The Slaughter – Die Teufel bitten zum Tanz

Originaltitel: The Slaughter
USA 2006
Regie. Drehbuch, Kamera, Schnitt: Jay Lee
Musik: Chauncey Mahan
Darsteller: Jessica Ellis (Dana), Zak Kilberg (Iggy), Terry Erioski (Tyler), Laura Stein (Heather), Travis Wood (Brandon), Jen Alex Gonzalez (Alexandra), Brad Milne (Carl Stevens), Billy Beck (Razz), Adriana Esquivel (Dämonenweib), Carmit Levité (Julia Carter), Cheyenne Ault (Denise Carter), Eva Derrek (Madame Izriah), Penny Drake (Madame Eliza), Elana Blank, Jessica Elder, Elizabeth Goddard, Jessica Harbeck, Kristen Karvouni, Jennifer Salvucci, Tiffany Tejeda, Sasha Yates, Tiffany Hayden (Hexen)
Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment
EAN: 4048317351329
Erscheinungsdatum: 24.01.2008 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: ca. 90 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Titel bei Amazon.de

Das geschieht:

Dana und Tyler haben vom fiesen Mr. Stevens den Auftrag übernommen, ein altes, recht einsam gelegenes und seit Jahrzehnten leer stehendes Haus zu entrümpeln und zu reinigen. Damit die Arbeit geschafft werden kann, haben sie drei Freunde sowie Tylers neurotischen Adoptivbruder Iggy mitgebracht. Auch Stevens und seine ‚Assistentin‘ Alexandra tauchen auf; sie wollen die Gruppe antreiben und schurigeln.

Ein Buchfund im Keller deutet auf magische Riten hin, die in diesem Haus praktiziert wurden. Iggy befragt das Internet und recherchiert die Geschichte der Madame Izriah, die vor 100 Jahren mit ihrem Hexenkreis eine uralte und bitterböse Dämonin aus der Hölle rief. Leider entzog sich diese der Kontrolle ihrer Meisterin. Durch die Ermordung von Izriah blieb der Ritus allerdings unvollendet. Seither lauert die Dämonin in dem Haus auf ‚Gäste‘, durch deren Tod sie sich endgültig materialisieren kann. Gelingt ihr das, wird sie das Ende der Welt einläuten.

Unser Putztrupp kommt ihr gerade recht. In ihrer Mehrzahl dumm, geil oder moralisch verdorben, lassen sie sich leicht manipulieren. Die Dämonin folgt ihrem Plan, der die möglichst grausame Ermordung ihrer Opfer vorsieht. Iggy durchschaut das böse Spiel, doch trotz diverser Fluchtversuche schrumpft die Zahl der von Raum zu Raum gejagten Freunde mit beängstigender Geschwindigkeit. Bald leben nur noch Dana und Iggy, aber zur Trauer bleibt keine Zeit, denn plötzlich sitzt ihnen nicht nur die Dämonin im Nacken: Die verunstalteten Leichen der Freunde wanken als Zombies hinter ihnen her, und sie sind sehr hungrig …

Eine Rose ist eine Rose, Trash manchmal nur Abfall

Der Großvater hat Jay Lee seine Kamera geschenkt. Sie ist zwar schon fünfzehn Jahre alt, funktioniert aber noch ganz gut. Jay ist aufgeregt: Jetzt kann er endlich den tollen Gruselfilm drehen, dessen Handlung ihm kürzlich auf dem Klo eingefallen ist! Er gibt ein Inserat auf, mit dem er gezielt talentfreie Darsteller anspricht, die sich unentgeltlich seiner Regie unterwerfen. Weil er weiß, dass Sex sells, überredet er die Damen des örtlichen Lapdance-Clubs, ihren Jahresausflug als nackten Nachmittag im Wald zu gestalten, was er ausgiebig filmt. Dann geht’s für ein Wochenende in ein altes Haus am Stadtrand, bevor es am Montag abgerissen wird. Die Zeit reicht locker für die Dreharbeiten, ein Buch dafür existiert ohnehin nicht: Jay lässt sein Genie spielen,  inszeniert, was ihm gerade durch den Kopf geht, und hofft auf jenes Glück, das schon Paris Hilton oder Kim Kardashian ganz nach oben gebracht hat.

