Zombie Night – Keiner wird entkommen

Originaltitel: Zombie Night (Kanada 2003/2005)
Regie: David J. Francis
Drehbuch: David J. Francis, Amber Lynn Francis
Kamera: N. N. (= klug genug, seinen Namen zu verheimlichen)
Schnitt: Chris Bellio
Musik: Danny Ticknovich (Dave), Sandra Segovic (Shelley), Dwayne Moniz (Derek), Steve Curtis (Keith), Andrea Ramolo (Amber), Deanna Wales (Emily), John Carson (Mark), David Franklyn-Ratchford (Warren), Amber Lynn Francis (Lesley), Lisa Franks (Abby) Jackie Brady (Agnes) uva. Knattermimen
Label/Vertrieb: M. I. B. (Medienvertrieb in Buchholz)
Erscheinungsdatum: 26.09.2007 (DVD)
EAN: 404404151780
Bildformat: Widescreen 4 : 3 (1.33 : 1) anamorph
Audio: Dolby Digital 5.1 (deutsch u. englisch)
Untertitel:  Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

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Das geschieht:

In einem Krieg zwischen Indien und Pakistan werden biologische Waffen eingesetzt, die eine unerwartete Nebenwirkung zeigen: Weltweit steigen die Toten aus ihren Gräbern. Als Zombies wanken sie den Lebenden hinterher, um sie anzufressen und in Ihresgleichen zu verwandeln. Der Globus verwandelt sich in ein Schlachthaus.

Ahnungslos haben Mark und seine neue Lebensgefährtin Shelley mit Töchterlein Emily irgendwo in den USA einige Wochen in einer abgelegenen Waldhütte verbracht. Bei ihrer Rückkehr geraten sie in das Inferno, dem sie gerade noch entfliehen können. Das Trio verbarrikadiert sich in einem Keller, wo es von Zombies belagert wird.

Als Wasser und Lebensmittel ausgehen, wagt sich Mark an die Oberfläche. Er wird von den Untoten attackiert, findet aber auch andere Überlebende. Man beschließt sich zusammenzutun. Der Handwerker Dave zeigt willkommene Führungsqualitäten. Als Gruppe kann man sich besser verteidigen und sich zu einem der Sammelpunkte durchschlagen, die von der provisorischen Regierung eingerichtet wurden.

Die Nerven (und diverse Innereien) liegen blank, denn immer wieder fallen die hungrigen Zombies über die Flüchtenden her. Auch der Zusammenhalt lässt zu wünschen übrig. Vor allem Derek bringt die Gruppe durch seine Feigheit und seinen Egoismus immer wieder in Lebensgefahr. Seine Schuld ist es auch, dass die Zombies einen Unterschlupf stürmen können, in dem sich seine erschöpften Gefährten allzu sicher fühlten. Das anschließende Gemetzel überleben nur wenige.

Die Flucht geht unter Daves Führung weiter, doch der endgültig übergeschnappte Derek hat einige Spießgesellen um sich versammelt; er will (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) die Gruppe überfallen, ihnen Lebensmittel und Waffen rauben, sich an Dave rächen und über die Frauen herfallen. Erneut hebt ein wildes Getümmel an, anschließend geht es wieder gegen die Zombies, die überall aus dem Boden zu wachsen scheinen. Entschlossen stürmen Dave und die Seinen vor, als plötzlich … der Film unvermittelt abbricht.

Das Grauen absoluter Unfähigkeit

Schwer zu sagen, ob der Zuschauer dies noch registriert. Er könnte abgeschaltet und seine Zeit sinnvoller genutzt haben oder eingeschlafen sein. Vielleicht blieb er aber auch vor dem Bildschirm sitzen, gebannt durch ein Grauen, das kein Zombie in dieser Intensität vermitteln könnte: „Zombie Night“ ist ein Machwerk, das sich nur fliehen oder bis zum Ende durchhalten, aber sicherlich nicht genießen lässt. Als „Film“ – man sträubt sich, dieses Wort für solchen Bockmist zu verwenden – ist „Zombie Night“ ein grandioses Beispiel für sämtliche Argumente gegen den modernen Amateurfilm.

