Fünf (sensations-) geile Hohlköpfe wollen ein Grusel-Wochenende im Redwood-Haus verbringen, wo vor zwanzig Jahren der Hausherr seine Familie meuchelte; mit einem Sack über dem Kopf halten er oder ein ähnlich irrer Killer weiterhin Ausschau nach Opfern … – Was wohl eine Hommage an den klassischen Slasher-Film der 1980er Jahre sein soll, greift ausschließlich dessen Negativ-Elemente auf, wobei ein talentfreier „total filmmaker“ und seine linkischen ‚Darsteller‘ Hand in Hand arbeiten: kein Film, sondern eine Frechheit!

Das geschieht:

Vor zwanzig Jahren hat der Besitzer der Redwood-Farm Stimmen in seinem Kopf gehört, die ihn dazu trieben, seine Familie nicht nur abzuschlachten, sondern auch aufzufressen. Die Polizei fand ihn und die Opfer später tot; nur die Leiche des Sohnes blieb spurlos verschwunden. Seither soll es im Redwood-Haus umgehen, was es für die Fans schauerlicher Verbrechen zum beliebten Pilgerziel erhebt.

Leider liegt das Haus einsam irgendwo im schottischen Wald und kann heute nur noch zu Fuß erreicht werden. Pamela, Bruce, Kirsty, Jessica und Mark, fünf typische Horrorfilm-Idioten, die sich ihr IQ-flaches Kollektivhirn noch mit vielen anderen Hohlköpfen teilen müssen, lassen sich trotzdem nicht abschrecken. Zum Jubiläumstag der Morde wollen sie ein aufregendes Wochenende im Redwood-Haus verbringen!

Bis sie es erreichen, haben sie sich allerdings hoffnungslos zerstritten. Sie sind nicht nur dumm, sondern können auch einander nicht leiden, was für jene Ablenkung sorgt, die ein unheimlicher Beobachter zu nutzen weiß: Durch das Gehölz um das Redwood-Haus schleicht ein klobiger Geselle im Holzfällerhemd; das Gesicht tarnt die Sackmaske einer Vogelscheuche. Wer in ihm trotzdem nicht umgehend einen wahnsinnigen Killer erkennt, wird durch die gewaltige Axt eines Schlechteren belehrt, denn besagter Strolch lässt sie mit Vergnügen auf seine Opfer niedersausen.

Dümmling Bruce geht ihm zuerst in die Falle, doch es dauert nur kurze Zeit, bis er im geräumigen Folter- und Metzel-Keller unter dem Redwood-Haus Gesellschaft bekommt. Nur Trampeltier Pamela und Zicke Jessica bleiben zurück. Sie irren durch den Wald, bis sie ein ungnädiges Schicksal genau dorthin lenkt, wo sie das Sackgesicht in Empfang nimmt, das in seinem Schlupfwinkel auf eine breitere Palette scharfgeschliffener Mordinstrumente zurückgreifen kann. Eine wilde, weitgehend planlose Flucht beginnt, die stets in düstere Winkel und Sackgassen führt …

Sünden der Vergangenheit

Nostalgie ist ein Gefühl, das diejenigen, die es empfinden, auf die Schneide eines zusätzlich schräggehaltenen Rasiermessers lockt: Auch echter Mist, der von den Zeitgenossen als solcher erkannt und verdammt wurde, kann sich in Gold verwandeln, wenn und weil er mit bittersüßen aber nur noch bedingt korrekten Erinnerungen an lange vergangene, im Alter vermisste Jugendjahre verknüpft wird.

Es müssen keine hehren Gefühle sein, die solches in Gang setzen. Auch und gerade der Bauch ist verantwortlich für Emotionseruptionen. Der süße Duft der Rebellion ist ein zuverlässiger Auslöser. Die Jugend rebelliert irgendwie immer, wobei der Anlass nicht zwangsläufig der Umsturz eines Gewaltregimes sein muss. Auch der Aufstand gegen Eltern, Lehrer u. a. Respektspersonen will geübt werden. Dazu gehört seit jeher die Liebe zu allem, was jene ablehnen. Je energischer der Gegenwind ist, desto wichtiger wird der Widerstand.

Vor allem in den 1980er Jahren war es schick, sich an Filmen zu erfreuen, die als Schauwerte vor allem offensive Gewalt und nackte Haut boten. Der „Splatter“ wurde zum Freizeitspaß, wobei sich einschlägige Genreregeln rasch entwickelten. In der Regel geriet eine Gruppe intellektuell eher lethargischer aber sexuell manisch aktiver Jugendlicher in die Gewalt eines meist maskierten und heftig gestörten Killers, der sie nach und nach abschlachtete, was von der Kamera dokumentarisch dargestellt und vom Publikum bejubelt wurde: Es war geschmacklos, es war politisch unkorrekt, es wurde vor allem bald verboten, und deshalb war es gut.