Ja, so könnte es gewesen sein. Jedenfalls fördert das hier auf DVD gepresste Werk solche Spekulation. Möchte man – aus welchem Grund auch immer – in seinem Leben nur einen richtig schlechten Horrorfilm sehen, greife man zu diesem Streifen. Er belegt deutlicher als tausend Seminare, wie man das Filmhandwerk auf gar keinen Fall betreiben darf.

Hier stimmt gar nichts. Der Plot ist vor allem umständlich und stützt sich später schwer auf das Gruselspektakel „The Evil Dead“ (1981, dt. „Tanz der Teufel“). An diese Tatsache soll der Untertitel die deutschen Horrorfreunde erinnern – reiner Dummenfang bzw. ein Akt der Verzweiflung seitens des Anbieters, der zu spät erkannte, was er da eingekauft hatte. Die einzige echte Parallele besteht in der dilettantischen Machart beider Filme, wobei Jay Lee freilich abermals den Kürzeren zieht, ist „The Slaughter“ doch ein Werk des 21. Jahrhunderts. Das sollte sich eigentlich bemerkbar machen.

Technische Reduktion auf den „On/Off“-Schalter

Lassen wir die Story (und ihre holprig-stolprige, von keinerlei Sinn für Stimmung oder Timing getrübte ‚Entwicklung‘) beiseite und stellen die Frage nach der technischen Umsetzung. Oh weh, das Elend vervierfacht sich, was angemessen ist, weil sich Jay Lee in seiner Rolle als Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Cutter gewaltig verhoben hat. Ein Budget gab es für „The Slaughter“ augenscheinlich auch nicht. Das Equipment produziert ausschließlich flache, flaue Bilder ohne Kontraste und Farben. Die Vertonung scheint in einer Garage stattgefunden zu haben. Für die Filmmusik floss billiges Bier durch die Gurgeln ebensolcher Heavy-Metal-‚Musiker‘, die sich die Kehlen aus verätzten Hälsen brüllen. Im letzten Drittel wird aus ernsthaft gemeintem Horror plötzlich eine Komödie, doch völlige Witzlosigkeit lässt auch sie kläglich ersticken.

Wenn irgendwo zumindest unfreiwillige Komik den Zuschauer vor dem Schlaf bewahrt, so manifestiert sie sich in den ‚Spezialeffekten‘, die in ihrer Qualität einerseits an Georges Méliès (1861-1938), den Pionier der Filmtechnik, erinnern, während sie andererseits den Irrglauben widerlegen, dass im digitalen Zeitalter alles für gar kein Geld möglich geworden ist. Primitive und als solche jederzeit erkennbare Doppelbelichtungen, CGI-Stümpereien per Gratis-Software und haarsträubend schlechte Masken aus dem Versandhandel zeugen von einem Enthusiasmus, der an Edward D. Wood, Jr., erinnert: Er gilt als miserabelster Filmemacher aller Zeiten und erkannte nie, welchen Mist er drehte, sondern sah, was er sehen wollte: ein filmisches Meisterwerk, das nur in seiner Fantasie existierte.

Hinter dem flauen Grauen steckt eine Filmgesellschaft namens „Scream HQ“, deren Eigeninfo man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: „Scream HQ … entstand mit dem Ziel, qualitätvolle und unterhaltsame Horrorfilme zu produzieren. Scream HQ wurde 2005 von den talentierten Geschwistern Angela und Jay Lee gegründet. Mit 30 Jahren kombinierter Filmerfahrung bilden sie ein Team gleichermaßen begabter wie enthusiastischer Künstler. Mit ihrem ersten Spielfilm ‚The Slaughter‘ machten sie sich umgehend erfolgreich einen Namen in der Filmindustrie. Nach der Premiere auf dem exklusiven ‚Hole in the Head‘-Festivals in San Francisco wurde ‚The Slaughter‘ von der Kritik gerühmt und erfreute sich großer Zustimmung der Horrorfans.“

