The Task
– Face Your Primal Fear

Originaltitel: The Task (USA 2010)
Regie: Alex Orwell
Drehbuch: Kenny Yakkel
Kamera: Emil Topuzov
Schnitt: Dan Roberts
Musik: Ernst Meinrath
Darsteller: Antonia Campbell-Hughes (Angel), Ashley Mulheron (Shoe), Amara Karan (Toni), Tom Payne (Stanton), Marc Pickering (Randall), Texas Battle (Dixon), Alexandra Staden (Connie), Victor McGuire (Big Daddy), Adam Rayner (Taylor), Sam Stockman (Scelzi), Atanas Srebrev (Bob), Jonas Talkington (Clown), Valentin Ganev (Gefängnisdirektor) u. a.
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 25.11.2011
EAN: 0886979284791 (DVD) bzw. 0886979284593 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (Blu-ray: 94 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Mit Sicherheit weit unterhalb jenes Radars, das intellektuelle Regungen registriert, fliegen diese sechs Jungmenschen, die für eine TV-Reality-Show gecastet wurden. Sie sollen sich nicht innerhalb eines isolierten WG-Silos vor überall aufgestellten Kameras blamieren, sondern werden in ein vor vielen Jahrzehnten aufgegebenes Gefängnis geschickt. Eine Nacht sollen sie dort ausharren, dabei diverse Aufgaben lösen und sich ihren tiefsten Ängsten stellen. Die hatten sie vor der Casting-Kamera hilfreich ausgeplaudert, weshalb Produzentin Connie und ihre Crew in den finsteren Gängen und Zellen des alten Gebäudes entsprechende ‚Überraschungen‘ vorbereiten konnten.

Unglücklicherweise ist das Gefängnis verflucht. In den 1930er Jahren hatte ein völlig verrückter Direktor hier ein geheimes Privatreich eingerichtet und sich zum Herrscher aufgeschwungen. Folter, Vergewaltigung und Mord waren seine liebsten Zeitvertreibe, bis er endlich erwischt und – in den USA liebt man solche Symbolik – in der Gaskammer des eigenen Gefängnisses hingerichtet wurde. Seine Arbeit sei noch nicht getan, lauteten die letzten Worte des Unholds, der seither durch die Räume geistert und auf Dummköpfe lauert, die sich sein Gefängnis von Innen ansehen wollen.

Zunächst wundern sich Connie und ihre Leute über den glatzköpfigen Hünen, der plötzlich vor ihren Kameras erscheint und zunehmend gewalttätiger wird. Wie die Kandidaten gehen sie jedoch davon aus, dass der Sender heimlich beschlossen hat, die Situation ein wenig zu verschärfen. Auf diese Weise geschehen erste Morde, ohne dass der Spuk als solcher erkannt wird. Arglos stolpern Angel, Shoe, Toni, Stanton, Randall und Dixon durch das Gefängnis-Labyrinth und widmen sich jenen dümmlichen Aktivitäten, die sie im Dienste der TV-Unterhaltung verrichten sollen. Als sie dabei immer öfter ein Ende nehmen, das so von der Versicherung des Senders sicher nicht abgedeckt wird, beginnt sich Connie doch Sorgen zu machen. Sie schickt ihre Männer ins Innere des Gefängnisses, wo auch sie mit offenen Armen bzw. blankem Messer in Empfang genommen werden …

„After Dark“: ein Name wird zum Fluch

Seit 2006 gibt es das US-amerikanische „After Dark Horrorfest“; 2011 wurde es in „After Dark Originals“ umbenannt. Unter dem Titel „8 Films to Die for“ werden dort jeweils acht neue Gruselfilme gezeigt, die von unabhängigen Filmproduzenten realisiert wurden.

