2009: Lost memories (2 DVDs) (DVD)

– Darsteller: Jang Dong-Kun, Kil-Kang Ahn, Tôru Nakamura
– Regie: Si-myung Lee
– FSK: 18
– Musik: Dong-jun Lee
– Buch: Sang-hak Lee und Si-myung Lee
– Produktion: Südkorea 2002
– Label: e-m-s GmbH
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Koreanisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat/Ton: 16:9, 1:1,85
• Dolby Surround
• Laufzeit: 136 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 02. Oktober 2003
DVD Features:
• Making of
• Musikvideo
• Bildergalerie
• Filmhighlights
• Cast & Crew-Infos
• Original Kinotrailer

Veränderte Realitäten sind schon was Feines. Vor allem Filmemacher bedienen sich ihrer gerne, bieten sie doch massig Stoff für fantastische Was-wäre-wenn-Szenarien, in denen man sich herrlich in historischer Fiktion üben kann. „2009: Lost Memories“ ist ein Film, der auf eben dieser Welle mitschwimmt und postuliert, Korea sei – nach dem missglückten Attentat auf einen japanischen Gouverneur 1909 – zur japanischen Provinz geworden. Ein Zustand, der auch 100 Jahre später noch anhält und vor allem ein zähes Häufchen koreanischer Widerstandskämpfer zwackt, die in schöner Regelmäßigkeit mit Attentaten auf japanische Einrichtungen aufwarten. Der jüngste Anschlag gilt einer Kunstausstellung – alle Terroristen verlieren dabei ihr Leben, und zwei Cops machen sich an die Aufklärung des Falles, bei dem mehr dahintersteckt, als das Auge zunächst zu sehen vermag.

Der Beginn ist zweifellos von etlichen Schauwerten geprägt und liefert zumindest den Liebhabern hochgetunter Action das, was sie sehen wollen: Geballer im Großformat, blutige Einschüsse, massiver Munitionsverbrauch und hoher Bodycount. Damit hätten wir das Exposé für die nun folgende zweistündige Mixtur aus Sci-Fi, Cop-Film und Fernost-Actioner. Um es vorneweg zu sagen: Nichts, was man nicht schon ein Dutzendmal gesehen hätte, zumal aus asiatischen Gefilden. Hauptfigur ist der Polizist Sakamoto, der seine ganz eigene Identitätskrise mit sich herumschleppt (Vater war ebenfalls Bulle, jedoch korrupt, und wurde deshalb von den Kollegen umgenietet) und im Laufe des Films von einer Identitätskrise in die nächste schlittert. Wie das genau aussieht, soll hier nicht verraten werden, machen diese Krisen doch einen nicht geringen Prozentsatz des Drehbuchstoffes aus. Im wesentlichen ist mal wieder nichts so, wie es scheint, Freunde werden im Lauf des Films zu Feinden, man wechselt auch mal die Seiten, und zum Schluss gibt’s noch ein bisschen Zeitreisen obendrauf.

Wer „Shiri“ kennt, weiß ungefähr, was ihn zu erwarten hat. Mit dem Unterschied, dass das hier wirklich ernst gemeint ist: Vor allem wird man von der Unmenge an koreanischem Nationalpathos regelrecht erdrückt. Gut, „2009“ ist nun mal eine koreanische Produktion, und die Japaner sind es, die hier als eine Art Patentbösewichter fungieren. Und wieso sollte man den Asiaten das verwehren, was die Amerikaner schon seit Jahren, teils mit nicht zu verhehlendem Erfolg, in die Kinos rund um den Globus lancieren? „2009“ drückt in der Hinsicht zweifellos ordentlich aufs Gaspedal – und damit meine ich nicht nur die theatralische Musikuntermalung, die vor allem im Schlussdrittel des Films eine Breitseite nach der anderen auf den Zuschauer abfeuert.

Ansonsten wird unendlich viel gelabert und philosophiert und die Konflikte unserer Helden breit ausgewalzt. Gefühlskitsch ist wie gesagt Trumpf; es mag freilich sein, dass das nur für verwestlichte Gemüter so schwer verdaulich daherkommt. Trotzdem tut der Film zuviel des Guten, und zwar nicht nur ab und zu, sondern massiert – etwa wenn Protagonist Sakamoto bei einem heißen Feuergefecht noch die Zeit findet, ausgiebig einen toten koreanischen Jungen zu betrauern (inklusive fetter Rückblenden und einem theatralischen „Neeeeeeeeeeeiiiiiin!“-Schrei), während um ihn herum die Kugeln eines anrückenden schießwütigen Terrorkommandos einschlagen. Auch weiterhin darf man sich am exzessiven Einsatz von Flashbacks, Zeitlupen, Parallelmontagen, Zooms auf emotionsgeladene Gesichter und allem erfreuen, mit dem man in Fernost so gerne Emotionen schürt. Damit lässt sich ein Film dann auch mühelos auf die exorbitante Länge von 136 Minuten strecken – was man aber im Fall von „2009“ besser hätte bleiben lassen sollen. Denn abgesehen von der Tatsache, dass einem das ganze inszenatorische Stylebewusstsein schon nach relativ kurzer Zeit auf den Wecker geht, ist die Story ab Halbzeit herzlich vorhersehbar, und man hat am Ende wirklich Mühe, nicht im Sessel einzupennen.

Formal gesehen ist alles im Lot: Irgendwo muss sich die Kohle, die man in dieses hochbudgetierte Produkt gepumpt hat, ja auch niederschlagen. Für die Actionszenen beispielsweise würde Michael Bay seine Oma verkaufen, denn so übersteuert, blutig und gnadenlos kriegt Hollywoods Mr. Mittelmaß das wohl seiner Lebtag nicht hin. Geballert wird natürlich passend zum Stil des übrigen Films, also extralang und so stilisiert, dass der Sehnerv zu schmerzen beginnt. Die Darsteller sind ganz gut, vor allem Dong-Kun Jang macht seine Sache als Sakamoto sehr nett (wenn er auch wie ein Chow-Yun Fat für Arme konzipiert wurde und auch so aussieht).

Auf welche Klientel schielt „2009“ hierzulande also? Actionfreunde bekommen zweifellos einiges fürs Geld geboten, müssen sich dafür andererseits mit einem Übermaß an großdimensioniertem Gefühlswust herumschlagen. Wer auf Tiefgang steht, für den ist das aufgrund des kritiklos-patriotischen Grundtones, der hier angeschlagen wird, ebenfalls unbefriedigend. Und Mainstreamfans finden beide Zutaten auch anderswo in perfekterer Mischung, wenn auch nicht gerade in Streifen aus Südkorea. Ein bisschen Anschauungsunterricht bei den Nachbarn in Japan und Hongkong wäre nicht verkehrt, denn die wissen, wie man so was aufzieht.

Zur DVD:
Erschienen bei e-m-s, mit einem traditionell grauenvollen Cover. Eventuelle Bedenken bei diesem Namen sind auch hier leider berechtigt, denn die technische Umsetzung lässt vor allem im Bereich Bild zu wünschen übrig (deutliche Schwächen v.a. im Bereich Kontrast und Schärfe). Die Extras klingen auf dem Papier zunächst recht pompös, haben aber außer knapp 3(!) Stunden unkommentierter Aufnahmen vom Set nur ein paar Texttafeln/Bildergalerien und den obligatorischen Trailer zu bieten. Andererseits ist das mehr, als manche e-m-s Scheibe zu bieten hat…

(c) 2006 by Markus Römmele

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