Under the Bed – Es lauert im Dunkeln

Originaltitel: Under the Bed (USA 2012)
Regie u. Schnitt: Steven C. Miller
Drehbuch: Eric Stolze
Kamera: Joseph White
Musik: Ryan Dodson
Darsteller: Jonny Weston (Neal Hausman), Gattlin Griffith (Paulie Hausman), Peter Holden (Terry Hausman), Musetta Vander (Angela), Kelcie Stranahan (Cara Evans), Bryan Rasmussen (Mr. Evans), Tyler Steelman (Richard), Sam Kindseth (Robert), Ivan Djurovic (Monster) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 02.05.2013
EAN: 4041658228084 (DVD)/4041658298087 (Blu-ray)/4041658278089 (3D Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Vor zwei Jahren starb Terry Hausmans Gattin bei einem Feuer, das womöglich Sohn Neal gelegt hatte. Da dieser die Tat stets abstritt und man sie ihm nicht beweisen konnte, musste man Neil freilassen. Er wurde zu einer Tante nach Florida abgeschoben. Der jüngere Sohn Paulie blieb beim Vater, der inzwischen in Angela eine neue Liebe gefunden hat. Angela möchte verständlicherweise auch Neal kennenlernen, der deshalb aus dem Exil ins wieder aufgebaute Elternhaus zurückgeholt wird.

Obwohl er am Tod der Mutter unschuldig ist, kehrt Neal ungern heim. Über den tatsächlichen Auslöser der Katastrophe hat er wohlweislich geschwiegen, um nicht in einem Irrenhaus zu landen: In Neals Zimmer öffnete sich unter dem Bett des Nachts ein Portal, durch das ein hässliches, böses Monster schlüpfte. Viele Monate hatte es Neal verfolgt und gepeinigt, der aufgrund der schlaflosen Nächte zum Nervenbündel wurde. Als er sich endlich der Mutter anvertraut hatte, war diese auf der Suche nach Beweisen in sein Zimmer gegangen. Was sie wissen wollte, hatte sie – mit den weiter oben genannten Folgen – herausgefunden.

Nun nimmt die Kreatur Paulie aufs Korn, wie Neal erschrocken hören muss. Vater Terry hat heute genauso wenig Ahnung wie damals, was in seinem Haus umgeht. Er will seine psychisch instabilen Söhne durch gute, alte, US-amerikanische Härte zu ‚Männern‘ erziehen. Fast-Gattin Angela ist zwar freundlich aber strohdumm, sodass auch von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten ist.

Neal und Paulie müssen sich dem Wesen allein stellen. Dieses Mal will Neal zum Wohle des kleinen Bruders nicht kneifen. Allerlei Anti-Ungeheuer-Waffen werden improvisiert, doch im Einsatz versagen sie kläglich. Die Kreatur hat Neals Heimkehr registriert. Seine damalige Flucht hat sie erst recht wütend gemacht. Jetzt hält es sie nicht mehr unter dem Bett. Sie kommt hervor und geht auf die Jagd …

Buhmann im Zimmerstaub

Auch kleine Kinder haben ihre Mythen. Da sie die Welt erst erkunden müssen und dabei auf Unbekanntes stoßen, werden die daraus resultierenden Ängste vereinfacht und personifiziert: Das Fremde nimmt Gestalt an und manifestiert sich dort, wo die Eltern und andere schützende Erwachsene sie nicht wahrnehmen können.

In der noch begrenzten Alltagswelt des Kindes spielt das Bett eine wichtige Rolle. Hier verbringt es viel Zeit – nicht immer freiwillig weil oft nicht müde und deshalb wach. Auch das junge Gehirn lässt die Gedanken schweifen: Es ist dunkel im Zimmer, aber ist man deshalb allein oder sicher? Was wäre, wenn sich das Böse tückisch dort verkriecht, wo man es nicht sehen kann und deshalb nicht erwartet? Wo könnte es lauern? Im Schrank? Unter dem Tisch? Nein: unter dem Bett!

Aus kindlicher Sicht ist diese Schlussfolgerung logisch. Kein anderer Schlupfwinkel könnte die Bosheit kinderfeindlicher Monster besser verdeutlichen: Es wartet genau dort, wo ihm sein Opfer am hilflosesten ausgeliefert ist! Zudem ist der Raum unter dem Bett ungenutzt und ‚tot‘. Höchstens selten benutzter Krempel wird dorthin geschoben. Ansonsten liegt dort nur, was versehendlich von oben durchfiel, und vervollkommnet dadurch das ideale Versteck für Finsterbolde!

