stalking-deadGerade will Fern den klammernden Robert in die Liebes-Wüste schicken, als dieser dramatisch zu Tode kommt. Ferns Trauer schwindet, als Robert als Geist zurückkehrt, ihr weiterhin den Hof macht und auf ihre Ablehnung übernatürlich wütend reagiert … – Als Komödie witzlos, höchstens schauspielerisch gruselig, als Film schleppend, ideenschwach und langweilig: ein Film-Debüt als Ofenschuss.

Das geschieht:

Eigentlich hat Fern Petersen keine Zeit für ein Privatleben. Die Schülerin bemüht sich, als Läuferin wettkampftauglich zu werden, um auf diese Weise ein Universitäts-Stipendium zu ergattern. Trotzdem kann sie dem Charme des zwar tollpatschigen aber freundlich-fürsorglichen Robert Klingher nicht widerstehen. Dabei hätte sein Name sie warnen müssen: Robert ist ein „clinger“, d. h. ein „Klammerer“, der Fern vor lauter Liebe die Luft zum Atmen nimmt.

Deshalb wird sie ihn nun abschießen. Genau an diesem Abend will Robert ihr jedoch seine ultimative Liebeserklärung präsentieren. Dabei findet er auf drastische Weise den Tod. Die geschockte Fern wird von ihrer Familie, den Freunden und den Mitschülern so intensiv bedauert, dass sie Robert nicht vergessen kann. Prompt kehrt der als „Liebesgeist“ aus dem Jenseits zurück, um dort anzuknüpfen, wo es ihn dahingerafft hatte.

Fern ist erst schockiert, dann erfreut, fühlt sie sich doch verantwortlich für Roberts Ende. Allerdings hat der im Tod nichts dazugelernt und rückt Fern noch nachdrücklicher auf die Pelle. Freundlichkeit ist zwecklos, weshalb sich Fern hilfesuchend an Coach Valeria wendet, die einst ein berühmter Ghostbuster war. Allerdings ist sie im Ruhestand und bietet außer düsteren Warnungen keine Unterstützung.

Robert reagiert verstimmt auf Ferns Rückzug. Zu ihrem Pech verfügt er als Geist über diverse übernatürliche Kräfte, die er nun anwendet, um die Geliebte zurückzugewinnen. Die Situation wird kritisch, als Robert entdeckt, dass Fern dem Hünen Harlan zugetan ist. Er wird wütend, und seine Attacken werden heftiger. Zu allem Überfluss unterliegt Robert den Einflüsterungen anderer Geister, die wie er zu einer Existenz zwischen Himmel und Erde verdammt sind: Wenn Fern ihre Ablehnung damit begründe, dass sie, eine Lebende, nicht mit einem Toten zusammen sein könne, sei die logische Schlussfolgerung, dass auch Fern sterben müsse – ein Vorhaben, dass Robert vehement in die Tat umzusetzen beginnt …

Witz im Würgegriff

Titel-‚Übersetzungen‘ bzw. Neufassungen bzw. Verdrehungen durch deutsche Film-Label sind für erfahrene Zuschauer ein untrüglicher Kompass. Wer ihn zu deuten versteht, lässt sich auch durch Jubel-‚Infos‘ oder geschickt zusammengeschnittene Trailer nicht in die Irre führen: Bockmist stinkt dann besonders kräftig, wenn Humor oder wenigstens Witz herbeigeredet oder heraufbeschworen werden soll. Dahinter steckt entweder Verzweiflung oder Berechnung sowie auf jeden Fall ein Film, den man meiden sollte.

Ganz schlimm wird es, wenn fader Wortwitz ins Spiel kommt. „Clinger“ heißt dieser Film im US-Original, was den Inhalt sehr schön beschreibt: Ein liebeskranker Geist klammert sich an seine lebendige Geliebte. Hierzulande wird daraus „The Stalking Dead“, was ohne die TV-Serie „The Walking Dead“ sogar ulkig sein könnte. So bleibt nur plumpes Blutegelsaugen an einem ungleich bekannteren und erfolgreicheren Vorbild. (Natürlich ist auch der Untertitel Nonsens: Schon wegen des Minimal-Budgets tritt Robert nur einmal ohne Kopf auf. Ansonsten muss eine aufgeschminkte ‚Naht‘ die zuvor gekappte Verbindung von Kopf und Hals repräsentieren.)

