Zombie Driller Killer

Originaltitel: Mørke sjeler (Norwegen 2010)
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt: César Ducasse u. Mathieu Peteul
Musik: Wojciech Golczewski
Darsteller: Morten Rudå (Morten Ravn), Johanna Gustavsson (Johanna), Kyrre Haugen Sydness (Richard Askestad), Ida Elise Broch (Maria), Jan Hårstad (Dr. Hansen), Marianne Rødje (Schwester Wendy), Karl Sundby (Taucher), Caroline Støyva Eriksen (Prostituierte), Gustav-Adolf Hegh (alter Mann) u. a.
Label: Savoy Film
Vertrieb: Intergroove
Erscheinungsdatum: 08.03.2013
EAN: 0807297122794 (DVD)/0807297122893 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Norwegisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Joggerin Johanna wird aus dem Gebüsch von einem Irren angesprungen, der ihr mit einer akkubetriebenen Bohrmaschine den Schädel aufbohrt, das Hirnwasser absaugt und durch eine schwarze, ölige Flüssigkeit ersetzt. Als man Johanna findet, gilt sie als tot. Sie wacht jedoch in der Leichenkammer des Krankenhauses wieder auf und geht heim. Dort erbricht sie besagtes Öl, das ihre Hirnkapazität inzwischen auf das Niveau eines Salatkopfes abgesenkt hat.

Der verzweifelte Vater, Musiklehrer Morten Ravn, pflegt Johanna daheim bzw. zurrt sie auf dem Beifahrersitz seines Wagens fest: Inzwischen treiben überall in der Stadt Oslo Driller Killer ihr Unwesen. Obwohl sie stets leuchtend orangefarbene Overalls tragen, kann die Polizei sie nicht dingfest machen. Morten wird deshalb selbst detektivisch aktiv, auch wenn Johanna neben ihm allmählich streng zu riechen beginnt.

Leider ging der Fall an den dümmsten Polizisten der Welt. Ermittler Richard Askestad reagiert nicht einmal, als ihm Morten Fotos auf den Schreibtisch wirft: Er hat den Killer aufgespürt und in flagranti beim Bohren erwischt! Morten kennt sogar seinen Schlupfwinkel, eine Raffinerie. Ein ehemaliger Taucher, der jetzt als Penner knapp außerhalb des Betriebsgeländes sein Dasein fristet, erzählt Morton, dass die Firma einst zu tief im Ozean nach Erdöl gebohrt und dabei eine finstere aber intelligente Kreatur aufgestört habe. Die verbreitet sich, indem sie ihre Opfer mit ihrem öligen Blut bespritzt oder es ihnen injizieren lässt, was schneller wirkt.

Jetzt weiß Morten Bescheid! Aber auch Polizist Askestad hat endlich einen Blick auf die Fotos geworfen und den Ernst der Lage erkannt. Im Alleingang (!) will er den Schergen der Kreatur die Stirn bieten und prescht mit dem Dienstwagen auf das Firmengelände. Das wird böse enden, denkt Morten, der dies aus der Ferne beobachtet und sich rettend ins Gefecht stürzt, obwohl plötzlich überall Bohrmaschinen surren …

Unterirdisches Kino aus dem hohen Norden

Die Deutschen lieben Skandinavien – nicht nur als Urlaubsland, sondern auch als Quelle hochwertiger Thriller, die sowohl Unterhaltung als auch literarischen Anspruch harmonisch miteinander vereinen. Mit einem Krimi aus dem hohen Norden kann sich auch der Feingeist sorglos in der Gesellschaft zeigen, ohne als Lektüre-Proll ausgelacht zu werden.

Dieses Wohlwollen erstreckt sich auch auf den skandinavischen Film. Selbst das Fernsehen scheint knapp unterhalb des nördlichen Polarkreises von besserer Qualität zu sein. Zwischen den Morden wird Gesellschaftskritik und politische Wachsamkeit demonstriert. Selbst Zwischenmenschliches der weniger peinlichen Art ist möglich. Glückliche Nordlichter!

Zumindest der Skeptiker ist beinahe dankbar, wenn jemand deutlich macht, dass auch in Skandinavien nur mit Wasser gekocht wird. Hier tritt das Duo César Ducasse und Mathieu Peteul an, um dies (hoffentlich unfreiwillig) unter Beweis zu stellen. Beide Namen klingen französisch, und tatsächlich sind Ducasse & Peteul gallischer Herkunft. Ducasse ist seit 2004 immerhin in Norwegen ansässig. Noch daheim hat er mit Peteul die Firma „Addict Films“ gegründet, die alles dreht, wofür sie bezahlt wird: Musikvideos, Dokumentationen und – leider – den Spielfilm „Mørke sjeler“.

