Trailer Park of Terror

Originaltitel: Trailer Park of Terror (USA 2008)
Regie: Stephen Goldman
Drehbuch: Timothy Dolan
Kamera: Jeff Venditti
Schnitt: Jarred Buck
Musik: Alan Brewer
Darsteller: Nichole Hiltz (Norma), Lew Temple (Marv), Myk Watford (Roach), Ed Corbin (Stank), Trisha Rae Stahl (Larlene), Michelle Lee (Miss China), Matthew Del Negro (Pastor Lewis), Jeanette Brox (Bridget), Stefanie Black (Tiffany), Ricky Mabe (Michael), Ryan Carnes (Alex), Hayley Marie Norman (Amber), Cody McMains (Jason), J. P. Manoux (Cigrit), Priscilla Barnes (Jean), Trace Adkins (Teufel), Tracey Walter (Trucker) uva.
Label: Capelight Pictures
Erscheinungsdatum: 16.10.2009 (Kauf-DVD u. Kauf-Blu-ray)
EAN: 4042564117646 (DVD) bzw. 4042564117653 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Tophet Meadows ist einer jener Trailer-Parks, in denen die Gescheiterten und Ausgestoßenen der US-Gesellschaft ihr durch Gewalt, Suff und Sudel-Sex geprägtes Dasein fristen. 1981 versuchte die junge und hübsche Norma den Ausbruch, doch Straßenräuber Marv, Möchtegern-Rocker Roach und Freizeit-Schlachter Stank brachten eifersüchtig ihren Freund um, weil er ‚besser‘ war als sie. In ihrem frustrierten Zorn wurde Norma das ideale Opfer für den Teufel, der ihr eine kaliberstarke Pump-Gun überreichte und zum Massenmord an ihren Peinigern aufhetzte, zu denen noch die ‚Masseurin“ Miss China und die Sechs-Zentner-Megäre Larlena gehörten. Norma machte reinen Tisch, löschte sie alle aus, brannte Tophet Meadows nieder und beging Selbstmord.

Doch Satan präsentierte seine Rechnung. Seit damals ersteht der Trailer-Park in manchen Nächten aus seinen Ruinen auf. Norma, Marv, Miss China, Stank, Roach und Larlene müssen als verrottete Zombies umgehen, ahnungslose Reisende anlocken und umbringen. Dieses Mal geht ihnen Pastor Lewis in die Falle. Er kehrt gerade mit sechs verhaltensauffälligen Jugendlichen aus einem Jesus-Camp zurück, in dem man sie auf den rechten Weg zurückführen wollte; ein Vorhaben, das von den Betroffenen als gescheitert eingestuft wird.

In einer Gewitternacht strandet die Gruppe nicht ganz freiwillig beim Trailer-Park. Katzenfreundlich nimmt Norma ihre ‚Gäste‘ in Empfang, bringt sie in diversen Wohnwagen unter und teilt die Gruppe auf diese Weise auf, was den übrigen Zombies die Gelegenheit gibt, sich die Mitglieder nach und nach vorzunehmen – eine Chance, die in den folgenden Stunden immer wieder genutzt wird. Nur der Sonnenaufgang kann Rettung bringen, doch dies wissen die Zombies natürlich auch und intensivieren ihre blutigen Bemühungen, nachdem die zusammengeschmolzene Schar der Opfer endlich begreift, in welches Höllenloch man geraten ist …

Vom bunten Papier zum blutigen Kino

Am Anfang stand wie so oft ein Comic. Im Juni 2003 startete im US-Staat Pennsylvania ein kleiner Verlag mit dem pompösen Namen „Imperium Comics“ die Horror-Serie „Trailer Park of Terror“, die keine durchgängige Story, sondern Geschichten um Norma und ihre dämonische Zombie-Gang erzählte. Weitere Folgen schlossen sich an, ein gewisser, gern mit dem Prädikat „Kult“ geadelter Erfolg stellte sich ein, und schon 2005 sinnierte man in der Produktionsfirma „Bogner Entertainment“ über eine Verfilmung nach.

Es dauerte noch drei Jahre, bis ein Drehbuch vorlag und das Budget aufgebracht war. Autor Timothy Dolan musste sich von der Episoden-Struktur der Vorlage lösen, da ein Spielfilm mit einer stringenten Handlung besser funktioniert. (Dies bestätigt hier die einzige Sequenz – das traurige Ende von Normas Mutter –, die der Story als nicht chronologische Ergänzung eingefügt wurde; es wirkt dort, wo wir es sehen, außerordentlich fehl am Platz.) Regisseur Stephen Goldman, der zuvor nur aber sehr erfolgreich unzählige Musik-Videos in den Segmenten Rock und Heavy Metal inszeniert hatte, wurde eine Summe von 2 Mio. Dollar zur Verfügung gestellt, aus welcher er zum Nutzen des Zuschauers das Optimum an Schau- und Hörwerten holte.

