Super 8

Originaltitel: Super 8 (USA 2011)
Regie/Drehbuch: J. J. Abrams
Kamera: Larry Fong
Schnitt: Maryann Brandon u. Mary Jo Markey
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Joel Courtney (Joe Lamb), Elle Fanning (Alice Dainard), Riley Griffiths (Charles Kaznyk), Ryan Lee (Cary), Zach Mills (Preston), Gabriel Basso (Martin), Kyle Chandler (Deputy Jackson Lamb), Ron Eldard (Louis Dainard), Glynn Turman (Dr. Thomas Woodward), Noah Emmerich (Colonel Nelec), Sheriff Pruitt (Brett Rice), Beau Knapp (Breen) uva.
Label/Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 05.01.2012 (DVD)/05.07.2012 (Blu-ray)
EAN: 4010884540444 (DVD)/4010884245165 (Blu-ray)/4010884250701 (Blu-ray/DVD/Digital Copy)/4010884244311 (Steelbook BD/DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Türkisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 107 min. (Blu-ray: 112 min.)
FSK: 12

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

In Lillian, einer gesichtslosen Kleinstadt im US-Staat Ohio, spannt Jung- und Hobby-Regisseur Charles Kaznyk seine vier besten Freunde für den Zombie-Film „Der Zwischenfall“ ein. Er hat sogar ein Mädchen angesprochen, was den traurigen Joe aufmerken lässt: Seit seine Mutter vor vier Monaten bei einem Arbeitsunfall starb, ist er in seiner Trauer allein, denn sein Vater, der Hilfssheriff des Ortes, flüchtet sich in die Arbeit und vernachlässigt den Sohn. Die Anwesenheit der nicht nur taffen, sondern auch hübschen Alice lässt Joes Lebensgeister erwachen.

Aktuell stehen Dreharbeiten in einem kleinen Bahndepot an. Ein zufällig vorbeifahrender Zug soll in die Aufnahmen integriert werden. Zum Entsetzen der Freunde entgleist er vor ihren Augen, weil die Lokomotive vorsätzlich von einem Pick-up gerammt wird. In dem Wrack finden sie einen Lehrer, der sie eindringlich warnt, über das Erlebte zu schweigen. Kurz darauf schwärmen Soldaten über das Gelände aus: Der Zug transportierte streng geheime Fracht für die Air Force. Unter dem Kommando des fanatischen Colonel Nelec wird Lillian von der Außenwelt abgeriegelt, denn die ‚Fracht‘ ist lebendig, riesig, wütend und hält sich nach dem Unfall irgendwo in der Stadt verborgen.

Zufällig hat die Super-8-Kamera der Freunde das Zugunglück und die Flucht des monströsen Waggon-Insassen aufgezeichnet. Die Freunde kennen deshalb die Ursache für eine Kette kurioser bis erschreckender Vorfälle, die in der Stadt für Unruhe sorgen. Nachdem Sheriff Pruitt spurlos verschwunden ist, übernimmt Deputy Lamb die Leitung. Er wird jedoch von Nelec ausgebremst, der nicht davor zurückschreckt, Lillians Bevölkerung evakuieren zu lassen. Als auch Alice von der seltsamen Kreatur entführt wird, schleichen Joe und seine Freunde zurück in die Stadt, um sie zu retten. Ihnen im Nacken sitzt der wütende Nelec, und vor ihnen lauert irgendwo eine noch größere Gefahr …

Mit oder ohne Monster: Das Leben ist hart

Die Jahre zwischen Kinderstube und Erwachsenendasein sind schwierig. Man ist nicht mehr niedlich, Fehler werden nicht länger gnädig übersehen, stattdessen Anforderungen gestellt: Der „Ernst des Lebens“ naht mit Riesenschritten, wobei die damit einhergehenden Pflichten die Vorteile stets zu übertreffen scheinen. Zu allem Überfluss verwandelt sich das jeweils andere Geschlecht in eine gleichzeitig diffus lockende wie gefährliche Herausforderung, was für pubertär geschürte Gefühle und entsprechende Verwirrungen sorgt.

Aus Eltern werden Gegner, die ihrerseits fassungslos vor der Teufelsbrut stehen, die plötzlich im eigenen Heim erwacht ist. Gegenseitiges Verständnis wird vehement eingefordert, wobei die Definitionen abgrundtief auseinanderklaffen. Die sechs Freunde aus Lilian haben das zusätzliche Pech, nicht einmal in der eigenen Parallelwelt der Teenager wohlgelitten zu sein. Sie gelten als Außenseiter, sind nicht ‚cool‘ und drehen – der letzte Nagel im Sarg ihres sozialen Ansehens – einen schundigen Gruselfilm. (Als hübscher Gag ist „Der Zwischenfall“ als Film im Film neben den Schlusstiteln zu sehen.)

