Darsteller: Marlon Brando, Al Pacino, Andy Garcia
Regisseur: Francis Ford Coppola
FSK:  Freigegeben ab 16 Jahren

Der Volksmund sagt ja, dass getretener Quark breit, nicht stark wird. Offenbar gilt dies für Kaviar ebenso, denn der wird länger/breiter/größer auch nicht stärker, prima zu beobachten bei Coppolas TV-Neuschnitt der ersten beiden Teile des „Paten“. Seine Jahrhundertwerke werden hierbei in chronologischer Reihenfolge erzählt und um einige Szenen erweitert, sodass die ohnehin stattliche Laufzeit auf knappe 400 Minuten anwächst, gesplittet in vier Teile.

Das hört sich natürlich erst mal großartig an, denn eine gute Stunde mehr verspricht gleichzeitig mehr Infos und damit ein noch tieferes Eintauchen in die Familiengeschichte der Corleones. Die Wahrheit sieht leider anders aus, denn die zusätzlichen Szenen haben für die Story an sich keinen großen Nutzen und sind nicht ohne Grund aus der Kinofassung geflogen. Die Charaktere gewinnen durch sie kaum an Tiefe, vielmehr wird der eh schon viel Geduld und Aufmerksamkeit erfordernde Plot doch sehr in die Länge gestreckt und lenkt eher von den wirklich wichtigen Szenen ab. Zum Beispiel zeigt Coppola, im Gegensatz zur Kinofassung, die Ermordung des sizilianischen Verräters Fabrizio, durch den Michaels Frau einem Attentat zum Opfer fiel. Für diejenigen, welche die Kinofassungen kennen, ist das durchaus ein interessanter Zusatzaspekt, aber die Story bringt das zu diesem Zeitpunkt keinen Schritt voran, da Fabrizio keinerlei Einfluss mehr auf das Geschehen innerhalb der Familie Corleone hat. Bei den Deleted Scenes auf der DVD-Collection ist solcherlei Material also deutlich besser aufgehoben, als in einem fertigen Film.

Was aber noch schwerer wiegt, ist die Erzählung in chronologischer Reihenfolge. Beim ersten Teil ist das noch unerheblich, der lief ja schon in der Kinofassung in der regulären zeitlichen Abfolge. Anders verhält es sich mit dem zweiten Teil, der ja einen Großteil seiner Faszination gerade aus der Tatsache zog, dass die Geschichte des jungen Vito Corleone (und damit der Aufbau des Familienimperiums) und die seines Sohnes Michael (mit dem Zusammenbruch der Dynastie) parallel montiert wurden. Das sorgte einerseits für Abwechslung, vor allem aber für einen unmittelbaren, tragischen und epischen Sog, den wenige Gangsterfilme danach erreicht haben (Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“ muss in diesem Zusammenhang natürlich erwähnt werden). In Coppolas Langfassung ist die ganze Tragweite von Michaels Handeln als Don für den Zuschauer daher nicht ganz so spürbar wie in „Der Pate – Teil 2“.

Zudem wird allzu oft deutlich, dass das Drehbuch einfach nicht für einen TV-Vierteiler konzipiert wurde, wodurch der Eindruck eines irgendwie „unrunden“ Films entsteht. Besonders schön zu beobachten an der Stelle, wo das Ende des ursprünglich ersten Teils mit dem Anfang der Fortsetzung anhand einer kurzen Alibi-Lückenfüller-Szene mit einem nachdenklichen Michael Corleone am See verbunden wurde. Das wirkt sehr hilflos zusammengeflickt, ebenso wie der ein oder andere Szenenübergang sehr abrupt und unpassend gesetzt wurde. Wo wir gerade beim Schnitt sind: Fast sämtliche Gewaltszenen wurden von Coppola TV-würdig umgeschnitten, sodass von den doch sehr brutalen Ermordungen der Originalfassungen wenig übrig blieb. Natürlich haben die Kinofilme am allerwenigsten von der Gewalt gelebt, aber für Fans bleibt aufgrund dieser Schnitte doch ein fader Beigeschmack haften. Gift für die Atmosphäre ist zudem die Änderung des Bildformats ins fernsehtaugliche Vollbild.

Änderungen größerer Art erfuhr auch die deutsche Fassung, die komplett neu synchronisiert wurde. Einen Qualitätsverlust stellt dies glücklicherweise nicht dar, tummeln sich doch so namhafte Sprecher wie Christian Brückner und Frank Glaubrecht darunter, die ja zudem die gewohnten deutschen Stimmen von de Niro und Pacino sind. Etwas schade allerdings, dass auch legendäre und lieb gewonnene Dialogzeilen der Marke „Möchten Sie mein Freund sein…Mein Pate?“ (hier: „Seien Sie mein Freund…Bitte Pate!“) geringfügig geändert wurden. Das entstellt im vorliegenden Beispiel sogar ein wenig den Sinn, wenn aus einer flehenden Bitte eine Aufforderung wird.

Die Aufzählung dieser negativen Aspekte ist natürlich immer noch Jammern auf allerhöchstem Niveau, denn die grandiosen Darsteller, die opulente Ausstattung (v.a. New York im frühen 20. Jahrhundert ist eine Augenweide) und die famose Kameraarbeit kann man ja nicht antasten. Trotzdem kann man auch keine zwei separaten Mozart-Kompositionen zusammenwerkeln, in anderer Reihenfolge ablaufen lassen und um einige Passagen ergänzen. Die individuelle Klasse einzelner Stücke bleibt damit erhalten, aber der Gesamteindruck, das große Ganze, ändert sich nicht unerheblich. Für „Der Pate – Die Saga“ gilt eben dies genauso, sodass man fortan lieber immer wieder auf die lieb gewonnenen Originalfassungen zurückgreifen wird.

(c) 2009 by Thomas Lehner

Titel bei Amazon.de
Der Pate Trilogie – The Coppola Restoration [Blu-ray]
Der Pate Trilogie – The Coppola Restoration (5 DVDs)
Der Pate – DVD-Collection (5 DVDs + Kartenspiel)