The Rising Dead

Originaltitel: Rising Dead (USA 2007)
Regie: Brent Cousins
Drehbuch, Kamera, Schnitt: Brent Cousins/Blake Cousins
Musik: Kevin Peterson
Darsteller: Blake Cousins (John Blake), RoseAnne Okumura (Ariel Campbell), Catherine Louise (Catherine Sinclair), Gabe Hernandez (Gaberial), Treasure O’Keefe (Treasure), Kalauluolani Iwoaka (Amber Blake) u. viele miserabel maskierte ‚Zombies’
Label: Cult Movie Entertainment (www.cult-movies-entertainment.de)
Erscheinungsdatum: 17.04.2008 (Kauf-DVD)
EAN: 8717377002699 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch); Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Entweder Viren aus dem All oder außer Kontrolle geratene biologische Waffen – der Drehbuchautor ist sich da unschlüssig – haben die Menschheit in hirntote Kannibalen verwandelt; auch die gerade Verstorbenen erheben sich aus ihren Gräbern und gesellen sich den geifernden und schlurfenden Horden hinzu.

Ein Flugzeug soll die First Lady der USA, ihre Familie und diverse hohe Regierungsangehörige in einen sicheren Atombunker bringen, wo man sich verbarrikadieren will, bis die Apokalypse ihr Ende gefunden hat. Aufgrund eines Motorschadens stürzt man allerdings kurz vor dem Ziel ab. Die meisten Passagiere sterben (bevor sie auferstehen), die Überlebenden sehen sich in einer tropischen Einöde den hungrigen Zombies ausgesetzt.

First Lady Catherine Sinclair, ihr gehbehinderter Sohn Gaberial und Töchterlein Treasure gehören zu denen, die flüchten können. An ihrer Seite: Sicherheitsmann John Blake, der mit blanker Waffe, Axt und notfalls bloßen Fäusten den angreifenden Untoten die morschen Schädel spaltet. Später stößt noch die hübsche Ariel zu ihnen. Man versucht sich zum Bunker durchzuschlagen, doch die Übermacht ist gewaltig und allgegenwärtig. Nicht alle werden es schaffen, und jene, die ein blutiges Ende nehmen, stehen kurz darauf wieder vor ihren entsetzten Freunden …

Zwei Brüder strafen ihr Publikum

Erleben Sie die Ankunft der „total film maker“ Brent & Blake Cousins im deutschen Horrorfilm-Mikroversum! Unternehmungsgeist, Unfähigkeit und Größenwahn bilden das Dreieck, in dessen Zentrum sich die Toten auf eine Weise erheben, die den Zuschauern Augenlicht und Gehör zu rauben droht.

Der Gruselfreund ist nicht zimperlich und Schlimmes gewohnt. Das Genre zieht Dilettanten an wie Kuhdung die Fliegen. Sie rechnen mit der Langmut eines Publikums, das die Qualität eines Films, in dem Zombies umgehen, nicht an der Story, den darstellerischen Leistungen oder der Kameraarbeit, sondern an der Scheußlichkeit der Masken sowie an Zahl und Blutgehalt der präsentierten Metzel-Morde festmacht.

Das lässt sich in der Tat mit schmalem Geld inszenieren. Gänzlich ohne Budget geht es aber nicht, wie die Cousins-Brüder nachdrücklich unter Beweis stellen. Beginnen wir mit dem Drehort: Nie wurde die Insel Hawaii so hässlich gezeigt wie hier. Da kein Cent in den Bau von Kulissen gesteckt wurde, muss es dort tatsächlich vermüllte Geisterstädte und Militärstationen aus bröckelndem Beton, rostendem Blech und faulendem Holz geben, die einfach im Dschungel stehen gelassen wurden. Von Tropensonne keine Spur; stattdessen regnet es oder ist neblig.

Lassen wir außer acht, dass der ‚Atombunker‘, in den sich unsere Helden flüchten wollen, ausgerechnet auf einer Vulkaninsel angelegt wurde. (Möglicherweise spielt unser Drama ja auch in einer anderen Tropenhölle, die von Hawaii ‚gedoubelt‘ wird.) Dieser logische Schuss durchs Knie ist nur das geringste Problem eines Films, der ausdrücklich dem Ziel geweiht scheint, seiner Geschichte jeglichen Unterhaltungswert auszutreiben.

Die Story selbst ist Nebensache bzw. nur Katalysator für das, was eigentlich gezeigt werden soll: Menschen kämpfen gegen Zombies, wobei beide Seiten (s. o.) sich kräftig die Felle gerben. Leider fühlen die Cousins sich zu Höherem berufen. Aus dem Off ertönen deshalb ständig John Blakes philosophische Gedanken über Dienstpflicht, das Ende der Welt und andere gewichtige Themen, die sämtlich in jenen Phrasen ersticken, in die sie die Autoren des ‚Drehbuchs‘ (wieder die Cousins) gehüllt haben.

