge Mary ausgerechnet vom Internatspriester geschwängert wurde, drehte sie erst durch und wurde anschließend von Mary und ihren zur Hilfe geeilten Freundinnen Zoe, Susan, Cristy, Eulalia und Joanna im Duschsaal des Instituts ertränkt. Die Leiche warfen die Mädchen in einen nahen Teich und schworen sich Stillschweigen, was 18 Jahre eingehalten wurde.

Doch das inzwischen aufgegebene Internat soll in ein Ferienheim umgewandelt werden. Der Teich wurde abgelassen – und Schwester Ursulas endgültig in religiösen Fanatismus abgeglittener Geist macht sich rachsüchtig auf, ihre Mörderinnen einer gerechten Strafe zuzuführen. Wo immer Wasser fließt, kann sie sich materialisieren und per Bratenmesser, Feuerzeug oder Fahrstuhl [sic!] für Gerechtigkeit sorgen.

Auch Susan fällt dem spukigen Wüten zum Opfer. Eve, ihre Tochter, hat Ursulas Geist gesehen und will klären, was einst in dem Internat geschehen ist. Mit ihrer Freundin Julia, einer Spanierin, und deren Lover Joel reist sie nach Europa. Dort lernt Eve den Theologiestudenten Gabriel kennen (und lieben), der sich den Freunden anschließt.

Ebenfalls in Spanien sind die beiden letzten überlebenden Nonnen-Mörderinnen. Eve und ihre Mitstreiter treffen sie in dem verlassenen Internatsgebäude. Auch Ursula lässt nicht lange auf sich warten, als sich ihre Opfer quasi auf dem Präsentierteller darbieten. Diese haben zwar inzwischen die Achillesferse des Gespenstes erkannt, doch die Umsetzung des Wissens stößt auf unerwartete Probleme: Nicht nur Ursulas Geist hat Schaden genommen. Im alten Internat müssen Eve und ihre Gefährten feststellen, dass sie einander nur bedingt trauen können …

Böse Nonne jagt blöde Teenies

Diese die Handlung zusammenfassende Überschrift macht es bereits deutlich: „The Nun“ ist kein Meilenstein des phantastischen Films. Die positivste Aussage, die sich über dieses Werk treffen lässt, lautet, dass es eine Vielzahl von Filmen gibt, die deutlich hirnrissiger geraten sind. Ein Lob klingt anders, aber mehr ist nicht drin.

Was doppelt schade ist, weil „The Nun“ Potenzial erkennen lässt. An den Tag gelegt wird es primär im Handwerklichen. Die Kamera arbeitet makellos und liefert zum überwiegend nachts oder in dunklen Räumlichkeit spielenden Geschehen in der Regel überzeugende (sowie klare, rauscharme) Bilder. Selbst unter Wasser leistet sie sich keine Schwächen.

Ebenfalls eindrucksvoll ist das Innere des alten Internats. Die offensichtliche Künstlichkeit des nur im Modell oder als Bildmaske existierenden Gebäudes wird durch Kulissengroßzügigkeit im Inneren ausgeglichen. Scheinbar endlose Flure und gewaltige Zimmerfluchten spiegeln in sorgfältiger Ausstattung die trostlose Verkommenheit eines verlassenen und vernachlässigten Bauwerks wider. Hinzu kommt die Allgegenwärtigkeit fauligen Wassers, das durch morsche Dächer und Wände sickert und rinnt.

Cover der ansonsten unveränderten Neuauflage

Der Fluch der bösen Tat: das Drehbuch

Hinter der Kamera gäbe es deutlich lohnendere Ziele für die wütende Ursula. In erster Linie hätte Drehbuchautor Manu Díez eine tüchtige Heimsuchung verdient. Sein Werk gründet angeblich auf einer Story von Jaume Balagueró, der sein Geschick in der Darstellung von Horror bereits mehrfach und sowohl als Autor wie als Regisseur mit Filmen wie „Darkness“ (2002), „Fragiles“ (2006), „[Rec]“ oder „[Rec]2“ unter Beweis gestellt hat. Zwar ist auch ein großer Geist nicht vor Ausfällen gefeit, aber angesichts von Balaguerós Erfolgsbilanz scheint der Schwarze Peter doch bei Díez zu bleiben, dessen Aufgabe es war, das Skelett der Vorgabe mit Fleisch zu polstern.