Dummheiten der Gegenwart

Obwohl schnappatmende Tugendwächter und Zensoren zum Wohle der Zivilisation dem Splatter bald und letztlich erfolgreich den Kampf ansagten und das Genre sich außerdem selbst demontierte, blieb es in einer Nische einerseits präsent, während sich andererseits dank wehmütiger (und rechtschreibfähiger) Horrorfans die Erinnerung an eine (kurze) Zeit erhielt, in der moderne Mythen wie „Freitag der 13te“, „Nightmare on Elm Street“ oder gar „Texas Chainsaw Massacre“ entstanden und zumindest im Kino ungekürzt goutiert werden konnten.

Im 21. Jahrhundert schnetzeln leider vor allem Anfänger und Stümper. Sie glauben ernsthaft, es sei ausreichend, die Stilmittel der Splatter-Vergangenheit einfach aufzugreifen, nachdem sie über viele Jahre über die Spitze hinaus und nach Ansicht der wahren Fans klamaukig verwässert wurden. David Ryan Keith ist kein Anfänger mehr; ein Stümper ist er geblieben. Sehr wenige Zuschauer dürften sein Langfilm-Debüt kennen: „Attack of the (Nazi) Herbals“ schilderte 2011 die späten Nachwirkungen eines Labor-Krauts, mit dem die Nazi-Krauts im Zweiten Weltkrieg Super-Krieger schaffen wollten; stattdessen kamen Mord-Zombies dabei heraus, die nach Ryans Willen in Schottland neu erstanden.

Schon dieses krude Machwerk setzte Ryan als Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Cutter in Personalunion in die Filmwelt, und für die Musik zeichnete ebenfalls Leah Kardos verantwortlich. Die Antwort auf die Frage, wer von den beiden unfähiger ist, fiel bereits damals schwer; die Entscheidung wurde endgültig unmöglich, sobald man die ‚Schauspieler‘ in die Gleichung einbezog. Nach „The Redwood Massacre“ herrscht indes in einem Punkt absolute Klarheit: Es gibt weder Schau- noch andere Werte in einem Film, den David Ryan Smith verbricht!

Gruselkabinett der Anti-Unterhaltung

Bei 50000 englischen Pfund lag laut imdb.com das ‚Budget‘. Was hat Keith mit dem Geld gemacht? Kosten dürften kaum angefallen sein. Mit seiner Crew und den Darstellern zog Keith in die schottische Grafschaft Aberdeenshire. Dort dienten ein ohnehin vorhandener Wald und einige Bauernhof-Ruinen als ‚Kulissen‘. Da die ‚Schauspieler‘ dem Regisseur eigentlich Geld gezahlt haben müssten, um als solche vor die Kamera treten zu dürfen – dazu weiter unten mehr -, blieben als Kostenfaktor nur die Produzenten künstlichen Filmbluts, an dem Keith in der Tat niemals spart.

Was mag dieser Mann sehen, wenn er sich anschaut, was er gedreht hat? Man muss eine Art Ed-Wood-Effekt vermuten: Keith sieht nicht den Müll, den er fabriziert hat, sondern vor seinem geistigen Auge den Film, den er drehen wollte. Nur so ist zu erklären, dass er es gewagt hat, das Ergebnis nicht nur unter seinem Namen, sondern auch öffentlich zu präsentieren.

Die Story ist karg, was im Splatter-Genre kein gravierendes Hindernis ist. In der Umsetzung und hier in der Darstellung der Morde liegt die Unterhaltung. Das hat Keith gleichzeitig verstanden und ignoriert. Selbst wenn er viel Zeit darauf verwendet, das Sterben seiner Protagonisten in Szene zu setzen, will sich das verbotene Vergnügen beim Zuschauer nie einstellen. Wen wundert’s, da Keith sich auf die Kunst der finalblutigen Verfolgung nicht einmal ansatzweise versteht, sondern höchstens in der Schöpfung einer Anti-Ikone – gemeint ist der Killer-Farmer, der unmaskiert in einer Rückblende fatal an Luciano Pavarotti selig erinnert – brilliert.

Tatsächlich hat er gar keine Ahnung, wie man einen Film strukturiert und timt, um zur Handlung die notwendige Stimmung zu schaffen. Das überlässt er seiner Komponistin Leah Kardos, die davon überzeugt ist, durch gehörnervzersetzendes Geschrammel die vom Regisseur herausgeforderten Emotionen heraufzubeschwören. Stattdessen hasst man dieses aufdringliche Gedröhn beinahe ebenso wie die von sämtlichen Musen verlassenen Darsteller.

