The Vineyard – Das Geheimnis eines uralten Elixiers

Originaltitel: Tierra de Sangre (Chile 2014)
Regie: James Katz
Drehbuch: James Katz u. Oscar Orlando Torres
Kamera: Miguel Bunster
Schnitt: Javier Estévez
Musik: Patrick Kirst
Darsteller: Aislinn Derbez (Magdalena), José María de Tavira (Leandro), Francisco Pizarro Saenz de Urtury (Louis Laurent Pelletier), Aurélien Wiik (Etienne),  Camila Hirane (Eliza), Peter Verachtert (Mathieu), Nicolás Saavedra (Inspektor Martin), Mark Weiler (Mark), Alisha Seaton (Kathy), Francisca Walker (Luisa), William Charlton (Robert Parsons) u. a.
Label: Kinokater
Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.01.2016
EAN: 4250128415576 (DVD)/4250128415583 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 102 min. (Blu-ray: 106 min.)
FSK: 12

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Das geschieht:

Chile in Südamerika vor 150 Jahren: Unweit der Hauptstadt Santiago fristen die schöne Magdalena, ihr Taugenichts-Bruder Leander und der kranke Vater ihr Dasein als Bauern. Vor allem Magdalena hängt am Familienbesitz und verweigert sich dem Verkauf, als aus dem fernen Frankreich der Winzer Louis Laurent Pelletier erscheint und so viel Land wie möglich aufkauft, um ein Weingut aufzubauen.

Da Louis sich auf Anhieb in die widerspenstige Schönheit verliebt, wirbt er mit Nachdruck um sie, wobei Magdalenas bisherige Liebe spurlos verschwindet. Ohnehin kommt im Dorf Unruhe auf, denn auf den Weinbergen geht es um: Ein „Dämon“ treibe dort sein Unwesen, verkündet der inzwischen fromm und Mönch gewordene Leander. Der betätigt sich als Wunderheiler: Aus dem Weinkeller der Pelletiers hat er ein Fass Rotwein gestohlen, dessen Genuss offenbar jede Krankheit heilt. Magdalena hält dies für Unsinn. Sie ist freilich abgelenkt, denn sie hat Louis‘ Heiratsantrag angenommen.

Das junge Glück wird jäh getrübt, als aus Frankreich Louis‘ hochmütiger Bruder Etienne anreist. Angeblich vermisst er den Bruder. Tatsächlich will er die Produktion eines ganz besonderen Weines überwachen: Die Pelletiers sind Vampire, die ihre Unsterblichkeit dadurch sichern, dass sie einen Teil ihrer Weinreben mit Blut düngen.

Etienne beginnt skrupellos damit, die Dörfler und ihre Angehörigen heimzusuchen. Mit Hilfe des zwar blonden aber finsteren Matthieu verschleppt er sie in einen geheimen Kerker, um ihnen dort das Blut abzuzapfen. Die inzwischen schwangere Magdalena schöpft Verdacht und beginnt die Pelletier-Brüder zu beobachten. Dabei entdeckt sie nicht nur das Versteck, sondern auch das Geheimnis ihrer neuen ‚Familie‘ – eine Erkenntnis, deren Bekanntgabe Etienne zu verhindern versucht, indem er auch seine Schwägerin zur Ader lassen will …

Blut und Wein: besondere Säfte

Seit der Mensch entdeckte, dass sich aus vergorenem Traubensaft ein schmackhaftes und anregendes Getränk herstellen lässt, ist der Weinbau zu einer eigenen Kultur geworden. Viele Jahrhunderte intensiver Beschäftigung haben unzählige Weinsorten entstehen lassen. Deren Kenner gelten als Kulturmenschen (oder – je nach Betrachtungsperspektive – als Besserwisser), die Wahl des ‚richtigen‘ Weines zeugt in ‚besseren‘ Kreises von sozialer Klasse.

