Zombieland

Originaltitel: Zombieland (USA 2009)
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Rhett Reese u. Paul Wernick
Kamera: Michael Bonvillain
Schnitt: Alan Baumgarten
Musik: David Sardy
Darsteller: Jesse Eisenberg (Columbus), Woody Harrelson (Tallahassee), Emma Stone (Wichita), Abigail Breslin (Little Rock), Amber Heard (406), Bill Murray (Bill Murray), Derek Graf (Zombie-Clown) uva.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.05.2010 (DVD/Blu-ray) bzw. 20.05.2010 (Blu-ray Steelbook Edition)
EAN: 4030521614246 (DVD) bzw. 4030521719897 (Blu-ray) bzw. 4030521720664 (Blu-ray Steelbook Edition)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min. (Blu-ray: 88 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Vor zwei Monaten sprang der Rinderwahn-Virus auf den Menschen über. Blitzschnell breitete er sich aus, zumal seine Opfer sich in bissige Zombies verwandelten, die über ihre Mitbürger herfielen und sie infizierten. Auch in den USA sind sämtliche politischen und gesellschaftlichen Strukturen vernichtet. Die wenigen Überlebenden haben sich zombiefest verbarrikadiert oder streifen schwerbewaffnet und aufmerksam durch „Zombieland“, die nun im Untod vereinigten Staaten.

Student und Loser Columbus ist auf dem Weg in sein Heimatstädtchen. Aufgrund seiner schon vor der Katastrophe ausgeprägten Menschenscheu hat der junge Mann bisher überlebt. Er gerät an den Simpel Tallahassee, der seinen Sohn an die Seuche verlor und seitdem einen privaten Rachefeldzug gegen die Zombies führt, die er ohne besondere Rücksicht auf die eigene Gesundheit vernichtet, während er ziellos durch die USA streift.

Die kleinkriminellen Schwestern Wichita und Little Rock stoßen zu den Männern, denen sie gleich zweimal Wagen und Ausrüstung stehlen, bis sich eine labile Notgemeinschaft gründet. Um sich von dem aktuellen Elend abzulenken, plant Wichita einen Trip nach Kalifornien, wo sie ihrer Schwester den Besuch eines Vergnügungsparkes versprochen hat. Weil sie nichts Besseres vorhaben, schließen sich Tallahassee und Columbus an.

Diese Reise wird zum Odyssee durch Absurdistan. Zombieland ist eine Zivilisationswüste ohne Ordnung und Regeln. Zwischen immer noch intakten Relikten der Vergangenheit haben sich die geistlosen Untoten eingenistet, die allein durch Fresslust gesteuert werden. Die vier Flüchtlinge sind längst Teil des allgegenwärtigen Irrsinns geworden. Überraschungen der besonders bizarren Art sind jedoch immer noch möglich, denn schließlich fährt man nach Hollywood …

Substanzarm zum Blockbuster-Sieg

„Dawn of the Dead“ (2004) ist spannend. „Shawn of the Dead“ (2005) ist witzig. „Zombieland“ ist weder spannend noch witzig. Alle drei Filme eint der gewaltige Zuschauerzuspruch. In Fall 1 und 2 ist dies problemfrei nachvollziehbar, Fall 3 wirft ein Rätsel bzw. deprimierende Fragen über das Phänomen des größten gemeinsamen Publikumsnenners auf.

Beginnen wir mit dem Positiven: „Zombieland“ ist ein erfreulich rabiater Horrorfilm, der hässliche Tode hübsch anschaulich macht. Auch die Untoten bieten einen angemessen grässlichen Anblick, und sie werden mit zum Teil erstaunlichen Aufwand noch stärker in Mitleidenschaft gezogen. Dies ist kein Wunder: Regisseur Ruben Fleischer und sein Team konnten deutlich mehr als 20 Mio. Dollar auf den Zombie-Kopf hauen. Angesichts des kümmerlichen Budgets der meisten modernen Gruselstreifen, die bereits deshalb billig wirken – „Asylum“ lauert überall –, ist dies eine Summe, mit der sich vor und hinter der Kamera durchaus Profis anheuern lassen, die es in Hollywood in beträchtlicher Zahl gibt. Das Handwerk ist daher in „Zombieland“ nie das Problem. Sogar die CGI-Tricks funktionieren.

