The Thing

Originaltitel: The Thing (USA 2011)
Regie: Matthijs van Heijningen Jr.
Drehbuch: Eric Heisserer
Kamera: Michel Abramowicz
Schnitt: Peter Boyle, Julian Clarke, Jono Griffith
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Mary Elizabeth Winstead (Kate Lloyd), Ulrich Thomsen (Dr. Sander Halvorson), Joel Edgerton (Sam Carter), Eric Christian Olsen (Adam Finch), Adewale Akinnuoye-Agbaje (Jameson), Paul Braunstein (Griggs), Trond Espen Seim (Edvard Wolner), Kim Bubbs (Juliette), Jørgen Langhelle (Lars), Jan Gunnar Røise (Olav), Stig Henrik Hoff (Peder), Kristofer Hivju (Jonas), Jo Adrian Haavind (Henrik), Carsten Bjørnlund (Karl), Jonathan Walker (Colin), Ole Martin Aune Nilsen (Matias)
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 22.03.2012
EAN: 5050582873573 (DVD) bzw. 5050582873597 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 99 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Im kurzen antarktischen Sommer des Jahres 1982 entdecken Mitglieder einer norwegischen Forschungsstation nicht nur ein im Eis verborgenes Raumschiff, sondern auch seinen tiefgefrorenen außerirdischen Insassen. Der geniale aber arrogante Wissenschaftler Dr. Sander Halvorson sucht den Rat der fähigen Paläo-Biologin Kate Lloyd, die er top secret aus den USA einfliegen lässt.

In seiner Ungeduld beschließt Halvorson, das inzwischen geborgene Geschöpf noch in der Station aus dem Eispanzer zu schmelzen, damit er es vor allen anderen Forschern untersuchen kann. Die keineswegs tote, sondern in einer Art Winterstarre befindliche Kreatur erwacht, nutzt umgehend die Gelegenheit und ergreift die Flucht in die Polarnacht. Verwirrt durchsucht das Team die Station. Das Ding aus einer anderen Welt ist nicht ins ewige Eis geflüchtet, sondern lauert versteckt auf seine Verfolger. Der unglückliche Henrik wird scheinbar von ihm gefressen; seine Kameraden setzen das Alien mit Kerosin in Brand.

Halvorson und Kate untersuchen den Kadaver, in dessen Resten sie Henriks Leiche erstaunlich gut erhalten finden: Die Kreatur hatte offenbar damit begonnen, sie erst zu absorbieren und dann zu kopieren. Auf diese Weise wäre ein exaktes Ebenbild von Henrik entstanden, das dem Wesen als ideale Tarnung hätte dienen können.

Genau dies ist bereits geschehen, wie Kate erkennt: Die Kreatur ist in mindestens einer weiteren Inkarnation unter den Stationsbewohnern. Es wartet auf seine Chance, die menschen- und opferleere Antarktis zu verlassen, um sich wie ein Virus weiter verbreiten zu können. Die Station wird unter Quarantäne gestellt. Man sucht nach einer Methode, den unsichtbaren Feind identifizieren, was dieser erfolgreich sabotiert. Misstrauen bricht aus und wird zur Panik: Wer ist noch Mensch, wer schon Alien? Ein mörderischer Kampf auf und schließlich unter dem Eis beginnt …

Wir machen es anders und sind dabei zu erfolgreich

Manche Dinge müssen reifen. Wein gehört ebenso dazu wie jedes Modell der Automobilfirma Ferrari. Filmen ergeht es ähnlich, doch selten gelingt dies einem Streifen so erfolgreich wie der 1982er Version des Science-Fiction-Horror-Klassikers „Who Goes There?“ 1938 hatte John W. Campbell Jr. (1906-1971) unter dem Pseudonym „Don A. Stuart“ das nur novellenlange Werk in der August-Nummer des Magazins „Astounding Stories“ veröffentlicht und großes Aufsehen erregt.