Das Drehbuch funktioniert dort, wo es die simple Grundstruktur berücksichtigt. Obwohl die Schar der Figuren vergleichsweise zahlreich ist, reduziert sich die Story auf das Element der Jagd: Ursula verfolgt ihre Opfer, während diese der Geister-Nonne auf den Fersen sind. Das Finale findet erst statt, als der vorgesehene Bodycount komplett ist. Er führt Eve und Ursula zusammen, was ebenfalls keinen Zuschauer überrascht.

„Überraschung“ ist ein Wort, das im Zusammenhang mit dem „Nun“-Projekt ohnehin mit Vorsicht zu genießen ist. Díez versucht einen Schlusstwist, der nicht nur haarsträubend ins Leere geht, sondern auch die bisher gezeigten Ereignisse Lügen straft: Wenn also Ursula auf Eve als ‚Trägerkörper‘ angewiesen ist (um es so spoilerarm wie möglich anzudeuten), wie kam Joanna in London zu Tode, wo Eve nachweislich niemals war? Wie gelingt es einer Studentin, deren Hauptfach nicht Maschinenbau ist, einen Fahrstuhl in eine Todesfalle zu verwandeln? Wie schafft man es, einen Menschen mit einer Glasscheibe zu köpfen, obwohl dieser partout nicht stillstehen will?

Weitere Belege für Dummfug? Bitte sehr!

Die Krux des Finales und damit der Punkt, an dem sich die Langmut des Publikums endgültig verflüchtigt, bildet sicherlich die Entscheidung, die Klärung des Mysteriums ausgerechnet der Figur des Joel in den Mund zu legen. Dieser ist uns in den bis dahin verstrichenen neunzig Minuten als Großmaul und Tölpel vom Dienst gewaltig auf die Nerven gegangen, hat dabei aber seinen Status als Hohlkopf so eindeutig unter Beweis gestellt, dass wir ihm diesen finalen Geistesblitz auf keinen Fall glauben.

Womit dem Darsteller Alistair Freeland übrigens kein Vorwurf gemacht werden soll. Was er als Schauspieler zu leisten in der Lage ist (oder nicht), sollte keineswegs über diesen Film definiert werden. Dies gilt – mit einer Ausnahme, auf die weiter unten eingegangen wird – für sämtliche Darsteller. Sie werden in zahlreichen Rezensionen zu „The Nun“ heftig gezaust. Dabei ignorieren diese Kritiker offenbar die Arbeitslisten der geziehenen Männer und Frauen, die nicht nur umfangreich sind, sondern auch gute Rollenspiele beinhalten.

Ignoriert man die Klischees, zu denen das Drehbuch die Darsteller zwingt, wurden durchaus fähige Schauspieler gecastet. Was kann beispielsweise Manu Fullola dafür, in die nie eindeutig auf das Geschehen geprägte Rolle eines Jung-Theologen gezwungen zu werden, der nichts als ein Katalysator für Eves Besessenheit ist? Als dieser Dienst getan ist, lässt Díez Gabriel in ein abgerissenes Wasserrohr stolpern und aufgespießt aber sang- & klanglos sterben.

Wacker schlägt sich die auf Island geborene Schauspielerin Anita Briem, die trotz ihrer Jugend Routine und Ehrgeiz so zu verbinden weiß, dass sie sogar eine Nullfigur wie Eve zum Leben erwecken kann. In dieser Rolle ist Briem zwar verletzlich aber nie hilflos, entschlossen aber keine Kampfmaschine sowie in der Lage, den schon erwähnten Finaltwist zu meistern, ohne anschließend so dämlich auszusehen wie die wenigen Darsteller, die unser Spuk-&-Psycho-Drama überleben.

