Inspector Barnaby Vol. 4

Land und Jahr: GB 2002
Produzent: Brian True-May
Schauspieler: John Nettles, Jane Wymark; Daniel Casey
Musik: Jim Parker
Länge: ca. 396 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Studio: BBC, A&E Television Networks
Vertrieb: edel records
Tonformate: Englisch Dolby Digital 2.0, Deutsch Dolby Digital 2.0
Untertitel: keine
Bildformat: Fullscreen 4:3
Folgen: 01. Die Hexe von Setwale Wood, 02. Glockenschlag zum Mord, 03. Mord am St. Malley’s Day, 04. Trau, Schau, Wem!
Bonusmaterial: Keins

Aus dem Hause edel records kommt nun bereits die vierte DVD-Box der bekannten und beliebten Kriminalserie „Inspector Barnaby“, die in Deutschland erfolgreich auf dem ZDF läuft. Erneut muss der smarte Inspector Tom Barnaby (John Nettles) vier komplizierte Fälle lösen, die es in sich haben …

Den Anfang macht „Die Hexe von Setwale Wood“. Inmitten des mythischen Setwale Wood wird die Leiche von Simon Bartletts Frau Susan entdeckt. Kurz darauf stirbt auch der Erzfeind Bartletts. Motiv und Täter scheinen auf der Hand zu liegen, doch das Karussell der Verdächtigen dreht sich fleißig im Kreis und schlussendlich kommt es mal wieder anders, als man denkt …

Die Box wird mit einer sehr starken Episode eröffnet, die im Original „A Worm in the Bud“ heißt und zur fünften Staffel der Serie gehört. Die Zusammenstellung der Boxen ist leicht verändert, so dass „Inspector Barnaby Vol. 4“ vier aufeinanderfolgende Episoden aus Staffel fünf und sechs der Serie enthält.

Das Drehbuch zu „Die Hexe von Setwale Wood“ stammt von Michael Russell, Regie führte David Tucker. Beide haben gute Arbeit geleistet, denn die Geschichte ist sehr spannend geschrieben und inszeniert. Vor allem die Einbindung der Kinder als unglaubwürdige Zeugen ist passend und sorgt auch für einige erheiternde Augenblicke. Ein sehr charmanter Fall – trotz des mörderischen Themas.

In „Glockenschlag zum Mord“ (im Original „Ring out your Dead“) geht es dann mit einem starken Kontrast weiter. Eher düster und sehr blutig müssen Barnaby und Assistent Gavin Troy (Daniel Casey) den Mord an einem Glöckner aufklären. Einen Mord? Nein, denn der Glöckner gehört zu einer ganzen Glöckner-Mannschaft, die an einem Glöckner-Wettbewerb teilnehmen möchte. Und irgend jemand hat es auf die ganzen Glöckner abgesehen …

Autor Christopher Russell hat hier glänzende Arbeit geleistet und sehr skurrile Ideen und Charaktere verwirklicht. Unter der Regie Sarah Hellings‘ entsteht somit ein sehr unterhaltsamer und spannender Fall, der mit einer überraschenden Lösung aufwartet. Auch hier – wie in „Die Hexe von Setwale Wood“ – hat auch Barnabys Frau Joyce einen Auftritt und steht ihrem Mann in einigen Szenen zur Seite.

Besonders herausstechend sind diesmal allerdings die Verdächtigen, die selbst Hauptdarsteller John Nettles den Rang ablaufen und mit großer Spielfreude agieren. Es ist einfach herrlich den Leuten zuzusehen und dem Inspector zu folgen, während er dem Täter langsam immer näher kommt.

Im Gegensatz zum blutigen und direkten Tod unter den Glöcknern, wird es in „Mord am St. Malley’s Day“ (Murder on St. Malley’s Day ) eher geheimnisvoll. Hier spielen Traditionen und Verschwörungen an einem renommierten Elite-Internat eine gewichtige Rolle. Und so befremdlich der im Zentrum stehende Pudding Club auch wirkt, so ist Mord noch immer ein ernstes Thema und wird von Regisseur Peter Smith spannend in Szene gesetzt.

