Bei Amazon.deHautnah – Die Methode Hill
Volume 3

Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: seit 2002
Episodenlänge: etwa 80–100 Minuten
Originalsprache: Englisch
Darsteller: Robson Green (Dr. Tony Hill), Hermione Norris (DCI Carol Jordan)
Edel Motion 2009

Erneut gehen in der – fiktiven – englischen Stadt Bradfield Serienmörder umher. In der nun mehr vierten Staffel muss der freiberufliche Profiler Dr. Tony Hill (Robson Green) zusammen mit der Polizistin DCI Carol Jordan (Hermione Norris) genau jenen bösen Buben auf die Finger klopfen. Dabei hat Hill seine ganz eigene Methode, die ihm zum Erfolg führt – meistens.

Auch die dritte Staffel der Serie kommt aus dem Hause Edel Motion in einer durchsichtigen Plastikbox daher. Leider gibt es kein Wendecover und so wird die Box durch das blauen FSK-16-Logo verschandelt. Im Inneren der Box befinden sich vier DVDs. Jede beinhaltet jeweils eine komplette Episode der Kriminalfilmserie, die vom englischen Sender ITV produziert wurde. Die einzelnen Episoden laufen zwischen achtzig und einhundert Minuten, insgesamt gibt es mehr als dreihundert Minuten handfeste Krimikost.

In „Das tödliche Internet“ geht es um Serienmorde an Kindern. Hier steht Tony allerdings alleine da, denn Carol wird bei einem Überfall verletzt und ein junger Kollege übernimmt die Ermittlung. Für Tony Hill nur schwer zu verkraften, hat er sich doch auf Carol eingestellt. Trotzdem geht er professionell seiner Arbeit nach, denn das Leben weiterer Kinder steht auf dem Spiel …

Diese Episode ist spannend gestaltet und kommt auch mit einer schlüssigen Auflösung daher. Dabei wird auch das Thema „Internet“ und „Chatsicherheit“ angesprochen. Für Laien logisch nachvollziehbar – wer ledoch weiß wie das Internet und Chaträume funktionieren, wird nur müde lächeln. Trotzdem übt die Folge einen starken Reiz aus. Da wären einmal die Kinder die bedroht werden, und die aus schlimmen Verhältnissen stammen. Sie werden besonders stark in Szene gesetzt, sobald Profiler Hill sich in sie hineinversetzt, um Motive und Taten besser zu verstehen. Aber auch Carol Jordans Abwesenheit von den Ermittlungsarbeiten sorgt für Spannung – und scheinbar ist ihr junger Kollege ein wenig überfordert, wie in der letzten Episode der Staffel deutlich wird.

Doch zuvor haben es Hill und Jordan in „Mackie Messer“ mit einem weiteren Serienmörder zu schaffen. Die Vermutung liegt nahe, dass es der vor kurzem entlassene Mörder McAdam ist, aber dieser entzieht sich geschickt den Ermittlungen und tritt gar selbst als Psychologe und Profiler an die Öffentlichkeit heran …

Obwohl sich McAdam mit Hill einen persönlichen Kampf im übertragenen Sinne liefert, ist „Mackie Messer“ die schwächste Episode der Staffel, ja, gar bisher. Der Fall wirkt konstruiert, McAdams Aufbau als Nemesis Hills scheitert kläglich, denn die Fakten sind künstlich und die Verknüpfungen an den Haaren herbeigezogen. Sehr Schade, denn hier wäre Potenzial für Mehr gewesen. Zu allem Übel leidet die Figur Hill immensen Schaden, denn am Ende begeht der bisher zwar verschrobene, aber dennoch sympathische Doctor Tony Hill Selbstjustiz – und kommt ungestraft davon. Diese Selbstjustiz kann gar als geplanter Mord ausgelegt werden, denn Hill weiß genau wie der Täter denkt und was dieser vorhat. Dass Hill schlussendlich sein Leben riskiert um den Serienmörder zu retten, ist ein fehlgeschlagener Versuch das Image ein wenig aufzupolieren. Im Kern hat Tony Hill einfach Scheiße gebaut.

