Underground – Tödliche Bestien

Originaltitel: Underground (USA 2011)
Regie: Rafael Eisenman
Drehbuch: Charles Morris Jr.
Kamera: Zoran Popovic
Schnitt: Joe Shugart
Musik: Robert Folk
Darsteller: Ross Thomas (Matt Wilcox), Sofia Pernas (Mira Antonova), Adrian R’Mante (Storm Johnson), Jeff D’Agostino (Eric Abercrombie), Christine Evangelista (Jenna Hughes), Megan Hensley (Dora), Adam Meirick (Billy Stang), Jack Donner (Dr. Günther Stemm), Inbar Lavi (Lillith-Trog), Chaz Allen (Lieutenant Dover), Hayley Knight (Evie Glass), Kimberley Roper (Sheriff Regina Darby) u. a.
Label: White Goatee Films (WGF)
Vertrieb: Schroeder Media
Erscheinungsdatum: 23.02.2012
EAN: 9120027348266 (DVD) bzw. 9120027348259 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Nachdem die Soldaten Matt und Storm trotz ausgeprägter Dummheit ihren aktuellen Irak-Einsatz überstanden haben, wollen sie es daheim in Iowa ordentlich krachen lassen. Strohkopf Eric hat einen zünftigen Rave in einer aufgelassenen Militärbasis aufgetan sowie Eve und Jenna, zwei grausig verschminkte Geschöpfe vermutlich weiblichen Geschlechts, dazu geladen. Mit dabei ist Ärztin Mira, die ihren Lover Matt womöglich begleitet, um ihn von allzu großen Dummheiten abzuhalten.

Vergebliche Liebesmüh, denn die großen Krieger geraten in eine Schlägerei mit grunzenden Bikern, die zwar tüchtig aufs Maul bekommen, aber dann Messer und Pistolen zücken. Matt und seine Freunde ergreifen die Flucht ins Innere der Basis, die sich als unterirdischer Bunker entpuppt. In den endlosen und dunklen Gängen können die Flüchtigen zwar die Biker abhängen, doch sie verirren sich und müssen durch die labyrinthische Anlage stolpern, um nach einem Ausgang zu suchen. Zu ihnen stoßen Billy und Dora, die sich zwecks Austausches von Körperflüssigkeiten in die erotisierende Finsternis zurückgezogen hatten.

Allerdings ist man dort unten nicht allein. Kaum fünf Jahre ist es her, dass der Bunker hektisch geräumt wurde. In seinen Tiefen hatte Nazi-‚Doktor‘ Günther Stemm im Auftrag seiner neuen US-Auftraggeber viele Jahre an einem Mischwesen aus Mensch und Alligator gebastelt, das in genetischer Massenproduktion hergestellt als Soldat der Zukunft auf den Schlachtfeldern von Schurkenstaaten verheizt werden sollte. Wie üblich war dieser Plan schiefgegangen; die „Trogs“ machten sich selbstständig, und das Militär schraubte buchstäblich den Deckel auf den Bunker.

Seither ernähren sich die Kreaturen von unvorsichtigen Ravern, deren sauber abgenagte Knochen unseren Pechvögeln ihr Schicksal signalisieren. Immer wieder schnappen die Trogs zu, die Zahl der durch den Bunker hastenden Flüchtlinge nimmt rapide ab, bis Storm und Matt ihre Irak-Erfahrungen reaktivieren …

Das Grauen beinahe perfekter Sinnlosigkeit

Zugegeben: Zumindest der erfahrene Horrorfilm-Freund ist vorab gewarnt: Das lieblos gestaltete Cover lässt die Katze bzw. den Trog bereits aus dem Sack, die Inhaltsangabe suggeriert aufdringlich Spannung und bleibt doch verdächtig vage, die Darsteller kennt kein Mensch, der Drehbuchautor ist ein Anfänger, und Regisseur Rafael Eisenman drehte & produzierte bisher Fernseh-Softerotik, die in den USA bekanntlich selbst im Pay-TV absolut keimfrei und höchstens silikonstark ausfällt.

Aber manchmal wagt sich auch der erfahrene Zuschauer-Esel übermütig aufs Eis. Unbewusst schwingt dabei die Hoffnung mit, eine Überraschung zu erleben; es ist schließlich schon vorgekommen, dass sich hinter Billig-Optik und Klischees wahrlich Sehenswertes verbarg. „Underground“ bestätigt freilich die Regel und ist in keiner Sekunde die berühmte Ausnahme, wie dieser Rezensent seinen Lesern versichern kann und muss.

Die Krux ist nicht einmal die Story. Eine Verfolgungsjagd durch einen dunklen Bunker: warum denn nicht? Action macht Spaß, wenn man weiß, wie man sie entfesselt. Charles Morris hat in dieser Hinsicht keine Ahnung, und Regisseur Rafael Eisenman ist leider auch kein einäugiger König unter jenen Blinden, die dieses Machwerk Realität werden ließen.

