rezortNach einer halbwegs überstandenen Global-Apokalypse dürfen reiche Leute sich auf einer abgelegenen Insel die Zeit damit vertreiben, Zombies mit Schusswaffen aller Art zu durchlöchern. Als das Sicherheitssystem sabotiert wird, kommen die Untoten frei und drehen den Spieß um … – Trotz aufgepfropfter ‚Botschaft‘ und flacher Figurenzeichnung ist dies ein handwerklich ordentlicher Horror-Thriller, der in der zweiten Hälfte die typische Bodycount-Verfolgungsjagd mit rabiaten Effekten bietet: solider Unterhaltungs-Durchschnitt.

Das geschieht:

Vor sieben Jahren brach eine weltweite Epidemie aus, die ihre Opfer sterben und dann als menschenfressende Zombies zurückkehren ließ. Die Menschheit konnte sich behaupten, aber es kostete Milliarden das Leben und setzte endlose Flüchtlingsströme aus besonders verheerten Regionen in Marsch, die nun in riesigen Notlagern untergebracht sind. Die Überlebenden werden von Erinnerungen an den grausamen Krieg verfolgt, den sie gegen die Untoten führen mussten.

Dennoch beginnt sich der Alltag zu normalisieren. Melanie und Lewis führen ein Luxus-Leben fern der Flüchtlingsgettos. Allerdings leidet Melanie besonders stark unter einem Zombie-Trauma. Für Menschen wie sie wurde das „Rezort“ gegründet: Auf einer schönen aber abgeschiedenen Insel vor der spanischen Atlantikküste wurden die Untoten nicht ausgerottet. Stattdessen können kapitalkräftige Kunden sie ‚jagen‘, nach Belieben niederschießen und zwischendurch die Annehmlichkeiten der „Rezort“-Anlage genießen.

Um ihren Hass abzureagieren, bucht auch Melanie zwei Tickets, denn Lewis wird sie begleiten. Doch die Konfrontation mit den Gestalten aus ihren Albträumen ernüchtert; Melanie kann sie nicht ‚erschießen‘. Die anderen Mitglieder ihrer Gruppe haben damit kein Problem und ballern nach Herzenslust auf die Untoten, die sorgfältig so präsentiert werden, dass kein Kunde in Gefahr geraten kann.

„Rezort“-Gegner schleusen einen Virus in die Software der Anlage ein. Er sorgt für den völligen Zusammenbruch der Sicherheitseinrichtungen. Plötzlich sind die Zombies frei. Als sie es merken, fallen sie über Gäste und „Rezort“-Mitarbeiter gleichermaßen her. Mittendrin stecken Melanie und Lewis mit ihrer Gruppe. Durch ein Heer hungriger Untoter müssen sie sich einen Weg an den Strand bahnen – Eile tut Not, denn schon rüstet sich das Militär zur atomaren Vernichtung der Insel …

Rückkehr zum analogen ‚Spaß‘

Ist es ein Zeichen für erfahrungsbedingten Zynismus, dass die Prämisse dieses Films nicht unbedingt für Unglauben, Ablehnung oder gar Entsetzen sorgt? Man hat in der Unterhaltungsindustrie schon viele Tabus fallen sehen, die in Stein gehauen schienen. Der Mensch stumpft ab und sucht nach neuen Methoden, sich seine Freizeit zu vertreiben. Für Grenzen sorgt höchstens noch das Gesetz, während moralische Regeln ausrangiert wurden.

Folgerichtig ist es vorstellbar, dass die inzwischen ungemein realistischen aber digitalen Ballerspiele irgendwann eine neue Ebene erreichen und quasi wieder analog werden: Keine Illusion kann die Wahrhaftigkeit einer auf echte Körper abgefeuerten Waffe ersetzen. Zumindest dies kann uns dieser Film glaubhaft vermitteln.

