Sechs dumme und geile Twentysomethings wollen in einer abgelegenen Hinterwald-Hütte Party machen, doch im nahen See hausen untote Biber, die ihnen beißhungrig zu Leibe rücken … – Abermals bestätigt sich, dass absichtliche Absurdität mit unfreiwilliger Trash-Komik nicht mithalten kann; weil das offensichtliche Vergnügen vor und hinter der Kamera sich dem Zuschauer mitteilt und er ordentlich in Szene gesetzt wurde, kann sich dieser Film trotzdem sehenlassen.

Das geschieht:

Nachdem Jenn ihren Freund Sam beim Fremdknutschen erwischt und ihn davongejagt hat, bläst sie Trübsal. Busenfreundin Mary will durch Ablenkung helfen und plant ein Wochenende nur für Frauen in der Hütte am Waldsee, die ihrem Cousin gehört. Dritte im Bund wird eher widerwillig Zoe, die selbst für eine überschaubare Stundenzahl ungern auf Sex mit ihrem Tölpel-Freund Buck verzichtet.

Herrliches Sommer- und Badewetter sorgt zunächst für Ablenkung. Ganz in der Nähe der Hütte lockt ein schöner See, in dem sogar Biber leben, die sich vor allem Jenn gern aus der Nähe ansehen möchte. Allerdings haben zwei debile Trucker kurz zuvor in Ufernähe einen Hirsch gerammt, woraufhin ein Fass ihrer Ladung in den See gerollt ist. Es enthielt ein Gift, das seine Opfer erst sterben und dann mit einem unbändigen Hunger auf (Menschen-) Fleisch wiederauferstehen lässt.

Das Fass ist direkt auf die Biberburg gestürzt, woraufhin sich die dort hausenden Nagetiere in pechschwarze Zombiber mit glasigen Glotzaugen verwandelt haben. Einen ahnungslosen Angler haben sie – zu Lebzeiten friedliche Vegetarier –  sich bereits geschnappt. Nun sichten die Untiere die drei jungen Frauen, die sie trotz eher magerer Körper umgehend auf ihre Speisekarte setzen.

In der Nacht beginnt es um die Hütte unheimlich zu munkeln. Nachdem Mary, Jenn und Zoe sich ausgiebig gefürchtet haben, springen Buck, Marys nicht ganz so dämlicher Freund Tommy und der untreue Sam aus dem Gebüsch: Zoe hat sie heimlich herbeigerufen, um der Langeweile im Einzelbett abzuhelfen. Vor allem Jenn ist wenig erfreut, zumal Sam sich nur oberflächlich reuig zeigt. Dieser Konflikt muss jedoch ruhen, denn inzwischen haben die Zombiber die Hütte eingekreist. Sie sind angriffslustig, einfach nicht totzukriegen, erschreckend schlau und außerdem ansteckend: Wer von ihnen gebissen wird, beginnt abenteuerlich zu mutieren …

Quatsch ist Trumpf

In der Filmbranche sind die Augen stets offen und die Ohren gespitzt: Womit hat die Konkurrenz gerade Erfolg gehabt = Geld verdient? Lässt sich das Konzept ‚adaptieren‘ – also kopieren, ohne des Plagiats beschuldigt zu werden -, und dies womöglich bei deutlich Minderung der Kosten? Dazu kommt die übliche Frage: Wie weit darf ich dabei gehen = wie tief kann ich sinken, ohne allzu viele Zuschauer zu verprellen?

Eine Methode ist der Versuch, Bockmist kultisch zu verklären, indem ihm eine Sub-Ebene angedichtet wird, die Gesellschaftskritik ausdrückt oder – noch besser – gegen verkrustete Tabus verstößt. Je greller, desto besser, lautet die Devise. Ebenfalls hilfreich kann es sein, wenn ein Film ein Publikum findet, das ihn „campy“ findet: Ursprünglich waren es Studenten, die sich über bierernste, stocksteife Genrefilme der 1950er Jahre lustig machten. Da sie dafür Eintritt bezahlten und Filmproduzenten jegliches Schamgefühl fremd ist, lassen sich auch über diese Schiene Einkünfte generieren.

Allerdings waren die belachten Filme in der Regel unfreiwillig komisch. Erst als die Generation der besagten Studenten in den späten 1970er Jahren ‚erwachsen‘ und manchmal selbst im Filmgeschäft aktiv wurde, entwickelte sich eine eigene „sophisticated comedy“, die gewollt ironisch und quasi-intellektuell angestaubte Inhalts- und Gestaltungsregeln aufgriff und spielerisch durch einen Kakao zog, der vor allem filmhistorisch beschlagenen, überheblichen Nerds (und denen, die sich dafür hielten) mundete.