Wobei wohl nur Publikum der geistig nachweislich schlichten (oder stockbetrunkenen) Art geladen war …

Film von wirklich ganz unten

Der Vergleich mit Ed Wood, Jr., erfolgt hier nicht nur wegen der laienhaften Selbstüberschätzung hinter der Kamera. Wie Wood schart auch Lee eine Gruppe entweder hoffnungsvoller oder hoffnungsloser Nachwuchs-Darsteller um sich, die sich immer wieder vor seine Kamera locken lassen. Sie scheinen sich aus dem Heer hübscher aber gesichtsloser Hollywood-Schauspieler zu rekrutieren, deren Soldaten sich zwischen spärlichen Engagements als Kellner, Einparker oder Nachtclub-Tänzerinnen verdingen. Um dem zu entkommen, vergisst man schon mal seine Ansprüche und ignoriert die ‚Qualität‘ eines Drehbuchs, dessen Autor sich erfolgreich jeder Pisa-Studie fernhalten konnte.

Was Jessica Ellis und ihre unglücklichen Kolleginnen und Kollegen wirklich vor einer Kamera zu leisten vermögen, kann und darf nicht aufgrund „The Slaughter“ bewertet werden; es wäre ein Todesurteil, das womöglich unverdient ist. Normalerweise gehört es zu den Aufgaben eines Regisseurs, chargierende Darsteller zu kontrollieren und zur Ordnung zu rufen. Aufgrund seiner Tätigkeit als „total film maker“ mag Lee mit dieser Aufgabe nun wirklich überfordert gewesen sein. Möglicherweise war „The Slaughter“ ursprünglich als Stummfilm angelegt. In diesem Fall ergäben kollektives Gestikulieren und wilde Gesichtsverrenkungen einen gewissen Sinn.

Eine grundlegende Regel für einen Horrorfilm, der in den USA funktionieren soll, kennt Lee übrigens genau: Nackte Frauen möglichst jugendlichen Alters müssen sich vor der Kamera tummeln! (Wobei ‚nackt’‘in den prüden USA so definiert wird, dass z. B. das hüllenlose Dämonenweib einen Slip tragen muss, denn wo der Exorzist versagt, bleibt der Zensor garantiert siegreich!) Genau 13 (!) nackte und meist silikonfreie Busenpaare wippen, wenn der Rezensent richtig gezählt hat (wozu der Job als Kritiker verpflichtet) – der reinste erotische Overkill, über den man zumindest in Europa nur müde schmunzeln mag.

DVD-Features

Eine DVD ohne Extras ist selten bzw. stellt eine Warnung dar: Hier fehlt dem Anbieter jegliches Vertrauen in sein Produkt, das er deshalb möglichst nebenkostenfrei an seine Kunden bringen möchte. Nicht einmal Trailer für andere Filme gibt es, was schlau ist, könnte der erboste Zuschauer nach dem ‚Genuss‘ von „The Slaughter“ doch einen Boykott der übrigen DVDs des Labels beschließen.

Schade, dass ein „Making-of“ fehlt; es wäre sicherlich viel unterhaltsamer als der Film. Die Enthüllung der wahren Umstände, unter denen „The Slaughter“ entstand, fällt aber wahrscheinlich ebenfalls in die Kategorie der abschreckenden Faktoren. Verzichten muss der Masochist aber trotzdem nicht auf Hintergrundinformationen. Er findet sie unter hier im Internet (mit dem hübschen Untertitel: „Der Film, der Zuschauer auf ihre Kinositze kotzen ließ“). Wundert es übrigens, dass die Hälfte der im Menü ausgewiesenen Punkte weiterhin „under construction“ sind …?

Hervorzuheben bleibt abschließend das Geschick des deutschen Anbieters, dem es gelang, Synchronsprecher/innen aufzuspüren, die über ein feines Ohr für die miserablen Dialoge des Originals verfügten und diese kongenial in ihre Muttersprache übertrugen.

[md]

Titel bei Amazon.de