Nach seiner Teddybärkomödie “Ted” schiebt Family-Guy- und American-Dad-Macher Seth MacFarlane seinen nächsten Film nach. Mit größerem Budget und einer Latte an bekannten Darstellern, wendet sich McFarlane dem Wilden Westen zu. Ganz nebenbei gibt er noch den Hauptdarsteller und sorgt dafür, dass eine mittelmäßige Komödie regelrecht in der Bedeutungslosigkeit versandet.

In “A Million Ways to Die in the West” dreht sich die Geschichte um den Schafzüchter Albert (Seth MacFarlane). Der kann dem Westen eigentlich nichts abgewinnen, setzt sich aber der Liebe wegen dessen sämtlichen Gefahren aus. Nur dumm, dass Louise (Amanda Seyfried) mit Albert Schluss macht und sich dem feschen Bartträger Foy (Neil Patrick Harris) an den Hals wirft.

Kurz bevor Albert alles hinschmeißt und das kleine Städtchen Old Stump verlässt, kommt die schöne Anna (Charlize Theron) daher, die Ehefrau des Revolverhelden und Oberschurken Clinch (Liam Neeson). Sie soll eine Woche lang in Old Stump untertauchen, bis Clinch sie holen kommt. Die liebe Anna freundet sich in dieser Zeit mit Albert an und versucht ihm dabei zu helfen Louise zurückzugewinnen und es Foy ordentlich reinzudrücken. Unglücklicherweise kommen sich Anna und Albert näher. Das sieht der fiese Clinch natürlich gar nicht gerne und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Lage gefährlich zuspitzt.

Die Handlung ist ziemlich simpel und weist keinerlei Überraschungen auf. Im Grunde ist es eine ruhige Liebeskomödie, allerdings packt MacFarlane stellenweise seinen zotigen Humor aus. Dadurch ist der Film weder Fisch, noch Fleisch. Der Spagat zwischen augenzwinkernder Romantik und Fäkalhumor geht gründlich daneben. Zumal das Grundversprechen aus dem Titel (der übersetzt “Eine Millionen Wege im Westen zu sterben” bedeutet) nicht eingehalten wird. Zwar gibt es sehr viele Tode im Film, aber eine Millionen ist (natürlich) lächerlich zu hoch gegriffen. Aber auch so sind es für solch einen reißerischen Titel einfach viel zu wenig Todesfälle. Wenn aber jemand stirbt, dann oft auf sehr lustige Art und Weise, die allerdings im Widerspruch zu einer ersthaften Komödie steht. Diese hat wiederum auch wunderbare Augenblicke und herzergreifende Szenen, die jedoch im Widerspruch zu einer Westernparodie stehen. Romantische Tolpatschigkeit auf der einen Seite, pissende Schafe auf der anderen. Was in MacFarlanes “Ted” noch halbwegs funktionierte, das geht in “A Million Ways to Die in the West” gründlich schief.

Dabei kommt der Film sogar glimpflich davon, denn die Besetzung weiß durchaus zu gefallen und wartet mit einigen Granaten der Film- und Fernsehunterhaltung auf. Genau das ist das Problem, denn Seth MacFarlane übernimmt die männliche Hauptrolle selbst, um mit diesen Granaten zu spielen. Mag er als Synchronstimme bisher zu gefallen und ist an sich ein sympathischer Kerl, so ist sein schauspielerisches Talent eher im Mittelfeld anzusiedeln. Im direkten Vergleich mit Stars wie Charlize Theron, Liam Neeson und Neil Patrick Harris fällt das übel auf, denn dann wirkt MacFarlane blass, hilflos und fehl am Platz. Vor allem Charlize Theron wirkt stets, als würde sie mit einem Platzhalter spielen, bis irgendwann einmal der richtige Darsteller auftaucht. Jemand, mit dem die Rolle des Albert an Bedeutung und Tiefe gewinnen würde. Aber diese Person gibt es nicht. Hinzu kommt noch, dass Stars wie Liam Neeson und auch Amanda Seyfried chronisch unterfordert sind.

Trotz allen Unzulänglichkeiten, bietet “A Million Ways to Die in the West” den ein oder anderen Lacher. Dazu tragen vor allem die Cameoauftritte, sowie auch das Zusammenspiel von Giovanni Ribisi und Sarah Silverman bei. Die beiden sind ein erfrischendes Paar, dass die Prüderie und Doppelmoral der USA gnadenlos aufs Korn nimmt. Manchmal leider etwas derber, als angeraten. Allen Derbheiten zum Trotz, bleibt die durchaus attraktive weibliche Besetzung doch recht züchtig bekleidet. Das, was Seth MacFarlane also humorvoll zu kritisieren versucht, dagegen kommt er selber nicht an. Witze über Sex und Titten, aber bitte schön züchtig und hochgeschlossen – hier wäre mehr Mut schön gewesen.

Sehr gelungen ist der Auftritt von Neil Patrick Harris als Frauenheld und Angeber Foy. Doch wer einige Folgen der Kultserie “How I Met Your Mother” gesehen hat erkennt recht schnell, dass Harris nur eine Variante seiner dortigen Rolle des Barney Stinson zum Besten gibt und die Figur des Froy an Figuren aus dem fiktiven Playbook erinnert. Das ist für Harris-Fans natürlich unheimlich lustig und ein Film, der nur mit solch skurrilen Figuren bestückt ist, wäre wohl ein Hit. So ist Harris aber nur eine Schneeflocke in der Wüste. Allerdings eine Schneeflocke, die mit einer wunderbaren Musicaleinlage auftrumpft – die von der Idee her ebenfalls aus “How I Met Your Mother” entlehnt scheint (Staffel 5, Episode 12, Suit Song).

“A Million Ways to Die in the West” ist ein Film für die kleine Abendunterhaltung, aber nichts für die große Leinwand. Der Film wirkt, als hätten ein paar Leute aus Hollywood einfach mal etwas Lustiges mit Western machen wollen – aber ohne echtes Konzept. Schade.

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A Million Ways to Die in the West

Originaltitel: A Million Ways to Die in the West

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2014)
Originalsprache: Englisch
Länge: 116 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Seth MacFarlane
Drehbuch: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
Produktion: Jason Clark, Seth MacFarlane, Scott Stuber
Musik: Joel Neely
Kamera: Michael Barrett
Schnitt: Jeff Freeman

Darsteller: Seth MacFarlane (Albert), Charlize Theron (Anna), Amanda Seyfried (Louise), Liam Neeson (Clinch), Giovanni Ribisi (Edward), Neil Patrick Harris (Foy), Sarah Silverman (Ruth)

http://www.million-ways-to-die-film.de/
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=kMLangPnmNo