ZoombiesIn einem Wildpark lässt ein Virus die Tiere sterben und als menschenfleischhungrige Zo(o)mbies wiedererwachen; die schmelzende Schar der überlebenden Wärter versucht ein Ausbrechen des verseuchten Viehzeugs zu verhindern … – Typisches Produkt der Reißbrett-Billig-Filmschmiede „The Asylum“: Eine schräge Idee wird möglichst kosten- und talentneutral umgesetzt und als „Kult-Trash“ vermarktet; das Ergebnis dürfte auch volltrunkene (= in den Idealzustand versetzte) Zuschauer vor Ärger ernüchtern.

Das geschieht:

Vor fünf Jahrzehnten hatte Ellen Rogers‘ Großvater exotisches und zum Teil inzwischen seltenes Getier in einem riesigen Gehege zusammengepfercht. Die Enkelin will die Anlage retten und dafür die zahlende Öffentlichkeit einlassen. Der Park wurde deshalb zum „Eden Safari Resort“ umgestaltet, dem Ellen, eine gestandene Naturwissenschaftlerin, als Leiterin vorstehen wird.

Die Eröffnung steht bevor, aber hinter den Kulissen wird weiterhin hektisch gewerkelt. Um die allzu knappe Zahl der Mitarbeiter zu entlastet, trifft eine Gruppe mehr (Gage) oder weniger (Amber) motivierter Praktikanten ein, die u. a. auf die schrullige Vogelhaus-Wächterin Chelsea oder den eisenharten Sicherheitsmann Rex und seine unterbelichteten Untergebenen treffen.

Derweil spielt sich im Labor der Anlage ein Drama ab: Dr. Gordon untersucht kranke Affen, die von einem unbekannten Virus befallen und erschreckend aggressiv wurden. Schließlich sterben sie – und wachen kurz darauf grässlich verändert wieder auf: Die Affen haben sich in Zo(o)mbies verwandelt, die zielgerichtet Dr. Gordon und seine Crew ausschalten und wenig später damit beschäftigt sind, die anderen Insassen des Resorts in ihresgleichen zu verwandeln.

Das „Eden“-Personal gerät deshalb an & unter untote Giraffen, Warzenschweine (!) oder Löwen. Polizei und Seuchenschutz riegeln den Park ab, denn jeder entschlüpfte Zoombie würde die Seuche hinaus in die Welt tragen. Das Überleben der menschlichen Insassen ist demgegenüber sekundär, was diesen allmählich dämmert und keineswegs verständnisbereit aufgenommen wird. Außerdem droht die Epidemie auf die Resort-Vögel überzugreifen. Sollten die ihrer Voliere entfliegen, wäre jegliche Eindämmung gescheitert. Also versucht die an Zahl stetig abnehmende „Eden“-Crew dies zu verhindern sowie dem eigenen Ende zu entkommen …

Witzige Idee – dann nichts mehr

Die Macht des Miserablen ist eine unerhörte Kraft, der selbst dieser Rezensent nicht immer entgeht. Normalerweise verwende ich den Namen „Asylum“ als Synonym für weder gekonnte noch gewollte Film-Unterhaltung, für Möchtegern-Trash, behaupteten Kult und die zynische Verhöhnung eines Publikums, das sich bereitwillig von seinem Eintrittsgeld trennt und dafür mit faulem Obst beworfen wird.

Das alles trifft auf „Zoombies“ unzweifelhaft zu. Aber da ist diese schräge Idee und die leise Hoffnung, dass daraus anderthalb zumindest in Ansätzen angenehm zeitraubende Stunden entstanden sind. Hinzu gesellt sich Zorn über einen Blockbuster wie „Jurassic World“, der zwischen Budget und Einfallsgehalt eine Entfernung legt, die mit den Fahrzeugen der Gegenwart nicht bewältigt werden kann. Was würden die „Asylum“-Sparschweine für einen Bruchteil der Kosten aus dieser Vorlage machen? Sie sind bekannt für ihre „Mockbuster“, die sich dreist und möglichst nahe an erfolgreiche Kino-Erfolge hängen, solange die betroffenen Studios ihnen nicht ihre Hunde (= Anwälte) hinterherjagen.

Für „Zoombies“ wurde nicht nur „Jurassic World“ ausgebeint. Vorsichtshalber bedienten sich die „Asylum“-Klauber auch der dank „The Walking Dead“ oder „Z-Nation“ (eine ansehtaugliche, obwohl ebenfalls von „Asylum“ produzierte Serie = die Quadratur des Kreises!) weiterhin gedeihenden Zombiemanie. Abgeschmeckt wurde das daraus entstandene Gebräu mit ‚Anklängen“ an die TV-Serie „Zoo“. Hier mutieren Tiere nicht zu Zombies, aber sie erheben sich trotzdem gegen die Menschen. (Der Kreis schließt sich hier, da „Zoo“ zumindest inhaltlich ebenso lächerlich wie „Zoombies“ geraten ist.)

