2002 – Durchgeknallt im All (DVD)

– Darsteller: Leslie Nielsen, Ophélie Winter, Ezio Greggio
– Regie: Allan Goldstein
– FSK: 6
– Musik: Claude Foisy
– Buch: Alan Shearman, Leslie Nielsen
– Label: Columbia TriStar (Helkon)
Zusatzinformationen:
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 94 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 25. Februar 2003
• Produktion: 2000
DVD Features:
• Verschiedene Trailer
• Making of
• Promotion Featurette; Produktionsnotizen
• Der Leslie-Nielsen-Humor
• Biografien: Cast & Crew

Nielsen in space: Kampf der Klone!

Marshall Dickie Dixon erhält den Auftrag, die Aliens auf dem Mond auszuforschen, die offenbar einen genialen Plan umsetzen, die Erde durch Klone der wichtigsten Persönlichkeiten zu übernehmen. Doch bevor sie die irdischen Silikonvorräte ausbeuten könnte, müssen sie an diversen Damen vorbei, die selbst auf diese Vorräte angewiesen sind…

Marshall Richard „Dick“ Dixon (Nielsen) von der Interplanetary Security Force ist der weithin gefürchtete Arm des Gesetzes. Bei der Befreiung von Geiseln aus den Händen von islamistischen Terroristen kann es schon mal vorkommen, dass er die Seiten verwechselt und die Stätte des Verbrechens verwüstet. Hautpsache, sein VW New Beetle fährt noch!

Sein Boss Osgood macht ihn mit der bezaubernden Agentin Cassandra Ménage (Sängerin Ophélie Winter) bekannt, mit der er bei der nächsten Aktion zusammenarbeiten soll – allerdings weit weg von der Erde. Auf der Mondstation Vegan soll er aus einem Geheimlabor der Aliens, die hier eine Durchgangsstation haben, den echten US-Präsidenten Bill Clinton befreien, nachdem festgestellt wurde, dass er von den Aliens geklont und durch die Fälschung ersetzt wurde.

Der perfide Alien-Plan scheint darin zu bestehen, so viele Mächtige der Erde zu ersetzen, bis sie in der Lage sind, die Erde zu übernehmen und deren schier unerschöpfliche Silikonvorräte auszubeuten. Aliens sind bekanntlich total scharf auf Silikon. Allerdings stößt dieser Plan bei Cassandra Ménage auf Widerstand: Sie hat selbst Bedarf für Silikon, wie ein Blick in ihr Décolleté belegt.

Schon auf der Anreise macht Dick Dixon den Space Shuttle zu seinem Trampolin und gewinnt auch den Expressaufzügen der Mondstation Lustgewinn ab: Er fällt auf seine Gastgeberin Dr. Uschi Künstler (A. Kamp). Kein Wunder, dass er später noch mehrere Male mit ihr in den Clinch geht – aber ob sie wohl wirklich ein Mensch ist? (Auf dem Mond herrscht offensichtlich keine lunare Schwerkraft, sondern irdische. Auch die Aliens atmen alle Erdluft, was wirklich sehr entgegenkommend von ihnen ist.)

Das Geheimlabor der Aliens wird geleitet von einem gewissen Dr. Pratt (P. Egan), der sozusagen die Rolle von „Ming the Merciless“ aus „Flash Gordon“ spielt. Wehe, man spielt mit seinem maßstabsgetreuen Vegan-Modell herum! Dixon tut natürlich nichts lieber als genau das. Dr. Pratt hat eine Sekretärin namens Yetta Pussel, die von Verona Feldbusch anscheinend nur zu dem Zweck gespielt wird, einen Satz zu sagen und sich ein Kleid vom Leib reißen zu lassen – von Dixon natürlich.

Doch nach so mancher peinlichen Situation stößt der Marshall tatsächlich auf den entführten US-Präsidenten – aber ist der echt? Wie auch immer: Der Showdown findet nicht auf dem Mond, sondern in einer Pariser Oper statt, wo sich laute Klone einfinden. Darunter natürlich auch Michael Jackson, Prince und Madonna.

Wie von einem Nielsen-Film nicht anders zu erwarten, trieft die Handlung von blödesten Scherzen, die von der einfachsten aller denkbaren Handlungen ermöglicht werden. Daher dürften auch Sechsjährige keine Mühe haben, ihr zu folgen.

Immerhin aber hat die Tatsache, dass der Streifen von vier Ländern produziert wurde, unter massiver Beteiligung der Bayern, den Vorteil, dass die Frauen diesmal äußerst ansehnlich sind: Die Auswahl fiel auf drei Damen, deren Reize nicht versteckt werden. Die deutsche TV-Schauspielerin Alexandra Kamp kann zudem fließend Englisch, und Ophélie Winter ist in ihrer französischen Heimat offenbar ein Superstar der Popmusique. Was sie drauf hat, zeigt sie in einer Show auf Vegan.