Immerhin dreht es sich darum, dass der Musterschüler Daniel Talbot bei einem traditionellen Wettlauf mit einer schweren Verletzung zurückkehrt und dieser erliegt. Wie in der Serie üblich folgt kurz darauf natürlich der nächste Mord. Die Ermittlung wird jedoch durch eine Mauer des Schweigens zusätzlich erschwert. Leider hat Drehbuchautor Andrew Payne das Ende sehr offensichtlich gestaltet, so bleibt ein wirklich überraschendes Ende leider aus.

Mit der Episode „Trau, schau, wem!“ („Death and Dreams“ – der deutsche Titel verrät eigentlich schon mehr als er sollte) schließt die DVD-Box ab. Was zuerst wie ein Selbstmord aussieht, führt in die psychiatrischen Klinik Mercy Park, die von Dr. Jane Moore geleitet wird – einer alten Bekannten von Barnaby. So irre wie die Patienten, so irre ist schlussendlich auch der Fall.

Peter J. Hammond zeigt sich für das Drehbuch verantwortlich und präsentiert eine sehr schwache Geschichte, die von Regisseur Peter Smith auch schwach umgesetzt wurde. Sichtlich um Originalität bemüht wurden markante Figuren entworfen, die sich in ihrer Skurrilität jedoch gegenseitig ausstechen und die Schau stehlen. Den misslungenen Höhepunkt bildet allerdings die Lösung des Falls und die recht untalentiert wirkenden Jungdarsteller. Ein dummes Kichern macht noch keinen Schurken aus – vor allem wenn der am Ende so dumm alles ausplaudert.

Sämtliche Episoden spielen – wie immer – in der von der Autorin Caroline Graham entworfenen Grafschaft Midsomer. Dabei hat die Serie schon lange die Vorlage Grahams verlassen und folgt – durchaus gelungen – eigenen Wegen. Das ländliche Ambiente und die dörflichen, menschlichen Charaktere wirken durchaus ruhig und beschaulich, doch die Leute haben es faustdick hinter den Ohren. „Inspector Barnaby“ zeigt humorvoll und eindringlich, dass gute Kriminalunterhaltung keineswegs die Stadt oder Hochfinanz braucht. Im Gegenteil, stille Wasser sind tief und lassen gerne mal das ein oder anderen Opfer darin ertrinken.

Die Leistungen der Hauptdarsteller John Nettles und Daniel Casey sind hervorragend. Dabei steht das Ermittlerteam nur selten im Fokus. Im Gegenteil, den meisten Raum nehmen jeweils die Nebendarsteller mit ihren Geschichten ein. Das sorgt für eine emotionale Bindung an die Handlung und die Personen. Dem Einen gönnt man es, mit dem Anderen hat man Mitleid. Das macht einfach großen Spaß. Ganz davon abgesehen, dass die Suche nach dem jeweiligen Täter sehr spannend umgesetzt wird. Hier darf der Zuschauer bequem miträtseln, vor allem, da oft die Spuren und Hinweise im Bild zu sehen sind. Wie Barnaby auch, kann der Zuschauer ebenfalls beobachten und kombinieren. Ebenfalls eine feine Sache.

Schlussendlich bietet die DVD-Box drei sehr gute Folgen und eine Niete, was durchaus zu verschmerzen ist. Das Bild selbst ist gut und entspricht gewohntem TV-Standard. Bei den Sprachen kann der Zuschauer zwischen Deutsch und Englisch wählen. Leider gibt es kein Bonusmaterial. Schade, hier hätte man sich als Fan über das ein oder andere Schmankerl gefreut. Die Möglichkeit sich einen Untertitel einblenden zu lassen fehlt ebenfalls.

„Inspector Barnaby Vol. 4“ ist eine sehr gute Box, die angenehme und spannende Unterhaltung bietet – eine appetitliche Krimivollwertkost!

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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