Zoombies Szenenfoto Koala
Versehentlich gelungener Einzel-Gag: der Zombie-Koala

Herztote Tiere in hirntoter Story

Natürlich darf man einen Film wie diesen unter keinen Umständen mit den Maßstäben der Logik messen. Das wäre falsch und snobistisch, denn „Zoombies“ sollte niemals Filmkunst sein. Der erfahrene Zuschauer weiß das und hat kein Problem damit, denn schließlich wurde das Kino erfunden, um das Unmögliche sichtbar zu machen. Warum sich also über einen Publikums-Park wundern, der so weit außerhalb liegt, dass ihn sogar die Polizei erst drei Stunden nach einem Alarm erreicht? Oder einen Virus, der nur Vögel hinter Käfiggittern aber keine Wildvögel befällt? Oder entlaufene Zombie-Affen, die brav eben nicht über kaum zimmerhohe Zoo-Mauern klettern? Gute Ideen hinter und darstellerischer Einsatz vor der Kamera entschuldigen selbst eklatante Verstöße gegen jedes Naturgesetz: Der Spaß darf durchaus im Vordergrund stehen sowie die realitätsgebundene Relevanz vermissen lassen. Nur stocksteife Spielverderber fordern ein Kino, das ausschließlich den Kopf fordert und den Bauch (sowie weiter südlich gelegene Organe) ignoriert.

Untote Zootiere? Der Gedanke liegt nahe. Wieso sollte ein Virus nur Menschen in Zombies verwandeln? Wahrscheinlich ist es billiger, nur diese leichenhaft zu schminken. Außerdem dürfte es schwierig sein, Tier-Darstellern begreiflich zu machen, dass sie nur mehr krummfüßig schlurfen und heiser fauchen dürfen. Die moderne Tricktechnik bietet hier Alternativen – theoretisch, denn praktisch lässt ein Film wie „Zoombies“ heftig daran zweifeln. Wenn man vor Drehbeginn einen Hut in der Einkaufszone von Hollywood kreisen lassen muss, um das erforderliche ‚Budget‘ aufzutreiben, bleibt das Feld derer, die man in seinen Dienst locken (oder zwingen) kann, eindeutig eingeschränkt. (Die Hälfte des Geldes geht stets an den wichtigsten Mann: den Zeichner des trügerisch verheißungsvollen Filmplakats.) Das Ergebnis soll à la „Asylum“ als unglaubliche Komik verkauft werden. Hier trennen sich dann hemmungslos betrunkene und wenigstens latent anspruchsvolle Zuschauer.

Vor der Kamera tummelt sich nur selten reales Viehzeug. Gorilla Kifo ist ein Pechvogel im Kunstfell. Selbst Löwen oder Elefanten, die sich zweifellos auf dieser Erde tummeln, treten nur in Gestalt ansatzweise tierformatierter Bites & Bytes auf. Man kann das verstehen, wenn beispielsweise ein Rudel (untoter) Löwen die davon nur bedingt begeisterten Darsteller umzingeln soll. Echte Giraffen würden sich vermutlich weigern, maskierte Menschen beim Kragen zu packen und durch die Luft zu wirbeln. Doch Elefanten dulden unsereinen auf ihren Rücken. Trotzdem ‚tragen‘ grausam schlecht gerenderte Rüsseltiere Darsteller, die – das „Making of“ enthüllt es – stattdessen vor einer Greenscreen auf Holzböcken reiten. Das passt immerhin zu einem ‚Zoo-Resort“, das eigentlich der Griffith Park in Hollywood ist, der höchstens US-heimische Wildtiere beherbergt.

Sie brauchten das Geld

„Asylum“-typisch werden vor der Kamera Newbies und Nobodys verheizt. Dagegen fehlt die sonst gern eingestreute Ex-Prominenz, die ihre welke Haut mangels anderer Angebote für das Bodensatz-Kino zu Markte tragen muss. Oft lassen sich schauspielerische Defizite auf die Produktionsbedingungen des B- und C-Films und auf das Drehbuch schieben: Wieso sollte jemand Sekt liefern, wenn nur Selters bestellt (und bezahlt) wird? Dieses Mal kann diese Freikarte nur bedingt zum Einsatz kommen. Beobachtet man beispielsweise Kim Nielsen beim ‚Schauspiel‘, keimt beim besten Willen nie der Gedanke auf, hier könne sich irgendwo Talent verbergen.

Ohnehin bestand wohl jede/r das Casting, dem oder der es gelang, sich beim Abspulen der Szenen das Lachen zu verbeißen (oder die Verzweiflung aus den Gesichtszügen zu bannen). Wichtig war weiterhin die Fähigkeit, sich so zu Boden fallen zu lassen, dass halbwegs glaubhaft wird, dem sei eine Explosion, ein Autounfall oder der Fausthieb eines untoten Gorillas vorhergegangen: Solche (tricktechnisch) aufwändigen Szenen bleiben meist unbebildert bzw. der Vorstellungskraft des Publikums überlassen. Dafür ist man immer dann dankbar, wenn von dieser Praxis abgewichen wird: So sorgt die ‚Explosion‘ der kuppelförmigen Vogel-Voliere für kollektive Fassungslosigkeit, da jedes Handy-Game inzwischen bessere Effekte präsentiert.

