The Open Door
Evil Stalks the Innocent

Originaltitel: The Open Door (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: Ronald „Doc“ Duhame
Kamera u. Schnitt: Gregory Hobson
Musik: Robert Irving
Darsteller: Catherine Georges (Angelica), Sarah Christine Smith (Staci), Ryan Doom (Owen), Daniel Booko (Spike), Mike Dunay (Brad), Guy Wilson (Jerry), Jacob Head (Jimmy), Ian Kitzmiller (Scott), Jessica Anne Osekowsky (Heather), Kate Enggren (Angelicas Mutter), Clint Carmichael (Angelicas Vater) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 03.12.2010 (Leih-DVD) bzw. 14.01.2011 (Kauf-DVD)
EAN: 4260191250127 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1 : 1,78 anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

In einer gesichtslosen Kleinstadt irgendwo in der US-Provinz steigt die Party des Jahres. Alle angesagten Teenager und ihre Lakaien drehen wild am Rad, um sich auf einen Abend des Dünnbier-Saufens, Dünnsinn-Brüllens und ‚Herummachens‘ (sic!) vorzubereiten.

Die liebliche Angelica will sich endlich vom süßen Brad pflücken lassen. Leider hat sie bei der letzten Feier allzu ausgiebig über den Zapfen geschlagen, sodass Vater (lieb aber schwach) und Mutter (spaßbremsig streng) sie unter Hausarrest gestellt haben. Sogar Busenfreundin Staci gelingt es nicht, die gehorsame Angelica aus dem Haus zu locken. Mit ihrem hoch angesehenen Lover Owen und seinen geistig so tief wie möglich gelegten Kumpels will sie ihr nach der Party einen Trostbesuch abstatten.

Angelica ist sauer, was sie empfänglich für die Verlockungen des Bösen macht: Satan parkt seinen schrottreifen Van auf einem Hügel über der Stadt und fährt seinen transportablen Piratensender (Frequenz 99,9 MHz – ergibt umgedreht 666 = die Zahl des Tiers!) hoch. Dann wartet er auf Hohlköpfe, die per Telefon über strenge Eltern, lästige Freunde u. a. Elende der Teenie-Welt jammern, schließt einen Pakt mit ihnen und schickt anschließend einen Dämonen aus, der sich der geschilderten Probleme mit teuflischer Effizienz annimmt.

Dies führt in unserem Fall zu lautem Gepolter auf dem Dachboden, huschenden Schatten im darunterliegenden Wohnbereich und aufdringlich anschwellendem Musikgetöse, sobald Unheimliches geschieht. Als sich der Dämon wie beschrieben warmgespukt hat, killt er Angelicas aushäusige Eltern und ist rechtzeitig zurück, um Owen, seine dämlichen Kumpane, den Dope-Dödel Jerry, Staci, Brad sowie die just silikonbusenverstärkte Heather in die blutigen Arme zu schließen …

Satan kann gar nicht genug Hollywood-Teenies ausrotten!

2008 L.A. Shriekfest Film Festival; 2009 Horror UK’s 28 Hours Later Film Festival; 2009 Nevada Film Festival; 2009 Big Bear Horror Film Festival: US-Amerika benötigt dringend Hilfe! Wie sonst ließe sich erklären, dass eines der dümmsten, langweiligsten und ärgerlichsten Horror-Filmchen des an dummen, langweiligen und ärgerlichen Genre-Streifen ohnehin nicht armen Jahres (oder Jahrzehnts) auf den genannten Festivals mit allerlei Preisen ausgezeichnet wurde? Wird dort während der Vorstellungen Freibier ausgeschenkt? Oder Cannabis-Rauch eingeblasen? Bildet etwa – entsetzliche Vorstellung! – das filmisch porträtierte Jungvolk das reale und darüber begeisterte Zielpublikum adäquat ab? Dann wäre der oft prognostizierte Untergang des Abendlandes in der Tat weit vorangeschritten!

Wo soll man mit der Kritik einsetzen? Die Story bietet normalerweise dem Rezensenten das beste Medium zum Einhaken. Mit „The Open Door“ stürzt Regisseur und Drehbuchautor „Doc“ Duhame (dem man selbst den Spitznamen aufgrund dreister Titelanmaßung entziehen sollte) eine Boy/Girl-Gruppe in die Abgründe der US-amerikanischen Jugendkultur. Zäh verrinnt die Zeit, während der Zuschauer gelangweilt das hektische Treiben ausnahmslos abstoßender Kotzbrocken verfolgt, deren 0,5-IQs ausschließlich um die „Party der Woche“ kreisen. Brünstige Machos und schlangenhafte Zicken, geschurigelte Nerds und gedemütigte Außenseiter, edler Traumprinz und braves Mädchen: Hier sind sie in vollständiger Abarbeitung einschlägiger Klischees traulich vereint.