Dass in der christlichen Kirche Wein während der Heiligen Messe stellvertretend für das Blut Christi getrunken wird, steigert die Bedeutung des Rebensaftes auf ein ganz eigenes Niveau. In diesem Sinn heben auch bzw. gerade Kirchenmänner gern privat den gut gefüllten Pokal, worin ihnen das gläubige Volk nacheifert. Zu guter Letzt weisen Blut und Rotwein eine gemeinsame Farbe auf, womit die Gleichsetzung unterstrichen wird.

Also liegt es nahe, Blut und Wein gleichzusetzen, um daraus eine Schauermär um Winzer-Vampire zu stricken. Warum auch nicht; man hat – vor allem als Gruselfreund – schon seltsamere (oder dämliche) Ausgangssituationen erlebt, aus denen sich unverhofft unterhaltsame Geschichten entwickelten. Diese Rechnung geht in unserem Fall allerdings & leider nicht auf: „The Vineyard“ erzählt eine ohnehin simple Geschichte ohne jene Überraschung aber dafür unnötig umständlich.

Ein bisschen für alle aber nichts richtig

„The Vineyard“ – der ‚deutsche‘ Titel ist wieder einmal ein trauriger Witz und wird nur vom absurden Untertitel „Das Geheimnis eines uralten Elixiers“ übertroffen – ist eine seltsam fahrige Produktion. Gedreht wurde zwar tatsächlich in Chile, doch als Regisseur fungierte der US-Amerikaner James Katz, der hier seinen ersten Spielfilm inszenierte. War dies eine Bedingung für den US-Anteil des Budgets? Verdanken wir dem die aufgepfropfte, für die Geschichte unnötige Rahmenhandlung, in der sich zwei US-Urlauber das dann als filmischer Rückblick ablaufende Hauptgeschehen erzählen lassen?

Während der Plot funktioniert, bleibt die Umsetzung unbefriedigend. „The Vineyard“ könnte das Pendant eines jener „Event-Movies“ sein, mit denen das deutsche Privatfernsehen seine Zuschauer quält. Die Handlung ist geradlinig bzw. trivial, was auch plump eingeflochtene ‚Rätsel‘ nicht ändern: Selbst im Halbschlaf weiß der Zuschauer, worauf diese Geschichte hinauslaufen wird. Das ist immerhin dort von Vorteil, wo gewaltige Logiklöcher klaffen, denn sie lassen sich ignorieren.

Zumindest der latent anspruchsvolle Zuschauer liebt Überraschungen. Dies sabotiert Katz, der auch das Drehbuch mitverantwortet, bereits durch den wirren Einstieg in seine Schauermär, die zu allem Überfluss ohne Auflösung bleibt: Der böse Etienne verschwindet einfach im Weinberg-Nebel; wie es ihm ergangen ist, sei eine Geschichte, die sie irgendwann später erzählen werde, meint Luisa, die dem tumben US-Pärchen Mark und Kathy die Geschichte des Weinguts erzählt – warum auch immer, da vor allem Mark ein Idiot ist, den sie mit Hunden vom Grundstück jagen sollte. Der Zuschauer würde jubeln, da Mark Weiler sein gleichnamiges Rollen-Pendant geradezu (aber sehr wahrscheinlich unfreiwillig) genial verkörpert, d. h. das Publikum bis aufs Blut reizt.

Schauspiel-‚Kunst‘ der Stummfilm-Ära

Allerdings befindet sich Weiler damit in so guter Gesellschaft, dass sich die Frage stellt, ob Katz Übertreibung als Stilmittel für seine Darsteller vorgeschrieben hat. Schauspielerischen Feinsinn wird man jedenfalls vergeblich suchen. Die Figuren sind gleichzeitig flach und übertrieben gezeichnet, die wenigen Charaktereigenschaften auf eine Weise überzeichnet, die nicht selten die Grenze zur Karikatur überschreitet.

Aislinn Derbez soll als Magdalena eine starke Frau darstellen. Das ist schon deshalb eine Herausforderung, weil Feminismus um 1850 durch Abwesenheit glänzte. Derbez bleiben nur wenige Optionen, den ihr durch die Rolle eingepflanzten Eigensinn zu demonstrieren. In der Regel demonstriert sie Zorn auf selbstgerechtes Mannsvolk, indem sie ihre Augen aufreißt und die Nüstern bläht.

