kommissarin-lund-boxKommissarin Lund – Das Verbrechen
Staffel 1 Gesamtbox (10 DVDs)

FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: 1100 Minuten

Regie: Birger Larsen, Kristoffer Nyholm, Henrik Ruben Genz, Hans Fabian Wullenweber
Drehbuch: Søren Sveistrup
Darsteller: Sofie Gråbøl, Lars Mikkelsen, Bjarne Henriksen, Ann Eleonora Jørgensen, Marie Askehave, Michael Moritzen, Søren Malling, Nicolaj Kopernikus, Bent Mejding

Produktion: Dänemark/Schweden/Deutschland/Norwegen 2007
Produktionsfirmen: Danmarks Radio (DR), Norsk Rikskringkasting, Sveriges Television (SVT), Nordvision
Produzent: Sven Clausen, Piv Bernth

Das Label Edel brachte „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ bereits 2008 als DVD-Boxen mit jeweils fünf Episoden auf den Markt. 2009 legt das Label nach und bringt diese spannende Kriminalfilmserie in einer dicken Gesamtbox auf den Markt, die alle zehn DVDs enthält. Ein paar Minuten mehr und ein FSK von 16 statt 12 sind mehr eine kosmetische Änderung, als das sich was am Inhalt ändern würde.

Kommissarin Sara Lund (Sofie Gråbøl) zieht der Liebe wegen von Dänemark nach Schweden. Die Koffer sind gepackt, ihr Partner bereits im neuen Zuhause und Nachfolger Jan Meyer (Søren Malling) steht schon parat. Doch Saras Spürnase führt sie zum Tatort eines Verbrechens und löst somit einen Wirbelsturm an Ereignissen aus. Sara verschiebt nun immer wieder ihren Flug nach Schweden, um in Kopenhagen zu ermitteln.

Der Fall der getöteten Schülerin Nanna Birk Larsen (Julie Ølgaard) lässt Sara kaum schlafen. Nannas Eltern Theis (Bjarne Henriksen) und Pernille Birk Larsen (Ann Eleonora Jørgensen) sind vom Tod ihrer einzigen Tochter schwer erschüttert und auch Vagn Skærbæk (Nicolaj Kopernikus) – Theis Angestellter und Freund der Familie – ist stark mitgenommen. Allen geht der Tod von Nanna zu Herzen und der Täter scheint mit dem Rathaus in Verbindung zu stehen.

Das Tatfahrzeug gehörte nämlich zum Fuhrpark des Bürgermeisterkandidaten Troels Hartmann (Lars Mikkelsen), der mit seinem Stab mitten im Wahlkampf steckt und gegen den amtierenden Bürgermeister Poul Bremer (Bent Mejding) antritt. Und beide Männer scheinen etwas zu verschweigen. Der dabei ins Visier der Ermittlungen geratene Bürgermeisterkandidat Troels Hartmann (Lars Mikkelsen) verbirgt zwar etwas, doch rückt der Mann erst im letzten Augenblick mit der Wahrheit raus. Lund und Kollege Jan Meyer (Søren Malling) haben erneut die falsche Spur verfolgt. Es gibt zwar Verbindungen in die Politik, doch keine davon steht mit dem Mord in Verbindung. Trotzdem rollen noch einige Köpfe im Rathaus.

Sara Lunds Ermittlungen konzentrieren sich nun auf weitere Morde dieser Art. Vermutlich hat ein Serientäter das Verbrechen begangen. Und tatsächlich verdichten sich die Hinweise entsprechend – oder ist gar der Wunsch Vater des Gedanken? Vor allem, da sämtliche Hinweise wieder ins private Umfeld der Ermordeten führen. Für die Eltern Theis (Bjarne Henriksen) und Pernille Birk Larsen (Ann Eleonora Jørgensen) ein schwerer Schlag sahen sie doch den Mörder ihrer Tochter bereits als gerichtet an. Und plötzlich soll es ein ihn nahestehender Mensch gewesen sein … kaum zu glauben. Ttatsächlich sieht es erneut nach einem Irrtum der Polizei aus. Ein Irrtum, den ein Ermittler mit seinem Leben bezahlt …

Im Original umfasst diese spannende Kriminalserie – aus der Feder des erfahrenen Drehbuchautoren Søren Sveistrup – zwanzig Episoden, in denen sich alles um einen einzigen Fall dreht. Fürs deutsche Publikum wurden die Folgen vom ZDF in zehn Teile mit Spielfilmlänge gepackt und sonntags als Spätkrimi erstausgestrahlt.

Gut verborgen und für den Kenner trotzdem offensichtlich, sind die Einflüsse moderner US-Krimi- und Actionserien. So hat sich Søren Sveistrup von beliebten Formaten wie „CSI“ und „24“ inspirieren lassen, jedoch den skandinavischen Charme beibehalten. Das bedeutet kompakte Kriminalunterhaltung, stetiger Zeitdruck nahe am Geschehen und Intrigen, die bis in die hohe Politik hineinreichen. Dabei bleibt der ausgedachte Handlungsstrang wohltuend bodenständig.

