Wyrmwood – Road of the Dead

Originaltitel: Wyrmwood – Road of the Dead (Australien 2014)
Regie u. Schnitt: Kiah Roache-Turner
Drehbuch: Kiah u. Tristan Roache-Turner
Kamera: Tim Nagle
Musik: Michael Lira
Darsteller: Jay Gallagher (Barry), Bianca Bradey (Brooke), Leon Burchill (Benny), Luke McKenzie (Captain), Yure Covich (Chalker), Catherine Terracini (Annie), Keith Agius (Frank), Meganne West (Meganne), Berryn Schwerdt (Doktor), Cain Thompson (McGaughlin), Beth Aubrey (Vharlotte), Sheridan Harbridge (Sherri), Damian Dyke (Thompson) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.08.2015
EAN: 4041658120678 (DVD)/4041658190671 (Blu-ray)/4041658170673 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch), Dolby Digital 2.0 Stereo (Audiokommentar)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min. (Blu-ray: 98 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Ein Sternschnuppenregen in der Nacht kündigt das Grauen an: Alle Menschen, in deren Adern und Venen nicht Blut der Gruppe A- kreist, verwandeln sich in kannibalische Zombies, die ihren Verstand vollständig einbüßen und auf ihre Mitbürger losgehen. Wer die erste Attacke übersteht, versteckt sich, denn die Untoten sind so schnell über die Zivilisation gekommen, dass mit staatlicher oder militärischer Rettung nicht zu rechnen ist.

Auch Barry, Benny und Frank haben Familienangehörige und Freunde durch die Katastrophe verloren. Der Zufall führt sie zusammen, und er weist ihnen auch einen Weg aus der durch den Weltraumstaub verursachte Energienot: Sämtliche Kraftstoffe haben ihre Zündfähigkeit verloren. Ausgerechnet die Zombies produzieren bei ihrem Zerfall ein Gas, mit dem sich Motoren antreiben lassen! Dies versetzt das Trio in die Lage, auf die Suche nach Barrys Schwester zu gehen. Brooke könnte noch am Leben sein, da sie sich für eine Fotosession außerhalb der Stadt aufhielt, wo die Zombiedichte niedriger ist.

Aber Brooke hatte Pech. Zwar entkam sie den Untoten, fiel jedoch den Schergen eines wahnsinnigen ‚Doktors‘ in die Hände, der die Apokalypse nutzt, um seinem Hang zu absolut gesetzwidrigen und unmoralischen Experimenten zu frönen. Er nimmt Brooke in den Bestand seiner lebendigen und untoten Versuchskaninchen auf und injiziert ihr Zombie-Blut, was Brooke wider Erwarten nicht nur übersteht, sondern sie auch befähigt, den Untoten ihren Willen aufzuzwingen und sie in Marionetten zu verwandeln – ein Talent, das sie ausgiebig nutzt, als ihr der Doktor auf die Schliche kommt.

Irgendwann finden Barry und Brooke wieder zueinander. Doch der „Captain“, der mit dem „Doktor“ zusammenarbeitet, will die junge Frau unbedingt wieder einfangen, da sich seine Hintermänner für ihr Talent interessieren. So entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod, wobei die Grenzen zunehmend verschwimmen …

Ozpocalypse: die australische Variante

Australier werden in der angelsächsischen Welt gern „Aussies“ oder „Ozzies“ genannt. Manchmal mehr, manchmal weniger freundlich spiegelt sich darin das Bild eines Volkes wider, das die Dinge lieber handgreiflich und ohne zeitraubendes Nachdenken angeht. Filme wie „Mad Max“ oder „Crocodile Dundee“ haben entsprechende Ansichten (oder Vorurteile) aufgegriffen und populär gemacht, obwohl Australien auch ein Land ist, in dem ganz andere Filme entstanden: Hier leben eben nicht nur Tatmenschen, die in verschwitzten Armlos-Unterhemden und schwer bewaffnet den jeweiligen Stier bei den Hörnern packen.

In diesem Fall handelt es sich um Zombies – keine leichten Gegner, was nicht nur damit zusammenhängt, dass sie bereits tot und deshalb schwer auszuschalten sind, sondern auch deshalb eine Herausforderung darstellt, weil in Sachen Untod eigentlich alles Relevante gesagt wurde – und das sehr oft. Gerade der Zombie-Horror erschöpft sich in relativ wenigen Schlüsselszenen. Die blutige Konfrontation mit einem Feind, der noch angreift, wenn man ihn buchstäblich in Stücke schießt oder schneidet, in Flammen steckt, ausweidet oder anderweitig zerschnetzelt, steht dabei im Mittelpunkt.

