BLADE RUNNER geht auf eine Romanvorlage von Philip K. Dick, einem der profiliertesten amerikanischen SF-Autoren, zurück. Do Androids Dream of Electric Sheep? erzählt von einem Kopfgeldjäger, Rick Deckard, der sechs Androiden verfolgt, die vom Mars, wo sie als Teil eines Kolonisierungsprogramms ausgesetzt wurden, auf die Erde zurückgeflohen sind, um dort wie normale Menschen zu leben. Sie töten ihre Herren, um frei zu sein; da sie sich biologisch nicht von echten Menschen unterscheiden, bedarf es komplizierter psychologischer Tests, um sie zu entlarven. So ist es nicht verwunderlich, daß Deckard schließlich in ernsthafte Gewissenskonflikte gerät, was das „Echte“ und das „Unechte“ im Menschen angeht.

Dicks Hauptthema ist die Entfremdung des Menschen und die ständige Suche nach der Realität

Blade Runner
Der Blade Runner
USA 1982
Regie: Ridley Scott

Prod.Ges.: Blade Runner Partnership für The Ladd Company. In Zusammenarbeit mit Sir Run Run Shaw. Eine Michael Deeley-Ridley Scott Produktion
Prod.: Michael Deeley
Ausf.Prod.: Brian Kelly, Hampton Fancher
Bet.Prod.: Ivor Powell
Prod.Ausf.: Katherine Haber
Prod.Kontr.: Steve Warner
Prod.Überw.: C O. Erickson
Prod.Koord.: Vickie Alper
Aufn.Ltg.: John W Rogers
Loc.Man.: Michael Neale
R.Ass.: Newton Arnold, Peter Cornberg, Don Hauer, Morris Chapnick, Richard Schroer
Drehb.: Hampton Fancher, David Peoples Nach dem Roman Do Androids Dream of Electnc Sheep? (1968) von Philip K Dick
Kam.: Jordan Cronenweth Panavision
Farbe: Technicolor
Zus.Kam.: Steven Poster, Brian Tufano
Kam.Matte: Robert Bailey, Tama Takahashi, Don Jarel
Sp.Kam.Techn.: Alan Harding
Kam.Fü.: Robert Thomas, Albert Bettcher, Dick Colean
Schn.: Terry Rawlings (Ltg.), Marsha Nakashima
Prod.Des.: Lawrence G. Paull
Art Dir.: David Snyder, (Ass ) Stephen Dane
Vis.Futurist: Syd Mead
Set Des.: Tom Duffield, Bill Skinner, Greg Pickrell, Charles Breen, Louis Mann, David Klasson
Dek.: Linda DeScenna, Tom Roysden, Leslie Frankenheimer
Ill.: Sherman Labby, Mentor Huebner, Tom Southwell, (Eff ) Tom Cranham
Kost.: Charles Knode, Michael Kaplan
Gard.: James Lapidus, Bobby E Horn (Herren), Winnie Brown, Linda A Matthews (Damen)
M-up: Manin G Westmore
Sp.Vis.Eff.: Douglas Trumbull, Richard Yuricich, David Dryer (Ltg ), (Kam ) Dave Stewart, (Kam.Fü ) Don Baker, Rupert Benson, Glen Campbell, Charles Cowles, David Hardberger, Ronald Longo, Timothy McHugh, John Seay
Sp.Opt.Eff.: Robert Hall
Line-up: Philip Barberio, Richard Ripple
Matte-Künstl.: Matthew Yuricich, (Zus.) Rocco Gioffre, (Ass.) Michele Moen
Floor-Eff.: Terry Frazee
Sp.Eff.: Steve Galich, Logan Frazee, William G. Curtis
Anim./Graph.: John Wash
Displays: Dream Quest
Elektronenmikroskopische Aufnahmen: David Scharf
Esper-Sequenz: Filmfex & Lodge/Cheesman
Mod.: Mark Stetson (Ltg.), Bob Surlock (Techn.), Jerry Allen, Sean Casey, Paul Curley, Leslie Ekker, Thomas Field, Vance Frederick, William George, Kristopher Gregg, Robert Johnston, Michael McMillian, Thomas Phak, Christopher Ross, Robert Wilcox
Des.Elektr./Mech.: Evans Wetmore
Filmkoord.: Jack Hinkle
Proj.Ber.: Wayne Smith
Techn.: (Elektron.) Greg McMurr,v, (Comp.) Richard Hollander, (Sp.Ber.) Bud Elam, David Grafton
Mus.: Vangelis
Auszug: „Harps of the Ancient Temples“ von Gail Laughton
Tonaufn.: Bud Alper. Dolby Stereo
Tonschn.: Peter Pennell, (Dial.) Michael Hopkins
Tonübersp.: Graham V. Hartstone (Pinewood), Gerry Humphreys (Twickenham)
Stu.Koord.: Gary Combs
Stu.: Ray Bickel, Janet Brady, Diane Carter, Ann Chatterton, Gilbert Combs, Anthony Cox, Rita Egleston, Gerry Epper, Jeannie Epper, James Halty, Jeffrey Imada, Gary McLarty, Karen McLarty, Beth Nufer, Roy Ogata, Bobby Porter, Lee Pulford, Ruth Redfern, George Sawaya, Charles Tamburro, Jack Tyree, Mike Washlake, Michael Zurich
Titel: Intralink Film Graphic Design
Darst.: Harrison Ford (Rick Deckard), Rutger Hauer (Roy Batty), Sean Young (Rachael), Edward James Olmos (Gaff), M. Emmet Walsh (Captain Bryant), Daryl Hannah (Pris), William Sanderson (J.F. Sebastian), Brion James (Leon), Joe Turkel (Dr. Tyrell), Joanna Cassidy (Zhora), James Hong (Chew), Morgan Paull (Holden), Kevin Thompson (Bear), John Edward Allen (Kaiser), Hy Pyke (Taffey Lewis), Kimiro Hiroshige (kambodschanische Frau), Robert Okazaki (Sushi-Meister), Carolyn DeMirjian (Verkäuferin), Charles Knapp/Leo Gorcey jr./Thomas Hutchinson (Bartender), Kelly Hine (Showgirl), Sharon Hesky/Rose Mascari (Barfliegen), Susan Rhee/HIrko Kimuri (Geishas), Kai Wong/Kit Wong (Chinesen), Hiro Okazaki/Steve Pope/Robert Reiter (Polizisten)
Laufz.: 117 Min. (OF/DF)
Verl.: Warner-Columbia (Kino), Warner Home Video (Video)
Kinost.: 14.10.1982