Geschickt werden die Personen und ihre Beziehungen untereinander in Frage gestellt. Dabei bauen die Regisseure Birger Larsen, Kristoffer Nyholm, Henrik Ruben Genz und Hans Fabian Wullenweber vor allem auf den drei sozialen Interaktionskreisen auf: Polizei, Familie und Politik. Immer wieder kommt es somit zu Überschneidungen, verschiebt sich der Fokus und wird ein Täter an den Pranger gestellt, der ein Unschuldiger ist. Sara Lund und die Ordnungshüter machen Fehler – und das ist überaus menschlich. Allerdings kann ein unbedarfter Zuschauer da schon mal Angst vor dem dänischen Polizeiapparat bekommen. Doch nur die Ruhe, manch dämliche Aktion dient nur dem Aufbau der Spannung.

Und die ist hoch – obwohl jede Episode den gleichen Aufbau besitzt und clevere Kriminalfans den Schuldigen sofort identifizieren. Allerdings ist es ein unterhaltsamer Weg bis zum Ziel, um die eigene Schlussfolgerung bestätigt zu sehen. Trotz etlichen plakativen und klischeehaften Augenblicken und der ein oder anderen Länge, macht „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ großen Spaß und animiert zum Rätseln. Vor allem, da der Zuschauer Einblicke genießt, die Sara Lund verwehrt bleiben.

Wurde zur Hälfte der Staffel Troels Hartmann als Verdächtiger forciert, so wendet sich Drehbuchautor Søren Sveistrup in der zweiten Hälfte seiner Geschichte langsam von der Politik ab und schiebt neue und alte Tatverdächtige wieder in den Fokus zurück. Es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass die Politiker und deren Mitarbeiter in ihrem Drang nach Macht die Ermittlungen behinderten. Eine große Gefühlskälte in der Riege der Mächtigen, auf die Sveistrup hier aufmerksam macht. So lässt sich einer der Verdächtigen auch lieber erschießen, als seine Karriere als beendet hinzunehmen. Einzig leuchtendes Vorbild bleibt nur Hartmann – doch der ergibt sich irgendwann seiner Position und muss erkennen, dass ein Licht im Dunkeln zu wenig ist, um die Finsternis zu vertreiben.

Doch mit dem Fall stehen Hartmanns Probleme nicht mehr in Verbindung. Sara Lund und ihre Kollegen haben nun jemand anderen im Blick und begehen dabei mehrere Fehler. Dass Sara dabei ihren guten Ruf und ihre Beziehung aufs Spiel setzt, ist da nur eine logische Konsequenz und gibt der Figur mehr Tiefe und Charakterspiel. Kompliment an Sofie Gråbøl für ihre packende und überzeugende Darstellung dieser Ermittlerin, die sich ihrer Überzeugung wegen auch gerne mal an jemandem reibt, in Details versinkt oder sich wortkarg dem Tunnelblick ergibt.

Mit großen Schritten geht es dann endlich aufs Finale zu. Und genau da versagen Autor und Regisseur. Sie verfehlen das Endziel um Längen, lassen einen teilweise unbefriedigten Zuschauer zurück. So wirkt die Handlung schlussendlich konstruiert und die Indizien in ihrer Gesamtheit unschlüssig. Es bleiben einige Fragen offen. Und einige Antworten sind entfallen, denn die Macher versäumen im Finale eine Zusammenfassung der Beweiskette. Und bei einem Fall der über eintausend Minuten geht, kann sich kaum ein Zuschauer alle Details merken. Gekrönt werden diese Fehler mit der Tatsache, dass ausgerechnet ein unschuldiger Sympathieträger das Leid einer Verurteilung ertragen muss.

Søren Sveistrups Absicht ist klar. Er hat seine Figuren auf einen Weg geschickt, an dessen Ende sie zu anderen Menschen wurden. Eine klasse und spannende Sache. Vor allem nachvollziehbar, aber hier hätte man vielleicht ein Auge zudrücken und mehr Zugeständnisse an den Film machen sollen. Somit wäre wenigstens eine Figur vom Schicksal geschlagen, aber relativ unbeschadet davongekommen. So liegt alles in Trümmern – aber darauf wollte Søren Sveistrup auch hinaus: Mord zerstört alles!

Wer sich mit dem missglückten Finale abfinden kann, der wird großen Spaß mit der Serie haben. Die Spannung ist hoch und die Charaktere menschlich, somit ist trotz allem gute Unterhaltung garantiert. Man kann am Ende ja auch einfach mal ein Auge zudrücken und Fünfe gerade sein lassen. „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ ist trotz unglücklichem Ende gute Unterhaltung.

Copyright (c) 2009 by Günther Lietz

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Kommissarin Lund – Das Verbrechen