uh-oh-showEine neugierige Reporterin entdeckt, dass hinter den Kulissen einer TV-Schnetzel-Show auch die Gewinner kostensparend per Kettensäge ‚entsorgt‘ werden, was die Produzenten keinesfalls aufgedeckt wissen wollen … – Aus einem 37-jährigem Regie-Ruhestand kehrt „Gore“-Pionier Herschell Gordon Lewis mit diesem antiquierten, keinesfalls nur gewollt trashigen, gnadenlos unlustigen Filmchen zurück; diese Exhumierung noch zu Lebzeiten sollte der Zuschauer sich ersparen!

Das geschieht:

Weil ihm sein Onkel Hershell als Kind zu viele perverse Gruselgeschichten erzählt hat, ist Fred Finagler erst verrückt geworden und dann zum Fernsehen gegangen, wo er die „Uh-Oh-Show“ erfand: Moderator Jackie stellt seinen Kandidaten dümmliche Fragen; ist ihre Antwort korrekt, gewinnen sie absurd wertvolle Preise. Die Zuschauer im Saal und vor den Bildschirmen hoffen jedoch auf Fehler: Dann wird das „Rad des Unheils“ auf die Bühne geschoben. Kommt es nach energischem Drehen zum Stillstand, steht sein Zeiger auf dem Namen eines Körperteils. Es erscheint der irre Rex, der dem Pechvogel mit einer Kreissäge abschneidet, was angezeigt wurde.

Die „Uh-Oh-Show“ ist ein Bombenerfolg und soll sogar in die TV-Primetime verlegt werden. Finagler denkt sich eine noch blutigere Version aus, die auf den Märchen der Gebrüder Grimm basiert. Doch Jackie entwickelt plötzlich Skrupel, und die neugierige Reporterin Jill Burton schnüffelt hinter den Kulissen der Show herum, nachdem ihr Freund als Kandidat ein übles Ende nahm. Dabei entdeckt sie, dass die ausgelobten Preise gar nicht verteilt werden: Auch die Gewinner der „Uh-Oh-Show“ verlieren ihr Leben, die Produzenten sparen so viel Geld.

Damit hat Jill ihr eigenes Todesurteil gesprochen, denn ihr Chef ist Teil dieses Komplotts. Finagler schickt ihr seine Schergen hinterher. Nur Jills Ex-Kameramann und Freund Oscar, ein schmieriger Enthüllungs-Journalist, der inzwischen gefeuerte Jackie sowie die geschasste „Uh-Oh“-Busen-Fee Champagne stehen ihr zur Seite. Gemeinsam schleicht sich das Quintett in die neue Show ein, um Finagler, der persönlich die Moderatoren-Rolle übernommen hat, vor laufender Kamera bloßzustellen – eine lebensgefährliche Mission, denn nicht nur Finagler, sondern auch Rex und ein ganzes Rudel geistesgestörter Irrer, die in der Show ihre Mordtriebe ausleben dürfen, gedenken nicht, sich ihr Geschäft oder ihren Spielplatz wegnehmen zu lassen. Auch hinter den Kulissen wird nun zerstückelt und gemordet, was die dafür geeigneten Instrumente hergeben …

Im Bilgenwasser der Filmgeschichte

Wenn du lang genug lebst, sinken um dich herum deine Feinde (und Kritiker) ins Grab. Was sie dir einst vorwarfen, ist irgendwann vergessen, zumal du allein nunmehr deine Sicht der Vergangenheit verbreiten kannst, und was dich einst berüchtigt machte, sorgt nun höchstens für neue Berühmtheit. Ob besagte Feinde (und Kritiker) mit ihrem Urteil einst richtig lagen, ist völlig unerheblich, denn der Skandal von gestern wird zur Unterhaltung von heute.