Der technische Fortschritt ermöglicht im Verbund mit erschwinglicher Software auch dem Privatmann die Erzeugung von Effekten, von denen noch vor wenigen Jahren nicht einmal die Fachleute in Hollywood zu träumen gewagt hätten. Leider sind Talent und Erfahrung nach wie vor nicht käuflich zu erwerben. David J. Francis, Regisseur und Drehbuchautor von „Zombie Night“, hätte sich beides ohnehin nicht leisten können. In einem Making-of, das den Hauptfilm an Unterhaltsamkeit weit übertrifft, klärt er über die abenteuerliche Entstehungsgeschichte seines Films auf.

„Zombie Night“ ist kein „low budget“, sondern ein „guerilla budget“ finanziertes Produkt: Dieses Filmemachen ist ein Kampf ohne Geld & Regeln. Also griff sich Francis eine Kamera (sowie viele Kisten Freibier) und lockte mit der Hoffnung auf Party und Filmruhm Freunde und Bekannte vor die Linse. In dem Nest, das er als Drehort wählte, scheint wenig los zu sein, so dass die Resonanz beachtlich war; allein die Liste der im Abspann namentlich genannten Zombie-Darsteller umfasst 60 Namen! Das Making-of spiegelt die lockere Stimmung am Set wider; schön für die Teilnehmer, doch die Zeche zahlt das Publikum, denn Francis investierte sein gesamtes Restbudget – es dürfte etwa dem Gegenwert eines Sacks Zwiebeln entsprechen – in die kunstblutreichen „Spezialeffekte“, die denn auch mit sichtlichem Stolz vorgeführt werden, ohne eine Story oder Schauspieler ersetzen zu können, wie sich Francis das offenkundig gedacht hat.

Tohuwabohu als Leitmotiv

Kein Geld gab’s dagegen für eine geregelte Continuity: Nicht grundlos achtet auf dem Filmset normalerweise jemand darauf ob a) alle Szenen gefilmt werden, die das Drehbuch vorsieht, und b) die Einheit von Kulisse und Requisiten sowie die Kontinuität von Handlung und Dialog gewahrt bleiben, da im Film in der Regel Szenen nicht in chronologischer Reihenfolge entstehen.

Während der Dreharbeiten von „Zombie Night“ übernahmen diesen Job sporadisch diejenigen, die nicht gerade als Untote ihre Faxen trieben und halbwegs nüchtern waren. So wirkt der Film denn auch wie mit einer Heckenschere geschnitten. Ganze Szenenfolgen fehlen; man muss sich ihren Inhalt zusammenreimen. Manchmal erzählen einem die Darsteller wenigstens, was man eigentlich hätte sehen sollen. Glücklicherweise muss man nicht wirklich auf die Handlung achten; sie kopiert jedes Element aus tausend besseren Zombie-Streifen. Neu und in gewisser Weise originell ist höchstens die Zuverlässigkeit, mit der Francis und seine Crew selbst das, was anderswo funktionierte, in den Sand setzen.

Ungünstig wirkt sich natürlich aus, dass sich die Arbeiten an „Zombie Night“ über zwei Jahre hinzogen. Immer wieder ging das Geld aus, wurde nachgebessert (bzw. nachgepfuscht). Gedreht wurde in der kanadischen Provinz (die provinzieller ist als man sich hätte albträumen lassen) und dort in abrissreifen Bruchbuden, siffigen Kellern und kränklich wirkenden Wäldern, d. h. dort, wo kein Cent in den Kulissenbau gesteckt werden musste. Gefilmt wurde anscheinend mit einer defekten Videokamera des Baujahrs 1985; jedenfalls sind die Filmbilder durchweg grau, verwaschen und unscharf.

Laien-Darsteller im Cäsaren-Wahn

Auf diese Weise werden immerhin jene Gesichtsverrenkungen gemildert, die von Francis‘ Laiendarstellern als „Schauspielerei“ interpretiert werden. Am überzeugendsten wirken sie noch, wenn eine dicke Schminkschicht sie als Zombies tarnt, was ihr von Gott (eben nicht) gegebenes Talent in die korrekten Bahnen lenkt: Schlurfen, grunzen & den Kopf zur Seite pendeln lassen können sie ganz gut. (Bemerkenswert ist jene Szene, in der ein älterer Automechaniker in seiner Werkstatt von den Toten aufersteht – eine für das Geschehen völlige sinnfreie Hommage an einen Darsteller, der für seine anderthalb Minuten Filmruhm vermutlich ein paar Dollar springen ließ.)