Mythen in (Staubsauger-) Tüten

Wie man diese kindliche Furcht so rekonstruiert, dass sich auch der Erwachsene schlagartig an längst verdrängte, schlaflos durchzitterte Nächte erinnert, demonstrierte u. a. Stephen Spielberg 1982 ebenso genial wie heimtückisch in „Poltergeist“. Auf welche Weise man die dankbare Vorlage verschwendet und so verhunzt, dass jeder Zuschauer vor Ärger zittert und sich den Namen des Regisseurs sorgfältig merkt, um zukünftig seine Machwerke meiden zu können, demonstriert Steven C. Miller mit „Under the Bed“.

Nur für eine Randgruppe lohnt dieses Trauerspiel einen zweiten Blick: Zukünftige Filmemacher können hier lernen, was man unbedingt vermeiden sollte, will man eine Geschichte nicht mit voller Wucht gegen die Wand. Die Lehre ist simpel und eigentlich längst bekannt: Lass die Kamera erst laufen, wenn ein ordentliches Drehbuch vorliegt.

„Ordentlich“ bedeutet keineswegs „realistisch“. Monster haben eine feste Heimat im Film. Dass es sie nicht gibt, bedeutet jedoch nicht, dass sie über Handlungslogik erhaben sind. Was sich Autor Eric Stolze aus dem Hirn wrang, erfüllt den Tatbestand der vorsätzlichen Zuschauerverdummung. Aus unerfindlichen Gründen gibt es dafür (oder besser: dagegen) keine Gesetze, weshalb die Eric Stolzes der Filmwelt immer weitermachen können. Auch der Unterschied zwischen „Figurenzeichnung“ und „Holzschnitt“ ist Stolze völlig unbekannt. Regisseur Miller ist sein willfähriger Komplize, denn ihm kann beim besten Willen nicht entgangen sein, welchen holprigen Bockmist er in Bilder verwandelte.

Eine Sammlung grausigen Unvermögens

Spätestens nach zehn Minuten beginnt die zuschauerliche Galle zu kochen. Wir haben gerade erfahren, dass in Neals altem Zimmer ein Monster haust. Es hat ihm das Leben über Jahre zur Hölle gemacht und die Mutter umgebracht. Trotzdem ist Neal zur Tante gezogen und hat seinem kleinen Bruder, den er angeblich so liebt, kein Wort gesagt. Paulie blieb in einem Spukhaus zurück. Er hat das inzwischen herausgefunden, denn Vater Terry hat ihn in – der Grund wird nie schlüssig erklärt – im Zimmer des älteren Bruders einquartiert. Dort flüchtet jetzt Paulie nächtlich vor dem Wesen – und hält in dummer Familientradition ebenfalls den Mund.

In gewisser Weise kann man ihn verstehen: Terry wäre der letzte Mensch auf Erden, dem man sich anvertrauen würde. Er ist ein Choleriker sowie blind wie taub für alles, was den beschränkten Horizont seiner Weltsicht übersteigt. Findet er morgens seine Kinder schlafend auf einer Kommode (!), verliert er darüber kein Wort. Faktisch hasst man diese Figur schon nach wenigen Filmminuten mit jener Inbrunst, die Regisseur Miller sonst nie in seinem Publikum wecken kann. Wie viele ‚amerikanische‘ Väter, die ihre von Geistern u. a. Unholden verfolgten Kinder genau dort einsperren, wo ihre Verfolger warten, mussten wir schon ertragen? Terry schlägt diesem Fass die Krone gleich im Salventakt ins Gesicht. Es fehlt nur, dass er seine übernächtigten Söhne ins Baseball-Camp schickt, um ihren die ‚Flausen‘ auszutreiben!

Neal und Paulie stellen sich also ihrem Peiniger. In jeder Nacht geht es hoch her im Hausman-Haus! Die Bestie grollt und röhrt, im Kinderzimmer wackelt das Mobiliar oder schwebt in der Luft, grüner Nebel wallt durch die Flure: Terry und Angela liegen im Bett und schlummern selig. Wer hätte gedacht, dass ein Dämon die Kunst der gezielten akustischen Dämpfung so ausgezeichnet beherrscht?

Die Außenwelt als Versammlung von Hohlköpfen

Während sich die Intensität der nächtlichen Heimsuchungen steigert, erinnern sich Stolze & Miller diverser Klischees, die ein US-amerikanischer (Grusel-) Film im Teenie-Milieu beherzigen muss. Dazu gehört unbedingt eine Romanze! Also trifft Neal die hübsche Nachbarstochter Cara, die dem anziehend zerquälten Außenseiter umgehend ihr Herz schenkt. Nachdem dies geschehen ist, verschwindet sie fast völlig aus dem Geschehen, und besagte Romanze findet schlicht nicht statt.

