In einer von Zombies überrannten Welt verliebt sich der untote „R“ in die schöne Julie; die daraus resultierenden Kommunikationsprobleme werden durch einen geplanten Angriff der kannibalischen „Bonies“ auf die letzte Bastion der Lebenden verschärft … – komödiantischer Mix aus Horror- und Liebesgeschichte, der den befürchteten Kitsch à la „Twilight“ durch Ironie ersetzt und trotz exorbitanter Logiklöcher gut unterhält.

Das geschieht:

Vor acht Jahren hat eine Seuche den Großteil der Menschheit in Zombies verwandelt. Unter der Führung von Ex-Colonel Grigio haben sich Überlebende hinter einer hohen Mauer verbarrikadiert. Ihr Refugium verlassen die Menschen nur, wenn Vorräte oder Medikamente aus der Stadt geborgen werden müssen – eine lebensgefährliche Mission, denn die Untoten sind Kannibalen.

Für den aktuellen Einsatz haben sich u. a. Grigios Tochter Julie und ihr Freund Perry gemeldet. Unbemerkt setzt sich eine Gruppe Zombies auf ihre Fährte. Der Überfall erfolgt schnell und brutal; er kostet die meisten Lebenden das Leben. Unter den Opfern ist auch Perry, dessen Gehirn vom Zombie „R“ gefressen wird.

„R“ kann sich an sein früheres Leben nicht mehr erinnern, hat aber seinen Verstand nicht völlig verloren. Perrys Hirn versetzt ihm einen unerwarteten Energiestoß. „R“ durchbricht die übliche Lethargie der Untoten und zügelt seinen Appetit, als er Julie entdeckt, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Er rettet sie und bringt sie in seinen Unterschlupf, ein altes Verkehrsflugzeug.

Julie, die ihr letztes Stündlein schon hatte schlagen hören, stellt erstaunt fest, dass „R“ sie nicht nur beschützen will, sondern stetig ‚menschlicher‘ wird. Er findet seine Sprache zurück und benimmt sich auch sonst immer fürsorglicher. Dennoch flüchtet Julie in einem unbewachten Moment, denn sie will heim.

Der nur noch liebeshungrige „R“ folgt ihr. Außerdem will er die Menschen warnen: Die „Bonies“, Zombies im Endzustand der Verwandlung, sind auf die kleine Festung der Menschen aufmerksam geworden. Sie sind zwar zu verrotteten Skeletten mutiert aber schnell, bösartig – und zahlreich. „R“ wagt sich nicht nur zwischen die Fronten, sondern um Julies willen sogar in die Höhle des Löwen: Er verschafft sich Einlass in die Stadt der Lebenden, die ihm augenblicklich in den Kopf schießen werden, sollten sie ihn vor Julie entdecken …

Junge Liebe mit Schwierigkeiten

Es hätte schlimm werden können: Das Plakat zum Film zeigt einen zwar bleichen Jüngling, der verdächtig an den Windelweich-Vampir Edward Cullen aus Stephanie Meyers „Twilight“-Saga erinnert. Ihm gegenüber steht eine hübsche Maid, deren Augen zwar weiter auseinanderstehen als die der schlaffen Bella, was jedoch nicht genügt, die Furcht vor einer ähnlichen Anti-Figur zu zerstreuen. Und basiert „Warm Bodies“, der Film, nicht ebenfalls auf einem „Young-Adult“-Roman, der in der deutschen Übersetzung doppelt unheilverkündend den Titel „Mein fahler Gefährte“ trägt?

Aber Isaac Marion ist glücklicherweise keine Stephanie Meyer, und Regisseur plus Drehbuchautor Jonathan Levine keine jene Schattengestalten, die Abziehbilder lukrativer Hollywood-Blockbuster produzieren. Er treibt der durchaus für ein jüngeres Publikum gedachten Geschichte den Kitsch (vor allem im letzten Drittel) nicht gänzlich aus, sorgt aber für Ausgleich in Gestalt einer Ironie, die anders als in der Romanvorlage nicht nur angedeutet, sondern ausgespielt wird.

Die Story selbst ist bekannt aber bewährt, denn schließlich geht sie in Handlung und Figurenpersonal auf niemand Geringeren als William Shakespeare zurück. Er schrieb „Romeo & Julia“ 1597 zwar als Tragödie, was aber in den folgenden Jahrhunderten nicht immer übernommen wurde. Der Kern – die Geschichte zweier Liebender, die aufgrund heillos zerrütteter Familienverhältnisse nicht zueinander finden können – war und ist zeitlos. Sie funktioniert immer, was sich durch die Anwesenheit von Zombies keinesfalls ändert, wie wir nach „Warm Bodies“ wissen.

Plädoyer für einen ‚anderen‘ Zombie

Der Zombie ist das Schmuddelkind des Horror-Genres. Wer tot ist, gehört nicht ohne Grund außer Sicht bzw. unter die Erde gebracht. Die unschön anzusehende und von noch hässlicheren Gerüchen begleitete Wiederkehr gewinnt an Grauen, wenn der Untote a) seinen Verstand eingebüßt und b) seine Ernährung auf Menschenfleisch umgestellt hat, wobei er (oder sie) auch Familienangehörige keineswegs verschont.