Wie Posträuber Ronald Biggs, US-Gaunerpräsident Richard Nixon oder Johannes Heesters profitierte auch Herschell Gordon Lewis (1926 oder 1929-2016) von diesem Phänomen. Zwischen 1959 und 1972 sprach man deutlich unfreundlicher über den Regisseur, Autor und Produzenten von Filmen, deren Titel zwar Programm sein sollten, die aber in Sachen Verworfenheit selten hielten, was sie dem erwartungsvollen Publikum versprachen: „Goldilocks and the Three Bares“ (1963), „Scum of the Earth“ (1963), „She-Devils on Wheels“ (1968), „Miss Nymphet’s Zap-in“ (1970).

Lewis drehte „Nudies“ und Billig-Horror, wobei ihm schnell der naheliegende Gedanke kam, nackte Mädchen und Gewalt miteinander zu kombinieren. Während sein Zeitgenosse Russ Meyer („Faster, Pussycat! Kill! Kill“, 1965) als drittes Element einen rauen aber herzlichen Humor in seine Filme einbrachte und damit die Herzen auch ‚ernsthafter‘ Kritiker gewann, drehte Lewis mutwillig aber konsequent an der „Gore“-Schraube und schuf Schmuddel-Horror-Klassiker wie „Blood Feast“ (1963), „Two Thousand Maniacs!“ (1964) oder „The Wizard of Gore“ (1970).

Was zunächst durch ein nie gekanntes Übermaß an Folter & rüder Zerstückelung faszinierte, wurde Ende der 1960er Jahre zum „Camp“ geadelt: Die intellektuelle Jugend hatte buchstäblich Blut geleckt und amüsierte sich über geschmacklose, billig hergestellte, unfreiwillig schräge Filme. Rasch entwickelte sich ein eigenes Genre, und die entsprechenden Filme wurden absichtlich immer abgedrehter. Lewis sprang auf diesen Zug auf; Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre verloren seine Werke auch den Rest ihres ohnehin nie sehr ausgeprägten Handlungsernstes.

Ein langes Leben kann auch Fluch sein

1972 war nach „The Gore Gore Girls“ Schluss; der harte Horror erreichte das Mainstream-Kino, der Porno erledigte die ‚softe‘ Erotik, blanke Brüste füllten sich mit Silikon. Lewis verschwand von der Bildfläche. Fast vier Jahrzehnte verstrichen, in denen sich die Sünden der Vergangenheit auf die weiter oben beschriebene Weise verklärten. Lewis wurde zum Mythos. Die Filmkritik entdeckte seine Werke wieder und erklärte sie zu frühen Meisterwerken eines Mannes, der gegen das zeitgenössische Establishment aufgestanden war und spielerisch die hässlichen Wahrheiten einer grundsätzlich schlechten Welt offenbart hatte. Weniger anspruchsvolle Zeitgenossen hatten einfach ihren Spaß an den alten, ungelenk inszenierten und mit Anti-Schauspielern besetzten Machwerken.

Lewis-Horror wurde neu veröffentlicht und schön aufgemacht unter Käufer gebracht, die zum großen Teil noch gar nicht geboren waren, als die „Gore Gore Girls“ ihr Unwesen trieben. In einem nächsten Schritt wurde der Trash-Altmeister selbst reaktiviert. Es genügte, dass er noch lebte. 2002 saß Lewis nominell im Regiestuhl von „Blood Feast 2: All U Can Eat“. Mit dieser ‚Fortsetzung‘ seines Films von 1963 hatte Lewis nichts zu tun; er gab seinen profitablen Namen her. Allerdings rief ihn diese Erfahrung zurück ins Film-Leben: Lewis wollte wieder einen ‚echten‘ Herschell-Gordon-Lewis-Schocker drehen.

2009 war es soweit. „The UH-OH Show“ fällt in die vollständige Verantwortung des alten Kämpen. Mit diesem Comeback hat er weder sich noch seinem Publikum einen Gefallen getan, obwohl die Werbung sowie jene Fans, die neuen Lewis-„Gore“ einfach großartig finden WOLLEN, das Gegenteil behaupten.

Was soll so etwas heute?