Für die notwendige Begründung oder Akzeptanz des „Rezorts“ sorgt ein globaler, grausam geführter Krieg gegen die Zombies, der die Überlebenden körperlich wie psychisch bzw. ethisch in Mitleidenschaft gezogen hat. Freilich schießen Regisseur Steve Barker und Drehbuchautor Paul Gerstenberger über ihr Ziel hinaus, wenn sie als Existenzbasis des „Rezorts“ einen kollektiven Zombie-Hass voraussetzen: Realiter würden wohl auch oder gerade jene, die noch nie in Notwehr einen Schuss abfeuern mussten, liebend gern Untote niedermähen!

Einführung lang, Handlung kurzweilig

Recht umständlich geht Barker sowieso zur Sache. Ihm ist der narrative Unterbau wichtig, denn er soll den schockierenden Twist vorbereiten, der das Publikum im letzten Handlungsdrittel erwartet: Nicht die neuerliche Attacke der Untoten sorgt für den Schrecken, sondern die Aufdeckung ihrer ‚Herstellung‘.

An dieser Stelle wird darauf nicht näher eingegangen, um potenziellen Zuschauer den Schock-Spaß nicht zu rauben. Das macht eine Rezension freilich kompliziert. Ein Gutteil der Schuld daran, womöglich doch zu viel zu verraten, kann aber auf die Marketing-Abteilung abgewälzt werden. Schon der Covertext ist mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Gefährlich nahe am Spoiler aber erwähnungsrelevant ist ein gravierender Schwachpunkt dieses Films: Wohl auch bedingt durch das überschaubare Produktionsbudget spart Barker Bilder aus dem Flüchtlingslager fast vollständig aus; einige Zelte und Statisten sollen ein Heer von Heimatlosen darstellen, was einfach nicht funktioniert. Deshalb kann nie ein Funke überspringen; wie sollen die Zuschauer Anteil am Schicksal von Menschen nehmen, die sie fast nie oder höchstens entfernt in Ameisengröße zu sehen bekommen?

Ebenfalls rutschig ist der Weg, der Melanie ins „Rezort“ führt. Zu keinem Zeitpunkt nimmt man Jessica De Gouw die traumatisierte Rächerin ab. Irgendwie muss sie jedoch auf die Insel kommen, um dort mit anderen ‚Jägern‘ in Lebensgefahr zu geraten. Dafür setzen Gerstenberger und Barker eine Menge Handlungszeit an, bevor endlich die Untoten kommen!

Untot aber gut zu Fuß

Sehr modern postuliert Barker nicht den schlurfenden Romero-Zombie. Seine Untoten sind ausgesprochen flink. Außerdem haben sie wohl ihren Grips nicht gänzlich verloren, weshalb sie in der Lage sind, sind tückisch an ihre Opfer heranzuschleichen. Haben sie diese erwischt, gibt Barker dem Grusel-Affen blutigen Zucker: Für einen bereits ab 16 Jahren freigegebenen Film ist die Zahl der ungeschnitten gezeigten Kopfschüsse beachtlich. Auch sonst spritzt und kracht es kräftig; zumindest jene Freunde des härteren Horrors, die zusätzlich Wert auf eine Story legen, dürften sich eigentlich nicht beschweren, zumal in ausgesprochen schöner Umgebung gemetzelt wird.

„The Rezort“ entstand als britisch-spanisch-belgische Co-Produktion, weshalb die Außenaufnahmen vor allem auf der Insel Mallorca (aber außerhalb des „Ballermann“-Bereichs) gedreht wurden. Dies ließ sich problemlos mit der angenehmen Witterung begründen, die sicherlich auch schießwütige Zombie-Killer zu schätzen wüssten.

Dass die Handlung im zweiten Teil der Geschichte flott und schaurig vorangeht, erfüllt den Zuschauer auch deshalb mit Freude, weil dem damit verbundenen Bodycount endlich einige Figuren zum Opfer fallen, die man einfach hassen musste. Paul Gerstenberger hat ausschließlich auf Klischees zurückgegriffen und damit die Botschaft – die Regisseur Barker so wichtig war – konterkariert bzw. sabotiert.

Mögen sie so rasch wie möglich sterben!