Wie üblich liegt es mit dem Drehbuch und dessen Umsetzung im Argen. „Zombieland“ leidet zumindest in den Augen jener altmodischen Zuschauer, die einen soliden Plot und einen roten Handlungsfaden schätzen, in genau diesen beiden Punkten unter stärkeren Auflösungserscheinungen als die allmählich verrottenden Zombies. Faktisch reihen Rhett Reese und Paul Wernick nur Episoden aneinander, die manchmal zum Staunen oder Lachen oder sogar zu beidem reizen, meist aber nicht.

Welt ohne Regeln

Nun könnten sie oder Regisseur Fleischer die Begründung ‚künstlerisch‘ angehen und „Zombieland“ auf eine Meta-Ebene hieven: Vier Menschen, die ihre Wurzeln verloren haben, treiben verloren durch eine Welt, die dem Irrsinn und dem Stillstand verfallen ist. Wie sollte dies ohne Folgen bleiben, wieso sollte man sich dem nicht anpassen? Es scheint ja möglich zu sein: In der sicherlich besten Episode schildert der Schauspieler Bill Murray (als er selbst), wie er sich als Zombie verkleidet aus dem Haus wagt, um in der Stadt – Hollywood – „Spaß“ zu haben.

Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass sich Regisseur und Autoren nicht auf dieses brüchige Eis begeben. Sie stellen primär den Spaßfaktor in den Vordergrund, was angesichts der dünnen Story dem Film besser bekommt. Wer daran zweifelt, richte seine Aufmerksamkeit auf einen der ‚dramatischen‘ Handlungsaspekte: Tallahassee ist vor allem deshalb so unberechenbar, weil er seinen kleinen Sohn verloren hat, dessen Bild er in einer tränenreichen Szene herumzeigt.

Doch in dieser Richtung missglückt „Zombieland“ aufgrund seiner emotionalen Substanzlosigkeit vollständig. Man lacht über oder bangt um die vier Hauptfiguren, aber man baut keine Verbindung zu ihnen auf. Dafür sind vor allem Columbus und Tallahassee sowie in etwas geringerem Maß – dazu weiter unten mehr – Wichita und Little Rock allzu deutlich als Reißbrettfiguren erkennbar.

Führer durch Zombieland

Columbus taugt nicht als Identifikationsfigur, Tallahassee ist ausschließlich für bizarres Verhalten und dumme Sprüche gut, Wichita ist taff und hübsch, Little Rock das altkluge Hollywood-Kind. Manchmal wird hinter diesen Masken eine Persönlichkeit sichtbar, aber dies geht wie schon weiter oben erwähnt schnell schief und läuft der Struktur dieses Films außerdem entgegen.

Vor allem Columbus ist die Verkörperung der Eintönigkeit. Jesse Eisenberg ist entweder freiwillig – man wünscht es ihm – oder unabsichtlich viel zu perfekt als Schwächling, Nerd und Trottel. Sein immer wieder in die Handlung eingebrachtes Regelwerk, das den Überlebenskampf mit den Zombies thematisiert, ist ein Witz, den der Zuschauer mit Columbus nicht in Verbindung bringen kann: Die Regeln taugen, aber wieso hat ausgerechnet eine Null wie Columbus sie dort erfolgreich beherzigen können, wo wesentlich geeignetere Kandidaten grässliche Tode starben?

Tallahassee passt dort, wo er blöd und flach bleibt, deutlich besser in diesen Film. Er treibt seine Faxen, über die man sich amüsieren kann, und bringt die Handlung kaum jemals so nachhaltig zum Stillstand wie Columbus und Wichita in ihrer jedem Klischee der Filmgeschichte unterworfenen ‚love story‘.

Dass nicht der schlaue & der starke Mann, sondern zwei ‚Mädchen‘ die Fäden in der Hand halten, ist so, wie es Reese & Wernick entwickeln, im 21. Jahrhundert ebenfalls längst zum Klischee geronnen. Es ist allein Emma Stone und (in geringerem Maße) Abigail Breslin zu verdanken, dass einige der für das Drehbuch produzierten Stolpersteine elegant und unterhaltsam übersprungen werden. (Nebenbei: Schon wegen Stones wunderbarer, voller Stimme lohnt sich die Aktivierung des O-Tons!)

Witzischkeit kennt durchaus Grenzen

Irgendwann sei ihnen aufgefallen, dass die gesamte Handlung automatisch auf den Höhepunkt im Vergnügungspark hinauslaufe, hört man die Autoren in einem der Feature-Interviews sagen. Womöglich bietet dieser Satz den Schlüssel zu einem völlig unterschiedlichen Verständnis von Handlungslogik. Wer es wie dieser Rezensent nicht teilt, entdeckt darin nur das in seiner Willkürlichkeit konsequente Ende eines planlos vor sich hin mäandrierenden Geschehens.