Driller-Killer plus Zombie-Thriller?

Der Independent-Film hat im Gegensatz zum kommerziellen Mainstream-Kino à la Hollywood den Vorteil, dass großer Aufwand – digitales Hexenwerk und geballte Star-Power – vom Publikum nicht erwartet wird. Es setzt darauf, durch kluge, überraschungsreiche Storys und einfach ‚nur‘ gute Schauspieler entschädigt zu werden. Wenn dann noch Franzosen (= geborene Cineasten) in Skandinavien drehen: Was kann da schiefgehen?

Schlicht alles, wie die Unglücklichen wissen, die zunächst die Hemmschwelle eines ‚deutschen‘ Titels namens „Zombie Driller Killer“ überwinden mussten, der nur als Verzweiflungstat eines Labels zu entschuldigen ist, dem zu spät bewusst wurde, was sich da in seinem Einkaufsnetz verfangen hatte. Um die Gaukelei eines ultrabrutalen Slashers zu untermauern, wurde ein Cover entworfen, das ausschließlich dem Titel, nicht aber dem Film gerecht wird, dessen wenige Blutspritzereien auf einem Effektniveau realisiert wurden, das in etwa dem der „Sesamstraße“ entspricht. Um für „Zombie Driller Killer“ das in Horrorfankreisen verkaufsförderliche „FSK-18“-Siegel zu erhalten, wurde der Film vermutlich jener Tugendwart-Fraktion dieser Prüfkommission vorgelegt, die bereits in pädagogisch wertvolle Wallungen gerät, wenn das Kasperle dem Krokodil eins mit der Pritsche überzieht.

Arglistiger Ölfleck bringt Zuschauer ins Schleudern

Die mickrigen Effekte spiegeln eine Unbeholfenheit wider, die diesen Film generell brandmarkt. Ducasse & Peteul haben sich in ihrer Vierfach-Funktion (Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt) eindeutig verhoben. Die Umsetzung ist das Problem, nicht der Plot; ähnliche oder noch absurdere Invasionsgeschichten wurden schon oft und durchaus spannend erzählt. Man muss nur darauf achten, die großzügig neugezogenen Grenzen der Logik und der Naturgesetze im Rahmen der eigenen Story zu berücksichtigen.

Ducasse & Peteul stoßen ihr Publikum wieder und wieder vor die Köpfe. Da laufen orangerot gewandete Meuchelmörder im Dutzend durch die Stadt, aber niemand stellt sich ihnen in den Weg oder kommt ihnen auf die Schliche – erst recht nicht die Polizei, die eine ‚Sondereinheit‘ aus ca. fünfzehn Trantüten bildet, deren Tätigkeit sich in endlosen Konferenzen erschöpft. Als Morten Ravn beobachtet, wie sich Zombies Kommissar Askestad schnappen und in jene Fabrik verschleppen, in der das Böse nistet, ignoriert er nach dem Willen der Drehbuchautoren sein sonst eifrig eingesetztes Handy und schleicht verstärkungsfrei hinterher. (Statt den Eindringling umgehend zu assimilieren oder wenigstens eliminieren, haben die Zombies den Polizisten übrigens aus unerfindlichen Gründen an einen Stützpfeiler gebunden!) Zuvor hatte Morten dem Driller-Mord an einer Prostituierten tatenlos beigewohnt und sich darauf beschränkt, Fotos davon zu schießen.

Die Zombies treiben stumm bzw. grunzend ihr Unwesen, wie es sich für Untote oder von Tiefsee-Aliens Besessenen gehört. Kurz vor dem Finale vergessen sie das und prahlen in trauter Runde über die Vorzüge zweckentfremdet eingesetzter Arbeitswerkzeuge. („Hast du gesehen, wie ich den durchgebohrt habe?“) Ab der folgenden Szene sind sie wieder wortlos – eine Kleinigkeit nur, für die der Zuschauer dennoch dankbar ist, da für diesen Film als ‚Synchronsprecher‘offenbar ausschließlich ehemalige Kartäusermönche beschäftigt wurden, die den Gebrauch der menschlichen Stimme weitgehend verlernt hatten.

Darf Humor intensiv schmerzen?

