War of the Dead – Band of Zombies

Originaltitel: War of the Dead (USA/Litauen/Italien 2011)
Regie u. Drehbuch: Marko Mäkilaakso
Kamera: Hannu-Pekka Vitikainen
Schnitt: Michael J. Duthie
Musik: Neal Acree u. Joel Goldsmith
Darsteller: Andrew Tiernan (Captain Martin Stone), Mikko Leppilampi (Lieutenant Laakso), Samuli Vauramo (Kolya), Magdalena Gorska (Dasha) Jouko Ahola (Captain Niemi), Mark Wingett (Selzman), Andreas Wilson (Selzman jr.), Antti Reini (Sergeant Halonen) u. a.
Label: Krause und Schneider Multimedia
Erscheinungsdatum: 14.05.2013
EAN: 4260318081436 (DVD)/4260318081443 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Dem US-Geheimdienst wird 1941 gemeldet, dass die Nazis an der finnisch-sowjetischen Grenze ein geheimes Bunker-Lager eingerichtet haben, in dem sie medizinischen Experimenten der besonders scheußlichen Art frönen: Feindliche Soldaten sollen durch einen in die Venen gespritzten Teufelssud in superstarke Zombies verwandelt werden, die Befehlen ohne Rücksicht auf Leib und ‚Leben‘ folgen und nur durch einen Schuss in den Kopf ausgeschaltet werden können.

Zombietypisch vermehren sich die Kreaturen, indem sie ihre Opfer beißen. Dieses Schicksal ereilt die meisten Mitglieder eines Platoons, der unter dem Kommando des finnischen Offiziers Niemi den Bunker finden und auskundschaften soll. An Niemis Seite steht Captain Stone und seine Männer, US-Soldaten im geheimen Einsatz. Ahnungslos laufen sie den Zombies in die Fänge, denn nur Niemi ist über den Hintergrund des Auftrags informiert. Er wird zukünftig erst recht schweigen, denn die Untoten erwischen und verwandeln ihn in einen Untoten.

Bald leben nur noch Stone und der junge Lieutenant Laakso. Ihnen schließt sich der versprengte russische Soldat Kolya an: Die Sowjets haben den Bunker übernommen, denn die Nazis sind längst verschwunden. Allerdings begruben sie ihre untoten Versuchskaninchen nicht tief genug. Längst sind die Zombies wieder auf den Beinen und folgen ihrer Programmierung: Sie schützen den Bunker um jeden Preis.

Umzingelt von den blutgierigen Kreaturen, verbünden sich Stone, Laakso und Kolya. Hilfe kann nur von außen kommen. Das einzige Funkgerät befindet sich – wie könnte es anders sein? – ausgerechnet im Zombie-Bunker. Dorthin muss sich die kleine Gruppe durchschlagen. Selbstverständlich gerät man vom Regen in die Traufe, denn unter der Erde lauern nicht nur weitere Zombies, sondern auch überlebende Russen, die in ihrer Angst nicht darauf achten, auf wen sie in der Dunkelheit der labyrinthischen Gänge schießen …

Finnische Hartnäckigkeit führte zum fragwürdigen Ziel

Sicher gibt es viele Projekte, deren Gelingen man aufgrund der beim Zustandekommen auftauchenden Schwierigkeiten bewundern muss. Auch Marko Mäkilaakso möchte man für die Hartnäckigkeit loben, die er in seinen Debüt-Spielfilm investierte. Von der Idee bis zur Veröffentlichung sind angeblich acht Jahre verstrichen; Jahre, in denen die Finanzierung kippte, Szenen neu gedreht wurden, Schauspieler absprangen – so sollte ursprünglich James Van Der Beek aus „Dawson’s Creek“ die Rolle des Captain Stone übernehmen – oder der Komponist der Filmmusik (Joel Goldsmith) starb. Nicht einmal der Filmtitel („Stone’s War“) hat (außer auf dem T-Shirt, das Mäkilaakso im Making-of trägt) überlebt.

Die selbst in der globalen Gegenwart exotisch anmutende Genese – ein Finne dreht eine US-amerikanisch-litauisch-italienische Co-Produktion – ging zumindest als bisher kostenintensivster Streifen in die litauische Filmgeschichte ein, was freilich niemanden wirklich beeindrucken dürfte. Zwischen 1 und 1,3 Mio. Euro sollen in „War of the Dead“ geflossen sein; eine Summe, die nur dann glaubhaft erscheint, wenn dieses Geld in den genannten acht Jahren verbrannt worden ist. Auf der Leinwand ist jedenfalls Schmalhans Küchenmeister.

Für das Drehbuch zeichnete ebenfalls Mäkilaakso verantwortlich. Der Verdacht liegt nahe, er habe dem norwegischen Kollegen Tommy Wirkola über die Schulter geschaut, der 2009 in „Dead Snow“ ebenfalls untote Nazi-Soldaten wiederauferstehen ließ. Doch obwohl „War of the Dead“ erst 2011 das Licht der Öffentlichkeit erblickte (bzw. dorthin gezerrt wurde), lag der Film bereits 2007 vollständig gedreht vor. Aufgrund jenes Pechs, das Mäkilaakso stets treu blieb, ging die Produktionsfirma pleite, sodass sein Film für einige Jahre auf Eis lag, bis die Justiz zu einem Urteil gekommen war.

