Tatort-Reinigerin June wird offenbar vom Geist des berüchtigten „Judas“-Killer verfolgt oder sogar besessen; außerdem sitzen ihr ein misstrauischer (aber verdächtiger) FBI-Agent und ihr überfürsorglicher Verlobter im Nacken … – Klischee-Handlung, Flach-Figuren, geistesabwesende Darsteller: als ‚Fortsetzung‘ des spannenden Originalfilms ein (schlapper) Schlag ins Zuschauergesicht.

Das geschieht:

In Kalifornien, geht die Angst um: Obwohl Charles Barlow, der „Judas“-Killer, vor einigen Jahren in Notwehr von seiner Nichte erschossen wurde, findet die Polizei erneut nach bekanntem Muster grässlich zugerichtete Leichen. Lieutenant Carver von der Mordkommission wird von ihren Vorgesetzten und den Medien gleichermaßen unter Druck gesetzt. Deshalb reagiert sie keineswegs erfreut, als FBI-Agent Ballard die Ermittlungen nicht nur unterstützt, sondern an sich reißt: Ihm war es einst nicht gelungen, „Judas“ das Handwerk zu legen – eine Schlappe, die sich auf keinen Fall wiederholen soll, hat Ballard geschworen!

Der gleichermaßen geniale wie exzentrische Ermittler taucht gern dort auf, wo die Polizei offiziell keinen Verdacht hegt. Deshalb lernt auch June Abbott den FBI-Mann kennen. Die junge Frau zeichnet an einem Comic-Thriller. Tagsüber verdient sie Geld als Tatort-Reinigerin. Auch den aktuellen ‚Arbeitsplatz‘ des ‚neuen‘ „Judas“-Killers lernt sie auf diese Weise kennen. Sie war vorgewarnt, denn Jung-Polizist Daniel Meyer, der dort die Indizien sichern half, ist ihr Lebensgefährte.

Seltsame Erscheinungen beginnen June wenig später zu erschrecken. Der Schatten eines schrecklich dürren Mannes erscheint an der Wand. Bald werden die Manifestationen handfester. Dass der Geist von Charles Barlow sie verfolgt, ist keine ‚Erklärung‘, mit der June vor allem Ballard konfrontieren möchte, der ein seltsames Interesse an ihrer Person zu hegen beginnt. Stattdessen beginnt June selbst zu recherchieren.

Bereits die Sichtung der eigenen Familienfotos fördert Aufschlussreiches zutage: Junes durch Mord geendete Mutter war offensichtlich sehr vertraut mit Charles Barlow. Es zeichnet sich eine Abstammungslinie ab, die June außerordentlich missfällt. Um Erkenntnislücken zu füllen und eventuelle Abwehrmaßnahmen gegen den Geist zu entwickeln, wendet sich June hilfesuchend an die einzige Person, die „Judas“ jemals erfolgreich trotzen konnte: Annie, seine Nichte …

Hektisches Rühren in abgestandenem Blut

„The Pact“, gedreht 2012, verlief spannend und endete logisch: Der keineswegs tote oder gar als Geist spukende „Judas“ entpuppte sich als Onkel der Hauptfigur, den eine Schwester aus einem seltsamen Verständnis von Familiensinn heraus im Haus verborgen gehalten hatte. In jahrelanger Abgeschiedenheit endgültig dem Wahnsinn verfallen, war Onkel Charles nach dem Tod besagter Schwester aus seinem Versteck gekrochen, um diversen Pechvögeln, die es erbfallbedingt in das Haus verschlagen hatte, die Lebenslichter auszublasen. Auch Nichte Annie stand auf seiner Liste, doch sie war ihm eine Pistolenlauflänge voraus.

Charles wurde unbeweint zu Grabe getragen. Dort hätte er besser in Frieden geruht, doch da „The Pact“ bei geringen Produktionskosten ein erkleckliches Geldsümmchen eingespielt hatte, wurde er von Dallas Richard Hallam und Patrick Horvath wieder exhumiert. Nach einem tieferen, d. h. aus der Geschichte selbst geborenen Sinn frage man besser nicht – es gibt ihn nicht. Die Story von Charles und Annie Barlow hatte ihr konsequentes Ende gefunden.

Tatsächlich besteht die einzige Verbindung zwischen „The Pact“ und „The Pact 2“ zunächst aus einer Mordserie, deren Verursacher seine Opfer gruselig zermetzelt. Wieso dies auf den „Judas“-Mörder hinweist, der Frauen die Köpfe abschnitt und sammelte, bleibt das Geheimnis der ermittelnden Beamten. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls so offensichtlich, dass ein Trittbrettfahrer vermutet wird, der sich im blutigen Ruhm des prominenten Vorgängers sonnen will.

