Weg mit der Ex

Originaltitel: Burying the Ex (USA 2014)
Regie: Joe Dante
Drehbuch: Alan Trezza
Kamera: Jonathan Hall
Schnitt: Marshall Harvey
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Anton Yelchin (Max), Ashley Greene (Evelyn), Alexandra Daddario (Olivia), Oliver Cooper (Travis), Archie Hahn (Chuck), Gabrielle Christian (Coco), Mindy Robinson (Mindy), Dick Miller (bärbeißiger Cop) u. a.
Label/Vertrieb: Koch Media
Erscheinungsdatum: 23.07.2015
EAN: 4020628886394 (DVD)/4020628886387 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 89 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Max, Verkäufer in einem Laden für Grusel-Scherzartikel, lebt mit der hübschen und willigen aber humorarmen und vegan ‚lebenden‘ Evelyn zusammen, die zudem unter ausgeprägter Eifersucht leidet. Unglücklicherweise schwört Max ihr seine ewige Liebe in Hörweite einer Teufelsfigur, die von einem bösen aber schwarzhumorigen Geist bewohnt wird.

Als sich Max kurz darauf von Evelyn trennen will, wird diese von einem Bus überfahren und stirbt an ihren Verletzungen. Nachdem er seine Trauer (und sein schlechtes Gewissen) überwunden hat, bandelt Max mit der Eiscafé-Eigentümerin Olivia an. Was ein neuer Anfang werden sollte, wird für Max freilich ein Albtraum, als plötzlich die angeschimmelte Evelyn vor seiner Haustür steht: Der Geist hat sie als Zombie aus dem Grab zurückkehren lassen.

Evelyn macht deutlich, dass sie die Beziehung fortzusetzen gedenkt; den allmählichen Verfall ihres Körpers ignoriert sie im Gegensatz zum entsetzten Max, der nicht nur Olivia halten möchte, sondern auch vermeiden will, von Evelyn gebissen und ebenfalls zum Zombie transformiert zu werden, wie seine Ex es fordert. Zwar bietet sein von Intelligenz, Manieren und Körperhygiene weitgehend freier Halbbruder Travis Hilfe an, doch wie erwartet gießt er durch seine Tölpelhaftigkeit eher Benzin ins Feuer und stachelt die ohnehin misstrauisch gewordene Evelyn auf, Max‘ Bekanntenkreis einer Überprüfung zu unterziehen.

Da Max mit Evelyns untoter Heimkehr nicht gerechnet hatte, fällt es der Zombie-Ex nicht schwer, Olivias Existenz in Erfahrung zu bringen. Kochend vor Wut und Mordlust stürmt sie ins Eiscafé, um die Rivalin zur Rechenschaft zu ziehen. Wie im Hollywood-Film üblich, erfährt Max zu spät von Evelyns Plänen. Endlich ist er bereit, sich der Ex zu stellen, doch die hat inzwischen erfahren, wie gut Menschenfleisch schmeckt …

Alles hat ein Ende

Ruhm ist vergänglich. Das gilt auch im Horrorfilm, obwohl hier die Fans ihren verehrten Meistern selbst dann die Treue halten, wenn diese nachhaltig beweisen, dass sie ihr Pulver verschossen haben. George R. Romero, Dario Argento, Tobe Hooper: Dies sind drei willkürlich herausgegriffene Grusel-Heroen, die in den 1970er Jahren das Genre entscheidend beeinflusst haben. Nun eint dieses Trio die Belanglosigkeit ihrer aktuellen Werke, die vor allem von vergangenem Ruhm zehren.

Allmählich gesellt sich auch Joe Dante diesem wenig illustren Kreis hinzu. Vielleicht sollte man vorsichtig sein; noch ist er für eine Überraschung gut, wie er 2009 mit „The Hole“ bewies. Allerdings dauerte es fünf Jahre bis zum nächsten Spielfilm; Zeit, die Dante damit überbrückte, sich als Heuerling für TV-Serien wie „Witches of East End“ und „Hawaii-Five-0“ zu verdingen. Dante hatte stets seine Probleme mit dem Hollywood-Establishment, weil er sich nicht in eine Schublade pressen lassen wollte, weshalb er in der Filmstadt immer nur kurz Fuß fassen konnte.

Diesem Widerstand verdanken wir eindrucksvolle Klassiker wie „The Howling“ (1981; dt. „Das Tier“), zeitlose Unterhaltung wie „Innerspace“ (1987; dt. „Die Reise ins Ich“), selbstverständlich die beiden „Gremlins“-Spektakel (1984 u. 1990) sowie „Small Soldiers“ (1998). Sie zeigen Dante als Mittler zwischen Horror-Klassik und Gegenwart, wobei er mit bissigem Humor allerlei heilige oder wenigstens politisch korrekte Kühe ad absurdum führte.