Schrauben wir unsere Ansprüche noch ein Stück zurück: Logik muss im Horrorfilm nur in Anflügen sein. Gänzlich darf man sie allerdings nicht ignorieren. Eine Geschichte kann nicht funktionieren, wenn dem Zuschauer ständig ablenkende Gedanken wie dieser durch den Kopf gehen: Da gibt es eine ‚geheime‘ Militärbasis, in deren Inneren eine ganze „Special-Forces“-Einheit im Kampf gegen die Trogs draufgeht. Statt neue Kämpfer in den Untergrund zu schicken, um das Problem endlich zu lösen, legt das Militär die Basis einfach still. Die Trogs, die Versuchslabore und alle Daten bleiben – eventuell ein Geschenk an Wikileaks? – zurück.

Achtung: Denken kann den Spaß verderben!

Sollte man den Trog-Bunker nicht wenigstens von außen streng bewachen? Anscheinend nicht, denn wie sonst könnte sich die örtliche Raver-Szene dort ungestört einnisten? Oder werden wir Zeugen eines neuen US-Geheimprogramms, das die gezielte Ausrottung kiffenden, saufenden & hurenden Jungvolks bezweckt? Dem müsste man sogar viel Erfolg wünschen, denn sollten unsere Darsteller repräsentativ für den Nachwuchs sein, steht der Untergang des Abendlandes unmittelbar bevor!

Schon ihre Namen kündigen Ramsch-Action an: „Matt“ und „Storm“ heißen unsere beiden Elite-Kämpfer, die im Irak ordentlich aufgeräumt haben und sich auch von kannibalischen Alligatorenmenschen nicht ins Bockshorn jagen lassen. Aber halt: Könnte Autor Morris seinem Drehbuch hier eine politisch/gesellschaftskritische Meta-Ebene eingezogen haben? Etwa so: Matt und Storm repräsentieren die USA und ziehen in den Krieg. Sie haben keine Ahnung von Irgendwas, verfügen aber über ein grenzenlos übersteigertes Selbstwertgefühl, einen unerschöpflichen Vorrat markiger Durchhalte-Plattitüden und einen unbändigen Erfindertrieb beim Umbau von Werkzeug und Haushaltsgeräten in Waffen [Ironie-Modus aus].

Eine gewisse Kritik mag sich in der Tatsache bemerkbar machen, dass es auch Matt und Storm gar nicht gut finden, dass sich das Militär a) einen alten Nazi geangelt und b) dessen menschenverachtende Experimente gefördert hat, um c) einen Super-Soldaten ohne Hirn und Rechte zu erschaffen. Zu allem Überfluss hat man d) den besagten Nazi und seine Mörderbrut aufsichtsfrei in ihrem Bunker zurückgelassen, wo sie – die Trashfilm-Logik will es so – ihr Treiben fröhlich fortsetzen.

Wackelpudding auf einem Rüttelbrett

Das Drehbuch verschafft „Underground“ jenes Handlungs-Niveau, die der Titel bereits ankündigt. Unter hysterischem Geschrei flüchtet unsere Gruppe planlos durch den Bunker. Wen es dabei erwischt, ist selbst dem betrunkenen oder halb eingedösten Zuschauer klar, da Morris und Eisenman das nächste Opfer stets überdeutlich von der Gruppe absondern und in eine besonders finstere Ecke führen. Dort springt der zum Metzeln eingeteilte Trog aus einem Belüftungsrohr oder hinter einem Schrank hervor – einmal bricht er sogar durch eine Wand – und leistet seinen Job.

Wenn schon keine Überraschung gelingt, kann von Atmosphäre erst recht keine Rede sein. Wird nicht gerannt, gelaufen und geklettert, steht man zusammen und schreit einander an. Die Handlung tritt auf der Stelle, eventuell geschürte Spannung fällt zusammen, bis es Zeit für die nächste Trog-Attacke wird. Rhythmus, Unterstützung durch geschickte Schnitte? Fehlanzeige.

Mit dem letzten Drehbuchdrittel muss Autor Morris den Offenbarungseid leisten. Er hat keine Ahnung, wie seine Geschichte ausgehen soll. Wieso beschließt er gerade jetzt, sich auf keines der üblichen Trashmovie-Klischees zu stützen? Plötzlich springt die Kamera aus dem Bunker an die Oberfläche: ein Sheriff erscheint im hellen Tageslicht auf dem Basisgelände. Er (bzw. sie) hat keinerlei Bezug zur Vorgeschichte, greift aber ins Geschehen ein, was offenbar das eigentlich fällige Final-Duell mit Dr. Stemm und seinen Kreaturen ersetzen soll. Wer kommt auf so eine blöde Idee?

Es wird sogar noch schlimmer: Minutenlang sieht man die beiden Überlebenden in einem Hotelbett weit entfernt vom Bunker. Dort werden sie von bösen Träumen geplagt, in denen sie sich in Trogs verwandeln. Eine tatsächliche Attacke unterbleibt; woher sollten die Trogs auch wissen, wo sich ihre Opfer aufhalten? Das weiß nur der geniale Stemm, der – diesen ‚Knalleffekt‘ muss man erleben – die Entkommenen auf ihrem Handy anruft …

Knallchargen gesucht & in reicher Zahl gefunden!