Die daraus resultierende Bedrohung ist einleuchtend, zumal bereits der nur gebissene Pechvogel ebenfalls zum Zombie mutiert. Für den endgültigen Tod sorgt ausschließlich der Schuss in den Schädel, und der ist ein entmutigend kleines Ziel, wenn man ihn aufs Korn nehmen muss, während man vor einer Horde hungriger Leichen davonläuft.

Paradoxerweise ist der wandelnde Tote eine statische Schreckensgestalt. Da er nicht denkt, ist er auf den Überraschungseffekt und die Überzahl angewiesen. Ist man ihm und seinen Genossen nicht direkt ausgeliefert, sondern verfolgt die untoten Umtriebe in Sicherheit vor dem heimischen Fernseher, stellt sich unweigerlich Langeweile ein. Wie abwechslungsreich lassen sich Menschen denn beißen oder ausweiden? Heimtücke ist dagegen wesentlich spannender, da sich dieser Gegner nicht umgehend durch faulige Fratzen und Gestank zu erkennen gibt.

Tot aber weiterhin unglücklich

Natürlich war Jonathan Levine nicht der erste, nach der einem Weg aus dieser Sackgasse suchte. Selbst George A. Romero, der ‚Vater‘ des modernen Zombies, hat seine Untoten allmählich wieder zu Verstand kommen lassen. Doch so simpel die Idee klingt, sie hat ihre Tücken: Wird der Zombie wieder menschlich, ist er keine Bedrohung mehr, sondern wird womöglich zur tragischen Figur.

Levine hat eine Lösung gefunden: Er unterstellt den Zombies eine untote Evolution. „R“ gehört zu den lebenden Leichen der Stufe 1. Zwar wirkt er keineswegs wie das blühende Leben, und er frisst Menschen, doch weist er keine größeren körperlichen Schäden auf. In dumpfer Erinnerung an das Leben wandert er durch die Straßen, ‚unterhält‘ sich grunzend mit anderen Zombies und hat sich sogar eine ‚gemütliche‘ Wohnung eingerichtet. Mit der Zeit lässt diese Energie nach, der Verstand der Stufe-2-Zombies verflüchtigt sich, der Körper beginnt zu verfallen. Das Ende ist der Stufe-3-„Bonie“, ein haut- und fleischloses Skelett, das ausschließlich tötet und frisst.

Da „R“ selbst als ‚menschlicher‘ Zombie nicht vor Geistesblitzes sprüht, ‚hört‘ man ihn in der ersten Filmhälfte seine Aktivitäten aus dem Off kommentieren. Die Diskrepanz zwischen Wort und Tat sorgt für humoristische Momente, die durch das behutsam entschärfte Verhalten der untoten Hauptfiguren – zu denen vor allem „M“ und seine Gruppe gehören – unterstrichen werden. Wirklich ‚böse‘ sind nur die „Bonies“, denen dies buchstäblich in die entfleischten Fratzen geschrieben steht.

Die berühmte zweite Chance

„Warm Bodies“ steht und fällt mit seinen beiden Hauptdarstellern. Hier hat Jonathan Levine ein gutes Händchen bewiesen. Nicholas Hoult hat unzweifelhaft den schwierigeren Part, muss er doch als „R“ trotz seines offensichtlichen Untods die hübsche Julie für sich begeistern. Allerdings dämpft dies den Kitsch-Faktor quasi automatisch, da „R“ auch als netter Zombie nie hübsch anzuschauen ist. Erotische Funken (auf Hollywood-Art, also aus Schmalz entzündet) sprühen deshalb erst im Finale.

Teresa Palmer bietet zum erfreulichen Anblick einen leidlich kantigen Charakter. Ein Bella-Weibchen ist sie nicht, sondern wenig zimperlich als überlebensstarke Frau in einer hauptsächlich untoten Welt; das schwache Glied in der Kette ist Lover Perry, der indes früh aus der Handlung ausscheidet. Dennoch muss sich Palmer ein wenig zu oft vom schier allgegenwärtigen „R“ vor Zombies und „Bonies“ retten lassen; alte Film-Klischees sind mindestens ebenso zäh wie die Untoten.

Für das ältere Publikum wurde John Malkovich angeheuert, der in einem wie diesem als Schauspieler notorisch unterbeschäftigt ist und wohl schnell und bequem ein hübsches Sümmchen verdienen wollte. In seiner Rolle als Zombie-Kumpel „M“ kann Rob Corddry leicht das Zuschauerherz erwärmen, während Analeigh Tipton als „beste Freundin“ faktisch überflüssig ist. Der Rest des Ensembles füllt den jeweiligen Bildausschnitt; mehr wird von ihnen auch nicht verlangt.