Ein in seinem Job erstklassiger Teufel würde sie genau dort lassen, wo sie bereits rettungslos gefangen sind: in der Teenie-Hölle. Aber damit hätte die Geschichte – schön wär’s – bereits ihr Ende gefunden. Immerhin setzt Satan schlau am schwächsten Glied der schmierigen Kette an. In einem Moment moralischer Schwäche listet die brave Angelica die schmachvollen Beschränkungen auf, denen ein junger Mensch ausgesetzt ist. Da muss doch endlich einmal der Teufel dreinschlagen!

Zehn kleine Bälgerlein …

Nun gut, Angelicas Eltern müssen mitgezählt werden, um auf die genannte Gesamtzahl derer zu kommen, die letztlich auf der Strecke bleiben. Das geht aber in Ordnung, da das Durchschnittsalter der darstellenden „Teenies“ mindestens 25 Jahre beträgt. Dank „Doc“ Duhame können wir sie alle so gut leiden wie Hämorrhoiden und freuen uns darauf, sie möglichst detailfroh abgeschlachtet zu sehen. Der damit beauftragte Dämon bedient sich einer funkähnlichen Technik; er fährt unsichtbar in die Körper seiner Opfer, deren Augen sich dabei unheilvoll (und kostengünstig) verschleiern. Manchmal verwandeln sie sich auch in Zombies; legen wir es nicht dem Drehbuchautoren, sondern der Unentschlossenheit notorisch disziplinloser Dämonen zur Last. Auf jeden Fall gehen sie würgend, stechend oder mit der Heckenschere klappernd zum Angriff über.

Während die Nachbarschaft das auf dem nächtlichen Grundstück ausbrechende Toben & Schreien souverän ignoriert, springt Satans Bote im Haus von Hohlkopf zu Hohlkopf. Da Angelica ihren Part des Teufelspaktes etwas verschwommen formulierte, gerät auch sie auf die Abschussliste. Wie jeder gute US-Bürger mutiert sie in der Krise zur Kampfmaschine. Dämonisch besessene Freunde werden kurzerhand niedergeknüppelt oder abgefackelt. Während das Haus dröhnt und schwankt, bleibt aber genug Zeit für ein Intermezzo: Jimmy kann Angelica endlich begreiflich machen, dass er sie und nur sie liebt. Als das geklärt ist, können Mordspuk und Morde weitergehen.

Wozu Logik, wenn es Action gibt …?

Auf diese Weise holpert und schlingert die Handlung ohne Rhythmus und Timing voran. Überraschungen ergeben sich höchstens aus der Frage, welche schwachsinnigen Reaktionen das Drehbuch den Darstellern wohl jetzt wieder aufzwingt. Nur in dieser Hinsicht legt Duhame jenen Einfallsreichtum an den Tag, den er besser seinem Film hätte angedeihen lassen.

Ein Rezensent sollte objektiv bleiben, aber es gibt Prüfungen, die eines Menschen Kraft übersteigen. Also sei hier zumindest die Frage gestellt, ob es einen Zusammenhang zwischen Duhames Leistungen als Regisseur/Autor und seiner beruflichen Vorgeschichte geben könnte: Bevor er sich mit „The Open Door“ in der genannten Doppelfunktion versuchte, arbeitete Duhame dreißig Jahre als Stuntman und Stunt-Koordinator; eine Tätigkeit, die er – kluger Mann! – auch weiterhin ausübt.

Dieser Werdegang böte sich jedenfalls als Erklärung an, wieso Duhame immer dann, wenn die Handlung endgültig zum Stillstand kommt, eine Prügelei oder den Killer-Dämon losbrechen lässt. Das weckt zwar den Zuschauer, bringt aber diesen Film auch nicht auf Touren.

Hellraiser: Darsteller als des Teufels Brut

Nicht nur der resigniert vor dem Bildschirm dämmernde Rezensent hat schnell begriffen, dass diesem Film auch eine wirklich gute Story nicht helfen könnte. Duhame hat dem durch die Auswahl seiner Darsteller erfolgreich einen Riegel vorgeschoben. Man wird lange suchen müssen (aber nicht wollen), um andere Jung-Männer und -Frauen zu finden, die so beschämend spielen, dass sie nichts als einen grässlichen Tod verdienen!

Das hohe Alter der angeblichen „Teenies“ fand bereits Erwähnung. Wenn definitiv erwachsene Menschen sich betont jugendlich geben, wird es unweigerlich peinlich. Ein drastisches Beispiel gibt Ian Kitzmiller als manisches Party-Tier mit galoppierendem Haarausfall. Grandios grausig wird er getoppt vom millimeterflachstirnigen Daniel Booko, dessen evolutionärer Aufstieg zum Homo sapiens zumindest in seiner Rolle als Spike ernste Fragen aufwirft. So dicht beieinander stehende, tückische Augen habe ich bisher nur bei den rüpelhaften Schweinen aus der TV-Serie „Shaun das Schaf“ gesehen – und die sind aus Knetgummi!