Wahrscheinlich ist es aus genetischer Sicht besser so, wenn man Caras Vater und vor allem ihre Brüder betrachtet: War es Absicht, zwei jugendliche Darsteller zu casten, die auch ohne Maske zehnmal hässlicher als das Ding unter dem Bett sind? Ob ihrer schauspielerischen Fähigkeiten dürfte man Tyler Steelman und Sam Kindseth sicher nicht gecastet haben. Allerdings trifft dies auf die Mehrheit der Darsteller zu.

Dies erzürnt doppelt, denn Jonny Weston als Neal und Gattlin Griffith als Paulie Hausman füllen ihre Rollen hervorragend aus. Sie SIND Brüder, die sich ‚männlich‘ foppen, um ihre Zuneigung zu kaschieren. Doch die Sympathie, die man Neal und Paulie entgegenbringt, wird immer wieder auf eine unnötig harte Probe gestellt, weil das Drehbuch die Brüder dazu verurteilt, sich dämlich zu verhalten.

Das Bett und sein Untermieter

Für einen Horrorfilm bedeutet es den Untergang, wenn das Monster versagt. Autor Stolze schlägt förmlich Rad, um innerhalb der Handlungszeit sämtliche Sünden begehen zu können. So gibt er sich u. a. keine Mühe, die Kreatur sorgfältig dosiert auf das Publikum losgehen zu lassen. Sobald Neal im Haus ist, dreht sie auf.

Sie leidet auch nicht unter Kamerascheu, was dem Schrecken erst recht abträglich ist: Wir sehen einen Mann in einem Gummikostüm spuken. Die weitgehende Abwesenheit digitaler Filmtricks ist oft begrüßenswert. Hier soll sie durch einen nostalgischen Rücksturz in den Horrorfilm der 1980er Jahre ersetzt werden. Wen wundert’s, dass diese Rechnung nicht aufgeht!

Lang und breit erklärt Neal seinem Bruder, wieso ihr Verfolger an Paulies Bett gefesselt ist. Wenig später sehen wir Angela, die in der Garage durch verschiedene Poltergeist-Aktivitäten in Angst & Schrecken versetzt wird. Dahinter kann nur das Ungeheuer stecken. Konsequenzen muss es nicht fürchten, denn Angela erwähnt ihr Erlebnis mit keinem Wort. Auch die Handlung kommt nie darauf zurück.

Schreckliches Ende ohne Schrecken

Im Finale erzählt Neal im Nachbarshaus den garstigen Evans-Brüdern von dem Monster. Plötzlich materialisiert es dort, wo es ganz sicher nicht sein dürfte (obwohl man ihm dankbar ist, dass es die schauderhafte Evans-Brut massakriert und nur die hübsche Cara verschont). Von nun an tobt es durch die Nacht und verschafft Terry den ultimativen Moment jener Erkenntnis, vielleicht doch besser auf seine Söhne gehört zu haben.

Wie Neal die Kreatur schließlich wider alle Wahrscheinlichkeit ausschaltet, sei an dieser Stelle verschwiegen. Es geht nicht darum, potenziellen Zuschauern den Spaß zu erhalten. (Wer trotz aller Warnungen nicht begriffen hat, wie übel dieser Streifen ist, hat es verdient, darauf hereinzufallen.) Man muss einfach SEHEN, was Autor Stolze da ‚eingefallen‘ ist, weil der Leser dem Rezensenten eine Beschreibung wahrscheinlich nicht glauben würde.

Wenn das Grauen mit einem Schlussbild, das die Lächerlichkeit der vorangegangenen anderthalb Stunden noch einmal toppt, sein Ende findet, wankt der Zuschauer erschüttert & erschöpft ins eigene Bett. Ob darunter eine ganze Legion von Ungeheuern hockt, ist ihm herzlich egal; falls sie herauskämen, könnte er sie eventuell zu Steven C. Miller und Eric Stolze weiterschicken.

DVD-Features

Nur in einem Punkt kann der Zuschauer mit Erbarmen rechnen: Es gibt keinerlei Extras zum Hauptfilm. Merke: Manchmal ist das Fehlen zusätzlichen Grauens der eigentliche Bonus!

Kurzinfo für Ungeduldige: Zwei Brüder kämpfen mit einem Ungeheuer, dass sich unter dem Bett des Jüngeren versteckt hält … – Was als gruselfilmische Beschäftigung mit einer kindlichen Ur-Angst Interesse wecken könnte, wird hier aufgrund des hilflos über Logiklücken und -brüche schlingernden Drehbuchs und der ärgerlichen Figurenzeichnung zum Paradebeispiel für missratenes Filmhandwerk: meiden und stattdessen in einem monsterfreien Bett gemütlich schlafen!

[md]

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