Schon der Titel macht deutlich, dass dieser Film keine ernsthafte Geschichte präsentieren möchte. „Trailer Park of Terror“ steht in der Tradition der alten „EC“-Comics der 1950er Jahre, die grellen Grusel mit pechschwarzem Humor kreuzten und damit den Zorn derer entfachten, die einen Feldzug gegen „Schmutz & Schund“ in Gang setzten. Das Markenzeichen dieser „EC“-Comics war ein vorgeblich ‚moralischer‘ Ansatz: Die Schreckensgestalten des Jenseits brachen über jene Zeitgenossen herein, die gegen das Gesetz oder – noch besser – gegen ethische und sittliche Regeln verstießen. Die ‚Strafen‘ waren drastisch und brutal, und sie entlarvten nicht selten die zeitgenössische Doppelmoral.

Lizenz zum fröhlichen Metzeln

Im 21. Jahrhundert wird der absichtliche Verstoß gegen das politisch Korrekte nur mehr spielerisch eingesetzt, obwohl die Doppelmoral keineswegs verschwunden ist: Zwar darf im „Trailer Park of Terror“ nach Herzenslust gekillt & gemordet werden. Sämtliche ‚echten‘ Tabu-Verstöße der Comic-Vorlage, die u. a. Inzest und Kannibalismus beinhalteten, wurden freilich entweder entfernt oder zensurkompatibel abgeschwächt. Das betrifft auch und ganz besonders den in den USA ewigen Reiz-Faktor Sex, was zum lächerlichen Anblick ‚heißer‘ Liebesszenen führt, in denen die Darsteller vollständige Unterwäsche-Monturen tragen.

Diese Diskrepanz zwischen Ursprung und Umsetzung bleibt nicht die einzige Schwäche eines Films, der sich nicht zwischen Splatter und Komödie entscheiden kann. Viel zu häufig schlägt die Stimmung komplett um. In der einen Sekunde wird geblödelt, in der nächsten gefoltert und gemordet. Hinzu kommen Momente echter Tragik, die – durchaus wirkungsvoll gespielt und inszeniert – einfach untergehen.

„Trailer Park of Terror“ startet dramatisch und humorfrei und wirkt wie eine Milieustudie aus der Backwood-/Redneck-/White-Trash-Unterschichten-Hölle, die höchstens durch den übermäßigen Einsatz entsprechender Klischees (Waffen, Bierdosen, Südstaaten-Flaggen und allgemeine Verkommenheit) als Karikatur zu erkennen ist. Erst nach dem ‚Tod‘ der Wohnwagen-Siedler stellt sich der Humor ein. Er wird leider von den bekannten Slasher-Routinen begleitet, was schade ist, da Goldman seinem Drehbuchautor eindeutig über ist und als Regisseur bemerkenswert stilsicher auftritt. „Trailer Park of Terror“ ist als Trash-Horror sehr ansprechend gefilmt. Schon die Kulisse ist mehr als einen Blick wert. Selten wurden Dreck und Kitsch so gelungen als Sinnbilder für eine aus den Fugen geratene Sub-Gesellschaft eingesetzt. Dafür wurden u. a. Wohnwagen aus dem Nachlass echter Trailer-Freaks benutzt, wie dem „Making of“ zu entnehmen ist.

Schauspieler statt Knattermimen

Für sein Spielfilm-Debüt suchte sich Goldman einerseits erfahrene und andererseits ungewöhnliche Darsteller aus. Nichole Hiltz ist eine gute Wahl für die Hauptrolle. Sie überzeugt zunächst als Opfer und später als Oberhaupt der Zombie-Truppe, die sie nun nicht nur anführt, sondern der sie auch heimzahlt, was sie ihr im Leben angetan hat. Für die Zombies fand Goldman echte ‚Typen‘, die bereits als lebende Rednecks abstoßend authentisch wirken. Als Zombies geben sie dem Darsteller-Affen erst recht Zucker. Speziell Trisha Rae Stahl gibt der Larlene durch ihre natürliche Körperfülle eine beunruhigende Präsenz; dass sie trotz ihres enormen Gewichtes vergleichsweise flink auf den Beinen ist, macht sie noch gefährlicher (obwohl sie in den Kampfszenen dann doch gedoubelt wurde).

Auf der anderen Seite bewies Goldman auch beim Casting der ‚Teenager‘ eine sichere Hand. Höchstens Jeanette Brox als Gothic-Emo Bridget entspricht dem „Pretty-Girl“-Schema, doch auch hinter ihrer Schale steckt ein verletzlicher Kern. Werden die sechs ‚Teenies‘ (die wie üblich zu alt für ihre Rollen sind) zunächst als Zicken und Arschlöcher eingeführt, zeigen sie hinter ihren Masken schnell sehr menschliche Züge. Sie werden uns sympathisch, weshalb ihr meist grausiges Ende beim Zuschauer stärker Wirkung hinterlässt.