Gute Absicht endet mit glatter Bauchlandung

Dantes große Filme lassen weiterhin ausgezeichnet in Szene gesetzte aber inhaltlich belanglose Streifen wie „Looney Tunes: Back in Action“ (2003) und hoffentlich bald auch „Weg mit der Ex“ in Vergessenheit geraten. Er benötigt Stoffe, an dem er sich reiben kann, und Autoren, die ihm solide Drehbücher schreiben, die er mit Dante-typischen Filmzitaten, Tempo und schrägen Witzen anreichert.

Eine solche Konstellation zeigt sich selten am Hollywood-Sternenhimmel, weshalb oft viele Jahre zwischen Dantes Spielfilmen liegen. Sein tägliches Brot verdient er in diesen Flauten wie erwähnt im Fernsehen, wo man sein immenses Hintergrundwissen gern in Anspruch nimmt, ohne es wirklich zu nutzen. Wird die Pause allzu lang, ist Dante in seiner Verzweiflung offensichtlich bereit, nach jedem Strohhalm zu greifen, um der TV-Hölle zu entfliehen.

„Burying the Ex“ basiert auf einem Kurzfilm, den Autor Alan Trezza 2008 persönlich in Szene setzte. Da ihm offenbar sonst wenig einfiel, baute er die Geschichte weiter aus, bis sie zumindest vom Drehbuch-Textvolumen einen Spielfilm trug. 2014 hatte sich für Dante wieder einmal ein Projekt zerschlagen. Er kannte Trezza und sein Skript. Als sich für „Burying the Ex“ Geldgeber fanden, schlug er zu. Binnen 20 Tagen entstand der Film.

Angesichts der (angeblich inspirierenden) Hektik der Dreharbeiten kann sich das Ergebnis zumindest sehenlassen. Natürlich fällt auf, dass sich die Kulissen auf eine Wohnung, einen Laden, ein Café und Travis‘ Höhlenloch beschränken. Dies ist kein Nachteil, denn die Story ist ein Kammerspiel, das nur wenige Darsteller benötigt. Sparsam bleiben auch die Spezialeffekte, doch auch dies ist kein Beinbruch, da Dante einerseits sehr gut weiß, wo er die wenigen Produktionsdollars einspeisen muss, während die Geschichte andererseits ohnehin nur wenige Tricks benötigt.

Wieder einmal getretener Quark

Auch Dantes Verharren in der Filmwelt der 1980er Jahre lässt „Weg mit der Ex“ nicht scheitern. Wer als Zuschauer ein wenig älter ist, erkennt gewisse Stilmittel nostalgisch gestimmt oder sogar positiv wieder; so ist es im 21. Jahrhundert nicht üblich, sich so viel Zeit für die Einführung der Figuren zu lassen. Auch sonst geht Dante gemächlich vor. Hektische Schnitte oder Wackelbilder sind nicht sein Ding. Dagegen spricht schon sein ungebrochener Drang, immer wieder Zitate einzustreuen, die zumindest der Film-Nerd freudig begrüßt. So wird das Geschehen mehrfach von klug ausgesuchten Ausschnitten aus alten und meist obskuren Horrorfilmen begleitet oder besser: kommentiert. Die Wände von Max‘ Wohnung sind mit einschlägigen Plakaten bedeckt. Max und Olivia treffen sich einmal am Grab von Johnny Ramone, mit denen Allan Arkush und Dante 1979 „Rock’n’Roll High School“ drehten. Eigens für den Regisseur unterbrach der 86-jährige Dick Miller, der seit Ewigkeiten durch beinahe jeden Dante-Film geistert – unvergessen ist sein griesgrämiger Spießbürger Murray Futterman aus den beiden „Gremlin“-Folgen -, seinen Ruhestand und mimte in einer für die Handlung ansonsten absolut unnötigen Szene einen uralten, biestigen Polizisten.

So ist es letztlich das Drehbuch, das Regisseur und Darsteller im Stich lässt. Für einen Kurzfilm mag die Idee, eine verflossene Liebe zum untoten ‚Leben‘ zu erwecken, tauglich sein. Auf anderthalb Stunden ausgewalzt verliert sie jede Substanz – dies jedenfalls, wenn sie so kantenschwach und witzarm wie hier umgesetzt wird. Eine Komödie sollte lustig sein: Nicht einmal diese elementare Pflicht kann erfüllt werden. Stattdessen sorgen vor allem ehrwürdig bärtige, d. h. uralte und harmlos-zahnlose Gags für Missvergnügen. Humor ist erstaunlich nostalgieresistent. Er muss und kann nicht unbedingt neu sein, sollte aber dem jeweiligen Geschehen angepasst werden.

