The Skeptic – Das teuflische Haus

Originaltitel: The Skeptic (USA 2009)
Regie u. Drehbuch: Tennyson Bardwell
Kamera: Claudio Rocha
Schnitt: Ann Marie Lizzi
Musik: Brett Rosenberg
Darsteller: Timothy Daly (Bryan Becket), Tom Arnold (Sully), Zoe Saldana (Cassie), Edward Herrmann (Dr. Shepard), Robert Prosky (Vater Wymond), Bruce Altman (Dr. Warren Koven), Andrea Roth (Robin Becket), L. J. Foley (Bryan als Kind), Paul Tietjen (Michael Becket) u. a.
Label/Vertrieb: SchröderMedia
Erscheinungsdatum: 12.05.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 9120027346361 (DVD) bzw. 9120027346354 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Bryan Becket, erfolgreicher Anwalt in der Kleinstadt Saratoga Springs im US-Staat New York, ist nicht nur beruflich bedingt ein überaus rationaler Mann. Seit jeher gibt sich auch der private Becket eher gefühlskarg, während ihm Fakten über alles gehen. Weil er in dieser Hinsicht zu keinen Konzessionen bereit ist, steckt seine Ehe aktuell in einer Krise: Gattin Robin ist Bryans emotionale Gleichgültigkeit satt und drängt auf eine Therapie.

Bryan ergreift lieber die Flucht. Gerade ist eine alte Tante gestorben. Man fand sie tot in ihrer riesigen, alten, mit kostbaren Antiquitäten angefüllten Villa. Dieses Inventar möchte Becket katalogisieren und sich auf diese Weise ablenken. Stattdessen muss er feststellen, dass es in dem Haus umgeht. Eine weibliche Stimme fordert ihn auf, nach einem alten Koffer zu suchen.

Entnervt macht sich Becket nach einigen unruhigen Nächten auf die Suche nach Hilfe. Während Dr. Shepard, sein Therapeut aus Kindertagen, Vater Wymond, der alte Familien-Pfarrer, und sogar ein Parapsychologe auf Überarbeitung und Täuschung plädieren, glaubt das Medium Cassie an eine übernatürliche Heimsuchung. Als Becket verkündet, inzwischen ganz sicher an einen Spuk zu glauben, enthüllen ihm Shepard und Wymond ein bisher sorgfältig gehütetes Geheimnis seiner Kindheit: Die verehrte Mutter, die vor mehr als 30 Jahren bei einem tragischen Treppensturz starb, war ein böses Weib, das den Sohn schlug und quälte. Außerdem geschah dies in dem alten Haus, das erst später der Tante verkauft wurde.

Ist es die verblichene Helena, die durch die Villa geistert, um endlich zu vollenden, was ihr einst nicht mehr gelang? Ist es Bryans Hirn, das scheinbar manifestiert, was allzu lange unterdrückt blieb? In einer spektakulären Nacht werden diese Fragen zwar beantwortet, aber die Erkenntnis bringt Bryan einen Seelenfrieden, den er so nicht gewünscht hat …

Spukgeschichte mit Hindernissen

Beginnen wir mit einer positiven Kunde: „The Skeptic“ spiegelt den Enthusiasmus eines Regisseurs wider, der nicht nur viel Zeit in die Handlung – die zudem seinem eigenen Hirn entsprang – investierte, sondern auch geduldig wartete, bis er sie – immer noch unter großen Mühen – realisieren konnte. Tennyson Bardwell schrieb das Drehbuch bereits in den 1980er Jahren, vermochte aber viele Jahre nicht genug Geld aufzutreiben. 2004 gelang ihm mit der Komödie „Dorian Blues“ ein kleiner Erfolg, der es ihm ermöglichte, ein bescheidenes Budget aufzubringen, das in „The Skeptic“ floss.

Gedreht wurde „independent“, also unabhängig von den großen Hollywood-Studios und bereits zur Jahreswende 2005/2006, doch da Bardwell anschließend das Geld ausging, zog sich die Nachbearbeitung bis 2008 hin. „The Skeptic“ wurde anschließend auf dem Filmfestival von Cannes gezeigt, 2009 kurz in wenige Kinos gebracht und schließlich als „video on demand“ vermarktet, wobei der Erfolg sich stets in engen Grenzen hielt. Tatsächlich wurde Bardwells Werk von der Kritik übel gezaust und vom Publikum ignoriert oder schnell vergessen.

Spuk oder Sinnestäuschung?

Dabei ist „The Skeptic“ nicht wirklich schlecht. Als Film fällt er jedoch durch alle aktuell gültigen Raster. Angeblich ist das sogenannte Zielpublikum jung und verwöhnt durch lautstarke Hightech-Spektakel, während ein Horrorfilm ohne Spezialeffekte und blutigen Grusel nur schwer Anklang findet bzw. ‚erwachsene‘ Zuschauer finden müsste, die leise Töne vorziehen sowie nicht (mehr) ins Kino gehen, sondern lieber fernsehen. Ganz so simpel ist es sicher nicht, doch die Richtung stimmt: „The Skeptic“ ist in der Tat nicht nur gediegen, sondern auch altmodisch, nimmt sich zu viel Zeit für eine simple Geschichte und verliert sich in Episoden, die der Handlung keinen Fortschritt bringen.

Bardwell will das Unmögliche: eine Geschichte, die einerseits ‚richtige‘ Geister präsentiert, während sie andererseits den psychischen Zusammenbruch eines nur scheinbar gesunden und ausgeglichenen Mannes beschreibt. In der Literatur mag so ein Drahtseilakt gelingen. Film richtet sich allerdings an die Augen. Diese entdecken logische Fehler und Lücken unbarmherzig präzise. Die Frage, ob es in dem alten Haus spukt oder eine Sinnestäuschung vorliegt, ist deshalb für den Zuschauer längst beantwortet, während Bardwell noch aufgeregt um die angebliche Ungewissheit kreist.