Wie es zumindest im Spielfilm möglich ist, wächst uns das Sextett gerade deshalb eng ans Herz. Jede Figur wird ausführlich und sorgfältig vorgestellt und entwickelt, bevor das Monster ins Spiel kommt. Auf diese Weise wird es zu einem weiteren Problem im Leben unserer Hobbyfilmer und reiht sich als solches in die „Coming-of-Age“-Geschichte ein, die „Super 8“ eigentlich ist.

Die Kamera als emotionaler Blitzableiter

Die scheinbar realistische Darstellung der Jugend ist ein Kunststück, mit dem vor allem Stephen Spielberg in Verbindung gebracht wird. Ihm ist es gelungen, Kinder und Teenager weder zu verklären noch zu verteufeln, sondern als Menschen mit altersbedingten Problemen anzuerkennen und ernst zu nehmen. Dieser Aspekt wurde besonders gelungen in „E. T.“ (1982) oder „Empire of the Sun“ (1987; dt. „Im Reich der Sonne“) thematisiert, floss oder fließt aber auch sonst in Spielbergs Filme ein, wobei er in spannende Handlungen verpackt und positiv wahrgenommen wird, weil er unaufdringlich bleibt.

Diese sensible Darstellung wurde von zahlreichen Drehbuchautoren und Regisseuren aufgegriffen, wobei es so etwas wie eine eigene Spielberg-Schule gibt. Absolventen sind u. a. Joe Dante, Richard Donner und aktuell J. J. Abrams. Letzterem gelang mit „Super 8“ so etwas wie die Quadratur des Kreises – ein Film, der quasi in Spielbergs Jugend spielt und den Faktoren Jugend und Abenteuer die Nostalgie hinzufügt.

Charles Kaznyk mag zumindest ansatzweise das Spiegelbild des jungen Stephen Spielberg sein, der mit der dem Vater enteigneten 8-mm-Kamera eigene ‚Spielfilme‘ drehte, die er mit Geschwistern und Nachbarskindern besetzte. Zwar blieb der spätere Erfolgsregisseur von familiären Katastrophen oder Außerirdischen verschont. Dennoch wurde die Kamera zum Ventil für einen zwar seinem familiären und schulischen Umfeld verhafteten aber sich dort bereits unwohl fühlenden Jugendlichen, der Wünsche und Träume in Filmgeschichten projizierte.

Teenies und Monster

„Super 8“ ist ein „Coming-of-Age“-Drama des 21. Jahrhunderts im Spielberg-Sti. Der ebenso verständnisvolle Blick auf die Probleme der jugendlichen Protagonisten ist geblieben. Verschärft hat sich das Element der Bedrohung: Die Welt ist gefährlicher geworden. Dass Misshandlung, Ausgrenzung sowie der Tod auch ‚unschuldige‘ Kinder und Jugendliche nicht verschont, konnte Spielberg in den 1980er Jahren nur andeuten. Heute werden solche Missstände eindeutiger ins Blickfeld gerückt.

Wobei Abrams davon eher subtil aber wirkungsvoll Gebrauch macht. US-typisch kräftiger dreht er dagegen an der Gewaltschraube. „Super 8“ mag eine Mischung aus „E. T.“ und „Die Goonies“ sein, doch der spielerische Unterton dieser beiden Klassiker ist einer drastischeren Darstellung gewichen. Der Außerirdische in „Super 8“ ist unschuldig auf der Erde gestrandet, doch anders als E. T. wurde er nicht nur gefangengesetzt und misshandelt, sondern nimmt dies mit unschönen Folgen übel: Dieser Fremdling zahlt es seinen Peinigern blutig heim. Außerdem ernährt er sich von Menschenfleisch, was auch Unschuldigen das Leben kostet.

Allerdings ist es schwierig, ‚Unschuld‘ zu definieren. Die Welt der Erwachsenen wirkt unfreundlicher denn je. Jackson Lamb trauert um seine Gattin und vergisst darüber seinen Sohn. In höchster Not entscheidet er sich, den Bürgern von Lillian beizustehen, und lässt Joe im Stich. Louis Dainard ist ein Säufer, der seine Tochter wie eine Gefangene hält. Colonel Nelec verteidigt nicht sein Land, sondern folgt voller ohne Rücksicht auf Gesetz und Moral eigenen Absichten. Lehrer Woodward jagt seine Schüler mit einer Waffe in die Flucht.

Spektakel mit doppeltem Boden

Auch sonst spickt Abrams, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, die Handlung mit Subtext – und übertreibt es vor allem im versöhnlich-süßlichen Finale dabei. Letztlich ist „Super 8“ ein unterhaltsames Spektakel, eine Mischung aus Science Fiction und Horror, eingebettet in eine Vergangenheit, die vor allem für komische Momente sorgt: durch ulkige Kleidung, krude Frisuren, seltsame Musik u. a. Faktoren, die den jüngeren Zuschauern ein Grinsen und den älteren Augenblicke nostalgischen Erinnerns bescheren.