Angesichts der bisher erwähnten ‚Qualitäten‘ läge die Vermutung nahe, „Underground“ sei mit US-amerikanischen Darstellern in einem der osteuropäischen Billiglohn-Filmländer entstanden. Wider Erwarten drehte man ‚daheim‘ bzw. im US-Staat Iowa und dort in einer Kleinstadt namens Newton, deren jüngere Einwohner u. a. die Teilnehmer des Raves mimten. (Eine Fortsetzung, wie sie das oben skizzierte ‚Finale‘ androht, dürfte hier freilich nicht mehr entstehen, weil „Underground“-Produzent Harel Goldstein sich staatliches Filmkreditgeld in Millionenhöhe erschlichen hat und dafür vier Jahre hinter Gitter wanderte.)

Die eigentlichen Darsteller wurden jedoch aus Hollywood verschleppt. Für die Vorspiegelung der falschen Tatsache, sie würden in einem richtigen Film mitspielen, rächten sie sich, indem sie sich exakt an das Drehbuch hielten. Weil die Bunkersets notorisch schlecht beleuchtet und die Darstellerinnen durch Make-up und Schlampen-Chic aufs schauerlichste verunstaltet waren, konnten sie darauf hoffen, unerkannt zu bleiben, was ihnen für die berufliche Zukunft nur zu wünschen wäre. In Anbetracht des sichtlich fortgeschrittenen Alters der Hauptdarsteller ist die Dunkelheit eine zusätzliche Gnade für die Party-‚Kids‘.

Jede Rolle ist pures Klischee, das ohne die bitter nötige ironische Brechung durchexerziert wird. Die ‚Mädchen‘ sind so dämlich, dass ihnen zu Recht der nutzlose Kopf von den Trogs abgerissen gehört. Den ‚Jungs‘ tropft das Testosteron aus lückenbreit verfugten Schädeln, was der tumbe Storm durch das Tragen eines unsäglichen Cowboyhutes symbolstark toppt.

Nebenrollen-Veteran Jack Donner tapert als seniler Nazi-Frankenstein schamfrei durch das publikumsschädliche Geschehen. Der deutschen Schulbildung der Prä-Pisa-Zeit verdanken die Trogs immerhin ihren Namen: Stemm hat das griechische „Troglodyt“ (= „Höhlenbewohner“) griffig abgeschliffen.

Kreaturen der Dunkelheit & des knappen Budgets

Was an Budgetgeld für Set-Beleuchtung eingespart wurde, floss wohl in die Kostüme der Trogs. Die sind zwar ebenfalls alles andere als originell – Vampire werden mit Zombies gemischt –, halten sich aber meist klug im Halbdunkeln, wo man sie eher ahnt als sieht. Billighorrorfilmtypisch sind sie anfänglich unüberwindliche Kampfmaschinen, die später stark abbauen, damit die Helden ihnen Saures geben können. Wie es sich für Trash-Monster gehört, schleichen sie sich leise an ihre Opfer heran, um erst dann loszubrüllen, wenn das Licht der Taschenlampe auf sie fällt.

Selbstverständlich kommt irgendwann der Zeitpunkt, da den Frauen ihre Rolle im Nachzuchtprogramm der Trogs offenbart wird. Diese reißen trotzdem weitere potenzielle Monster-Mütter in Stücke. Nach allzu strenger Raver-Diät haben die geistigen Fähigkeiten der Höhlenbewohner anscheinend stark gelitten. Vielleicht verarbeitet Regisseur Eisenman aber auf diese Weise nur seinen Zorn, weil keiner der Darstellerinnen ein Busenfrei-Paragraf in den Vertrag diktiert werden konnte.

Oder geht es um die reine Freude am Gemetzel? Eisenman und Morris streuen Splatter-Szenen ähnlich geistvoll wie die Trog-Attacken ein: Sie timen sie offenbar mit einer Stoppuhr. Wenn wieder die Blut-&-Gewölle-Stunde schlägt, wird die Handlung eingestellt, bis das vorgesehene Zerstückeln im Kasten ist. Dabei störte es zumindest hinter der Kamera niemanden, dass die meisten Tode sowohl reiner Selbstzweck als auch lächerlich in Szene gesetzt sind.

Was bietet „Underground“ unterm Strich? Für anderthalb spannende Action-Stunden bietet der Film zu wenig, als unfreiwillig unterhaltsamer Trash ist er zumindest ansatzweise zu professionell geraten. Das Ergebnis ist ein unglücklicher Zwitter, der keine der in ihn gesetzte Hoffnungen erfüllen und im Zuschauer nur diese Gefühle wecken kann: Verdruss, Ärger, Zorn … (Liste bitte nach Belieben fortsetzen – wer „Underground“ gesehen hat, wird dabei ohne Schwierigkeiten sein.)

DVD-Features

Wenigstens diese Prüfung blieb dem Rezensenten erspart: Es gibt keine Extras, die er sich zusätzlich zum Hauptfilm hätte antun müssen!

[md]

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