Neues vom Wixxer

FSK: ab 6 Jahre
Laufzeit: 94 Minuten

Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert
Darsteller: Oliver Kalkofe (Even Longer), Bastian Pastewka (Very Long), Joachim Fuchsberger (Lord Dickham), Christiane Paul (Victoria Dickham), Sonja Kirchberger (Lady Dickham), Judy Winter (Schwester Lucipha), Hella von Sinnen (Schwester Stefanie), Christian Tramitz (Much Longer), Oliver Welke (Dr. Brinkmann), Christoph Maria Herbst (Alfons Hatler), Chris Howland (Butler Hudson), Wolfgang Völz (Sir John), Lars Rudolph (Lars Rudolph)

Produktion: Deutschland 2007
Produktionsfirmen: Rat Pack Filmproduktion GmbH, Medienfonds German Film Productions I+II GmbH & Co. Filmproduktions- und Beteiligungs KG und B.A. Produktion GmbH (Co-Produktion)
Produzenten: Christian Becker

Eine Fortsetzung ist niemals besser als ihr Vorgänger heißt es. „Neues vom Wixxer“ gehört zu den wenigen Ausnahmen der Filmindustrie …

Drei Jahre nachdem Even Longer (Oliver Kalkofe) und Very Long (Bastian Pastewka) den Wixxer ausgeschaltet haben, soll ihnen auf dem Friedhof eine wichtige Information zugespielt werden. Doch der Informant wird mit Pfeil und Bogen erschossen – vom Wixxer! Der Londoner Bösewicht scheint zurück, bis die beiden Yard-Männer den ehemaligen Schurken hinter der Maske, wenige Minuten später, tot auffinden. Es gibt einen neuen Wixxer und die Grabsteine auf dem Friedhof bilden eine Todesliste. Auf genau dieser Liste befindet sich Very Long und Even Longers heimliche Geliebte Victoria Dickham (Christiane Paul).

Victoria und ihr Vater – Lord Dickham, ehemaliger Chef des Yards (Joachim Fuchsberger) – begeben sich nun ins Kloster Vokuhila, in dem bald ein Adelspaar getraut werden soll. Der Lord beauftragt Longers Bruder Much (Christian Tramitz) mit dem Personenschutz seiner Tochter, während Long und Longer ermitteln. Die Spur führt sie in die Irrenanstalt von Alfons Hatler (Christoph Maria Herbst) und dann wieder zurück ins Kloster. Genau hier wird der Wixxer wohl erneut zuschlagen – immerhin sind zwei Personen seiner Todesliste in den ehrwürdigen Schwarzweißmauern zu finden. Das Motiv und die Identität des Wixxers sind jedoch verdammt überraschend …

Mit „Neues vom Wixxer“ gelingt es Kalkofe und Co. gezielter den Zuschauer anzusprechen, als es noch bei „Der Wixxer“ der Fall war. Man hat aus den alten Fehlern gelernt und die antiquierten Gags ein wenig abgestaubt. Zwar wirkt Kalkofe noch immer wie ein Dinosaurier der es überraschenderweise in die Urzeit geschafft hat, aber die Evolution ist deutlich erkennbar und bringt dem Film ein gutes Stück voran. Einzig die penetrant persönliche Beziehung zwischen Long und Longer ist wirklich nervtötend.

Mit Joachim Fuchsberger als Lord Dickham wurde bei dieser Persiflage ein Edgar Wallace-Urgestein ins Boot geholt. Lehnte Blacky Fuchsberger bei „Der Wixxer“ noch ab, so gibt er dem Film diesmal die zusätzliche Würze. Im Zusammenspiel mit Sonja Kirchberger als seiner Frau und Christiane Paul als Tochter einfach göttlich. Immerhin werden primär Edgar Wallace-Filme parodiert und respektvoll durch den Kakao gezogen. So wird das Quartett durch Chris Howland (in der Rolle des Butler Hudson und ebenfalls altgedienter Darsteller in vielen Krimis von Edgar Wallace) komplettiert und perfekt auf die alten Wallace-Krimis zugeschnitten.

Überhaupt finden sich große Namen in der Besetzungsliste wieder. Ob in kleinen oder in großen Rollen, die bekannten deutschen Schauspieler und Comedians geben sich ein Stelldichein. Für den Gegenwartskinogänger und -TV-Gucker also ein kleines Feuerwerk, dass aber langfristig seinen Humor verlieren wird. Viele der Gags zünden leider nur in Bezug auf bekannte Persönlichkeiten, Kinofilme und TV-Serien. Scheinbar zeitlose Gags bleiben nur Christoph Maria Herbst vorbehalten, der in der Rolle des Alfons Hatler Adolf Herr Blümchen parodiert und in seiner unglaublichen Spielart darauf hinweist, wie lächerlich Herr Blümchen trotz seiner Gefährlichkeit eigentlich war. Selbst braungedanklichen Zeitgenossen sollten kapieren, dass sich mit solch einer Person zu identifizieren auch bedeutet, sich selbst lächerlich zu machen. Herbst zeigt, wie man mit der deutschen Vergangenheit witzig umgehen kann, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Kein Wunder, dass seiner Rolle mehr Platz als zuvor eingeräumt wurde.

Oliver Welke als Doktor Brinkmann wird dagegen weniger Platz eingeräumt, bleiben ihm nur ein paar wenige Wortwitze in der Pathologie. Das ist allerdings kein Verlust, ist er im darstellerischen Bereich genau so ungenießbar trocken wie Kalkofe. Glücklicherweise bügelt die sich darum befindliche Schauspielerriege sämtliche Falten wieder aus, so das ein schönes, glattes Äußeres zurückbleibt.

Dabei parodiert und persifliert „Neues vom Wixxer“ sogar Parodien und Persiflagen, wärmt alte Gags gekonnt auf und sorgt mit seiner liebevollen Art dafür, dass man vieles wiedererkennt. So gibt es den Prügelprinzen, einen Werbeblock mit Klingeltönen, die Treppenlift Verfolgungsjagd, unzählige Cameo-Auftritte und vieles mehr. Einfach herrlich anzusehen und ein Stück gutes deutsches Kino. „Neues vom Wixxer“ macht einfach Spaß – das ist doch eigentlich alles, was man wissen muss.
(Günther Lietz)

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