(ACHTUNG: An dieser Stelle folgt ein kleiner aber für diese kritischen Worte unabdingbarer Spoiler: Die Polizei hat völlig recht. Es ist tatsächlich ein Nachahmungstäter am Werk. Charles Barlow ist unschuldig, da er wirklich in seinem Grab liegt.)

Die Show muss irgendwie weitergehen

Woher kommt also dieser Untertitel zustande? „Es ist noch nicht vorbei“, heißt es auf dem Cover unheilverkündend. In der Tat lässt sich Charles bald wieder blicken. Erst wirft er seinen unverwechselbaren Schatten an diverse Wände, dann taucht er persönlich auf – scheinbar, denn „Judas“ ist dieses Mal nur eine körperlose Projektion, die der eigentliche Unhold als Vision oder Albtraum aufleben lässt.

Charles Barlow wird als reiner Popanz in die Handlung gezerrt. Das hat er nicht verdient. Immerhin ergeht es ihm besser als der neuen weiblichen Hauptfigur. June Abbott wird zum Bindeglied zwischen „Judas“ und dem echten Mörder. Der hat herausgefunden, was nicht einmal ihr selbst – geschweige denn der Polizei, dem FBI und sämtlichen sonstigen kriminalistischen ‚Fachleuten‘ – bewusst war: Auch June ist mit Charles Barlow verwandt!

Die Als-ob-Logik dieses Films, den Hallam & Horvath nicht nur inszeniert, sondern auch geschrieben haben, lässt sie deshalb ins Visier der „Judas“-Mörder geraten – des alten wie des neuen. Ergibt das Sinn? Natürlich nicht, aber es ist eine Ausrede dafür, dass Charles nunmehr hinter June herzujagen scheint.

Wie es sich in einem Thriller dieser Magerquarkstufe gehört, vertraut sich die Heldin niemandem an, sondern beginnt selbst zu ermitteln. Da sich sämtliche Personen in ihrem Umfeld wie Idioten aufführen, wirkt diese Reaktion sogar verständlich. Vor allem FBI-Agent Ballard ist eine Witzfigur. Nicht Ermittlerarbeit, sondern Geistesblitze lenken sein Handeln. Was ihn unberechenbar und letztlich sogar verdächtig wirken lassen soll, macht ihn nur erratisch. Selbst der gutwilligste Zuschauer dürfte irgendwann den Versuch aufgeben, hinter Ballards springteufelhaften Auftauchen und Verschwinden einen Sinn zu entdecken. Anscheinend macht er sich vor allem dann bemerkbar, wenn Hallam & Horvath gar keine Ahnung mehr hatten, wie das Geschehen weitergehen sollte.

Filmische Resteverwertung

Vordergründig, abschweifend, bedeutungsschwanger aber leer: „The Pact 2“ ist das negative Spiegelbild des Vorgängerfilms. Das Wüten des ‚neuen‘ „Judas“-Mörders wird erneut von einer Schnitzeljagd begleitet. Dieses Mal sucht June nach ihrer Verbindung zum Barlow-Clan. Damit ist der Moment gekommen, in dem Hallam & Horvath ihr Glas mit sorgsam eingeweckten Resten des ersten Films öffnen: June sucht und findet den Kontakt zu Annie Barlow, die abermals von Caity Lotz gespielt wird.

Wie es Hallam & Horvath gelingen konnte, sie zurück in ihre Rolle zu locken, bleibt rätselhaft. Es gibt in der Handlung keine echte Funktion für Annie. Lotz hat dies offenbar schnell herausgefunden, weshalb sie ihren Job erledigt, bis sie – ebenfalls grundlos und nur dem Schockeffekt geschuldet – umgebracht wird.

Zuvor lässt sich sogar die blinde Seherin Stevie – wieder Haley Hudson – für einen gänzlich sinnfreien Sekundenauftritt blicken. Eine ominöse Warnung später ist auch sie aus dem Geschehen verschwunden. Die Rest-Recherche schafft June allein, was ihr Hallam & Horvath mit einem kreuzdämlichen Showdown schlecht danken: Der Schurke enthüllt sich als bisher unverdächtigste Figur des Geschehens; jedenfalls denken die Drehbuchautoren so. Die Zuschauer fassen sich entgeistert an die Köpfe, als sie mit einem todernst servierten Klischee-Buhmann abgespeist werden. Es hilft nicht, dass sich der dafür eingeteilte Darsteller in seiner Rolle bisher demonstrativ trantütig aufgeführt hatte. Er war zu erfolgreich, denn auch nach seiner dramatischen Wiedergeburt als gemeingefährlicher Irrer bleibt er ein Trottel.