Nazis und Zombies? Jetzt oder nie!

Dass für „War of the Dead“ die Werbetrommeln ein wenig lauter als üblich gerührt werden, geht auf den noch unvergessenen Erfolg der Science-Fiction-Komödie „Iron Sky“ zurück, den man im Rahmen des Marketings gern kostenneutral nutzen möchte. Auch in „Iron Sky“ spielen die Nazis eine wichtige Rolle, und Regisseur Timo Vuorensola stammt ebenfalls aus Finnland. Da muss sich doch eine Verbindung ziehen lassen, so die Werbe-Gurus, die uns deshalb vorgaukeln möchten, dass uns hier ein weiterer Kultfilm-Knaller aus dem hohen Norden erwartet.

Tatsächlich ist „War of the Dead“ das traurig überzeugende Exempel eines Films, der über seine Idee nie wirklich hinausgekommen ist. Ein Drehbuch muss die erzählte Geschichte entwickeln, um ihr zumindest im gewählten Rahmen Tiefe und innere Logik zu verleihen. Die Figuren müssen charakterisiert werden, und es sollte eine Handlung geben, die mehr als eine Flucht von Punkt A zu B zu C usw. darstellt.

Mäkilaakso gelingt es nicht einmal, ein Überzeugungsfundament zu legen. Selbst der historische Laie wundert sich: Wieso sollten die Nazis 1939 ausgerechnet an der fernen finnisch-sowjetischen Grenze eine geheime Forschungsstation errichten? Diktaturen achten sorgfältig und aus gutem Grund darauf, dass Konzentrationslager, Foltergefängnisse u. ä. Einrichtungen stets innerhalb des eigenen Herrschaftsbereiches liegen, wo man sie gut unter Kontrolle hat und die Medien fernhalten kann. Die Nazis stellten keine Ausnahme dar.

Windschiefe Vorwände statt begründeter Fakten

Faktisch geht es Mäkilaakso allein darum, das Geschehen irgendwie in Finnland zu verankern. In diesem Land soll die Geschichte spielen, und auf die Nazis als Bösewichte will der Regisseur keinesfalls verzichten. Wem sonst könnte man besser die menschenverachtende Produktion von Zombie-Soldaten in die Schaftstiefel schieben?

Um sein Werk weltweit bzw. wenigstens in den USA vermarkten zu können, versucht Mäkilaakso einen weiteren Spagat: Er lässt einen finnischen Spähtrupp ausschwärmen, der von US-Soldaten begleitet wird. Die USA waren zum Zeitpunkt der Handlung nicht einmal in den II. Weltkrieg eingetreten. Später gehörte die Sowjetunion, nicht aber Finnland zu den US-Verbündeten. Die beschriebene Konstellation ist deshalb absurd. Sollte dies angesichts des Plots überraschen? Für die Antwort müssen wir die Frage nur ein wenig umformulieren: Die Logik bliebe Nebensache, könnte der Plot für Ablenkung in Gestalt von Überraschungen sorgen. In dieser Hinsicht bleibt „War of the Dead“ in der Tat ein Krieg der (geistig) Toten.

Der findet zunächst in düsteren Nadelbaumwäldern ab, die nicht in Finnland, sondern unweit der litauischen Hauptstadt Vilnius standen. Eigentlich hätte man diese Szenen auch in einer Kiesgrube bei Helsinki drehen können; der Handlungsort bleibt jedenfalls stets Behauptung. Später geht die Geschichte unter die Erde. Sie wird nicht nur buchstäblich unterirdisch, sondern beschränkt sich auf ebenfalls dunkle Gänge, in denen sich Müll stapelt, was miteinander kombiniert eine Atmosphäre unheimlicher Bedrohung ausstrahlen soll.

Immer in Bewegung bleiben!

Die Geschichte ist simpel: Niemis Kommando wird aufgerieben, die Überlebenden flüchten durch den Wald, während ihnen die Zombies auf den Fersen sind. Auch im Bunker bleibt Mäkilaakso auf dieser Handlungsschiene. Actionfreie Zwischenphasen werden durch denkbar ungeschickt aufgesetzte zwischenmenschliche Konflikte überbrückt, bei denen man die Rückkehr der Zombies herbeisehnt.

Diese treten zwar in erstaunlicher Kopfstärke auf. Weil Geld knapp war, konnten aber nur zwei Zombies wirklich geschminkt werden. Die anderen Wiedergänger wurden mit grüner und grauer Farbe bestrichen und mussten ihre Gesichter der Kamera fernhalten, um die Illusion des Untodes nicht allzu nachträglich zu beschädigen. Dafür sind diese Zombies überaus beweglich und lassen sich gern von Bäumen auf ihre Opfer fallen. Wirklich debil sind sie nicht, sondern manchmal beinahe einfallsreich, wenn es gilt, den Flüchtlingen Fallen zu stellen. Oder entsteht dieser Eindruck, weil diese zwar leben aber betrüblich dumm sind?