Man könnte mit solchen Bockschüssen leben, würden Ducasse & Peteul zwischen Dümmlichkeiten und Klischees für Handlung sorgen. Doch das Prinzip Leerlauf setzt sich dauerhaft durch, und „Action“ bedeutet für unsere „total filmmaker“ die scharadenhafte Inszenierung mäßig bewegter Standbilder. Alternativ lassen sie minutenlang Zombies über Treppen und Laufgänge trampeln. Dies wirkt keineswegs bedrohlicher, weil sie dabei ständig ihre Bohrmaschinen aufheulen lassen. Ihr Opfer Morten gerät ohnehin nur in greifbare Nähe, wenn er wieder einmal über die eigenen Beine stolpert.

Um der Handlung eine entspannende Note zu verleihen, wird sie mit ‚Humor‘ angereichert. Anführungsstriche sind hier notwendig, weil Ducasse & Peteul auch in dieser Hinsicht einen Selbstmordkurs fahren. Witz will vorbereitet, entwickelt und getimt werden. Hier wird er einfach abgespult, was kein Verlust darstellt, da die präsentierten Gags vor allem Rohrkrepierer sind.

Was die Bedrohung aus der Tiefsee angeht, schreckt mancher Rezensent nicht vor dem Vergleich mit H. P. Lovecraft zurück. Der böse Ölfleck wird zum Urzeit-Gott Cthulhu, der endlich ernstmacht mit der Eroberung der Welt. Doch obwohl Cthulhu eine Kreatur von gestern ist, würde er nicht so altmodisch und umständlich vorgehen bzw. darauf setzen, dass man die Bohrmaschinen-Attacken so hartnäckig ignoriert wie die Anti-Polizei von Oslo.

Unvermögen wird zur Tugend erhoben

Der Grusel-Effekt innerlich ölgetränkter Zombies ist beschränkt. Dilettantisch auf Untod geschminkte Gesichter sind ebenso kontraproduktiv wie das eruptive Ausschwitzen von Öl über die Haare. Trägt ein Zombie keine Bohrmaschine bei sich, muss sich sein (oder ihr) Opfer in eine Sackgasse, einen dunklen Flur oder wenigstens eine Zimmerecke verlaufen, um endlich angefallen werden zu können.

Der lachhaften und keineswegs wie behauptet ironischen Zeichnung einer unheimlichen Bedrohung entsprechen die nur vordergründig lebenden Figuren. Über den unerträglich dämlichen Richard Askestad wurde bereits Klage geführt; der Schauspieler kann einem leidtun! Ebenso unfreundlich fällt das Urteil über Morten Rudå als Morten Ravn aus. Er soll einen Durchschnittsmann verkörpern, der mit dem Übernatürlichen konfrontiert wird, schießt dabei jedoch weit über das Ziel hinaus: Ravn ist ein dummer Tropf, der mit entsprechendem Gesichtsausdruck und albernen Trippelschrittchen weniger den Zombies nachspürt als die Zuschauer in Zorn versetzt.

Über die übrigen Darsteller muss an dieser Stelle nicht nur deshalb kein Wort verloren werden, weil sie hierzulande niemand kennt: Sie hinterlassen schlicht keinen Eindruck. Darüber können sie froh sein, denn ihnen ergeht es besser als César Ducasse u. Mathieu Peteul, deren Namen sich ein um anderthalb Stunden Lebenszeit gebrachtes Publikum sehr wohl merken dürfte, zumal das Ende dieses Machwerks die nackte Ratlosigkeit der Verantwortlichen widerspiegelt. Sie hatten keine Ahnung, wie sie ihre Schauermär zufriedenstellend oder gar originell auflösen sollten. Deshalb hört sie einfach irgendwann mit einem besonders ausgelaugten ‚Schockeffekt‘ auf.

Website zum Film

Kurzinfo für Ungeduldige: Zombies in orangefarbenen Overalls überfallen Passanten und bohren ihnen die Schädel auf! Wo die Polizei versagt, kommt ein Musiklehrer einer unheimlichen Invasion auf die Spur … – Was als Handlungsskizze bereits irritiert, fällt in der Umsetzung jederzeit bescheuert aus. Logik, Timing, darstellerische Präsenz: dreimal Fehlanzeige, dazu eine Porno-Synchronisation und ein ‚deutscher‘ Titel, der dem nur unfreiwillig gruseligen Filmchen den kläglichen Rest gibt.

[md]

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