george_gently_1George Gently – Der Unbestechliche
Staffel 1

Originaltitel: George Gently
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Produktionsjahr: 2007–2008
Label: edel motion
Darsteller: Martin Shaw, Lee Ingleby

Großbritannien Anfang der 60er Jahre, es ist eine Zeit der Umbrüche, eine Zeit der Korruption und die Zeit von Inspector George Gently. Gently (Martin Shaw) ist ein Mann von gutem Ruf bei der Londoner Polizei – unbestechlich, ehrlich und ein Haudegen alter Machart. Genau das macht ihn bei seinen Kollegen unbeliebt.

Als in der Episode „Kalte Rache“ Gentlys Frau Isabella ermordet wird, beschließt Gently seinen Job hinzuwerfen. Er kennt den Auftraggeber für den Mord, Joe Webster, kann aber seiner nicht habhaft werden. Da geschieht außerhalb Londons ein Verbrechen und Webster scheint involviert. Also wird Gently noch einmal aktiv. Dabei lernt er den jungen und formbaren Detective Sergeant John Bacchus (Lee Ingleby) kennen. Gemeinsam versuchen sie das Verbrechen aufzuklären …

„George Gently“ ist eine Serie, die auf den ersten Blick klassisch gestrickt wirkt, tatsächlich aber mit modernen Mitteln und Techniken umgesetzt wurde. Obwohl die Fälle in den 60er Jahren spielen, sind sie weder altbacken oder langweilig. Im Gegenteil! Hier wird aktuelle Kriminalunterhaltung geboten, die einen ganz besonderen Charme besitzt. Die Einen fühlen sich in die 60er Jahre zurückversetzt, die Anderen betreten Neuland. Besonders packend ist dabei die Einstellung der Figuren und ihr Verhalten, dass manchmal neuzeitlichen Maßstäben entspricht, oft aber auch Überraschungen beinhaltet. Als Beispiel mag die Haltung gegenüber Homosexuellen dienen – die in „Kalte Rache“ thematisiert wird – oder der Umgang Englands mit der Todesstrafe.

Auch in „Der Verbrannte“ („The Burning Man“) kommen antiquierte Sicht- und Verhaltensweisen zum Tragen, in diesem Falle der Umgang mit Frauen. Doch im Fokus steht natürlich ein rätselhafter Mord. Diesmal wurde ein unbekannter Mann getötet und verbrannt, so dass eine Identifizierung unmöglich scheint. Glücklicherweise hatte der Tote einen Ring im Magen, der auf eine heiße Spur führt …

Eine moderne Serie würde nun ein Labor bemühen und hätte innerhalb kurzer Zeit die Identität des Opfers herausgefunden – inklusive DNA, Konfession und Hobbys. George Gently und John Bacchus gehen andere Wege, da ihnen hochmoderne Hilfsmittel und Werkzeuge verwehrt bleiben. Sie müssen sich auf Fakten, Vermutungen und ihren Verstand verlassen, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Das ist sehr reizvoll, was vor allem daran liegt, wie lebendig die Vergangenheit plötzlich wird.

„Die Schuld der Väter“ („Bomber’s Moon“) lässt die Vergangenheit ebenfalls lebendig werden, denn das Opfer ist diesmal ein reicher Deutscher, der auf dem englischen Land alte Freunde besuchte. Ein Mord, der seine Wurzeln vielleicht im zweiten Weltkrieg hat …

Somit wird natürlich auch ein Stück deutscher Geschichte lebendig. Was heutzutage manchmal abstrakt anmutet, war in den 60er Jahren Realität. Gently selbst diente im Krieg und die Erinnerungen sind noch bei allen Menschen sehr frisch. Das führt dementsprechend zu emotionalen Szenen und Motiven.

In „Die Schuld der Väter“ wird das gelungene Charakterspiel zwischen Martin Shaw und  Lee Ingleby besonders deutlich. Ingleby spielt den jungen und ehrgeizigen Detective Sergeant, der Gently zwar mag, sich aber gleichzeitig von ihm ausgebremst fühlt. Shaw gibt dagegen den alten Haudegen, der in seinem jungen Kollegen eine Möglichkeit sieht einen anständigen Polizisten zu formen. Das führt zu entsprechenden Konflikten, die sehr unterhaltend umgesetzt wurden und äußerst packend sind. Gegensätze ziehen sich einfach an.

Vor allem Martin Shaw brilliert. Bekannt wurde er vor allem in der Rolle des Lockenschopfs Raymond Doyle in der Serie „Die Profis“ und zeigte auch außerhalb des Bildschirms sein großes Talent als Darsteller. In Würde gealtert scheint George Gently ihm scheinbar auf den Leib geschneidert.

Auch das Szenenbild ist exzellent umgesetzt und die Kulissen gut fotografiert. Das ländliche England der 60er Jahre einzufangen ist schon eine Herausforderung, die gut gemeistert wurde. Überhaupt sind auch die Requisiten, Kostüme und Frisuren zu bewundern, die stets stimmig sind und die Illusion aufkommen lassen, die Serie wäre tatsächlich 1965 abgedreht worden. Keine leichte Sache, denn auch auf dem Land hat sich einiges verändert. Man muss den Regisseuren Euros Lynn und Ciaran Donnely ordentlich Respekt zollen – ihre Arbeit ist einfach großartig. Sie haben die Romanvorlage Alan Hunters sehr gelungen umgesetzt.

„George Gently – Der Unbestechliche – Staffel 1“ ist eine hervorragende Box voller Kriminalunterhaltung, die auf exzellente Schauspieler und den Charme der Vergangenheit baut. Leider gibt es als Extra nur eine Bildergalerie auf der DVD, die man allerdings getrost ignorieren kann. Schade. Dennoch ist die Box eine uneingeschränkte Empfehlung, da jede einzelne Episode einfach ein Genuss ist.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

Bei Amazon.de