Wie man ein Franchise im Keim erstickt

„The Pact 2“ ist inhaltlich eine Zumutung und formal höchstens durchschnittlich. Die uninspirierten oder disziplinarm überzeichneten Darstellungen werden besonders deutlich, wenn man Caity Lotz beobachtet. Den ersten Teil hat sie jederzeit beherrscht, wobei sie von ähnlich fähigen Schauspielern unterstützt wurde. Hier ist sie höchstens anwesend. Patrick Fischler gibt dem Schauspielaffen Zucker, bis dieser Klamauk kotzt. Camilla Luddington hat als Annie-Barlow-Abziehbild keine Chance, ein eigenes Profil zu entwickeln. Mark Steger wird in der „Judas“-Rolle verheizt. Die anderen Darsteller nimmt man undeutlich wahr, um sie sogleich zu vergessen.

Wo Nicholas McCarthy, Autor und Regisseur von „The Pact“, durch unerwartete Wendungen und ein durchweg hohes Tempo überraschte und fesselte, verheddern sich Hallam & Horvath in plump gelegten Falschfährten. Auch sonst treiben sie die Handlung auf manches tote Nebengleis. Der ‚Spuk‘ beschränkt sich auf Geisterbahn-Effekte. Spannung sieht definitiv anders aus.

Wundert sich noch jemand, dass ein zweiter Pakt an keiner Stelle Erwähnung findet? Es gibt ihn auch nicht; der Titel soll sich dem ersten Teil andienen, obwohl der wie gesagt kein echtes Handlungsfundament liefert. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, und in Hollywood wird sie nötigenfalls durch Dreistigkeit ersetzt: Wenn „The Pact 2“ sich (endlich) dem Abspann nähert, kommt wie erwartet der ‚überraschende‘ Last-Minute-Twist: Charles Barlow taucht plötzlich wieder auf – als ‚echter‘ Geist, der bereit ist für „The Pact 3“!

Wir Zuschauer haben es in der Hand, ob es soweit kommen muss. Bisher stehen die Chancen gut und gegen eine weitere Fortsetzung: „The Pact 2“ hat wirklich niemandem gefallen – den Zuschauern nicht und den Kritikern erst recht nicht! Bis auf weiteres ist der „Pact“-Stoff verbrannt. Es bleibt abzuwarten, wie lang das Gedächtnis des geschädigten Publikums reicht. Dieser Rezensent wird jedenfalls wachsam bleiben!

DVD-Features

Die Extras lassen sich wie so oft problemlos ignorieren. Es gibt einen Original- und einen deutschen Trailer, die recht ungeschickt spannenden Horror versprechen. Dann lassen sich drei zweiminütige (!) Filmchen anwählen, in denen die Schauspielerinnen Caity Lotz und Camilla Luddington sich Lobreden auf diesen Film aus dem Hirn zwingen, weil sie auch dafür unterschrieben haben. Die Regisseure Hallam & Horvath versuchen Schadensbegrenzung oder lügen sich selbst in die Taschen, wenn sie von ihrer Liebe zum Horror-Genre schwärmen, dem sie hier Ausdruck verleihen durften. Ein Fehler war die Featurette „Entstehung einer Fortsetzung“, da hier die Fadenscheinigkeit des Drehbuches, das Teil 1 höchstens variiert, peinlich deutlich wird.

Laufzeitlängstes Extra ist ein „Making of“, das sich gefühlt endlos zieht, während werbetaugliche Phrasen gedroschen werden. Hin und wieder sieht man die Beteiligten vor und hinter der Kamera, doch der Informationsgehalt hält sich insgesamt ebenso wie der Unterhaltungsfaktor des Hauptfilms in engen Grenzen.

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The Pact 2 – Es ist noch nicht vorbei
Originaltitel: The Pact 2 (USA 2014)
Regie u. Drehbuch: Dallas Richard Hallam u. Patrick Horvath
Kamera: Carmen Cabana
Schnitt: Saul Herckis
Musik: Carl Sondrol
Darsteller: Camilla Luddington (June Abbott), Scott Michael Foster (Daniel Meyer), Patrick Fischler (FBI-Agent Ballard), Caity Lotz (Annie Barlow), Mark Steger (Charles „Judas“ Barlow), Haley Hudson (Stevie), Nicki Micheaux (Lt. Eileen Carver), Suziey Block (Ellie Ford), Joshua Grote (Snyder), Trent Haaga (Pink-Room-Rezeptionist) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 02.01.2015 (Single-DVD/The Pact 1 u. 2/DVD- u. Blu-ray-Box)
EAN: 7613059804401 (DVD)/7613059404403 (Blu-ray)/7613059805453 (The Pact 1 u. 2/DVD-Box)/7613059405455 (The Pact 1 u. 2/Blu-ray-Box)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)
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Titel bei Amazon.de (The Pact 1 u. 2/DVD-Box)
Titel bei Amazon.de (The Pact 1 u. 2/Blu-ray-Box)

The Pact

Havenhurst – Evil Lives Here

The Darkness – Evil Comes Home

Dead Awake – Wenn du einschläfst bist du tot