Wie genau die Zombies ihre Beute packen, geht in der Regel im Halbdunkel unter; schließlich soll „War of the Zombies“ möglichst jugendfrei bleiben. Untoter Horror ohne Blut- und Eingeweidespritzereien ist dem Horrorfan freilich verhasst, was Mäkilaakso noch mehr Sympathiepunkte kostet. Er bemüht sich um Ausgleich und verwickelt seine Helden mehrfach in epische Schlägereien (!), bei denen die Zombies ordentlich einstecken müssen.

„Episch“ ist ein Wort, das Regisseur Mäkilaakso sicher gern für seine Film bemüht. Er strengt sich an, der Handlung Dramatik und Tiefe zu verleihen, hat aber weder eine Ahnung, wie dies funktioniert, noch das Geld es umzusetzen. Alternativ ist ihm als vermittelndes Instrument nur die Zeitlupe eingefallen, die deshalb ständig zum Einsatz kommt. Statt auf diese Weise den gewünschten Effekt zu erreichen, gelingt Mäkilaakso nur jener bedeutungsschwangere „Hose-gestrichen-voll“-Gang, der die regelmäßigen Zuschauer zweitklassiger Kriegs-Actionfilme zum Glucksen bringt.

Der Job fordert manchmal Zugeständnisse

Für die angeheuerten Darsteller galt diese oberste Einstellungsdirektive: Du musst auch in tiefem Schlamm gut zu Fuß sein! Schauspielerisches Talent war sichtlich Nebensache. Da Tom Sizemore offenbar verhindert war, gibt TV- und B-Movie-Veteran Andrew Tiernan den harten Army-Knochen Stone, der hinter der felsrauen Fassade ein weiches Herz und trauriges Privatschicksal verbirgt.

Die finnischen Darsteller bleiben unauffällig. Man kann sie in dem schon mehrfach erwähnten Zwielicht ohnehin schwer unterscheiden. Einsam bleibt Samuli Vauramo in seinem Bemühen, dem zwischen sämtliche Fronten geratenen Kolya ein Gesicht zu verleihen. Es gelingt ihm, aber es ist die Mühe einfach nicht wert.

Irgendwann muss Mäkilaakso eingefallen sein, dass es ratsam wäre, eine Frau in seine Geschichte einzubauen, um auch das weibliche Publikum zu locken. Es pflegt ‚Nur-Männer-an-Bord‘-Filme misstrauisch zu meiden, da hier Prügel & Schüsse den Faktor Liebe meist ersatzlos ersetzen. Für Dasha gibt es keine Existenzberechtigung, weshalb diese Rolle nach einer Weile undramatisch und erschütternd miserabel aus der Handlung genommen wird.

Dem möchte sich der Zuschauer gern anschließen. Wer wie dieser Rezensent durchhält, wird mit einem Finale ‚belohnt‘, das nicht nur geklaut, sondern so dämlich kopiert ist, dass selbst der hartgesottene Trashfilm-Aficionado bis ins Mark erschüttert zurückbleibt.

DVD-Features

Der Zwang zur kollektiven Lüge ist längst ein elementarer Bestandteil der Filmwerbung. Dies wird in der Regel „Making of” genannt, dauert hier 15 Minuten und zeigt Darsteller sowie Mitglieder des Filmteams, die vorgeblich begeistert über die hinter sich gebrachte Plackerei ‚berichten‘. Ihre Worte sollen durch schnell hintereinander geschnittene und so interessanter wirkende Hinter-den-Kulissen-Häppchen beglaubigt werden. Ist ein Film jedoch so übel wie dieser, könnte selbst es Rumpelstilzchen nicht gelingen, Bockmist zu Gold zu spinnen.

Abschließend ein Hoch auf das deutsche Label, das dem von ihm auf den Markt geworfenen Schwachsinn die Krone aufsetzt (oder ins Gesicht schlägt), indem es diesem Film den Untertitel „Band of Zombies“ verleiht. Hoffentlich nur wirklich dumme Zuschauer fallen auf diese Rosstäuscherei herein!

Kurzinfo für Ungeduldige: An der russisch-finnischen Grenze soll 1941 ein Spähtrupp einen Bunker auskundschaften, in dem die Nazis Soldaten in Zombies verwandelt haben; als sie ihr Ziel erreichen, geraten sie unter die inzwischen durch russische ‚Freiwillige‘ stark vermehrten Untoten … – Die ohnehin schräge Story wurde in ein höchstens durch sein schleppendes Tempo, die spannungslose Handlung oder besonders dumme Rollenklischees erschreckendes Filmchen umgesetzt: Finger bzw. Augen weg!

[md]

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