Zu allem Überfluss begeben sich Michael Steves, Gabi Chennisi Duncombe und Bubba Fish, die mit „The Stalking Dead“ ihr Filmdebüt geben und dabei sämtliche wichtige Positionen hinter der Kamera besetzen, auf ein gefährliches Terrain. Die meisten Anfänger versuchen sich nicht grundlos am ‚harten‘ Horror, der sich relativ kostengünstig für ein Publikum produzieren lässt, das in seiner einträglichen Mehrheit keine besonderen Ansprüche stellt. Humor ist dagegen riskant, weil Lachen schwieriger zu gewährleisten ist als Gruseln.

Einfall ohne Anschluss-Ideen

Wesentlich einfacher lassen sich andere Emotionen wecken: Verdruss, Langeweile, Wut … Die Reihe ließe sich auf der Basis dieses Films fortsetzen. „The Stalking Dead“ mag als Idee lustig und vielversprechend geklungen haben. Dies jedoch in eine filmlange Handlung zu verwandeln, ist eine ganz andere Sache – eine Erfahrung, die nicht nur unserem Anfänger-Trio machen mussten: Auch Multi-Millionen-Dollar-Produktionen wie die „(Female) Ghostbusters“-Version von 2016 zerschellten am selben Riff.

Nicht die Kombination Horror plus Humor ist das Elementarproblem; die beiden passen sogar gut zusammen, denn nicht umsonst lacht man gern gegen die Angst an. Doch immer wieder begehen unerfahrene und/oder talentlose Filmemacher den Fehler, einfach Gag an Gag zu hängen, bis die vorgesehene Lauflänge erreicht ist. Vernachlässigt wird dagegen die Erkenntnis, dass auch eine Komödie ein Film ist und deshalb eine Handlung benötigt, die den Scherzen ein Grundgerüst gibt. Die wirklich gelungenen und deshalb klassischen Komödien der Filmgeschichte berücksichtigen das.

Auch Steves, Duncombe & Fish – wie kann man übrigens hoffen ernstgenommen zu werden, wenn man sich „Bubba“ nennt? – war diese Regel durchaus bekannt. „The Stalking Dead“ HAT eine Story. Was dem Trio dagegen vollständig fehlt, ist das Gespür für Timing. Dabei muss ein Witz sorgfältig vorbereitet, präsentiert und beendet werden. Sonst verpufft er – ein Erlebnis, das dieser Film uns, den frustrierten Zuschauern, in Serie beschert.

Dieser Bissen war zu groß

Die Story muss nicht einmal originell sein. Sie bildet den Nährboden für die Gags. In „The Stalking Dead“ müssen diese allerdings verhungern. Selbst gelungene Scherze hängen in der Luft. So wird Kelseys durchaus komischer Hang, im Rahmen jeder ihrer absurden Geschäftsideen ausgerechnet Sockenpuppen einzusetzen, schlicht zu Tode ausgequetscht und dann vergessen, weil ein anderer Running Gag mehr Spaß verspricht – ein Muster, das „The Stalking Dead“ prägt.

Spaßverderblich sind weiterhin die ständigen Stimmungsschwankungen. Lachen, Weinen, Trauer, Liebe, Freundschaft, Zorn: Die ganze Gefühlspalette soll bedient werden, ohne dass jemand damit umgehen könnte. „The Stalking Dead“ wirkt wie das Produkt manisch-depressiven Teamworks.

Darüber hinaus geht der ohnehin dünnen Story nach kurzer Zeit die Luft aus. „The Stalking Dead“ dauert kaum 80 Minuten. Davon abzuziehen ist die Laufzeit für einen schier endlosen Abspann. Trotzdem wissen Steves, Duncombe & Fish bereits nach dem ersten Drittel nicht mehr, wohin sie ihr Handlungs-Schiff segeln wollen. Die Lücken werden breiter, die Löcher tiefer. Das große Finale ist eher ein großes Desaster. Nun klumpen sich weiterhin ranzige Witzchen, bis endlich die Erlösung naht: Der Film ist aus!