Aus einer Nische ist ein Geschäftsmodell geworden: Film-Trash wird heute als solcher geplant und produziert. Spätestens als „Sharknado“ 2013 bewies, dass man in Sachen vorsätzlicher Debilität gar nicht weit genug gehen kann, wird das Publikum mit ‚komischen‘ – oder besser: komisch gemeinten – Filmchen förmlich bombardiert.

Die Kunst der unterhaltsamen Dummheit

Freilich stellt sich rasch heraus, dass es alles andere als einfach ist, unfreiwillige Dummheit nachzuahmen, ohne ihr die Heiterkeit auszutreiben. Ein zentraler Faktor ist der Kontrast zwischen Wollen und Können: Er klafft am breitesten dort, wo engagierte Filmemacher ihre Werke ernstnehmen und -meinen. Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude, weshalb ein Scheitern am Anspruch Häme mit Überlegenheitsgefühlen besonders zuverlässig weckt.

Die meisten absichtlich trashigen Filme scheitern deshalb und verenden in Langeweile. In einem Punkt zählt auch „Zombiber“ zu diesen Blindgängern: Allzu vertrauensvoll verlassen sich Drehbuchautoren und Regisseur auf den Einfall, untote Biber wüten zu lassen. Dahinter steckt der Gedanke, Zombie-Grauen besonders nachdrücklich dadurch zu konterkarieren, dass harmlose und recht possierliche Tiere zu Mordmaschinen mutieren.

Wie sich herausstellt, verbraucht sich das darin liegende Humorpotenzial rasch. Dies gilt erst recht, weil die Zombiber zu lange nur Beiwerk bleiben. Viel zu viel Raum beanspruchen die Querelen der menschlichen Darsteller, die mehr als die Hälfte der Spielzeit damit beschäftigt sind, ein möglichst pubertäres Verhalten an den Tag zu legen, das vor allem aber nicht nur in den USA als komisch gilt. Der Auftrieb hübscher, dummer und geiler Teenager ist eine tragende Säule des klassischen Splatter-Horrors. Vor allem in der US-amerikanischen Variante ist die Einführung des Figurenpersonals dem entsprechenden Verhalten gewidmet. Koma-Saufen, Joint-Rauchen, hirnloses Gebrüll und Nacktbaden werden zelebriert; als verbindende Klammer dienen verklemmte Schweinigeleien sowie Fäkal-Witze. Irgendwann und endlich tritt der Killer auf und schlachtet seine Opfer möglichst grässlich ab.

Der schlüpfrig-schmale Grat zwischen Humor und Humbug

Auch Jordan Rubin hält sich an die Regeln, die er gleichzeitig humorvoll brechen möchte. Die Figurenzeichnung gibt in dieser Hinsicht wenig her, da Splatter-Teenies ohnehin überzeichnet sind und schwer noch lächerlicher bloßzustellen sind. Rubin, der verstärkt durch zwei Co-Autoren auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, beschränkt sich auf Abweichungen im Detail. Das ist meist grobsymbolisch, wenn er beispielsweise die hemmungslose Zoe das Schlachtfest überleben lässt, die im typischen Splatter für die Frechheit, genussvoll gegen puritanische Sitten zu verstoßen, zuerst das Zeitliche segnen würde. Selbstverständlich wird jener Gag, nach dem „beaver“ im US-Englischen nicht nur den unschuldigen Biber, sondern auch die weibliche Schambehaarung bezeichnet, in extenso ausgewalzt.

Manchmal blinkt im Klamauk tatsächlich so etwas wie Witz auf; so lässt sich die nur scheinbar verknöcherte Mrs. Gregorson nicht von der zotigen Zoe provozieren, sondern gibt ihr unerwartet schlagfertig Kontra. Für komische Momente sorgt auch Jäger Smyth, dem Rex Linn – den wir noch als bärbeißigen Cop Frank Tripp aus der Serie „CSI Miami“ kennen – gerade aufgrund seiner ungerührten Mine und Wortkargheit echtes Profil verleiht.

Generell lässt es Rubin natürlich krachen; es kann und muss wohl auch so sein, wenn Zombiber ihr Unwesen treiben. Viele Kritiker äußerten sich abfällig über die minderwertige Qualität der untoten Nager, die selbst in der Dunkelheit als Handpuppen erkennbar sind. Doch diese primitive Machart gehört zum Konzept; die Zombiber sollen möglichst komisch oder muppetähnlich wirken, damit sich ihr blutrünstiges Wüten umso drastischer darstellt.

Als die obligatorischen Liebeständeleien endlich abgehakt sind, geht es in der Tat rabiat zur Sache. Zwar ist „Zombiber“ hierzulande bereits ab 16 Jahren freigegeben – um ein höheres Freigabealter künstlich zu erzwingen und damit einen ‚echten‘ Splatter vorzutäuschen, hat das Label einige „ab-18“-Trailer aufgespielt -, doch bringt es die sogar der Prüfungskommission ersichtliche Unwirklichkeit des Geschehens mit sich, dass Körperteile abgebissen sowie Augen und sogar ein Gemächt aus Kopf bzw. Körper gerissen werden dürfen.