Zwölf Jahre später begannen in Hollywood die Dreharbeiten zu „The Thing from Another World“. Unter dem neuen, eindeutigeren Titel setzte Christian Nyby (1913-1993) unter der unauffälligen aber stetigen Führung seines Auftraggebers Howard Hawks (1896-1977), selbst einer der großen Regisseuren seiner Ära, eine klassische Abenteuergeschichte in Szene, die noch heute spannend unterhalten kann. In einem Punkt musste Hollywood 1951 freilich passen: Die überzeugende Darstellung eines gestaltwandelnden Aliens überforderte die zeitgenössische Tricktechnik bei weitem. Man begnügte sich mit der Andeutung einer Kreatur, die vor allem seltsam aussah und zum Nutzen der Illusion das helle Licht mied.

Drei Jahrzehnte später hatte sich die Filmwelt gewandelt. Zwar steckte die digitale Technik noch tief in den Kinderschuhen. Dafür hatte die klassische Tricktechnik gewaltige Fortschritte erzielt: Sie realisierte nun künstliche, elektrisch und hydraulisch betriebene Monster, die nicht nur lebensgroß sein konnten, sondern dabei zum angenehmen Grausen des Publikums realistisch wirkten. Dies machte sich John Carpenter, 1982 ein Regisseur auf dem Gipfel seiner Karriere, zu Nutze. Er plante Außergewöhnliches – einen hoch budgetierten, prominent besetzten Spielfilm mit lupenreinen Splatter-Effekten. Die waren bisher dem Schmuddel-Kino der Kategorien B und C vorbehalten geblieben.

Carpenter brachte sie ins Mainstream-Kino – nicht als Erster, aber mit einer Konsequenz, die er bereuen sollte. Das Budget ließ die Beschäftigung erstklassiger Effektleute zu, die sich wahrlich ins Zeug legte. „The Thing …“ setzte 1982 Maßstäbe in Sachen Mutation, Blut- & Schleimfontänen. Noch reicher als dem Ding floss der Geifer allerdings Tugendwächtern und Zensoren aus den Maulwinkeln. Mit „The Thing …“ sei zumindest der moralische Untergang der Menschheit besiegelt, versicherten sie, und die üblichen Schar von Bolden bedrängte Carpenter, um ihn als perversen Geisteskranken zu steinigen. Da sich der Film an der Kinokasse nur passabel schlug, waren Carpenters Tage als Regisseur großer Hollywoodfilme vorbei.

Wir machen es anders und doch irgendwie genauso

Noch einmal drei Jahrzehnte später machen Realität und Gewöhnung zumindest die Akzeptanz busenreiner Gewalt in einem Maße möglich, von dem Carpenter 1982 nur träumen konnte. Folgerichtig stieg sein Film bei denen, die ihn sich unbesudelt durch Zensorenhände anschauen konnten, zum Klassiker auf. Dieser Status ist im ideenarmen und das Risiko scheuenden Hollywood des 21. Jahrhunderts zur Garantie für ein Remake oder Reboot geworden.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten war es 2010 soweit: Immerhin 35 Mio. Dollar durften Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. und sein Team in ein neues Ding investieren. In sein Langfilm-Debüt setzte der gebürtige Niederländer einigen Ehrgeiz. Ein schlichtes Remake schien weder ihm noch seinem Drehbuchautor Eric Heisserer – selbst ein junger Shooting-Star seiner Zunft – angemessen; der Versuch, Carpenter zu ‚verbessern‘, gleiche der Schandtat, der Mona Lisa einen Schnurbart unter die Nase zu zeichnen, versicherten auch die Produzenten Marc Abraham und Eric Newman fromm. Ihnen schwebe eine Hommage vor, die den Geist des Originals atme und gleichzeitig in die Gegenwart transportiere.