Schmale Kost für Augen & Ohren

Die Länge des Abspanns wird durch die Entstehungsgeschichte verursacht: „The Stalking Dead“ fand keinen ‚richtigen‘ Produzenten, sondern kam durch Crowdfunding zustande. Wer Geld schickte, wurde erwähnt – irgendwo in einer Kolonne mikroskopisch klein gesetzter Namen. Crowdfunding galt einige Zeit als Ei des Kolumbus, dem endlich jene originellen Filme entschlüpften, in die kein Studio Geld investieren wollte. Inzwischen zeigt sich, dass unter uns kein Heer unverstandener Genies ihr Dasein fristet: Crowdfunding erzeugt ebenso viel oder wenig Müll wie das ‚normale‘ Kino.

Groß kann die Summe ohnehin nicht gewesen sein, die Steves, Duncombe & Fish zusammenrafften. „The Stalking Dead“ ist in Sachen Ausstattung und Spezialeffekte von notgedrungener Ärmlichkeit. Ausgerechnet die klassischen, d. h. ‚handgemachten‘ Tricks sind schauerlich nur in ihrer Stümperhaftigkeit: Körperliche Verunstaltungen sind entweder dilettantisch aufgemalt oder werden durch grobe Attrappen angedeutet; wieso hierzulande ein „FSK-18“-Siegel vergeben wurde, bleibt ein Rätsel: Wenn sich die Muppets ihre Schädel einschlagen, wirkt das wesentlich authentischer; eine Assoziation, die sich auch einstellt, weil die aus dem Jenseits auftauchenden ‚Monster‘ schäbig gestaltete und jämmerlich animierte Handpuppen sind. (Besser gerieten merkwürdigerweise die digitalen Effekte. Offenbar hat sich in diesem Bereich des Projekts ein gewisses Talent gesammelt.)

Die ‚Schauspieler‘ – man muss den Begriff hier schützend in Anführungsstriche setzen – stehen sämtlich am Anfang ihrer Karrieren – und beinahe ausnahmslos schon vor dem Ende. Höchstens Jennifer Laporte zeigt als stampfbeinige Fern Petersen zumindest Ansätze darstellerischer Begabung. Für das Drehbuch spricht der Verzicht auf US-typischen College-Humor bzw. die für dieses Milieu üblichen Klischees. Robert ist zwar ein Nerd, wird aber nicht gemobbt, und sowohl die Sport-Asse als auch die Cheerleader sind weder Kotzbrocken noch Barbies. (Geeint werden sie in der deutschen Fassung alle durch Synchron-‚Sprecher‘ von der Reste-Rampe.)

Absicht ist diese Kümmerlichkeit nicht. „The Stalking Dead“ will kein Trash sein; dafür nehmen Steves, Duncombe & Fish ihren Film deutlich (zu) ernst. So bleibt es bei einem Scheitern, das weder Mitgefühl noch Sympathie weckt, weil man sich vor und hinter der Kamera ja immerhin bemüht hat: Filme wie diesen müssen und wollen wir nicht sehen!

DVD-Features

Der Rezensent atmet auf: Normalerweise muss er die Features auch missratener Filme wenigstens zur Kenntnis nehmen. Hier gibt es bis auf den Trailer keine Extras. Eine Website zum Film ließ sich aber feststellen.

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The Stalking Dead – Mein kopfloser Ex
Originaltitel: Clinger (USA 2015)
Regie: Michael Steves
Drehbuch: Gabi Chennisi Duncombe, Bubba Fish u. Michael Steves
Kamera: Gabi Chennisi Duncombe
Schnitt: Bubba Fish
Musik: Misha Segal
Darsteller: Vincent Martella (Robert Klingher), Jennifer Laporte (Fern Petersen), Julia Aks (Kelsey Petersen), Shonna Major (Moe Watkins), Alicia Monet Caldwell (Valeria Kingsley), Taylor Clift (Harlan), Leah Henley (Temperance Baker), Paulie Deo Jr. (Dean), Rebecca Gail (Jenny Bernstein), Jeffrey Bean (Phil Petersen), Debbie Rochon (Lynette Petersen) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 01.09.2016
EAN: 4041658350358 (DVD)/4041658380355 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 80 min.)
FSK: 18

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