Tatsächlich hat sich Lewis überhaupt nicht weiterentwickelt. Weiterhin verknüpft eine simple bis fadenscheinige Story diverse Schnetzel- und Titten-Szenen. Das traurige Ergebnis wird uns als ironische Verbeugung vor dem klassischen Trash-Horrorkino verkauft. Wer sich diesen Sand nicht in die Augen streuen lässt, findet sich erschüttert mit antiquiertem, absolut witzfreiem Müll konfrontiert – und Müll ist nicht Trash, dem bekanntlich ein erheblicher Unterhaltungswert innewohnen kann.

Die alten Lewis-Streifen SIND Trash, weil sie ihrer Entstehungszeit verhaftet sind. „The UH-OH Show“ mag irgendwann ebenfalls Trash werden. Aktuell ist dieser Film nur die endlose Verkettung mühsam oder gar nicht miteinander verbundener Episoden sowie Gags, die nicht zünden wollen oder können, da sie miserabel sind. Dies passt zum Irrwitz des ganzen Projektes, denn welcher Sinn könnte dahinter stecken, einen Film-Stil zu kopieren, dessen Haltbarkeitsdatum vor Jahrzehnten abgelaufen ist? Es muss schon ein Quentin Tarantino kommen, der das Trash-Kino in seine Elemente zerlegt, sie neu zusammensetzt und mit den Mitteln der Gegenwart überhöht.

Lewis zeigt in dieser Hinsicht nur marginale Bemühungen. „The UH-OH Show“ soll ein Fernsehen ironisieren, das seine Zuschauer mit immer neuem Schwachsinn und gesteigerten Brutalitäten verdummt und abstumpft. Dies ist ein Vorwand, Lewis soll liefern, wofür er in der Vulgär-Version seiner Filmgeschichte berühmt ist. Also lässt er diverse Sägen kreisen, während die Kamera unbarmherzig die dilettantische Machart nicht nur der Spezialeffekte enthüllt.

Das Grauen einer unkomischen Horror-Komödie

Diese Splatter-Szenen sind das reinste Kasperle-Theater, die Tricks auf dem Niveau von 1972; sie sollen es wohl auch sein, denn „The UH-OH Show“ ist ja eine komische Hommage an den ohnedies comichaft überzogenen Herschell-Horror. Vier Jahrzehnte später ist so etwas langweilig, weil es zu allem Überfluss öde in Szene gesetzt wird. Lewis war niemals ein guter Erzähler. Blut und Titten waren in ständig wechselnder Reihenfolge die Schauwerte seiner Filme, die er möglichst billig herunterkurbelte. Traditionell wurden für diese Verbrauchsware keine Schauspieler engagiert, sondern Darsteller angeheuert, die zu Recht ohne Job (männlich) sowie bereit waren, ihre sekundären Geschlechtsorgane in die Kamera zu halten (weiblich). Folgerichtig erweist sich auch „The UH-OH Show“ als Panoptikum schamfreien Non-Talentes.

Die Darsteller machen daraus keinen Hehl. Den vielleicht größten Lacherfolg erzielt Lewis (wiederum unfreiwillig) durch die Beschäftigung von Mimen, die Real-Namen wie „Krista Grotte“, „Lauren Schmier“ oder „Joel D. Wynkoop“ tragen. Woher kommen diese Leute? Meist sind sie in Film oder Fernsehen bisher (aus gutem Grund) kaum oder gar nicht präsent gewesen. Sie chargieren aus Leibeskräften und wollen uns Zuschauern deutlich bzw. weismachen, welchen Spaß es ihnen bereitet, in einem Herschell-Gordon-Lewis-Film aufzutreten – ein Vergnügen, das wir gefälligst zu teilen haben.

„They never come back“ – schön wär’s!