Als Vermittler zwischen Publikum und Teenies fungiert ausgerechnet Pastor Lewis. Matthew Del Negro spielt ihn im spießigen Trainingsanzug, mit lächerlicher Haartolle und salbungsvollen Sprüchen zweifellos als Klischee. Gleichzeitig sammelt Lewis Pluspunkte als rechtschaffender aber überforderter Priester, der sehr genau weiß, dass sich seine Schutzbefohlenen lächerlich über ihn machen.

Blut und Verwesung

Seinen Comic-Wurzeln wird „Trailer Park of Terror“ mit seinen Masken und Spezialeffekten am besten gerecht, wobei letztere vor allem ‚handgemacht‘ sind: Auf CGI-Technik wird nicht verzichtet, aber sie rückt nicht in den Vordergrund, was bei dem beschränkten Budget ohnehin eine Bruchlandung provoziert hätte. Die hübsch-hässlichen Zombie-Masken wurden den Darstellern buchstäblich auf die Haut geschneidert. Sie anzulegen zog sich über Stunden hin. Der Erfolg gibt dem Aufwand recht: Unter den aufwändigen Fratzen bleibt das Mienenspiel der Darsteller jederzeit sichtbar. Trotzdem können sie sich in helles Licht trauen, ohne dass der Täuschungseffekt allzu sehr darunter leidet.

Die Metzel-Szenen wurden routiniert aber wenig einfallsreich realisiert. Eine Ausnahme bildet jene Sequenz, in der ein wütender Roach der zugedröhnten Tiffany den Unterarm absägt, was diese zunächst für eine Drogen-Vision hält, bis sie endlich begreift, was tatsächlich vorgeht. Auch Stanks von jovialen Kommentaren begleitete Zerlegung von Alex lässt an Drastik wenig zu wünschen übrig; eigentlich passt dies überhaupt nicht zum sonst eher andeutenden Splattern des Films.

Grobes für die Augen, Feines für die Ohren

Eine gesonderte Erwähnung verdient die Musik. Viel zu oft wird der Zuschauer im B-Movie-Horror durch computererzeugte Billig-Klänge oder No-Name-Gröler unfreiwillig in Angst und Schrecken versetzt. Stephen Goldman aktivierte für „Trailer Park of Terror“ seine Verbindungen ins Musikgeschäft. Er gewann oft vermutlich nur regional bekannte aber talentierte Sänger und Gruppen, die einen Südstaaten-Rock- Soundtrack lieferten, den man auch ohne die Filmbilder genießen kann. (Einer von ihnen – Trace Adkins – übernahm darüber hinaus sehr glaubhaft die Rolle des Teufels.)

Die hier herausgestellten Besonderheiten machen aus „Trailer Park of Terror“ kein Meisterwerk. Noch einmal muss das zögerliche Drehbuch gerügt werden, das der anarchistischen Vorlage nur selten gerecht wird. Demgegenüber gefällt ein Regisseur, der den Klischees des Genres nicht erliegt, sondern der sie sich untertan macht und mit ihnen spielt. Vor allem wird „Trailer Park of Terror“ nie wie der Titel befürchten ließ zum bemühten, gezwungenen und letztlich gescheiterten Möchtegern-Trash-Kult à la „Postal“, sondern blieb ein Film, den man sich anschauen kann, ohne anschließend ebenfalls einen Rache-Deal mit Satan einfädeln zu wollen.

DVD-Features

Gut und altmodisch wie der Hauptfilm ist die Entscheidung, ihm keine minutenkurzen und eine Feature-Fülle vorgaukelnden Film-Häppchen, sondern ein insgesamt 40-minütiges „Making of“ anzuhängen. Inhaltlich ist es leider auf dem aktuellen Stand, d. h. notdürftig verhüllte Werbung für den Film wechselt mit Lobeshymen, in denen die Beteiligten vor und hinter der Kamera die Dreharbeiten als wertvollste Zeit ihres Lebens rühmen und beinahe in Tränen der Rührung ausbrechen, wenn sie sich gegenseitig hochleben lassen.

Zwischendurch gibt es aber tatsächlich Informatives zu sehen. Die Tricktechnik wird gewürdigt, die fabelhafte Musik findet Erwähnung, und es gibt reale Gruselgeschichten über die als Kulisse beschafften Wohnwagen, die sehr gut in Normas Trailer-Park passen.

Außerdem gibt es eine zehnminütige ‚Live-Reportage‘ aus dem Park. Norma, Marv, Roach, Stank, Larlene und Miss China lassen sich (in voller Maske und in ihren Rollen) über das ‚Leben‘ als Zombie und die Gruppendynamik in ‚ihrem‘ Trailer-Park befragen. Was recht witzig im Stil einer Stand-Up-Comedy startet, zieht sich allerdings bald in die Länge, da offensichtlich auch tote Rednecks Höhlköpfe bleiben, die nicht wirklich viel zu sagen haben.

Zum Film gibt es eine Website.

[md]

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