Was als Füllhorn interessanter, weil wider den Mainstream-Strich gebürsteter Genre-Produktionen geplant gewesen sein dürfte, entpuppte sich schnell als Pestgrube sattsam bekannter Klischee-Filmchen. Tatsächlich zuckt der Horrorfilm-Fan längst misstrauisch zusammen, wenn die Reizworte „After“ und „Dark“ als Duo auftauchen: Sie sind wie „Syfy“ oder „Asylum“ zu einer Warnung vor Verdruss und Zeitvergeudung geworden.

Auch „The Task“ ist ein unfreiwilliges „Best-of“ After-Dark-typischer Bockschüsse. Bevor er Farbe bekennen, d. h. sein Werk einem Publikum vorführen musste, rührte Regisseur Alex Orwell mächtig die Werbetrommel und kündigte ein kurzweiliges Meisterwerk des modernen Splatterfilms an. Was ihm stattdessen ‚gelang‘, ist ein weiteres Machwerk in der düsteren Tradition des bei Horror-Freunden verhassten Streifens „Halloween: Resurrection“, der 2002 erstmals mit und in den Kulissen einer Reality-Show spielte.

Keine Idee für Inhalt und Form

„The Task“ gehört zu jenen Filmproduktionen, die zwar in den USA spielen aber in einem der Länder des ehemaligen Ostblocks gedreht wurden. Dieses Mal ging es für Cast und Crew nach Bulgarien, einem nach Auskunft des Regisseurs an malerischen Ruinen überaus reichen Land. Dort wurde in aufgelassenen Gefängnissen und Fabriken gefilmt, was für kostengünstige aber eindrucksvolle Schauplätze sorgte – oder hätte sorgen sollen, wäre da nicht ein Regisseur am Werk gewesen, der dafür sorgte, dass weitläufige Zellentrakte wie jede x-beliebige Studio-Kulissen aussehen.

In gewisser (trauriger) Weise ist auch dies eine Leistung. Sie wird im Negativen weit übertroffen von einem Drehbuch, das unter sorgfältigem Ausschluss der Faktoren „Logik“, „Spannung“ und „Stimmung“ entstand. Dies macht sich bereits bemerkbar, wenn man das übernatürliche Element ausklammert: Die ‚revolutionäre‘ Reality-Show, die in unserem Gefängnis entsteht, kann eigentlich selbst bei rudimentärgeistig alltagspräsenten Zuschauern nur gähnende Langeweile erzeugen. Die Kandidaten huschen durch dunkle Gänge, während aus versteckten Lautsprechern eingespielte „Buh!“-Geräusche ein ‚unheimliches‘ Ambiente schaffen sollen: Jede Rummelplatz-Geisterbahn arbeitet effektiver!

Regisseur Orwell und Autor Yakkel mühen sich mächtig mit einer Geschichte, die Realität, manipulierte Realität und Geisterspuk miteinander mischen und die Grenzen spannungsförderlich verschwimmen lassen möchte. Die Idee ist interessant, die Ausführung ein Desaster. Orwell gelingt es keine Sekunde, die Präsenz des alten Gefängnisses als Stätte konservierten Grauens zu verdeutlichen. Er hat keinerlei Gespür für das Unheimliche, das er seiner Geschichte stattdessen eher austreibt.

Auch die angebliche Konfrontation der Kandidaten mit ihren größten Ängsten bleibt schamlose Übertreibung bzw. bloße Behauptung. Eine Vegetarierin soll ein Stück Fleisch verzehren, ein anderer Pechvogel muss in eine Grube voller Dreck steigen. Faktisch ist es höchstens der Zuschauer, der sich einer nur zu bekannten Furcht stellen muss: Wieder einmal wird sich die Hoffnung auf anderthalb Stunden schauderreichen Vergnügens nicht erfüllen!

„Überraschung“ nennt man, was gelingt

Sechs Kandidaten und fünf Produzenten stehen dem Geist des Direktors als Opfer zur Verfügung. Wie um die Eindimensionalität der Handlung zu unterstreichen, führen Orwell & Yakkel sie nacheinander auf die Schlachtbank. Nicht einmal auf Unterhaltung durch einfallsreich in Szene gesetzte Morde darf man hoffen. Gemetzelt wird kraftlos und im Halbdunkel, was die Frage aufwirft, wieso „The Task“ in Deutschland erst ab 18 Jahren freigegeben ist. Riskiert man hierzulande lieber die Wutschreie eines schmalen erwachsenen Publikums als das Hohngelächter einer zahlreicheren Jugend?