Die männlichen Darsteller werden freilich ebenfalls vom Drehbuch im Stich gelassen. Vor allem José María de Tavira bleibt als Leander eine Witzfigur: der typische, scheinheilige Eifer-Mönch, der fromme Floskeln schwatzt, die Hände zum Gebet faltet und die Augen gen Himmel verdreht. Als Vampir wider Willen Louis ist Francisco Pizarro Saenz de Urtury bereits durch sein groteskes Kostüm und seine monumentale Haartolle – sie gleich einer erstarrten Tsunami-Woge – verraten und verkauft, denn wer könnte diesen Popanz ernstnehmen? Ähnlich lachhaft wirkt Aurélien Wiik als ‚bitterböser‘ Etienne, der ständig am Weinglas nippt, um die Blut-gleich-Wein-Analogie zu unterstreichen.

Zahnloser Vampir-Horror

„The Vineyard“ ist hierzulande für Zuschauer ab 12 Jahre freigegeben. Für den erfahrenen Gruselfreund bedeutet dies ein Warnung: Auf expliziten Horror darf er (oder sie) nicht hoffen! In der Tat dürfte es schwerfallen, einen Vampirfilm zu finden, im dem weniger Blut als in diesem fließt. Wenn gemordet wird, geschieht es in der Regel im Off. Opfer werden ebenfalls nur ansatzweise gezeigt. Sind sie schlimm zugerichtet, muss das Entsetzen in den Gesichtern derer, die sie finden, den Anblick ersetzen.

Ein solcher Ansatz ergäbe Sinn, würde es Katz gelingen, die offenbar angepeilte Mischung aus Märchen und Love-Story zu verwirklichen. Dabei scheitert er jedoch auf ganzer Linie. „The Vineyard“ ist kein stimmungsvoller Mystery-Grusel, sondern nur naiv in Plot und Umsetzung. Dazu passt eine Filmmusik, die eine ähnliche Konsistenz wie Tapetenkleister aufweist, sich aufdringlich über jede Szene ergießt, die Atmosphäre atmen soll, und diese zuverlässig erstickt: „The Vineyard“ weist eigentlich alle Eigenschaften jener „Telenovelas“ auf, die in Lateinamerika als Pendant zur „Soap Opera“ das TV-Programm verseuchen.

Dazu passt, dass dem Vampir-Element zu wenig Raum gegeben wird. Vor allem der Mittelteil unserer Geschichte vergeht darüber, dass Louis und Mathilde sich näherkommen. Zweifellos soll dies an die Herzen der Zuschauer/innen rühren, wird aber so übertrieben, dass es in Langeweile und schließlich Ärger umschlägt: Wann geschieht endlich etwas, das diesem Laientheater ein wenig Schwung verleiht? Immerhin ist der nach dem Schlapp-Finale in der Gegenwart spielende Epilog recht witzig, auch wenn abermals jede Überraschung ausbleibt. Mystery aus Chile: Das weckt Interesse, doch „The Vineyard“ ist ein gepantschter Stoff, der keine Unterhaltung, sondern nur Kopfweh bereitet.

DVD-Features

Keine Untertitel, keine Extras, minderwertige Synchronisierung: Die inhaltliche und formale Ärmlichkeit dieses Film spiegelt sich in den ‚Features‘ wider.

Kurzinfo für Ungeduldige: Vornehme Franzosen bauen Wein im südamerikanischen Chile an. Der Gutsherr freit eine schöne Einheimische, die nach und nach feststellen muss, dass ihr Gatte ein düsteres Geheimnis hütet, während auf den Weinbergen ein mörderischer Dämon sein Unwesen treibt … – Die naive Heldin benötigt deutlich mehr Zeit als der Zuschauer, bis sie einen Zusammenhang herstellt; auch sonst ist dieser Film eine wenig zündende Mischung aus Lovestory und Softgrusel auf „Telenovela“-Niveau: kann ignoriert werden.

[md]

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