Sarah Christine Smith, die als Ex-Mitglied der kurzlebigen Girlie-Band „Nobody’s Angel“ u. a. für den Soundtrack des Zeichentrick-Schreckens „Pokémon: The Movie 2000“ mitverantwortlich zeichnet, wirkt beängstigend überzeugend in der Rolle der diabolisch verschminkten, neureichen Intriganten-Schlampe Staci. Ähnlich abstoßend mimt Guy Wilson den Speichellecker Jerry, der sich der Tyrannei des Neandertalers Spike („Wenn ich deine Meinung hören will, prügle ich sie aus dir heraus“) ehrfürchtig unterwirft; ein für allemal macht er deutlich, dass Streber, Brillenschlangen, Schachclub-Mitglieder u. a. Nerd-Gesindel völlig zu Recht mit Arschtritten malträtiert wird. Jessica Anne Osekowsky verweigert dem Publikum den Anblick ihrer teuer gelifteten Goodies. (Nebenbei: Wieso ist „The Open Door“ erst ab 18 Jahren freigeben? An den miesen Spezialeffekten in den Metzel-Szenen kann es nicht liegen!) Stattdessen simuliert sie Panik, indem sie lallt, singt und sich dabei schminkt, während der Dämon ihre Gefährten abmurkst. Und Catherine Georges demonstriert 90 Minuten, dass eine Frau sehr schön aber trotzdem eine schauerliche Nervensäge sein kann. Für die Hauptdarstellerin ist das keine Empfehlung aber eine Erklärung dafür, dass sie als Beau nur einen Langweiler wie Brad finden kann.

Als Satan bei Sonnenaufgang seine Antennen einfährt, hat er grundsätzlich Mist gebaut: Statt gute Seelen zu verführen, hat er die Welt von zehn in jeder Hinsicht überflüssigen Zeitgenossen befreit. Insofern seien ihm bei der Fortsetzung dieses segensreichen Werkes beide Daumen gedrückt sowie die Empfehlung ausgesprochen, möglichst bald dort zu senden, wo „Doc“ Duhame sich niedergelassen hat. Das Publikum dieses Films wird es ihm danken.

Satan lischpelt …

Ist „The Open Door“ als Film-Original schon übel genug, so wird ihm in Deutschland gnadenlos der Rest gegeben. Wie es scheint, gibt es nicht nur Pseudo-Dokumentationen („scripted realities“), in denen unbegabte und hässliche Laien-Darsteller schlecht bezahlt ihren Affen Zucker geben, sondern auch Pseudo-Synchronsprecher, die ähnliches Unheil anrichten. Die echten Vertreter dieser Zunft erfassen die Stimmung der Film-Vorlage. Für „The Open Door“ wurden ausschließlich Laien-Sprecher angeheuert, die höchstens Worte in korrekter Reihenfolge vom Blatt ablesen können. Sie verstehen nichts von Betonung oder Aussprache, sondern ölen & nölen & quetschen & knödeln, bis sie nicht nur dem Film den Garaus gemacht, sondern auch ihr Publikum zum Schreien und in Mordstimmung gebracht haben.

Die Krone setzt dem der Sprecher des Satans auf: Dieser sollte sicherlich charismatisch und verführerisch überkommen. Leider torpediert der deutsche Satan dies durch sein unüberhörbares Lispeln. Statt auf seine Worte zu lauschen, konzentriert man sich auf diesen Sprachfehler und wird dadurch endgültig in den Wahnsinn getrieben. Die einzige Rettung bietet ein Umschalten zum O-Text. Glücklicherweise äußern sich die Darsteller in Phrasen, die auch der des Englischen nur ansatzweise mächtige Zuschauer versteht. Zudem lassen sich die Dialoge gänzlich ignorieren, da sie das Verständnis des Geschehens nicht unbedingt fördern, sondern ob ihrer Plattheit den Blutdruck des Publikums kollektiv in ungesunde Höhen treiben.

DVD-Features

Zum Abschluss eine gute Nachricht: Auf jegliches Beiwerk zum Hauptfilm wurde verzichtet. Wer sich dennoch vorgaukeln lassen möchte, dass „The Open Door“ als DVD-Scheibe nicht nur dafür taugt, in Obstbäume gehängt zu werden, um Krähen u. a. hungriges Vogelvolk durch bunte Lichtreflexe abzuschrecken, sei auf diese Website hingewiesen.

[md]

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