Holzklotz-Mimen unter sich

Filme, in denen wirklich jeder Darsteller eine Zumutung ist, sind glücklicherweise selten. Meist gibt es selbst im tiefsten Mistbeet eine Rose, deren Duft dem Zuschauer die Zeit bis zum Finale überstehen hilft. Allerdings können die Unglücksvögel, die vor der Keith-Kamera gelandet sind, die Schuld glaubhaft auf ihren Drehbuchautor schieben. Für „The Redwood Massacre“ schwebte Keith offenbar ein Ensemble aus Widerlingen vor, die das Publikum gern schrecklich sterben sieht. In diesem Punkt ist die Rechnung aufgegangen: Selbst der friedfertigste Zuschauer dürfte sich dabei überraschen, vor Freude und Genugtuung zu jubeln, wenn beispielsweise der Redwood-Killer der doch als Heldin gedachten Pamela buchstäblich die Schnauze poliert; er erledigt einen Job, den wir schon lange und gern übernommen hätten!

Muss deshalb ausgeführt werden, wie widerlich die vier anderen ‚Jugendlichen‘ wirken? Dies gilt in der deutschen Fassung erst recht, da keine echten Synchronsprecher, sondern wieder einmal Quetschie, Nöhlie, Quietschie & ihre stimmbandzerfressenen Kumpane angeheuert wurden. Sie reden dummes Zeug, zanken sich und reagieren – immerhin rollenkonform, d. h. wie Vollidioten, wenn es darum geht, dem Killer Paroli zu bieten. Der tut rasch nicht einmal so, als wolle er sich verstecken. Wieso auch, wenn sich sein Opfer selbst bewaffnet nicht in seine Nähe trauen oder – Keith liebt diese Konstellation – greinend aber regungslos darauf warten gepackt zu werden.

Dämlicher benimmt sich höchstens der „Jäger“, ein verbitterter Vater auf dem Kriegspfad, weil der Killer seine Tochter gefressen hat. Seit zehn Jahren verfolgt er diesen nach eigener Auskunft, kennt vorgeblich seine Tücken und trägt außerdem ein großes Gewehr mit sich. Ungeachtet dessen rennt er dem Unhold förmlich in die Arme und schießt auf Schrittnähe ins Leere, weshalb er – der in dieser Geschichte völlig überflüssig war – umgehend aus dem Geschehen schwindet. Immerhin lässt ihm der Killer Zeit für kräftige Abschiedsflüche.

Die Schraube im Nagelloch andrehen

Da Keith sein Filmprojekt wohl nur grob über den Daumen anpeilte, geht seiner Story nicht lange nach Minute 60 die Luft aus. In seiner Not erinnert er sich an den Untertitel seines Epos‘: „Das Böse lässt sich nicht töten!“ Also mutiert unser Unhold flugs zum unkaputtbaren Horrorfilm-Monster und steht nur scheinbar ausgeschaltet immer wieder auf. Möglich ist dies auch deshalb, weil sich nie jemand die Zeit nimmt, dem temporär niedergestreckten Koloss die eigene Axt in den Schädel zu rammen, d. h. ihm den Rest zu geben.

Um seinen Film auf die Mindestlänge zu bringen, verlässt Keith außerdem das Redwood-Gelände. Ein wider Handlungslogik und Verstand in die Wildnis geratener Autofahrer greift die verletzt die Waldstraße entlangwankende Pamela auf – und verfährt sich prompt so gründlich, dass es ihn und seinen Fahrgast im Kreis zurück dorthin führt, wo sich der Killer inzwischen wieder aufgerappelt hat.

Mit weiteren Details will dieser Rezensent knausern; vielleicht gibt es noch immer unbelehrbare Horrorfans (oder Masochisten), die sich dieses Machwerk antun möchten. Sie seien ein letztes Mal gewarnt: „The Redwood Massacre“ ist das englische Pendant zum deutschen Amateur-Horrorfilm. Wer diesen kennt, begreift sofort die Dringlichkeit dieser Aussage und beherzigt sie!

DVD-Features

Zum Trailer gibt es ein kurzes Making-of, das ebenso unfreiwillig wie erschütternd aufdeckt, was anstelle professioneller Dreharbeiten getrieben wurde.

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The Redwood Massacre
Originaltitel: The Redwood Massacre (GB 2014)
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: David Ryan Keith
Musik: Leah Kardos
Darsteller: Lisa Cameron (Pamela), Mark Wood (Bruce), Lisa Livingstone (Kirsty), Rebecca Wilkie (Jessica), Adam Coutts (Mark), Lee Hutcheon (Jäger), Benjamin Selway (Redwood-Killer) Liam Matheson (übergeschnappter Farmer), Morgan Faith Keith (Farmer-Tochter), Claire Bearn (Farmer-Gattin), Jamie Butler (Farmer-Sohn), Cheryl Bernard (Daisy), Lindsay Cromar (tumber Autofahrer) u. a.
Label: Maritim Pictures
Vertrieb: Alive
Erscheinungsdatum: 01.02.2013
EAN: 4042564157840 (DVD)/4042564157857 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 79 min. (Blu-ray: 82 min.)
FSK: 18

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