Der Preis des Verbrechens
Volume 1

OT: Trial and Retribution
England 1997/1998

Format: PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH

Regie: Aisling Walsh
Besetzung: David Hayman, Kate Buffery, Rhys Ifans, Iain Glen, Dorian Lough

Nach mehr als zehn Jahren erscheint „Der Preis der Verbrechens“ („Trial and Retribution“) endlich auf DVD, nachdem die Serie erst auf Spartensendern und schlussendlich auch auf ZDF seine Fans fand …

„Der Preis des Verbrechens – Volume 1“ beinhaltet zwei Kriminalfälle auf vier DVDs, mit einer Gesamtlaufzeit von knapp etwas über vierhundert Minuten. Es handelt sich um die Episoden „Tod eines Mädchens“ und „Herr der Fliegen“. Letzterer Fall sorgt auch für ein FSK von 16, während ersterer Fall nur mit einem FSK von 12 eingestuft wird.

In „Tod eines Mädchens“ wird ein fünfjähriges Mädchen erst vermisst und dann tot aufgefunden. Zuerst steht der gewalttätige Stiefvater in Verdacht, aber schnell schießt sich die Polizei auf den Alkoholiker Michael Dunn ein. Die Ermittlungen zielen auch schnell darauf ab, entsprechende Beweise zu liefern, die Dunn belasten. Für dessen engagierte Anwältin kein leichtes Unterfangen, sich gegen die Ermittlungsbehörden zu stemmen …

„Der Preis des Verbrechens“ ist keine Serie die mit High-End-Technik arbeitet oder besonders coole oder gar clevere Ermittler ins Rennen schickt. Nein! Die Serie lebt von und durch ihre bodenständigen Figuren, die allzu menschlich sind. Sie haben Fehler, Macken, Kanten und Ängste. Das gilt auch für das Ermittlerduo DCS (Chief Superintendent) Michael Walker und DI (Inspector) Pat North, gespielt von David Hayman und Kate Buffery. Vor allem Haymans Rolle wirkt sehr unsympathisch und sein Erscheinen in der Abteilung wird von den Kollegen auch damit kommentiert, dass er einfach mies in seinem Job sei. Die Ermittlungen übernimmt also kein begabter oder besonders kluger, sondern ein ganz normaler Mann. Zu allem Übel ist er klein, hat eine Halbglatze und raucht Kette.

Seine Partnerin schlägt ins gleiche Kerbholz. Ebenfalls ein normales Arbeitstier, hochgewachsen, hager und schon in die Jahre gekommen mit einem leicht herben Aussehen. Eben ganz normale Leute. Und auch die Ermittlungsarbeiten gehen ganz normal vor sich, werden strikt nach Lehrbuch durchgeführt. Dabei kommt es zu Fehlern, Peinlichkeiten und Irrtümern.

So auch in diesem Fall, in dem Außenseiter Michael Dunn (Rhys Ifans) im Vorfeld verurteilt wird. Die Annahme er sei der Täter führt dazu, dass die Polizei ihre Suche entsprechend ausrichtet und das Umfeld sich ebenfalls entsprechend verhät. Ifans („Vanity Fair“, „Little Nicky“) erzeugt mit seinem Spiel genau die richtige Portion Angst und Mitleid beim Zuschauer. Auf der einen Seite ist er ein kranker Psychopath, auf der anderen Seite das Opfer seiner Vergangenheit und der Gesellschaft.

Die Spannung wird in „Tod eines Mädchens“ vor allem durch die sozialen Differenzen aufgebaut. Zudem werden Geschichten abseits der Haupthandlung erzählt. So wird auf das Leben der Opferfamilie eingegangen oder auch auf ein Trauma, das einer der Polizisten durch den Leichenfund erlitt.

In „Der Herr der Fliegen“ wird die Serie ein ganzes Stück brutaler. Ein Serienmörder lockt in der Nacht Huren in seinen Lieferwagen, foltert die Frauen bestialisch, schneidet sich Andenken vom Körper und lässt seine Opfer dann tot zurück. Doch eine der Frauen überlebt und kann den Täter identifizieren. Für Walker und North ein Glücksfall.

Der vermeintliche Täter – Damon Morton (Iain Glen) – wird gestellt und verhört. Doch er weist jegliche Schuld von sich. Stattdessen behaupten drei Freunde von ihm sie seien die Mörder und legen umfangreiche Geständnisse ab. Zudem gibt es gleich zwei Frauen, die Damon ein Alibi geben. Die Polizei ist nun gänzlich überfordert …

Diesmal arbeitet die Episode mit sehr detaillierten und blutigen Gewaltdarstellungen. Und erneut ist es eine Milieustudie, die hier stattfindet und bis in den Bereich des Sadomasochismus hineinreicht. Kein Stoff für zarte Gemüter und entsprechend hoch fällt auch die FSK-Einstufung aus.

Drei Männer die ein Geständnis ablegen, zwei Frauen die mit einem Alibi aufwarten und ein charismatischer Kerl, der offensichtlich der Täter ist und das Spiel mit der Polizei genießt. Iain Glen („Doctor Who“ 2010, „Resident Evil: Extinction“, „Beautiful Creatures“) ist der perfekte Gegenpol, um die Handlung im Gleichgewicht zu halten. An seiner Schuld besteht kein Zweifel und die Spannung baut sich dadurch auf, zu erleben ob und wie Morton überführt wird. Und auch hier steht ganz normale Polizeiarbeit im Mittelpunkt.

Beide Folgen sind sehr eindringlich gestaltet, wirken ruhig und durchdacht. Es gibt zwar kleinere Schock- und Ekelmomente, aber keinesfalls Effekthascherei. Das macht den trockenen, aber gelungenen Charme von „Der Preis des Verbrechens“ aus. Die leicht bodenständige Aufmachung gleitet manchmal jedoch ins Biedere und Langweilige ab. Es gibt Einstellungen in denen einfach nur Stillstand herrscht. Gelegentlich trägt das zur Atmosphäre bei, hier wirkt es manchmal wie zeitschinden.

Trotz kleiner Schwächen ist „Der Preis des Verbrechens – Volume 1“ hervorragende Kriminalunterhaltung. Auch die deutsche Bearbeitung ist gut. Leider gibt es kein Bonusmaterial, was sehr bedauerlich ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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