Auch der Untod ist kostspielig

Für „Warm Bodies“ stand ein Budget von 30 Mio. Dollar zur Verfügung. Viel ist dies nicht aber mehr Geld, als für die meisten Gruselfilme ausgegeben wird. Das Ergebnis kann sich definitiv sehenlassen. Obwohl die entsprechende Opulenz eines Zombie-Blockbusters wie „World War Z“ natürlich fehlt, bietet „Warm Bodies“ in diversen Panorama-Bildern eindrucksvolle Impressionen einer toten, verfallenden Stadt.

Auch das Zombie-Make-up ist gelungen. Da „Warm Bodies“ bereits für recht junge Zuschauer freigegeben werden sollte, musste sich der körperliche Verfall in Grenzen halten. Auch allzu blickoffene Fressgelage entfielen; schließlich sollte man die Zombies irgendwann lieben. Gleichzeitig gibt es die „Bonies“, die durchaus grässlich geraten sind. Sie wurden digital in ihr untote Existenz gerufen. Hier macht sich leider die Kürze des Sparstrumpfes bemerkbar; anders als beispielsweise die „Walking Dead“ der gleichnamigen TV-Serie sind die „Bonies“ sehr eindeutig CGI-Geschöpfe.

Das wird zusätzlich durch ein bemerkenswert klares Bild hervorgehoben. „Warm Bodies“ spielt in einer grauen und düsteren Welt, die selten durch bunte Tupfer unterbrochen wird. Diese Farbspiele sind beabsichtigt; sie spiegeln Stimmungen wider. Solche beinahe subtilen Untertöne versöhnen den nicht mehr ganz jungen (oder romantischen) Zuschauer und lenken ihn von weniger gelungenen Gags und vielen lästigen Fragen ab. (Warum sind die A-Zombies fußlahm, während die „Bonies“ sprinten wie Gazellen? Wie konnte eine Handvoll Überlebender ihre Festung mit einer mehrstöckigen Mauer aus Stahlplatten umgeben, deren Errichtung selbst King Kong überfordert hätte? Was geschieht mit dem Rest der zombifizierten Welt außerhalb der schließlich glücklich genesenden Stadt?) „Warm Bodies“ sollte man als Märchen betrachten, und die ergeben oft wenig Sinn, gehen aber gut aus.

DVD-Features

Sogar die DVD-Ausgabe von „Warm Bodies“ scheint vor interessanten Features zu strotzen. Bei näherer Betrachtung relativiert sich dies. Wieder einmal wurde das „Making-of“ in viele kleine bzw. minutenkurze Häppchen zerlegt, die falsche Fülle vortäuschen sollen.

Immerhin stellen nicht ausschließlich werbungs- bzw. lügenreiche ‚Interviews‘ den Zuschauer auf die Probe. So ist es durchaus wissenswert, den Weg vom „Warm-Bodies“-Roman zum gleichnamigen Film zu verfolgen. Auch die ‚Anleihen‘, die Levine bei Shakespeare machte, gehen über simple Spiele mit Namen („R“ = Romeo, „Julie“ = Julia) weit hinaus.

In der Featurette „Das Schauspielerensemble“ dürfen (oder müssen) sich die Darsteller Rob Corddry, John Malkovich, Dave Franco und Analeigh Tipton über ihre Rollen äußern. Technisch wird es in den Kapiteln „Zombie-Make-Up“, „Waffen & Stunts“ und „Visuelle Effekte“. Ein weiterer Beitrag klärt über das Produktionsdesign dieses Films auf, der aus Kostengründen im kanadischen Montreal entstand.

„Hinter den Kulissen“ drehte Hauptdarstellerin Teresa Palmer (angeblich) mit einer kleinen Privatkamera ihren Arbeitsalltag und die Aktivitäten ihrer Kolleginnen und Kollegen, die sichtlich gelernt haben, dass man auch in den Drehpausen präsent sein muss, weil für die Features das ‚wahre‘ Leben vor und hinter der Kamera festgehalten werden soll. Rob Corddry alias „M“ führt vor, „Wie man einen Zombie spielt“.

Selbstverständlich gibt es die obligatorischen „Outtakes“, die hier vor allem die Schwierigkeit illustrieren, vor der Schauspieler stehen, die sich mit (buchstäblich) toternster Miene anknurren sollen: Sie brechen ständig in hilfloses Gelächter aus. Außerdem lassen sich neun entfallene Szenen anschauen, die Regisseur Levine kommentiert, d. h. ihren Schnitt aus dem Film begründet.

Abschließend folgt der deutsche Kinotrailer.

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Warm Bodies – Zombies mit Herz
Originaltitel: Warm Bodies (USA 2012)
Regie u. Drehbuch: Jonathan Levine
Kamera: Javier Aguirresarobe
Schnitt: Nancy Richardson
Musik: Marco Beltrami u. Buck Sanders
Darsteller: Nicholas Hoult („R”), Teresa Palmer (Julie), Rob Corddry („M”/Marcus), Dave Franco (Perry), Analeigh Tipton (Nora), Cory Hardrict (Kevin), John Malkovich (Colonel Grigio) uva.
Label/Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 11.07.2013
EAN: 4010324200556 (DVD)/4010324039262 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 12

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