Ausgequetscht

USA 2009 (OT: Extract)

Regie: Mike Judge
Produziert: Mike Judge, John Altschuler, Mike Rotenberg, Glenn Lucas
Drehbuch: Mike Judge
Musik: George S. Clinton
Laufzeit: 92 Minuten

Darsteller: Jason Bateman, Ben Affleck, Kristen Wiig, Mila Kunis, J.K. Simmons, Dustin Milligan, Clifton Collins Jr.

Mit“Ausgequetscht“ kommt der Erfinder von „Beavis and Butt-Head“ ziemlich still daher …

Joel (Jason Bateman) besitzt eine kleine Fabrik für Pflanzenextrakte und Aromen. Er kennt sich in seinem Geschäft aus und hat Spaß an der Sache. Leider ist Joels Ehe mit Suzie (Kristen Wiig) regelrecht eingeschlafen und so träumt er von aufregenden Zeiten. Da kommt ihm das Kaufangebot eines Konkurrenten gerade recht. Mit dem Geld könnte Joel seinem Alltag entfliehen und die lahme Ehe wieder flott bekommen. Doch leider geht nun einiges schief.

Mitarbeiter Step (Clifton Collins Jr.) hat einen Arbeitsunfall und verliert dabei einen Hoden. Das ruft Cindy (Mila Kunis) auf den Plan, eine Trickbetrügerin. Diese verdreht Joel den Kopf und stiftet Step an, eine Millionenklage anzustrengen. Dank Cindys kleinen Diebstählen gibt es auch bald Ärger im Betrieb.

Von Hormonen gesteuert plaudert Joel nun mit Freund und Barkeeper Dean (Ben Affleck), der eine geniale Idee hat. Im Drogenrausch heuert Joel deswegen den Gigolo Brad (Dustin Milligan) an, damit dieser Suzie verführt. Laut Deans Rechnung dürfte Joel ja dann bei Cindy zum Schuss kommen. Ärgerlicherweise entpuppt sich die Idee als Missgeschick und es ziehen für Joel finstere Wolken auf …

Regisseur Mike Judge („Beavis and Butt-Head“, „King of the Hill“) ist bekannt für seine verschrobenen Filme. Immer etwas anders, stets eine andere Richtung, das zeichnet Judge aus. Letztendlich fehlt den Filmen allerdings stets der letzte Kick, die finale Pointe. So auch in „Ausgequetscht“, der als recht stille Komödie daherkommt.

Judge inszeniert eine sehr bodenständige Geschichte. Ein mittelständisches Unternehmen, ganz normale Leute und ganz alltägliche Probleme. Der Nachbar nervt, die Frau hat keine Lust auf Sex und im Betrieb zanken sich die Angestellten. Trost bieten da nur Masturbation auf dem Klo und die abendlichen Besuche in der Bar. Normale Leute in einem normalen Umfeld. Diese Ausgangssituation nimmt Mike Judge nun und spickt sie mit abstrusen Situationen, Ideen und Ereignissen.

Startpunkt ist dabei der Arbeitsunfall von Step. In Anbetracht der Szene kann jeder Mann die Schmerzen nachvollziehen, die der arme Step erleiden muss. Hervorragend umgesetzt und fotografiert. Auch die Leistung von Clifton Collins Jr. ist erstklassig. Seine Darbietung des an sich genügsamen und leicht einfältigen Arbeiters ist wunderbar und es schmerzt förmlich, wie übel Step mitgespielt wird.

Schuld daran ist die hinterhältige Cindy, dargestellt von Mila Kunis („Die Wilden 70er“). Kunis spielt ihre Rolle zwar überzeugend und ist mit ihrer erotischen Ausstrahlung und der dazu passenden Stimme (im Original) stets präsent, aber leider kommt sie ein wenig zu kurz, bleibt ihr zu wenig Raum zum Entfalten. Somit wirkt Cindy als sympathisches Bad Girl doch zu farblos, um tatsächlich Akzente zu hinterlassen. Cindy ist mehr Werkzeug als Darstellung. Schade.

Mehr Raum zum Schauspielern hat natürlich Jason Bateman („Arrested Development“, „All Inclusive“) als Joel. Und den nutzt er weidlich aus. Gekonnt stellt er einen Mann dar, der an sich glücklich ist, dem aber die Einsicht dazu fehlt. Irgendwie ist sein Leben neben der Spur. Nur ein wenig, aber dennoch ausreichend genug, um damit zu hadern. Dabei will Joel nur zwei Sachen: Einen laufenden Betrieb und es hemmungslos mit seiner Ehefrau treiben. Das misslingt und es ist einfach herrlich mitanzusehen, wie Bateman immer mehr gebeutelt wird und schlussendlich einfach nur zerschunden ist. Dabei bedarf es nur wenig, um das Leben wieder in die Spur zu bekommen. Doch dass muss Joel erst einmal erkennen. Und bis dahin geht einiges schief.

Das betrifft vor allem die Ereignisse um seine Frau Suzie (Kristen Wiig) und den angeworbenen Gigolo Brad (Dustin Milligan). Während der Humor im Film eher still ist, wird der heiße Flirt zwischen den beiden und die darauffolgenden Ereignisse wunderbar überzeichnet. Wiig und Milligan sind weitgehend ebenfalls ziemlich farblos, aber in ihren wenigen überzogenen Sequenzen ziehen so richtig vom Leder und zeigen, dass Mike Judge ruhig etwas härter an den Stoff hätte herangehen können. Überzeichneter und schwarzer Humor liegen ihm, das kann er. Leider hält Judge damit hinter dem Berg.

Besonders gelungen ist allerdings Barkeeper Dean. Der wird von einem langhaarigen Ben Affleck („Jersey Girl“, „Daredevil“) gespielt und ist einfach gnadenlos komisch. Von der Welt abgehoben und stets mit Dope in der Tasche, kommt Dean mit einfach abstrusen Ideen daher. Zwar ist er bemüht Freund Joel zu helfen, doch reitet er ihn dabei immer tiefer in den Mist. Afflecks Darstellung ist erfrischend unkonventionell. Sobald er ins Bild kommt, verblassen sämtliche anderen Darsteller. Er zieht den Zuschauer einfach in seinen Bann.

Schlussendlich ist „Ausgequetscht“ ein Film der leisen Töne und leicht verdrehten Normalität. Er ist nett anzuschauen, weiß humorvoll zu unterhalten und sorgt für ein Schmunzeln.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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