Dante weiß das, weshalb erst recht erstaunt, dass er trotzdem nur abspult, was irgendwann lachwürdig gewesen sein mag: Man merkt es, wenn es ihm gelingt, sein ureigenes Talent zu wecken. So gipfelt jene Szene, in der Proll-Bruder Travis die auch als Zombie zickige Evelyn zur Weißglut treibt, in einer echten Überraschung – für Travis und für die Zuschauer, die nicht damit rechnen konnten, wie Dante die Situation kippen und sogar ein wenig Splatter-Drastik einfließen lässt.

Einsatz ohne lohnendes Ziel

Dass solche und sogar viele Routine-Szenen gelingen, verdankt Dante seinem gut gelaunten, sich jederzeit ins Zeug legenden Schauspielerensemble. Während Anton Yelchin beinahe zu überzeugend den entscheidungsschwachen Max mimt, in den sich gleich zwei schöne Frauen verlieben, gibt Ashley Greene als liebesirrer Zombie dem Affen kräftig Zucker, ohne dabei ins Chargieren zu verfallen. Evelyn ist ausdrücklich nicht als unsympathische Person gezeichnet, was es leichter macht, Max zu verstehen, der seine Ex einfach nicht vor den untoten Kopf stoßen will, obwohl sich dieser in seine Bestandteile aufzulösen beginnt (was selbstverständlich für entsprechende Gags genutzt wird, die aufgrund des ausgezeichneten Make-ups ausnahmsweise zünden).

Alexandra Daddario fällt es schwer, als Nebenbuhlerin Akzente zu setzen, da sie nicht nur lange in Unwissen der tatsächlichen Umstände agiert und (ausgerechnet!) Max folgerichtig als Schwerenöter misstraut, sondern auch und immer wieder aus der Handlung verschwindet, während Max sich mit Evelyns Gelüsten herumplagen muss. Oliver Cooper ist allzu offensichtlich ein „Hangover“-Klon als haariger, geiler, schlampiger Lebenskünstler/Weiberheld bzw. „Buddy“ für Max, der allzu ernsthaft charakterisiert wird und deshalb ein lockeres Gegengewicht benötigt. Stattdessen ist Travis ein Idiot, dessen Schicksal dreist aus „Shaun of the Dead“ (2004) ‚übernommen‘ wird.

So gerinnt „Weg mit der Ex“ zu einem jener Filme, die man eigentlich mögen will, da der Dante-Bonus weiterhin zählt, die nicht wirklich schlecht sind und die gerade deshalb besonders enttäuschen: Hier waren vor unter hinter der Kamera keine Dilettanten oder zynischen „As(s)ylum“-Stümper, sondern durchaus fähige und (a. a. O.) kreative Männer und Frauen am Werk. Sie haben sich bemüht, doch gereicht hat es nicht: Selbst das Finale ist erschreckend pointenfrei und läutet vor allem das Filmende ein, das man erleichtert zu Kenntnis nimmt: keine Reaktion, die man nach einem Joe-Dante-Film erwartet hätte!

DVD-Features

Möglicherweise war „Weg mit der Ex“ ursprünglich für einen deutschen Kino-Einsatz vorgesehen; jedenfalls ist die Synchronisierung professionell, die Knödel-Clowns von der Stammel-Rampe hatten dieses Mal Pause.

Extras gibt es schändlicherweise nicht, nur den Trailer. Dabei hätte man beispielsweise den „Burying-the-Ex“-Kurzfilm von 2008 gern gesehen.

Kurzinfo für Ungeduldige: Gerade kommt Max dank Olivia über den Unfalltod seiner Zuvor-Gefährtin Evelyn hinweg, als diese sich als Zombie aus dem Grab zurückkehrt und ihre Beziehungsansprüche mit überirdischer Kraft erneuert … – Daraus ergeben sich – leider – nur die üblichen ‚ulkigen‘ aber harmlosen Verwicklungen, da dies eine Komödie sein soll, die allerdings nie wirklich zündet und der bald die Luft ausgeht: Schade um die spielfreudigen Darsteller, schade um Regisseur Joe Dante, der hier nur müde Retro-Routinen bedient.

[md]

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