Ansonsten stolpern unsere Helden anderthalb Stunden über Schutthalden und durch Ruinen. In unregelmäßigen Abständen springen Zombies aus dunklen Ecken oder hinter Holzwänden hervor, die dann – variatio delectat – wahlweise mit Pistolenkugeln, Nagellatten oder Notenständern (oh ja!) zu Boden gebracht werden. Weil sogar den Cousins auffiel, dass sie auf diese Weise keinen Film vollenden würden, klittern sie dem Fluchtgeschehen eine Art Epilog an: Sechs Monate nach Erreichen des Atombunkers droht dort der Meiler durchzubrennen und muss gebändigt werden – eine Handlung, die mit der eigentlichen Filmhandlung rein gar nichts zu tun hat. (Bemerkenswert: An zwei Schwungrädern gedreht = eine Kernschmelze verhindert!) Einzige Konstante bleibt die weiterhin erbärmliche Umsetzung.

Ein bisschen Farbe ins Gesicht: Birth of a Zombie!

Wirklich gute Zombies kosten Geld; eine weitere Weisheit, die wir den Cousins verdanken. Untote sehen vor allem deshalb zum Fürchten aus, weil sie von Maden und anderen Aasfressern ordentlich angenagt wurden. Es reicht deshalb nicht, ihnen aus Kostengründen bloß rote, grüne und braune Farbe ins Gesicht zu schmieren und sie Kunstblut spucken zu lassen. (Wieso TUN sie das ständig, selbst wenn sie nicht aufgespießt oder auf andere Weise durchlöchert werden? Weil sie wenigstens IRGENDEIN unnormales Verhalten an den Tag legen müssen?) Solche Karnevals-Zombies sind nur eines: lächerlich!

Statisten haben die Cousins vermutlich für Freibier in den Hafenkneipen von Honolulu angeheuert. Sie torkeln in Zeitlupe und heulen, wie sie sich dies in den Zombie-Filmen von George A. Romero abgeschaut haben. Der ist freilich ein echter Regisseur, der sich nicht darauf einlassen würde, seine Schauspieler in eine dreiseitig umbaute Toilettenkabine flüchten zu lassen, damit sie endlich einer der lahmfüßigen Untoten erwischen und schnappen kann.

Lustig wird es immerhin, wenn die Cousins ihre ‚Spezialeffekte‘ entfesseln. Zombies müssen eklig ’sterben‘. Also bersten Schädel, fliegen Köpfe, werden Untote zweigeteilt. Sogar ein grabschiger Totenarm treibt sein Unwesen. Mehrfach explodiert etwas. Wie schaffen die Cousins das in einem Film ohne Budget? Das Zauberwort heißt „CGI“ – meinen jedenfalls unsere beiden Brüder, die folgerichtig auf dem Niveau des Gesamtwerkes effekthexen lassen: JEDER Trick ist mit erschreckender Deutlichkeit als solcher zu identifizieren.

Dagegen hilft nicht einmal die unterirdische, Augenkrebs fördernde Bildqualität; Spielfilme sollten nicht mit der Handy-Kamera gedreht werden. Verwaschene Farben, flaue Kontraste, Unschärfen, selbstverständlich ständige Anschlussfehler, dreist mehrfach einkopierte Szenen und dazu ein Ton, der die Ohren bluten lässt.

Noch toter als die Zombies: die Darsteller

Was sind das für Unglücksvögel, die sich in diesen Strudel namens „Rising Dead“ gerieten? Richtige Schauspieler sind es jedenfalls nicht. Sie tauchen in keinem anderen Film auf, sie benutzen vorsichtshalber ihre echten Namen, um vor der Kamera nicht in Verwirrung zu geraten, wenn sie angesprochen werden, und sie mimen so schlecht, dass es der Sau graust, wie der Westfale zu sagen pflegt.

Angeführt wird die bunte Schar – wie könnte es anders sein – von einem der Cousins-Brüder. Blake ist es, der im wohl für cool gehaltenen „Desperado“-Stil als Antonio Banderas für Arme auftritt. Mit Schmalzlocken und im schicken schwarzen Anzug mischt er die Zombies auf. First Lady Catherine Sinclair – ein Mittzwanzigerin mit 16-jährigem Sohn – gibt das rasende Muttertier. Tochter Treasure wird ständig irgendwo eingesperrt und muss ihren Teddybären walken, um kindliche Unschuld in einer Welt des Grauens zu suggerieren. RoseAnne Okumura und Kalauluolani Iwoaka sind außerordentlich hübsch, Gabe Hernandez ist es eindeutig nicht. Alle sind sie jedoch Brüder & Schwestern im Unvermögen.

Mit der Aufzählung elementarster Verstöße gegen das Filmhandwerk ließen sich noch viele Seiten füllen. Es lohnt den Aufwand indes nicht, und sicherlich genügt, was bisher genannt wurde, um den Zweck dieser Zeilen – die Warnung potenzieller Zuschauer – zu erfüllen!

DVD-Features

Die ‚Extras‘ beschränken sich auf den Trailer zum Hauptfilm. In zwei Minuten wird zusammengefasst, was dort über 90 quälende Minuten ausgewalzt wird. Was fehlt, ist die Angabe eines Adressaten, bei dem man sich beschweren und sein Geld zurückfordern oder den man wenigstens beschimpfen könnte. Die Cousins-Brüder sitzen es auf ihrer Insel aus. Womöglich brüten sie schon über ihrem nächsten Film-Streich – Feuergöttin Pele, hilf! [MD]

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The Rising Dead