Rätsel dort, wo keine sind

Obwohl Bardwell sichtlich bemüht ist, die alte Geschichte vom Geisterhaus gegen den Strich zu bürsten, kann er den einschlägigen Klischees (zu lange) nicht widerstehen. So wird der subtile Spannungsaufbau immer wieder durch Soundeffekte und vor allem Musik-Getöse weniger unterstützt als sabotiert. Das plötzliche Erscheinen eines Spuks wirkt ohne solche abgedroschenen Aufdringlichkeiten wesentlich intensiver. Bardwell vertraut hier offenbar weder dem eigenen Drehbuch noch seiner Inszenierung.

Die Story selbst wirkt im Mittelteil unnötig fragmentarisch. Bryan Becket deckt das Spektrum der Erklärungssuche allzu schematisch ab und wird dabei auch noch didaktisch. Er diskutiert ausführlich – sehr ausführlich – mit einem Psychiater, einem Priester und einem Parapsychologen. Dabei überrascht die Leichtigkeit, mit der aus dem Skeptiker Becket ein furchtsamer Jünger des Übernatürlichen wird. Dagegen gelingt es Bardwell nur ansatzweise, die Macht der Selbsttäuschung zu verdeutlichen: Nach anfänglichen Zweifeln hält Becket den Spuk für realer als die Möglichkeit, vom eigenen Hirn betrogen zu werden.

Dabei erzählt dieser Film die Geschichte eines Skeptikers. Doch spätestens als das Finale naht, entscheidet Bardwell, den sorgfältig gezimmerten psychologischen Unterbau und die Ambivalenz des Geschehens zu ignorieren. „The Skeptic“ mündet in ‚echten‘ Grusel und gerät damit unter eine Konkurrenz, der dieser Film nicht gewachsen ist. Die durchaus gelungene und überraschende Auflösung kann die daraus resultierende Enttäuschung nicht wettmachen.

Horror für die gesetzteren Jahrgänge

Da „The Skeptic“ kein Film für Teenies, sondern sogar ein Film ohne Teenies ist, liegt das Durchschnittsalter der Figuren um die 40. Dies führt zu einer Abwesenheit pubertär bedingter Probleme, die der Handlung gut bekommt. Hier werden erwachsene Menschen mit einem Problem konfrontiert, dem sie nicht ratlos und hektisch begegnen und nebenbei einander bebalzen müssen. Obwohl Becket auf die junge, unkonventionelle und bemerkenswert hübsche Cassie trifft, die sogar in dem alten Haus übernachtet, gibt es keine Sekunde erotischen Funkenflugs. Bardwell verzichtet folgerichtig ebenfalls auf Eifersuchtsszenen zwischen Bryan und Robin, für die es tatsächlich keinen Grund gibt.

Die Heimsuchung steht im Mittelpunkt. In diesem Punkt weicht Bardwell nicht von seinem roten Faden ab und tut sehr gut daran. Er kann sich auf eine Schar außerordentlich routinierter Schauspieler verlassen, die in ihren Rollen nie zu dick auftragen. Für Stars hatte Bardwell kein Geld aber Glück: Zoe Saldana hat inzwischen als Lt. Uhura auf dem neuen alten Raumschiff Enterprise angeheuert. Als exaltiertes Medium Cassie bringt Saldana dringend benötigten Schwung ins Geschehen.

Timothy Daly überzeugt als nur scheinbar gefühlloser Mann, unter dessen Maske es zunehmend zu brodeln beginnt. Um die Glätte dieser Figur auszugleichen, stellt ihn Bardwell Tom Arnold als extrovertierten Kollegen und besten Freund gegenüber. Dieser Sully sorgt für eine humorvolle aber nicht übertriebene Note. Als Vater Wymond spielt Robert Prosky, dessen einprägsame Physiognomie in unzähligen TV-Filmen und vor allem -Serien zu bewundern ist, eine seiner letzten Rollen als knorrig-knuffiger alter Mann; er starb im Dezember 2008 fünf Tage vor seinem 78. Geburtstag an einem Herzleiden. (Seine wirklich letzte Rolle spielte Prosky zufällig aber passend in einer Folge der Serie „Emergency Room – Die Notaufnahme“.)

Letztlich vergehen anderthalb Filmstunden erheblich unterhaltsamer als uns die Kritik weismachen möchte. Zu erwähnen bleibt noch die bemerkenswerte Kulisse. „The Skeptic“ entstand im Batcheller Mansion Inn, einer 1873 in Saratoga erbauten viktorianischen Monstrosität mit französischen, italienischen und ägyptischen (!) Einflüssen. Das heruntergekommene Gebäude wurde in den 1990er Jahren aufwändig saniert und innen im Stil der Entstehungszeit eingerichtet. Es wird heute als Hotel geführt. Bardwell konnte außerhalb der Saison hier drehen und das zumindest in seinem Inneren gar nicht so alte Haus mit der Unterstützung seines Kameramanns Claudio Rocha sehr effektvoll nutzen.

DVD-Features

„The Skeptic“ ist ein Film, der nur unter Einsatz einfallsreicher Improvisation entstehen konnte. Was dies bedeutet, hätte man gern in einem „Making-of“ erfahren. Während noch der dümmste Blockbuster durch entsprechende Features flankiert wird, bleibt „The Skeptic“ leider extrafrei.

[md]

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