Unglücklicherweise gibt es daneben auch Darsteller, die auf diesen Schutz verzichten, da sie lebendige Menschen mimen sollen. Ihr Untalent ist in den Massenszenen gerade noch tolerabel, wenn Regisseur Francis keinen Freiwilligen vergrätzen wollte und so viele Leute vor die Kamera holte, dass sie sich gegenseitig aus dem Aufnahmebereich schubsen. Doch daneben gibt es auch Hauptdarsteller, die entweder unter akutem Cäsarenwahn leiden oder es anderweitig schafften, sich diesem Job gewachsen zu fühlen.

Danny Ticknovich sieht zwar aus wie Tom Cruises jüngerer Bruder, doch damit erschöpfen sich die Ähnlichkeiten bereits. (Direkt in die höllischen Annalen des Trash-Films müsste Ticknoviches Ansprache an seine Gruppe eingehen, mit der er einiger gefallener Gefährten gedenkt und mit Gott hadert; man sieht & hört und kann es doch nicht fassen.) Dwayne Moniz wirkt großartig als hasenfüßiger Loser, wäre da nicht der Verdacht, dass er in dieser Rolle gar nicht schauspielert. Steve Curtis gibt den Quotenschwarzen und zieht sich würdig aus der Affäre, indem er den schweigend zuverlässigen Kumpel mimt und sich im Hintergrund hält. Andrea Ramolo muss sich dramaturgisch absolut unmotiviert das Shirt vom wohlgestalten Busen reißen lassen, bei Sandra Segovic begnügt sich der Regisseur damit, sie in Kunstblut und Glibber zu tränken. (Wie einst Alfred Hitchcock gönnt sich übrigens auch Regisseur Francis einen Gastauftritt: als Mann, der gegen eine Betonmauer pinkelt; sicherlich nur ein unbeabsichtigter Kommentar zur Qualität der geleisteten Arbeit.)

Wie bereits angedeutet bricht die „Zombie Night“ irgendwann einfach ab. „Das schreit nach einer Fortsetzung“, habe ich in einer Fankritik gelesen; der gute Mann hat wohl nicht verstanden, dass Frances & Co. einfach ratlos waren, welche Auflösung sie ihrem Opus spendieren sollten. Inzwischen ist klar: Francis hat den Schrei gehört. „Zombie Night 2“ entstand 2006 und konnte das Niveau des Vorgängers mühelos halten …

DVD-Features

Der Ärmlichkeit des Films entspricht die Ausstattung der DVD. Es gibt ein „Making of“, das an Bildqualität den Hauptfilm weit übertrifft und etwa wie eine „Jackass“-Sonderausgabe aus der Filmwelt weitaus besser unterhält. (Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass Francis und seine Crew sich als sympathische und wortgewandte Menschen entpuppen, sobald sie sich einer Filmkamera fernhalten. Francis selbst verbindet schmerzliche persönliche Erinnerungen an seinen Film: Seine Ehefrau, Darstellerin und Mit-Autorin Amber starb noch vor Abschluss der Dreharbeiten und unmittelbar nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes.)

Dann folgt eine Reihe von Outtakes, was paradox ist, da man an dieser Stelle gut den Hauptfilm noch einmal zeigen könnte; es ist schier unmöglich die Outtakes von jenen Szenen zu unterscheiden, die zum Endprodukt zusammengeklebt wurden.

Dankbar darf man dieses Mal der deutschen Zensur – unter welchem Namen sie sich halt gerade tarnt – sein, die das Machwerk um mehr als drei Minuten angeblicher ‚Gewaltszenen‘ kappte: Zeit, die der Zuschauer in einen Toilettengang o. ä. deutlich lohnendere Aktivitäten investieren sollte.

Über die technischen Leistungen von „Zombie Night“ ist weiter oben das Entscheidende bereits gesagt worden: Das Bild ist eine Zumutung, der Ton lässt sich verstehen (oder verschmerzen). Die deutschen Texte sprachen Kandidaten, die zuvor möglicherweise als Synchronsprecher für einen Pornofilm durchgefallen waren. Und damit geben wir grämlich zurück ins Funkhaus …

[md]

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