Schließlich gibt Meister Lewis sich persönlich die Ehre als klappriger Grusel-Greis, der in Crypt-Keeper-Manier mehrfach in das Geschehen eingreift. (In einer für das Geschehen absolut irrelevanten Szene gibt sich auch Gaststar Lloyd Kaufman, der ungekrönte König des „Troma“-Trash-Kinos, als Zuhälter die Ehre und rundet das Spektrum der Peinlichkeiten mit einer wahren Flut infantiler Fäkal- und Klemmsex-Witzchen ab.) Sie alle eint die Schrecklichkeit ihrer auf Film gebannten Blamage, für die sie ein fahriges Drehbuch mitverantwortlich machen können, das Old Herschell möglicherweise seit 1972 in einer Schreibtischschublade hortete.

Lewis drehte in Saint Petersburg in Florida, was wenig überrascht, da dies der Staat ist, in die es die meisten US-Rentner zieht. Anscheinend richtete er die Handlung nach vorhandenen Kulissen ein; ansonsten kamen viel Sperrholz und Silikon (s. Champagne und Coco) zur Verwendung. Abgeschlossen wird das Trauerspiel durch einen Abspann, der anscheinend „Bloopers“, also beim Dreh fehlgeschlagene Szenen, enthält; dies zu entscheiden fällt schwer, da sie sich in ihrer ‚Qualität‘ kaum von dem im Hauptfilm Gezeigten unterscheiden.

Nach „The UH-OH Show“ schien Herschell Gordon Lewis sich endgültig aufs Altenteil zurückgezogen zu haben. Doch 2014 wurde er noch einmal weich. Für das obskure Anthologie-Projekt „BloodMania“ gab er seinen Namen her, fungierte als Erzähler und ‚inszenierte‘ zwei der vier Episoden. Es dauerte zwei Jahre, bis der Film fertiggestellt und einen Verleih gefunden hatte. Flankierend dazu starb Lewis am 26. September 2016, was dem Filmchen eine gewisse Aufmerksamkeit sicherte.

DVD-Features

Für ein angebliches Trash-Fest fallen die Extras zum Hauptfilm – der übrigens nur auf DVD erscheint – kärglich aus. Ein Trailer zum Film und ein siebenminütiger Blick hinter die Kulissen verraten wenig über die schwierige Entstehungsgeschichte. „The UH-OH Show“ wurde bereits 2009 abgedreht, doch der Regisseur benötigte weitere zwei Jahre für die Nachbearbeitung. Wesentlich aufschlussreicher und interessanter ist deshalb Lewis‘ Audiokommentar. Der alte Mann hat Humor und definitiv viel zu erzählen, auch wenn er nicht ganz einfach zu verstehen ist; eine deutsche Untertitelung wäre hier hilfreich.

„Humor“ ist ein Phänomen, das der (deutschen) Zensur bekanntlich fremd ist. „The UH-OH Show“ erst ab 18 Jahren freizugeben, könnte freilich auch als Marketing-Trick des Labels begriffen werden, das damit ein Gore-Fest suggerieren möchte; der pompös-aussagelose Untertitel „Ultimate Uncut Version“ will das bekräftigen – ein Schuss, der böse nach hinten losgehen könnte bzw. sollte!

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The UH-OH-Show
Originaltitel: The Uh! Oh! Show (USA 2009)
Regie u. Drehbuch: Herschell Gordon Lewis
Kamera: Wes Pratt, Jill Sager
Schnitt: Chris Woods
Musik: Patrick Ford
Darsteller: Brooke McCarter (Jackie), Nevada Caldwell (Jill Burton), Joel D. Wynkoop (Fred Finagler), Krista Grotte (Champagne), Lauren Schmier (Coco), Jack Amos (Dean), Kenny Rogers (Oscar), Bruce Blauer (Ray Hemming), Jarrett Ricker (Richard), Trish Dempsey (Old Lady Blume), Kreissägen-Rex (Broward „Eclipse“ Holsey) u. a.
Label: 8-Films
Vertrieb: WGV Medien
Erscheinungsdatum: 25.11.2011 (DVD)
EAN: 4033056901492
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 18

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