Jessica De Gouw ist schlicht zu blass und harmlos in ihrer Rolle als Möchtegern-Rächerin, die schließlich zur Kampf-Amazone mutiert. Martin McCann ist sogar noch unscheinbarer und verschwindet trotz seiner zuletzt behaupteten Bedeutsamkeit zwischen den übrigen Darstellern, von denen Dougray Scott sich in seiner beinahe parodistisch angelegten Rolle als Stahlnägel kauender und in markigen Einzeilern artikulierender Kriegs-Veteran noch am besten aus der Affäre zieht.

Ärgerlich wird es, wenn Barker Schauspiel dort befiehlt, wo es garantiert ins Leere läuft. Dies verursachen vor allem die Knallchargen Jack (Jassa Ahluwalia) und Alfie (Lawrence Walker), die man auch als toleranter Zeitgenosse nur einmal sehen (und vor allem hören) muss, um sie aus tiefem Seelengrund zu verabscheuen. Sie schwitzen nerdig-unkonventionelle Jugendlichkeit auf Ritalin-Entzug förmlich aus, kreischen hysterisch, springen (buchstäblich) über Tisch & Bänke, geiern jeder Frau hinterher und sehen zu allem Überfluss exakt wie jene Idioten aus, die sie tatsächlich sind. Zumindest Jack wird nach Auffassung des Regisseurs später ‚geläutert‘, was sein blutiges Ende aber keineswegs weniger erfreulich wirken lässt.

Weitere Anmerkungen zu den übrigen Darstellern können unterbleiben. Sie sind anwesend und füllen ebenfalls nur skizzierte Rollen aus. Ohnehin dienen sie als Zombie-Futter und müssen sich deshalb nicht ins zuschauerliche Gedächtnis einprägen. Man weiß, wie ihnen geschehen wird, weshalb man sich generell vor Überraschungen nicht fürchten muss: Sie bleiben aus. Stattdessen schreckt Barker nicht einmal vor dem zu Tode strapazierten Epilog-Gag zurück: Selbstverständlich hat der Schrecken kein Ende, sondern steht für eine mögliche Fortsetzung parat, die das Gros der Zuschauer – routiniert sowie endlich einmal über Bodensatz-Niveau aber eben trotzdem nicht nachhaltig unterhalten – geduldig (oder gleichgültig) erwarten dürfte.

DVD-Features

Kümmerliche Extras sorgen für ebensolche ‚Hintergrundinformationen‘. Zwar gibt es neben dem deutschen und dem Original-Trailer zwei Features namens „Behind the Scenes” und „Visual Effects”, die insgesamt jedoch nur sechseinhalb Minuten laufen. (Ohne Erklärung bleibt, wieso zumindest das DVD-Bild oft kontrastschwach und flau wirkt.)

Während die anderthalbminütige (!) ‚Effektschau‘ immerhin einen Eindruck davon vermitteln kann, wie intensiv für diesen Film digital getrickst wurde, beschränkt sich der Blick hinter die Kulissen vor allem auf das übliche Promo-Gewäsch diverser Darsteller, dem Regisseur Stark Barker die Krone (bzw. Eselsmütze) mit der Behauptung aufsetzt, „The Rezort“ leiste einen relevanten Beitrag zur aktuellen Flüchtlings-Diskussion.

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The Rezort – Willkommen auf Dead Island
Originaltitel: The Rezort (GB/Spanien/Belgien 2015)
Regie: Steve Barker
Drehbuch: Paul Gerstenberger
Kamera: Roman Osin
Schnitt: Martí Roca
Musik: Zacarías M. de la Riva
Darsteller: Dougray Scott (Archer), Jessica De Gouw (Melanie), Martin McCann (Lewis), Elen Rhys (Sadie), Jassa Ahluwalia (Jack), Lawrence Walker (Alfie), Claire Goose (Valerie Wilton), Jamie Ward (Mike), Richard Laing (Kyle Gibbs), Dionne Vincent (rachsüchtige Zombie-Frau), Robert Firth (General Kenneth Varantoom) u. a.
Label: Ascot Elite Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 16.09.2016
EAN: 7613059806153 (DVD)/7613059406155 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 16

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