Was gut klingt aber gar nichts bedeuten muss, wie das Ergebnis offenbart: „The Thing“ – selbstbewusst ohne Untertitel oder Nummerierung benannt – spielt zwar einige Tage vor dem Grabenkrieg, den Carpenter in der US-Polarstation „Outpost 31“ entfesselte, erzählt aber über weite Strecken eine identische Geschichte. Wenn es ihn so interessierte, was zuvor in der norwegischen Station geschehen war – so van Heijningen –, wundert es, dass er höchstens variiert und sich erst im letzten Drittel von der Vorlage löst.

Thriller oder Quiz für Film-Nerds?

Oder präziser ausgedrückt: Von beiden Vorlagen. In den kritischen Anmerkungen zu „The Thing“ wird kaum auf die Parallelen zur Version von 1951 eingegangen. Dabei sieht Ulrich Thomsen in der Maske des Sander Halvorson seinem Vorbild Robert Cornthwaite (1917-2006) als Dr. Arthur Carrington bereits optisch erstaunlich ähnlich. In der Schärfe seines Verhaltens hat Halvorson in Carpenters „Thing“ kein Gegenstück.

Was als echtes Remake vielleicht eigene Wege gefunden hätte, bleibt als Prequel und Hommage erst recht gegen Carpenters Version chancenlos. Van Heijningen und Heisserer verwenden viel Hirnschmalz und Umsetzungsaufwand auf das Bemühen, ihr „Thing“ passgerecht vor Carpenters ‚Fortsetzung‘ zu flanschen. Es fehlt ein echter Grund außer dem Spaß an einem konsequenten Retro-Look, die Handlung erneut ins Jahr 1982 zu verlegen. (Die Abwesenheit von Handy und Internet hilft allerdings der Illusion von Isolation.) Ebenso unsinnig ist es, die Norweger-Station möglichst exakt nach den ‚Vorgaben‘ von 1982 zu rekonstruieren: Die Story benötigt mehr Spannung statt Requisite.

Bis sich das Geschehen ins Raumschiff verlagert, glänzt „The Thing“ vor allem als Film-Quiz. Was übernahm man von Carpenter (oder Nyby)? Was wird ‚später‘, d. h. in der Carpenter-Handlung, wieder auftauchen? (Beispielsweise die Axt, die Pilot Carter nach der Zweiteilung eines Aliententakels in einer Holzwand stecken lässt.)

Kalter Film im entsprechenden Ambiente

Dagegen lässt uns das Schicksal der vom Ding terrorisierten Menschen kalt. Die rauen Gesellen von „Outpost 31“ vermochte uns Carpenter deutlich enger als Herz zu legen. Dass Figuren wie Carter und Jameson wie blasse Kopien von MacReady und Childs wirken, ist zusätzlich kontraproduktiv. Während sich Dr. Carringtons Skrupellosigkeit auf seinen übersteigerten Forscherehrgeiz gründete, ist Halvorson nur ein ruhmsüchtiger, feiger Widerling – der klassische Bösewicht, den Regisseur und Autor  für das große Finalgefecht mit der Heldin aufsparen, worüber jeder Zuschauer von ersten Moment an im Bilde ist.

Zwar erspart man uns eine heiße Lovestory im ewigen Eis, doch die Frage, wie man das dabei entstandene Vakuum füllen könnte, überforderte Heisserer offensichtlich. Kate Lloyd ist deutlich zu jung für ihre Rolle und als Ellen-Ripley-Klon nicht annähernd so taff wie das Original. Mit sorgenvoll zerfurchter Miene steht sie immer wieder vor bärtigen Männern und ergeht sich in unheilvollen Andeutungen, denn laut Drehbuch fehlt die Zeit, einfach zu sagen, was vor sich geht; ein Stilmittel, das Heisserer definitiv liebt.