Wenn es eine Entwicklung gibt, dass schlägt sie sich hauptsächlich im Einsatz immer größerer Waffenkaliber nieder. Folglich soll es komisch sein, wenn sich Tallahassee an eine Karussell-Gondel hängt und mit der Maschinenpistole Legionen von Zombies frikassiert. Später schließt er sich in einer Wurfbude ein, legt sich zwei automatische Pistolen und viele Ersatzmagazine zurecht und ballert die Untoten im Schutz eines Stahlgitters nieder, bis sie sich zu Haufen türmen.

Solche Humor-Mechanik ist freilich besser erträglich als Drehbuchlücken, die eher schwarzen, grundlosen Löchern gleichen: Wieso fällt der schlauen Wichita nie ein, dass sie mit der Einschalten eines (nach zwei Monaten absoluter Wartungsfreiheit problemlos funktionierenden) Vergnügungsparkes sämtliche Zombies der Umgebung anlockt? Wieso lässt Columbus den schweren, schützenden Wagen, mit dem er und  Tallahassee den Park angefahren haben, einfach stehen, um sich zu Fuß den langen Weg zu Wichita und Little Rock durchzuschlagen?

Film ohne Handlung für Publikum ohne Ansprüche

Das sind nur zwei willkürlich herausgegriffene Beispiele. Im Bund mit der ‚Qualität‘ der Komik deutet diese Schlampigkeit darauf hin, dass „Zombieland“ primär Film-Kost für die schwachstromhirnige, als Horde auftretende „Hammergeil“-Fraktion der Zuschauerschaft bieten soll. Da der Film binnen zweieinhalb Wochen seine Produktionskosten nicht nur einspielte, sondern allein in den USA mehr als 60 Mio. Dollar in die Kinokassen spülte, ist diese offensichtlich wie die untoten Bürger von Zombieland in der Überzahl. Die Strafe folgt 2013 in üblicher Form: Es soll „Zombieland 2“ geben. Wieso auch nicht, da Columbus & Co. auf die beschriebene Art noch viele sinnfreie aber ulkige Irrfahrten unternehmen können.

DVD-Features

Da „Zombieland“ so erfolgreich und lustig – in dieser Reihenfolge – war, wurde an flankierenden Features nicht gespart. Es entstand sogar eine eigene Serie namens „‚Zombieland ist dein Land‘ – Die Zombifizierung der Vereinigten Staaten“, in der Jesse Eisenberg und Woody Harrelson in ihren Filmrollen Columbus‘ Liste der 30 Überlebensregeln zitieren, dazu passende Filmausschnitte zeigen und herumblödeln. Die Ergebnisse sind ohne Ausnahme so unterirdisch und peinlich, dass der Hauptfilm wie ein Stern am Komik-Himmel glänzen kann.

„Auf der Suche nach Zombieland“ soll Blicke hinter die Kulissen ermöglichen, zwingt aber vor allem Filmbeteiligte vor die Kamera, die dort den Film sowie einander über den grünen Klee loben. (Der schlaue Bill Murray hat sich aus dieser Lügenparade vollständig ausklinken können.) Woody Harrelson wurde während der Dreharbeiten mit Marihuana erwischt; die Polizei ist womöglich aufmerksam geworden, als er überwiegend unverständlich fragwürdige Kommentare zu „Zombieland“ in die Kamera nuschelte.

Immerhin erfährt man, dass „Zombieland“ ursprünglich als TV-Sitcom geplant war, die glücklicherweise nie zustande kam; einige zwar völlig handlungsfremde aber ‚komische‘ Kurzszenen, die Reese & Wernick zu schade zum Streichen fanden, gerieten auf diese Weise in den späteren Kinofilm.

Zu sehen gibt es außerdem diverse „Entfallene Szenen“, die nicht grundlos entfallen sind, und – zur Abwechslung wirklich interessant – die Genese einiger visueller Effekte sowie Demo-Trailer. Wer hätte gedacht, dass die in der Supermarkt-Szene hinter Glastüren und Kühltruhendeckeln verrottenden Lebensmittel nur als farbig ausgedruckte Fotos existieren? Wer hätte gedacht, dass diese simple Illusion so perfekt gelingt?

[md]

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