Im letzten Drittel versuchen Orwell & Yakkel mit einem ‚überraschenden‘ Twist, das Steuer herumzureißen und ihre Geschichte in eine neue Richtung zu treiben. Dummerweise ist die Idee, die ihnen dazu kam, denkbar dämlich, weil billig und abgedroschen. Zudem macht nicht nur die unbeholfene Umsetzung, sondern das Timing jede mögliche Wirkung des Twistes zunichte: Der erfahrene Horrorfilm-Freund weiß genau, dass dies noch nicht das Finale sein kann. In der Tat kommt später der noch ein & der eigentliche Schlusstwist. Er ist sogar noch klischeehafter und jagt jegliche Restlogik endgültig durch den Hirnabfluss.

Einsamer Held dieses Dramas ist Kameramann Emil Topuzov. Er müht sich nach Kräften, dem schlaffen Geschehen per Infrarot-Kamera und Splitscreen wenigstens einige interessante Bilder abzuringen. Dies nützt leider wenig, weil sich das Drehbuch auch optisch einfach nicht aufpeppen lässt.

Filmarbeit wird Fronarbeit

Normalerweise hält sich Mitleid, das der Zuschauer (oder der Rezensent) denen, die sich als Darsteller für Missratenes à la „The Task“ hergeben, in Grenzen. Sie kommen oft nicht grundlos so herüber, wie sie sind: Hollywood-No-Names, die sich zwischen zwei Jobs als Einparker oder Kellner glücklich schätzen, wenigstens in einem Billigfilm auftreten zu dürfen. Hier fällt allerdings höchstens Texas Battle in diese Kategorie, denn Alex Orwell heuerte seine Schauspieler in England an. Antonia Campbell-Hughes, Tom Payne oder Victor McGuire sind talentierte Profis, die ihre Wandlungsfähigkeit nicht nur in Film und Fernsehen, sondern auch auf der Bühne unter Beweis gestellt haben. Umso erschreckender ist es beobachten zu müssen, wie sie hier als flache Nullfiguren verschlissen werden. Außerdem sind sie alle sehr deutlich keine „Kids“ mehr, sondern Frauen und Männer in ihren späten Zwanzigern.

Der tumbe Schönling, die strohblonde & -dumme Schönheit, der schwule Zimperling, die taffe Gothik-Queen, die hyperschlaue Frau aus Indien und selbstverständlich der quotenschwarze Muskelmann, im TV-Team die kaltherzige Produzentin, der mobbende Kollege, der dicke und der blöde Kameramann sowie der kiffende Handlanger: Solchen saftlosen Figurenhülsen können die Darsteller keine Profile aufprägen. Jede dieser Knallchargen ist uns gleichgültig. Die Spannungsarmut des Films wird auf diese Weise nur noch stärker offengelegt.

Nach anderthalb Stunden sind immerhin (oder leider) zwei Protagonisten dem Direktor entkommen. Auf der Strecke blieb dagegen der Zuschauer, der einmal mehr eine bittere Lektion lernen musste: Horrorfilm-Konsum bleibt ein Glückspiel mit sehr beschränkten Gewinnchancen und wenigen Trostpreisen. In diesem Topf dominieren die unterhaltungsarmen Nieten – und diese hieß „The Task“.

DVD-Features

Die ‚Extras‘ beschränken sich auf einen fünfminütigen Blick hinter die Kulissen. Wer vor weiteren Enttäuschungen gewarnt sein möchte, die der trüben „After-Dark“-Quelle entspringen, wirft einen Blick auf die Trailer aller „After Dark Originals“ des Aufführungsjahres 2011.

[md]

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