Die erwähnten Bärte – zwischen ihnen tummelt sich als weitere Referenz an die „Ding“-Version von 1951 eine zweite Frau – sehen einander ziemlich ähnlich. Im Kampfgetümmel mit dem Ding kann man sie schwer unterscheiden, was aber kein Manko ist: Sie sind Kanonenfutter, mit denen die Kreatur ihre gorigen Späße treiben kann. Was fehlt, ist jene Verdeutlichung einer um sich greifenden Paranoia, die Carpenter so dramatisch gelang. Unter den Tisch fallen darüber hinaus sämtliche Zwischentöne. Nybys Ding stand 1951 für die Angst vor einer ‚kommunistischen‘ Unterwanderung der USA, Carpenter fand Parallelen zur gerade erst erkannten AIDS-Krankheit, dessen Virus-Erreger sich ähnlich tückisch wie das Ding seiner Opfer bemächtigt.

Mit Rücksicht auf das jüngere/zahlende Publikum

Obwohl das Ding dank der digitalen Technik des 21. Jahrhunderts jede mögliche & unmögliche Gestalt annehmen und Menschen auf erstaunliche vielfältige Weisen fangen kann, geht es dabei beinahe umsichtig vor. Blut fließt kaum, geschweige denn spritzt es. Dieses Mal wird die Konfrontation mit der Zensur ausdrücklich vermieden. Auch die 16-Jährigen dürfen ihr Geld an der Kinokasse deponieren.

Zudem ist das Budget nicht üppig genug, um wirklich überzeugende CGI-Effekte zu ermöglichen. So sieht die Kreatur in ihren zahlreichen Erscheinungsformen immer noch dann am besten aus, wenn sie als Modell realisiert wurde. Tritt sie ins Rampenlicht, wird ihre Künstlichkeit schmerzlich offenbar. Besser leisten Bits & Bytes ihren Job, wenn der Auftritt des Dings kurz bemessen ist, es sich rasch bewegt und sich im Schatten hält. Einige Effekte wie die ‚Verschmelzung‘ von Kreatur und Opfer sind definitiv eindrucksvoll; dies gilt auch für das Konzept des Raumschiffes, das so 1982 keinesfalls hätte gezeigt werden können.

„The Thing“ von 2011 endet immerhin mit einem ‚doppelten‘ Finale: Sehr schön und unaufdringlich findet van Heijningen den Anschluss an Carpenters Vorlage, indem er zwischen die Schlusstitel kurze Sequenzen schneidet, die zwei Überlebende des Norweger-Camps mit der Jagd auf einen weiteren Ableger des Dings beginnen lässt, die kurz darauf (aber 29 Realjahre früher) in „Outpost 31“ tragisch enden wird.

Außerdem lässt er seine weibliche Hauptdarstellerin überleben und das Raumschiff unbeschädigt. (Bei Carpenter wird es von den Norwegern versehentlich zerstört.) Während an eine ‚echte‘ Fortsetzung mit einem allzu deutlich gealterten Kurt Russell kaum zu denken ist, ließe sich hier anschließen. Der Hoffnung auf das Zustandekommen eines Franchises steht allerdings die überwiegend ablehnende Haltung des Zielpublikums entgegen – ein Urteil, das den zwar allzu ehrgeizigen aber handwerklich gelungenen Film ein wenig zu hart trifft. Mancher gefeierte Blockbuster des Kinojahres 2011 ist definitiv misslungener als dieses solide B-Movie. Auf dem DVD/Blu-ray-Markt wird es seinen Weg erfolgreicher gehen.

DVD-Features

Die (geplatzte) Hoffnung auf einen echten Blockbuster spiegelt sich in den reichen Extras wider. Diverse „Unveröffentlichte und Erweiterte Szenen“ werden gezeigt, dazu ein 14-minütiges Feature, das sich filmgerecht nicht um die Schauspieler, sondern um das Ding dreht („The Thing entwickelt sich“). Eine Featurette geht auf die Problematik von Dreharbeiten ein, die „Feuer und Eis“ miteinander kombinieren. Außerdem gibt es einen Audiokommentar von Regisseur Matthijs van Heijningen und Produzent Eric Newman.

[md]

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