Dramaturgisch gibt der Untod dagegen wenig her: Sobald sich der Mensch in einen Zombie verwandelt hat, ist es vorbei mit dem emotionsverursachten Verhalten. Tatsächlich sind die Untoten ziemlich langweilige Zeitgenossen. Die Gefühle nach der Apokalypse bleiben den Lebenden vorbehalten, auch in „Wyrmwood“ ist dies so. Liebe, Familie, Freundschaft, Trauer, Wut, Hass: Grundsätzlich kämen Barry, Brooke & Co. ohne die Zombies aus. Diese sorgen für die permanente Rahmenbedrohung, doch gezielt böse und aufgrund ihres Verstandes wirklich gefährlich sind der „Doktor“, der „Captain“ und ihre schurkischen Genossen.

Horror-Road-Movie

Die Brüder Kiah und Tristan Roache-Turner, die mehrheitlich die wichtigsten Positionen hinter der Kamera einnahmen, verzichteten klug auf eine komplexe Story. Sie verfügten weder über den Willen noch die Mittel, „Wyrmwood“ als Filmkunst zu realisieren. Stattdessen schwebte ihnen eine stringente, schnelle Story vor, die aufgrund der fehlenden Nebenstränge einfach umzusetzen war. Das „Wyrmwood“-Projekt war organisatorisch komplex genug, was vor der Kamera keine inszenatorischen Großtaten möglichte.

Im Gegensatz zu anderen Filmemachern, die sich eher planlos in ihr Debüt stürzen, gingen die Brüder systematisch vor. Sie ‚übten‘, indem sie die vorgesehene Story zunächst als Kurzfilm drehten. Auf diese Weise verfügten sie außerdem über Material, das sie vorzeigen konnten; ein Vorteil, als die Brüder darangingen, die Arbeit am eigentlichen Film per Crowdfunding voranzubringen.

Nichtsdestotrotz blieb „Wyrmwood“ ein Abenteuer. Über drei Jahre zog sich der Dreh hin, der meist an den Wochenenden stattfand, wenn sich die ansonsten in Brotjobs gefangenen Mitarbeiter/innen freimachen konnten. Eine letzte Hürde stellte die Endproduktion dar: Die entstandenen Szenen mussten zu einem Film verschmolzen werden, der die sprunghafte Entstehung vergessen ließ. Dabei ging einiges über Bord, was mit großem Einsatz entstanden war, während anderes in der Nachbearbeitung geschliffen wurde.

Der Lohn der Angst

Für „Wyrmwood“ findet man immer wieder die Angabe eines Budgets, das gerade einmal 160.000 (australische) Dollar betragen haben soll. Dies dürfte vor allem der Werbung geschuldet sein, die wieder einmal versucht, eine unabhängige Produktion zum „Kultfilm“ zu überhöhen. Dabei hat „Wyrmwood“ dies einerseits überhaupt nicht nötig, während es andererseits sogar schadet: Selbst wenn das Budget deutlich höher gewesen sein sollte, kann dieser Film mit ‚echten‘ Hollywood-Filmen konkurrieren, in die zweistellige Millionenbeträge gepumpt wurden. „Wyrmwood“ ist weder das Werk von Amateuren noch gewollter Trash, dessen Unvollkommenheiten als Ulk vermarktet werden, sondern inhaltlich wie formal ein ‚runder‘ Film.

Die Story ist wie gesagt simpel, aber sie funktioniert und lässt die vielen logischen Schlaglöcher vergessen. (Wieso verliert Sprit seine Energie, Schießpulver aber nicht? Warum sind Träger der Blutgruppe A- angeblich immun, verwandeln sich aber nach einem Biss dennoch in Zombies? Wieso schlurfen die Untoten ihren Opfern einerseits im Romero-Modus hinterher, springen aber andererseits wie Heuschrecken herum?) Auch das „Mad-Max“-Ambiente, das ebenfalls die Werbung herausstellt, bleibt erfreulicherweise nur Andeutung und für das Geschehen nebensächlich.

Noch besser: „Wyrmwood“ ist keine Horror-Komödie, wie den Zuschauern weisgemacht werden soll. Geboten wird hier handfester Grusel, der mit groben Scherzen angereichert wurde, ohne darauf angewiesen zu sein. Faktisch geht es in der Regel spannend und manchmal sogar tragisch zu: Die Brüder Roache-Turner nehmen ihre Geschichte und ihr Publikum ernst, was kein Grund ist, auf Humor zu verzichten: wieder eine Tatsache, die ewige Film-Amateuren niemals begreifen.