Glücklicherweise schlägt die Episode „Freitag, der Dreizehnte“ in eine andere Kerbe. Hier sind die Fälle wieder miteinander verwoben und die Argumentationskette nachvollziehbar. Dadurch wirkt der Stoff authentisch und Greens Rolle des Profiler Hills gewinnt wieder einige Sympathiepunkte hinzu. Nach der letzten Episode auch eindeutig nötig.

Dieser Punktgewinn geschieht vor allem durch die persönliche Bindung zu Carol, die hier vertieft wird. Obwohl sich beide zueinander hingezogen fühlen, bleiben sie auf Abstand. Hill und Jordan sind unfähig sich offen auf persönliche Nähe einzulassen oder sich zu offenbaren, verkriechen sich lieber in ihre Schneckenhäuser aus beruflicher Distanz. Vor allem der schweigende Dialog mittels Augenkontakt und Mimik ist sehr packend, drückt mehr aus als es Worte könnten.

Die abschließende Episode der Staffel ist „Das Spiel des Todes“. War es zuvor schon schwer den Täter zu fangen, so scheint es diesmal unmöglich. Der Mörder, ein Heckenschütze, ist einfach zu unberechenbar, seine Opfer scheinbar unwillkürlich. Doch diesmal ist der Mörder keine zentrale Figur, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Vielmehr dreht sich in „Spiel des Todes“ alles um Tony Hill, denn im Kopf des Profilers wächst ein Tumor heran. Auch wird sein komplexes Verhalten als leichte Verhaltensstörung diagnostiziert. Somit eine Erklärung für das brillante, aber sozial meist kalte Benehmen von Tony.

Das Verhältnis zwischen dem Profiler und DCI Jordan wird nun auf eine harte Probe gestellt und in einer Szene offenbart Hill gar seine wahren Gefühle, in dem er einen Traum als Erinnerung wahrnimmt. Hinzu kommt, dass er lieber an dem Fall arbeitet, als sich der lebensrettenden Operation zu stellen. Sein Verhalten scheint für einen Knacks in der fragilen, kaum vorhandenen Beziehung zu Carol Jordan zu sorgen. Das Charakterspiel von Hermione Norris ist einfach erstklassig und sorgt für eine starke emotionale Bindung zu dem Charakter. Zudem hat einer ihrer Kollegen, wie zuvor angedeutet, ein Alkoholproblem. Falls dieser Handlungsfaden im Auge behalten wird, dürfte es zu einigen Verwicklungen und Problemen kommen.

Bis auf „Mackie Messer“ liefert die DVD-Box „Hautnah – Die Methode Hill – Volume 3“ erstklassige und spannende Krimiunterhaltung. Das liegt vor allem an der guten Leistung der beiden Hauptdarsteller Green und Norris, die vor allem im Zusammenspiel glänzen. Da rücken die Morde manchmal in den Hintergrund, sind aber dennoch Bestandteil der Handlung.

Besonders faszinierend an den Geschichten ist das analytische Vorgehen Hills, das durch Wort und Bild vermittelt wird. So bleibt der Zuschauer stets auf dem Laufenden, kann sich in die Gedankenwelt von Tony Hill hineinversetzen. Dabei sind die vier Episoden ein wenig vorhersehbar, denn immer schnappt die Falle zu und ist der Täter bekannt. Aber dann stellt sich alles als eine falsche Annahme heraus und kurz vor Ende wird der richtige Mörder gestellt. Hier wäre ein wenig Abwechslung wünschenswert. Trotz dieser Vorhersehbarkeit und einer misslungenen Episode, ist die Staffelbox eine klare Empfehlung für Kriminalfans.

Leider gibt es kein Bonusmaterial, nur einen kleinen Ausblick auf das Programm von Edel Motion. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, jeweils in Dolby Digital 2.0. Es gibt keinen Untertitel. Die deutsche Synchronisation ist hervorragend. Beim Bild müssen wieder Abstriche gemacht werden, denn bei dunklen Bildern wird das Rauschen ziemlich deutlich, liefert grobkörnige, schwammige Ansichten. Schade.

Unterm Strich hat sich die Box dennoch die Note „Gut“ verdient, denn drei gelungene Episoden in Spielfilmlänge bieten genug spannende – und manchmal auch humorvolle – Unterhaltung, um über die Schnitzer in „Mackie Messer“ hinwegzusehen.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

„Hautnah – Die Methode Hill – Volume 3“ bei Amazon.de