From Paris with Love

Original: From Paris with Love (Frankreich 2010)
Originalsprache: Englisch, Französisch, Russisch
Länge: 93 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Adi Hasak
Produktion: Virginie Besson-Silla
Musik: David Buckley
Kamera: Michel Abramovicz
Schnitt: Frederic Thoraval

Erscheinungstermin Blu-ray: 27. August 2010
Studio: Universum Film GmbH
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1

Darsteller: John Travolta (Charlie Wax), Jonathan Rhys Meyers (James Reese), Kasia Smutniak (Caroline), Richard Durden (Botschafter Bennuington), Yin Bing (M. Wong), Amber Rose Revah (Nichole)

http://www.frompariswithlove.de/

Luc Besson zeigt sich für die Story dieses französischen Action-Thrillers verantwortlich, in dem John Travolta und Jonathan Rhys Meyers die Hauptrollen spielen. Das Drehbuch stammt allerdings von Adi Hasak und Regie führte Pierre Morel. Es ist also weniger Luc Besson im Film als das Cover glauben macht. Allerdings versucht Morel seinem und dem Stil des Meisters gerecht zu werden. Zudem ist Bessons Ehefrau Virginie Besson-Silla für die Produktion verantwortlich.

Die Handlung des Films dreht sich um den jungen CIA-Agenten James Reese (Jonathan Rhys Meyers), der als persönlicher Assistent des Botschafters (Richard Durden) in Paris stationiert ist. Reese ist ein etwas biederer Geselle, hochintelligent und will Karriere machen. Derzeit ist er jedoch mit Kleinkram beauftragt, hat aber dadurch genug Zeit, um seine Beziehung zu Freundin Caroline (Kasia Smutniak) zu pflegen. Eine Abends erreicht Reese jedoch ein Anruf. Er soll den Agenten Charlie Wax (John Travolta) beim Flughafenzoll raushauen und unterstützen. Das ist gleichzeitig die ersehnte Beförderung.

Reese macht sich sofort an die Arbeit und wird mit einem knallharten Typen konfrontiert, dem die Worte Kompromiss und Pause unbekannt sind. Wax ist Profi ohne Skrupel und verfolgt seinen Auftrag mit jeglicher Härte. Reese von nun an stets zur Seite. Der glaubt zuerst an einen Racheakt, dann sind es Terroristen und schlussendlich wirbelt Wax das Leben des jungen Agenten vollkommen durcheinander …

Paris, ein knallharter Amerikaner und laute Ballerorgien nach einer Story von Luc Besson, unter der Regie von Pierre Morel. Das erinnert frappierend an „96 Hours“ aus dem Jahre 2008. Nun, gerade mal zwei Jahre später, wärmen Besson und Morel das Thema erneut auf. Wenigstens versuchen sie sich an einer neuen Umsetzung, die mit einer guten Portion Ironie daherkommt. Das liegt vor allem an der bittersüßen Darstellung von Charlie Wax durch John Travolta. Betont lässig und auffällig spielt Travolta den lauten CIA-Agenten Wax, stets kurz davor die Rolle zu überziehen. Aber Travolta gelingt die Balance zwischen Ernst und Trash. Seine Figur bleibt, trotz eines pulpigen Auftretens, auf dem Boden. Travoltas Spiel hat allerdings seinen Preis, denn neben solch einer schillernden Person verblasst die Figur des James Reese einfach. Obwohl Jonathan Rhys Meyers eine hervorragende Leistung bringt, rückt er in den Hintergrund sobald Travolta auftritt.

Angesichts von Meyers gelungenem Spiel – vor allem im Dialog mit Kasia Smutniak als Caroline – ist das sehr bedauerlich, aber gleichzeitig auch zu verzeihen. Denn vor allem die Figur des Charlie Wax ist es, die den Film aus dem Mittelmaß herauskatapultiert und zu einem humorvollen Actionkracher macht. Uns es kracht gewaltig, was vor allem an den gelungenen Schusssequenzen liegt, die den Film ausmachen. Hier zeigt sich, dass Morel sein Handwerk versteht und im Sinne Luc Bessons agiert. Wo „96 Hours“ mit Ernsthaftigkeit an Glaubwürdigkeit verliert, kauft „From Paris with Love“ mit einem Augenzwinkern dem älteren Film den Schneid ab. Allerdings haben beide Filme zum Ende hin das Gleiche Problem: Die Handlung verliert an Glaubwürdigkeit.

Beginnt „From Paris with Love“ mit starken Szenen ohne großartige Motivation, bietet einfach nur Handlung ohne erkennbaren Sinn und macht neugierig auf das erhellende Finale, schwenkt der Plot plötzlich um und die altbackene Terroristenidee wird aus der Schublade gezaubert. Und sobald das geschieht, wird es langweilig. Einen persönlichen Rachefeldzug Wax‘ wäre leicht zu akzeptieren, würde nur wenig Substanz nehmen. Aber die an den Haaren herbeigezogene Wendung mit dazugehöriger Klischeemarmelade verpassen dem Film einen bitteren Beigeschmack. Der plötzlich aufkommende Ernst des Films ruiniert die bis dahin aufgebaute lockere Atmosphäre und kickt den Streifen wieder zurück ins Mittelmaß. Der plötzliche moralische Anspruch ist einfach fehl am Platz.

Jedoch ist und bleibt „From Paris with Love“ oberes Mittelmaß und ist eine spannende und kurzweilige Unterhaltung. Die Action ist gelungen und es gibt schöne Running Gags (wortwörtlich, obwohl eine Vase von Bedeutung ist) und kleine Anspielungen auf andere Filme, unter anderem „Nikita“, „Pulp Fiction“ und „From Russia with Love“. Cameoauftritte von Luc Besson und Kelly Preston gehören ebenfalls dazu.

Die Blu-ray-Fassung des Films kann sich sehen lassen. Es liegen die deutsche und englische Tonspur in DTS-HD 5.1 vor. Mit dem richtigen Equipment gibt es also ordentlich was auf die Ohren. Dabei ist zu bemerken, dass die Synchronisation sehr gelungen ist. Das liegt vor allem daran, dass Travoltas deutsche Stimme einfach männlicher, kerniger klingt als Mister Travolta im Original. Dadurch wirkt Charlie Wax sofort um einiges markanter.

Das Bild ist ebenfalls hervorragend und lässt keine Wünsche offen. Ein guter Kontrast, ausgezeichnete Schärfe und prächtige Farben. Hier gibt es keine Meckereien.

Das Bonusmaterial ist dagegen leidlich. Es gibt die üblichen Interviews, die allerdings mehr Promo als Einblicke sind. Dazu ein einfaches Making of und weitere Szenen. Zusätzlich BD-Live Features für Leute, deren Player Onlinefähig ist, Trailer und ein Musikclip. Da die Blu-ray ein Wendecover hat, kann das plumpe FSK-Logo nach Innen verschwinden.

Somit wird die BR dem Film gerecht und platziert sich ebenfalls beim oberen Mittelmaß. Kein großer Schlag, aber gelungene Unterhaltung!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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