Die Kunst, dem Irrwitz ernst zu trotzen

Dass ein Film wie „Zombiber“ keine Fahrkarte zum Oscar-Ruhm bedeutet, dürfte sämtlichen Darstellern klargewesen zu sein. Ziselierte Schauspielkunst sollte man deshalb lieber nicht erwarten. Andererseits hätte es angesichts der weiter oben skizzierten Figurenzeichnungen deutlich schlimmer kommen können. Stattdessen ziehen sich die sechs Hauptdarsteller – sämtlich mainstream-TV-geprüft und deshalb Kummer gewohnt – achtbar aus der Affäre. Sie lassen zudem einen gewissen Abstand zu ihren Doppeldumm-Rollen aufblitzen. Die weiblichen Darsteller machen in ihren notorisch knappen Gewandungen eine gute Figur. Silikon kam hier nicht in die Tüte (bzw. die Körbchen); zumindest Cortney Palm tritt den Beweis an: Sie ist diejenige, die sich vertraglich bereiterklärte, den splattertypischen Oben-ohne-Auftritt zu absolvieren. Rachel Melvin und Lexi Atkins (Miss Illinois USA 2014) sind schon berühmter und halten sich deshalb bedeckt.

Geradezu ehrfurchtsvoll verfolgt der Zuschauer, wie die Darsteller mit stoischen Mienen dem unglaublichen Schwachsinn begegnen, mit dem sie konfrontiert werden. Dies dürfte sie auf eine harte Probe gestellt haben. Der Abspann ist mit sog. „Bloopers“ unterlegt – Szenen, die während des Drehs schiefgelaufen sind. Hier sieht man die Darsteller immer wieder in hemmungsloses und hilfloses Gelächter ausbrechen; man kann es ihnen nachempfinden.

Das Ende jeglichen Ernstes ist ohnehin erreicht, wenn der Virus von den Zombibern auf ihre Opfer überspringt. Der Logik zum Trotz verwandeln sich diese nicht einfach in Zombies, sondern mutieren gleichzeitig zu Bibern – oder biberähnlichen Zerrbildern, sollte man besser sagen. Man muss dies gesehen haben, um es zu glauben, wie beispielsweise die verwandelte Jenn wütend ihren schaufellangen Kellenschwanz auf den Boden trommelt! Sogar vor einem gewaltigen Bären macht die Mutation nicht halt: DAS ist jener enthemmte Irrwitz, von dem wir gern mehr gesehen hätten!

Die Möglichkeit besteht: Schließlich folgt dem Abspann noch eine Szene, in der wir die ‚Geburt‘ von „Zombees“ – also Zombienen – erleben, die zweifellos ihren Teil dazu beitragen werden, die Welt um weitere untote Schrecken zu bereichern. Der Zuschauer sieht dies gelassen – er hat sich definitiv heftiger über andere Horror-‚Komödien‘ geärgert und behält „Zombiber“ friedfertig und manchmal sogar amüsiert in Erinnerung.

DVD-Features

„Zombiber“ gehört zu denjenigen Veröffentlichungen, die Extra-Inhalt suggerieren, ohne dem Taten folgen zu lassen. Gleich fünf ‚Features‘ („Extended Scene“, „Behind the Scenes“, „Bulding a Beaver”, „Man Becomes Monster“, „Auditions“) wecken Interesse, füllen aber insgesamt kaum zehn Minuten und sind deshalb als Mogelpackung zu bezeichnen. Darüber hinaus gibt es den obligatorischen (Original-) Trailer.

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Zombiber
Originaltitel: Zombeavers (USA 2014)
Regie: Jordan Rubin
Drehbuch: Al Kaplan, Jordan Rubin u. Jon Kaplan
Kamera: Jonathan Hall
Schnitt: Ed Marx u. Seth Flaum
Musik: Al Kaplan u. Jon Kaplan
Darsteller: Rachel Melvin (Mary), Cortney Palm (Zoe), Lexi Atkins (Jenn), Hutch Dano (Sam), Jake Weary (Tommy), Peter Gilroy (Buck), Rex Linn (Smyth), Brent Briscoe (Winston Gregorson), Phyllis Katz (Myrne Gregorson), Bill Burr (Joseph), John Mayer (Luke), Robert R. Shafer (Trucker mit Stuhldrang) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 27.03.2015
EAN: 4013549064088 (DVD)/4013549060110 (Blu-ray)/4013549065009 (Limited Steelbook Edition)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Holländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 74 min. (Blu-ray: 77 min.)
FSK: 18 (Hauptfilm: FSK 16)

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