Allan Goldstein schrieb das Drehbuch und drehte professionell, Nielsen brachte seinen ganz speziellen „Humor“ – oder nur seine Grimassenkunst – ein, und die visuellen Spezialeffekte kreierte eine Münchener Firma. So fließt das bayerische Filmförderungsgeld wenigstens wieder zurück in die Heimat und sichert dort Arbeitsplätze. Wer jedoch auf intelligenten Wortwitz aus ist, sollte woanders suchen.

Ach ja: „2001“ kommt auch vor. Schon der Prolog mit der Entstehung des Universums und der Krone der Schöpfung – Nielsen! – ist eine Travestie auf das Pathos, das einen Großteil von Kubricks Meisterwerk durchzieht. Eines der Wesen, die Dixon über den Weg laufen, heißt Kubrick. Und das letzte Drittel in der Oper soll wohl dem Schluss von „2001“ entsprechen, in dem Astronaut Dave Bowman sich in einen Erinnerungspalast zurückzieht, der aussieht wie ein Zimmer in Schloss Versailles.

Crazy Credits sind Angaben im Abspann, die man nicht so ganz ernstnehmen sollte. Sie sind aber für den Eingeweihten ein potentieller Quell des Vergnügens, so auch hier. Fans sollten auf die Credits für die nonexistente „Moon Unit“ achten, nachdem die Drehteams (units) für Kanada, Frankreich und Dschörmäny vollständig durchgelaufen sind. In der Moon Unit tauchen Kirk und diverse Aliens auf, die nicht ganz koscher sind. Als Zugabe sind ganz am Schluss noch diverse Erzeugnisse aus Nielsens privatem Lieblingsspielzeug angefügt worden: dem Furzkissen. Besonders gefallen hat mir der „Royal Ripper“.

Heutzutage tragen die Einnahmen durch die DVD-Auswertung eines Films bereits mindestens 20-25% vom Gesamtumsatz. Bei „2002“ dürfte aufgrund der gefloppten Kinoauswertung (lief er überhaupt bei uns?) dieser Anteil wesentlich höher liegen. So ließe sich erklären, warum die DVD vollgepackt ist mit Bonusmaterial, das man nur bei teureren Produktionen erwarten würde.

Das Making-of ist mit 37 Minuten von imposanter Länge, aber taugt es auch was? Leslie Nielsen, Co-Autor und Ausführender Produzent des Streifens wird von einer deutschen Journalistin mit verbesserungsfähiger englischer Aussprache interviewt. Sagt er doch glatt, das ganze sei eine „Hommage an Kubrick“, außerdem lässt er sich über Frank Drebin aus, seine Rolle in den „Naked-Gun“-Filmen. Es folgen Interviews mit Verona Feldbusch (völlig nervtötend), Alexandra Kamp (charmant), Ophélie Winter (dito), Peter Egan (klassischer britischer Akzent, yessir!) und Allan Goldstein, dem Regisseur. Er weiß zu berichten, wie es zu dem Filmprojekt kam und warum er die Regie übernahm.

Die Featurette von 12 Minuten Länge erklärt die Spezialeffekte und den Sinn (?!) der Story. Außerdem gibt es ein Interview mit dem bekannten italienischen Schauspieler („Dracula – tot aber glücklich“) und Sänger etc. Ezio Greggio, der im Film den Stationskommandanten Di Pasquale spielt und eine Menge italienischer Schimpfwörter benutzen darf, die mal wieder niemand versteht – Wörter wie „stronzo“: A***loch. Sogar im Interview gelingt ihm ein solcher „Ausrutscher“ („porca puta“: das will ich lieber nicht erklären, sonst wird dieser Bericht verboten). Auch das verblüffend ähnliche Clinton-Double Damian Mason kommt zu Wort: Er wendet sich an die US-Nation.

Die restliche DVD besteht aus viel Text: elf Seiten über den speziellen „Nielsen Humour“, weitere Seiten über Cast & Crew (wobei die Crew nur aus dem Regisseur besteht), sodann weitere Texte in Form von „Produktionsnotizen“. Hier erfährt man etwas über die Entstehung und Finanzierung des Projekts. Zu guter Letzt sind fünf Trailer zu bewundern, die ich hier nicht aufzählen will.

Fazit:

Die ersten Filme der „nackten Kanone“ waren ja noch ganz amüsant, wenn man etwas für Brachialhumor übrig hat. Doch der Humor dieses Machwerks, an dem Nielsen mitschrieb und -produzierte, erschließt sich dem unbedarften Zuschauer nicht sofort. Vielleicht muss man aber auch höchstens sechs Jahre alt sein, um etwas damit anfangen zu können.

Die DVD ist im Gegensatz zum Film mit brauchbaren Beiträgen ausgestattet, die nicht alle in Richtung Werbung getrimmt sind. Eine veritable Journalistin – gelobt sei ihr Wagemut – stellt den Hauptfiguren des Streifens neugierige Fragen, die zum Glück niemanden in Verlegenheit bringen. Maximal zwei von fünf geklonten Sternen!

(c) 2004 by Michael Matzer

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2002 – Durchgeknallt im All