Gespenst ohne Geist

Wie verrückt oder schon zu Lebzeiten von einem bösen Geist besessen ist eigentlich Schwester Ursula? Als sie in einer Rückblende eine ihrer frechen Schülerinnen an die Wand wirft, verwandelt sich ihr Gesicht bereits in die später bekannte Geisterfratze. (An dieser Stelle ein Tipp für den Regieneuling Luis de la Madrid: Ein Gespenst wirkt NICHT furchterregend, wenn man seine Darstellerin allzu sichtbar mit kalkweißer Schminke einschmiert und ihr ein Zackengebiss in den Mund schiebt. Leider kommt dieser Rat wohl zu spät; nach „The Nun“ ist de la Madrid als Regisseur jedenfalls nicht mehr aktiv geworden.)

Zu den gelungenen Elementen dieses Films gehört die Affinität der Geister-Nonne zum Wasser. Es verleiht ihr jene Körperlichkeit, die sie benötigt, um selbst mörderisch Hand anlegen zu können. Dazu genügt ein Waschbecken, eine Badewanne, ein mit Tropfen bedecktes Fenster. Zwar gut gelungene aber unklug eingesetzte Spezialeffekte unterstreichen bzw. torpedieren Ursulas Auftritte. Die CGI-Technik von 2005 und das zur Verfügung stehende, nicht üppige Budget setzten zusätzlich Grenzen.

Ursula-Tauchdouble Anna Vives musste im vollen Nonnen-Ornat und geisterhaft geschminkt (s. o.) in einem Schwimmbecken unter Wasser bedrohliche Bewegungen und Gesten simulieren. Später wurden Wände und Wasser technisch getilgt und Geister-Ursula in Räume und Flure, hinter Fenster oder in eine Drehtür [sic!] projiziert. Dank des Wassers schwebt sie dadurch schwerelos ihren Opfern hinterher. Solange sie dabei im Halbdunkel bleibt, ist dieser Effekt wirklich gruselig. Spukt sie dort, wo es hell ist, wird der Trick auf Kosten seiner Wirkung offenbart.

Euro-Pudding ist schwer verdaulich

Dass „The Nun“ in Spanien spielt, ist nicht der Geschichte, sondern der Entstehungsgeschichte des Films geschuldet. Er wurde von der Firma „Fantastic Factory“ produziert, die der Regisseur und Drehbuchautor Brian Yuzna 2000 mit dem Spanier Julio Fernández in Barcelona gründete. Hier, wo das Kostenniveau niedriger als beispielsweise in Hollywood liegt, lassen sich Filme günstiger realisieren, ohne dass die Herstellungsqualität darunter leidet – so jedenfalls die Theorie, während (nicht nur) „The Nun“ deutlich macht, dass dies in der Praxis keine wirklich guten Ergebnisse zeitigen muss.

Wenig hilfreich ist dabei auch, dass die Handlung in den USA einsetzt, was „The Nun“ allzu offensichtlich für den US-Filmmarkt interessanter machen soll. Diese Szenen sind deutlich nicht vor Ort entstanden und wirken daher eher kontraproduktiv. Sie machen es außerdem erforderlich, viele Filmminuten auf die Reise nach Spanien zu verwenden, wo die Handlung eigentlich spielt.

So trifft der wahre Fluch der Schwester Ursula ungerecht den unschuldigen Zuschauer. Dessen Unzufriedenheit speist sich freilich nicht nur aus den zahlreichen Schwächen dieses Films, sondern auch aus der Frustration darüber, dass die gelungenen Passagen ein anspruchsarmes aber echtes Vergnügen versprechen, ehe der nächste Bock geschossen wird. Blendet man den Kopf zugunsten des Bauches aus, sorgt „The Nun“ Zerstreuung. Das schafft ein Liter Bockbier allerdings auch – und schneller.

DVD-Features

In ihrer Existenz registriert aber nicht zur Kenntnis genommen wurden folgende Extras: „Making of“, Originaltrailer, Werbespots, Blick hinter die Kulissen, Bildergalerie.

[md]

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