Können und Freude am Spiel

Obwohl „Wyrmwood“ unter schwierigen Bedingungen entstand, waren es nicht nur gutmütige Freunde oder verblendete Anti-Schauspieler, die von den Roache-Turners vor die Kamera gelockt werden konnten. Sie fanden Darsteller, die ihren Job verstanden und sich in reinen Action-Szenen ebenso überzeugend wie in den emotionalen Szenen schlugen. Leon Burchill ist als australischer Ureinwohner weder der farbige Sidekick à la Hollywood, der für dumme Sprüche zuständig ist, noch der tief im Mystischen verwurzelte Aborigine, sondern ein Australier unter Australiern.

Bianca Bradey trumpft als körperlich winzige aber keineswegs wehrlose Brooke auf, die keine Probleme hat, sich sowohl gegen Zombies als auch gegen üble Kerle zu wehren. Den drei Hauptfiguren stellen die Roache-Turners eine Reihe farbenfroher Gestalten an die Seite, denn der Bodycount ist beträchtlich: Auch Handlungsprominenz bietet keine Garantie für langes Überleben! Das eint die Guten und die Bösen, während mit den Untoten gar kein Federlesen gemacht wird.

Dem rabiaten Vorgehen verdankt „Wyrmwood“ die (ansonsten wie üblich übertriebene) Freigabe erst ab 18 Jahren. Weder an Blut noch an Gekröse wird gespart, wenn Zombies unter Gewehrfeuer genommen, mit Schrotgeschossen püriert oder harpuniert (!) werden. Ein Großteil des Budgets floss in Masken und Effekte – die richtige Entscheidung, denn nur selten lassen die Untoten zu wünschen übrig.

„Wyrmwood“ ist keine Offenbarung, was auch verlogenes Werbegetöse nicht ändern kann. Gute Unterhaltung ist aber gewährleistet. Das abrupte Ende schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Aufgrund der freundlichen Aufnahme ihres Films haben die Brüder Roache-Turner „Wyrmwood 2“ für 2017 angekündigt.

DVD-Features

Selten kann man – zumal als altmodischer DVD-Nutzer – heutzutage die Extras loben, die einem Film dieser Preisklasse beigegeben werden. „Wyrmwood“ profitiert in dieser Beziehung von einer Not, aus der eine Tugend gemacht wurde: Von Anfang an suchten die Brüder Roache-Turner die Öffentlichkeit, deren Interesse eine Fortsetzung der vor allem aus finanziellen Gründen schwierigen Dreharbeiten ermöglichte sowie das Team vor und hinter der Kamera zum Durchhalten ermunterte.

Auf diese Weise entstanden u. a. die „Wyrmwood Diaries“, die mehr als 45 Minuten aufschluss- und informationsreiches Hintergrundmaterial liefern. Diese Zeit reicht aus, um in die Tiefe zu gehen. Vor allem haben die interviewten oder bei ihrer Arbeit beobachteten Männer und Frauen mehr zu sagen als die üblichen Lobeshymen und werbetauglichen Plapperhülsen.

Da sich die Dreharbeiten über Jahre hinzogen, entstanden zahlreiche Szenen, die bei der endgültigen Montage ihren Weg nicht in den Film fanden. Mehr als 18 Minuten währen deshalb die „Deleted Scenes“, die dabei dokumentieren, wie die Roache-Turner-Brüder und ihre Crew sich mit dem Stoff vertraut machten und ihn dabei verdichteten.

Um „Wyrmwood“ zu finanzieren, bedienten sich die Brüder des Crowdfundings. Potenzielle Geldgeber animierten sie, indem sie zwei Videos drehten, ihr Projekt vorstellten und mindestens um Vorbestellungen künftiger DVDs und Blu-rays baten. Diese Videos zeigen die Brüder u. a. in den Masken von Zombies. Auch sonst zogen sie alle Register. Der Erfolg blieb wohl auch aufgrund der Professionalität dieser Videos nicht aus. In diesem Zusammenhang entstand außerdem der schon erwähnte, achtminütige Kurzfilm „Wyrmwood Chapter One“, der einen Eindruck vom gedachten Werk vermitteln sollte und dieser DVD ebenfalls aufgespielt wurde. Hinzu kommen Bilder der Storyboards sowie die obligatorischen Trailer.

Natürlich sind die Brüder Roache-Turner im Internet weiterhin sehr präsent:

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Kurzinfo für Ungeduldige: Sternschnuppenstaub verwandelt die Mehrzahl der australischen Bevölkerung in Zombies. Die wenigen Überlebenden müssen nicht nur gegen die Untoten, sondern auch gegeneinander kämpfen … – Inhaltlich schlichter aber rasanter Horror-Thriller mit rabiaten Effekten und ohne filmkünstlerische Ansprüche: keineswegs der vor allem von der Werbung behauptete „Kult“ aber unterhaltsam bis zum abrupten Ende.

[md]

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