Aus dem Gesamtensemble heraus ragen höchstens Andrew Asper, der seiner Prägetiefe-Null-Figur wenigstens sporadisch Spielfreude einhaucht, und La La Nestor, die dank ihrer Jugend nicht erfasst, was ihre erwachsenen Kollegen hemmt: die tragische Erkenntnis, in welchen Film es sie verschlagen hat. Aaron Groben versperrt ein gewaltiger Überbiss den Weg zu echtem Ruhm, Ione Butler verharrt im Schatten ihrer Nase.

Zoombies Szenenfoto Kuppel Feuer
Eindrucksvolle Tricktechnik vom Anti-Feinsten.

Die Schalen des Zorns

Zu den an den Fingern einer kettensägenversehrten Hand abzählbaren Vorteilen gehört eine Umsetzung, die jenseits jeden Bierernstes keinen Hehl aus dem Schwachsinn der weniger erzählten als verbrochenen Geschichte macht. Das wäre sympathisch, würde sich dahinter nicht so viel Leerlauf verbergen. Immer wieder hocken sich unsere Helden irgendwo hin und erzählen Tragisches aus ihrem Leben, während die feindselige Tierwelt sich und ihnen eine Pause gönnt. Mit solchem Geschwätz wird Filmzeit geschunden, statt die Handlung voranzutreiben.

Zusätzlich ärgert die Gaukelei einer Horror-Komödie. „The Asylum“ hat den Tatbestand des rosstäuscherischen Trailers zur Kunst erhoben. Für anderthalb Minuten Vorschau auf „Zoombies“ wurden faktisch alle (halbwegs) guten Szenen verbraten; den Film kann man sich anschließend eigentlich sparen. Die Gags dort unterbieten noch das Niveau der Effekte. Höchstens zwei- oder dreimal wird der Humor politisch unkorrekt, schwarz und vergnüglich. Es gab Zeiten, als das B-Kino für unterhaltsame Verstöße gegen Mainstream-Moral und Langeweile bekannt war. In „Zoombies“ bleiben dagegen selbst die Silikon-Busen sämtlicher Darstellerinnen bedeckt. Dass dieser Film hierzulande als „FSK 18“ eingestuft wurde, ist ein Mysterium oder ein Marketing-Trick, da ausnahmslos jeder Splatter zum Gespött degeneriert.

Worauf „The Asylum“ hofft, verdeutlicht die letzte Szene: Selbstverständlich hat etwas – obwohl untot – überlebt. Somit hat das Studio möglicherweise ein neues Franchise am Start. „Sharknado“ geht heuer in die vierte Runde, obwohl selbst jene, die diesem Unfug treu bleiben, sich darüber streiten, was daran komisch sein soll. So bleibt als Fazit festzustellen, dass sich „Zoombies“ nahtlos in die endlose Reihe tumber = spannungs- und witzloser Billig-Streifen einreiht – „Asylum“ eben.

DVD-Features

Die ‚Extras‘ – Making of und Outtakes – sind eher Verlängerung des Trash-Spaßes, den der Hauptfilm verbreiten soll. Informationen bleiben rar gesät. Außerdem gibt es den Trailer zum Film, der wie weiter oben erwähnt denselben perfekt ersetzt.

Ganz im Trash-Stil des Films (aber in diesem Zusammenhang recht charmant) gibt es hier das Online-Game „Escape from the Zoombies“.

Copyright © 2016 by Michael Drewniok, all rights reserved

Zoombies – Der Tag der Tiere ist da!
Originaltitel: Zoombies (USA 2016)
Regie: Glenn R. Miller
Drehbuch: Scotty Mullen
Kamera: Bryan Koss
Schnitt: James Kondelik
Musik: Chris Cano
Darsteller: Kim Nielsen (Dr. Ellen Rogers), Ione Butler (Lizzy), Andrew Asper (Gage), Marcus Anderson (Rex), La La Nestor (Thea), Brianna Joy Chomer (Amber), Aaron Groben (A. J.), William McMichael (Boris), Reuben Uy (Ty), Isaac Anderson (Ricky), Tammy Klein (Chelsea), Cedric Jonathan (Johnny), Joe Conti (Monte), Noa Pharaoh (Dr. Gordon), Ivan Djurovic (Kifo) u. a.
Label: White Pearl Movies
Vertrieb: Soulfood Music
Erscheinungsdatum: 29.04.2016
EAN: 4250252515975 (DVD)/4250252515982 (Blu-ray)/4250252515999 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray)

Zombiber

Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse

Cockneys vs. Zombies

Osombie – Bin Laden Is Back