Das Spektakuläre belegt besonders schön bzw. eindrucksvoll jenes Unglück, das dem gefangenen Außerirdischen die Flucht ermöglicht. Zug und Wagen springen nicht einfach aus den Schienen. Die Waggons werden klafterhoch in und durch die Luft gewirbelt; ihr Inhalt explodiert, Metallfetzen fliegen umher. Ein flammendes Inferno bricht aus, in dessen Zentrum die sechs Hauptfiguren geschockt um ihr Leben rennen. Obwohl es sie erwischen müsste, bleiben sie natürlich unverletzt und werden nur von einigen Schmutzspritzern getroffen.

Später überfällt der Außerirdische einen Bus, in dem die inzwischen von Nelec gefangenen Freunde in ein Lager gebracht werden sollen. Während die Kreatur sich systematisch durch die militärische Begleitmannschaft metzelt, ignoriert sie die Teenies, die in aller Ruhe flüchten können.

Aus dem Vollen geschöpft

„Super 8“ ist mit einem Budget von ca. 50 Mio. Dollar (laut IMDb.com) beinahe eine Billig-Produktion. Die Abwesenheit ausgewiesener Schauspieler-Stars macht sich hier sicher bemerkbar. Dennoch erstaunt die Summe angesichts der oft großartigen Effekte. Freilich beherrscht Abrams die Kunst der Andeutung, die vor allem in der ersten Filmhälfte auch dramaturgisch begründet ist. Außerdem spielen trickreiche Szenen oft in der Dunkelheit.

Dem „Making of“ ist zu entnehmen, dass viele Großkulissen gar nicht real waren, sondern kostensparend aber mustergültig aus dem Effektrechner kamen. Der weiter oben erwähnte Zug ist beispielsweise eine komplette Schöpfung der Firma „Industrial Light & Magic“, die ihren Namen wahrlich zu Recht trägt. Die Verschmelzung von ‚Realität‘ und Trick gelingt erstaunlich perfekt. Dabei mussten u. a. ganze Hügelketten digital eliminiert werden, um die in Kalifornien gedrehte Geschichte im bodenebenen Ohio spielen zu lassen. Wenn die Kreatur aus dem All schließlich frontal ins Licht tritt, ist sie nur aufgrund ihrer bizarren Gestalt als künstliche Schöpfung zu erkennen. Die Bewegungen und vor allem die Mimik sind so gründlich animiert, dass dieses Wesen zur Persönlichkeit wird.

Schauspiel und Effekt im Gleichgewicht

Da Abrams für „Super 8“ keine Starschauspieler besetzte, können wir uns umso besser auf die Figuren konzentrieren. Man muss Abrams bewundern bzw. zu seinem Geschick gratulieren: Er hat die schwierige Aufgabe, jugendliche Darsteller zu casten, die keine stereotypen Hollywood-Nervensägen sind, mit Bravour gemeistert. Sämtliche Darsteller überzeugen, obwohl sie zum Teil kaum oder gar keine Erfahrungen hatten und ihre Rollen trotz einiger Brechungen den üblichen Klischees – schmächtiger Held, dicker Witzbold, Nerd (mit Zahnspange) usw. – entsprechen.

Eine besondere Erwähnung verdient Elle Fanning, die ihre Mit-Darsteller weit in den Schatten stellt. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade 12 Jahre alt, hat sie ihre Rolle mit allen emotionalen Zwischentönen vollendet im Griff. In der Familie Fanning ist schauspielerisches Talent offenbar genetisch bedingt; 2005 trat Elles vier Jahre ältere Schwester Dakota mit ähnlicher Darstellungskraft in Spielbergs „Krieg der Welten“ auf.

„Super 8“ ist gewiss kein Meisterwerk. Als Unterhaltung mit Spannung, Witz und sogar Herz bewegt sich Abrams dennoch auf überdurchschnittlichem Niveau. Dies wurde von Kritiker und Zuschauern gleichermaßen gewürdigt; allein an den Kinokassen spielte „Super 8“ das Fünffache seiner Produktionskosten ein.

DVD-Features

Dem DVD-Käufer dreht das Label eine lange Nase: Den richtig guten Stoff gibt es wieder nur für jene, die zur Blu-ray greifen. Wer dies verweigert, muss sich mit einem teilweise informativen, oft vor allem geschwätzigen Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor J. J. Abrams, dem Mit-Produzenten Bryan Burk und dem Kameramann Larry Fong zufriedengeben.

Dazu gibt es die übliche, als „Making of“ maskierte Werbeveranstaltung, die hier den Titel „Der Traum hinter ‚Super 8‘“ trägt und neben einigen Blicken hinter die Kamera mit dem Auftritt des milde lächelnden Mentors und Über-Vaters Stephen Spielberg prunken kann. Interessanter ist eine Featurette („Der Besucher lebt“) über die Gestaltung eines ‚Monsters‘, das nicht nur ‚neu‘ sein sollte, sondern im Dienst der Handlung gleichzeitig grimmig und gefühlsbetont sein musste.

[md]

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)