FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 101 Minuten

Regie: Mathieu Kassovitz
Drehbuch: Mathieu Kassovitz, Eric Besnard
Darsteller: Vin Diesel, Melanie Thierry, Michelle Yeoh, Lambert Wilson, Mark Strong, Jérôme Le Banner, Gérard Depardieu, Charlotte Rampling, Joel Kirby, Souleymane Dicko, David Belle, Radek Bruna

Produktion: USA/Frankreich 2008
Produktionsfirmen: Twentieth Century Fox, Canal+
Produzent: Christophe Rossignon, Alain Goldman, Mathieu Kassovitz, Benoit Jaubert, Gary Ungar

Action-Star Vin Diesel in einem Action-Film, das passt wie Diesels Faust aufs Auge …

Die Zukunft: Söldner Toorop (Vin Diesel) schlägt sich in Osteuropa so durchs Leben, als er von Mafiosi Gorsky (Gérard Depardieu) den Auftrag bekommt, eine junge Frau über die Grenze nach New York zu bringen. Als Belohnung winken Geld und ein neues Leben – also sagt Toorop zu.

Schon holt er die schöne Aurora (Melanie Thierry) und ihre Leibwächter-Nonne Schwester Rebeka (Michelle Yeoh) aus einem Kloster ab. Mit dem Auto, der Bahn, dem U-Boot und dem Schneemobil geht es dann los. Unterwegs gibt es allerhand zu erleben und zu zerlegen, denn fremde Häscher sind Toorop und seinem knackigen Schützling auf der Spur …

O weh, was für ein Murks. Irgendwie zeigt der Film weniger, als er könnte. Kein Wunder, dass sich Regisseur Mathieu Kassovitz im Vorfeld von „Babylon A.D.“ distanzierte und darauf verwies, man hätte ihm seine Arbeit mittels Anwälten am Set erschwert und auf eine niedrige Jugendfreigabe hingearbeitet. Auch Vin Diesel soll wegen der Schneidepolitik von Twentieth Century Fox humorvolle Äußerungen getätigt haben, doch irgendwie kommt dann auch immer schnell ein Dementi. Das kann ja aber auch alles nur Zufall sein, also wenden wir uns lieber den actionharten Fakten zu.

„Babylon A.D.“ basiert locker auf dem Roman „Babylon Babies“ des französischen Schriftstellers Maurice G. Dantec. Es handelt sich dabei um einen Actionstreifen mit Vin Diesel, der durch „Pitch Black“ und „xXx“ bekannt wurde. In „Der Babynator“ war er allerdings eine Lachnummer – leider mehr, als es ihm lieb war. Dabei bewies Diesel doch in „Find Me Guilty“, dass er auch Charakterrollen verkörpern kann. Nach einem durch Finanzproblemen gescheiterten Hannibal-Versuch, lässt er sich also in „Babylon A.D.“ förmlich verheizen.

Der Streifen beginnt mit einem typischen Blick aus dem All auf die Erde hinab, dann kommt eine Kamerafahrt durch eine kalte osteuropäische Stadt und als Score läuft doofer Rap, der keinen mehr hinter dem Sofa hervorlockt und einfach nur ein Klischee bedient. Ja, jetzt wissen wir es, es ist eine kalte und gemeine Welt, in der niemand mehr richtig Geld hat und überall LCD-Bildschirme hängen, um der Sache einen futuristischen Anstrich zu verleihen. Das wirkt alles aufgesetzt, aber wenigstens die interaktive Straßenkarte im Kofferraum sieht gut aus – in den 80er Jahren vielleicht. In Bordnavi-Zeiten fragt man sich nur, wo Herr Toorop sein Navigerät gelassen hat. Die sind schneller, einfacher und bequemer. Na ja, sieht mit schicker CGI-Karte dann halt futuristisch aus, ist es aber keineswegs.

Aber weiter im Film! Mister Diesel ist wenigstens körperlich eine passende Besetzung für den Söldner. Leider halten sich seinen körperlichen Einsätze begrenzt oder sind durch lichtarme Kulissen kaum zu erkennen. Was für ein Mist, zu gerne würde man ihn zuhauen und Nasen brechen sehen. Stattdessen turnen High-Tech-Söldner durchs Bild und beginnt Michelle Yeoh mir ihren Kampfkünsten. Aber auch die bringen keine echte Action und sehen einfach nur gut aus. Da fragt man sich, warum der deutsche Schnitt 11 Minuten länger ist als die US-Fassung, aber trotzdem nix passiert. Man wollte wohl wenigstens ein FSK von 16 erreichen. Schade.

Also die Action in diesem Film ist eher müde, der Anteil an Science Fiction wirkt künstlich (und zwar im negativen Sinne) und die Geschichte ist kaum vorhanden und am Ende übereilt. Dazu ein heutzutage übliches familientaugliches Ende, in dem der harte Actionheld seinen weichen Kern zeigt. Nun, wenigstens sieht Melanie Thierry klasse aus und erinnert doch stark an Mila Jovovich. Nun, die gute Mila hätte wenigstens mehr Haut gezeigt und auch mal jemanden vermöbelt. Melanie sieht nur niedlich aus und ist die Rettung der Menschheit und so weiter und so fort.

Also nein, irgendwie ist der Film einfach nur schlecht. Zwar sind alle Zutaten vorhanden, aber es gibt keine Mischung die Spaß macht. Man kann sich „Babylon A.D.“ zwar angucken, aber bitte ohne große Erwartungen – mehr noch – möglichst gar keine Erwartungen. Darf man Mathieu Kassovitz glauben schenken, so haben einfach die Filmstudios in ihrer Lust am Geld die Aufgabe eines Actionfilms missverstanden, denn der soll in erster Linie gut unterhalten und es krachen lassen.

(c) 2008 by Günther Lietz

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