Inhalt
Los Angeles im Jahre 2019: Feurige Dampffontänen schießen aus einem Meer von Lichtern. Pyramidale Baukomplexe, viele hundert Stockwerke hoch, mit Tausenden beleuchteter Fenster, recken sich gierig gen Himmel, an dem durch permanente Luftverschmutzung die Sonne nicht mehr zu sehen ist. Auch der immerwährende Regen kann den Schmutz auf den engen Straßen tief unten nicht wegwaschen. In diesem ewigen, verregneten Halbdunkel herrscht ein ständiges Treiben, eine Flut von Menschen, zum größten Teil asiatischer Abstammung, die ihrem täglichen Tun nachgehen – in diesem Moloch zu überleben. Überall ragen drohend alte, verwitterte Gebäude aus dem 20. Jahrhundert auf. Wie wilde Gewächse überwuchern Versorgungsanlagen ihre Mauern. Erhellt wird diese düstere, bizarre Stadtlandschaft durch verwirrende Neonreklamen, Botschaften, Metaphern, chinesischen Schriftzeichen und Piktogrammen. Hier stoßen Vergangenheit und Zukunft aufeinander und tanzen einen wilden Reigen: Fahrende und fliegende Autos beherrschen die schmutzigen Straßen, die orientalischen Basaren gleichen. Futuristisches Design, verwoben mit archaischen Momenten. Zerlumpte Menschen drängen sich an chinesischen Garküchen. Und darüber Zeppeline, die, wie zahlreiche Häuserwände, riesige elektronische Bildwände tragen und für pharmazeutische Produkte werben, aber auch für ein besseres Leben auf fremden Planeten. Wer es sich leisten kann, hat die Erde schon längst verlassen, ist zu den neuen Raumkolonien gegangen. Doch die es sich nicht leisten können oder etwas zu verbergen haben, müssen sich weiter hier durchschlagen. In den Kolonien haben sie keine Chance. Für die harte Arbeit dort bedienen die Mächtigen sich nämlich nicht mehr der Armen, Gebrechlichen und Kranken, wie es in der Vergangenheit irdische Politik war, sondern sogenannter Replikanten: künstlich hergestellter Menschen, die sich biologisch kaum noch von ihren Schöpfern unterscheiden. Sie sind den Menschen sogar überlegen, zumindest was ihre Fähigkeit angeht, die harten Arbeitsbedingungen auf den neu besiedelten Planeten zu ertragen. Die alte Welt ist für sie dagegen offlimits. Hier wurden sie zwar geschaffen, doch betreten dürfen sie die Erde nicht mehr. So unterscheidet sie von den Flüchtlingen, die einst nach Amerika gingen, und von den Strafgefangenen, die Australien besiedelten, daß sie ihre Vergangenheit nicht erst zu verdrängen brauchen – sie haben keine, sind humanoid und doch identitätslos.

Die Replikanten haben kein Wissen davon, daß sie künstlich hergestellt wurden. Man hat sie mit einer falschen Erinnerung ausgestattet, ihnen Fotos aus ihrer Kindheit gegeben, obwohl sie niemals eine Kindheit hatten. Geliefert werden sie als Erwachsene, und damit sie wartungsfreudig sind, sich gut verkaufen lassen und nicht dazu kommen, über ihre Herkunft nachzudenken – was womöglich dazu führen würde, daß sie menschliche Gefühle entwickeln -, hat man ihnen eine Sicherung eingebaut. Diese Sicherung bedeutet: vier Jahre Lebensdauer! Danach sterben sie und müssen ersetzt werden. Doch eines Tages gibt es eine Panne. Einige dieser künstlich geschaffenen Menschen haben erfahren, daß sie hergestellt wurden und nur eine eng begrenzte Lebensspanne haben. Es ist ihnen gelungen, ein Raumschiff zu kapern, auf der Erde zu landen und im Dickicht von Los Angeles unterzutauchen. Ihre Absicht ist es, das Geheimnis des Lebens zu erfahren und eine Möglichkeit zu finden, ihr Dasein zu verlängern.

Die Bedrohung, die von ihnen für die Mächtigen ausgeht, ist jedoch kalkuliert. Für einen solchen Fall gibt es die sogenannten „Blade Runnern, eine Mischung aus Detektiv, Polizist und Kopfgeldjäger.

Rick Deckard war einer dieser staatlich beauftragten Killer. Er ist völlig desillusioniert, hat seinen ehemaligen Job an den Nagel gehängt und versucht nun, eine neue Beschäftigung zu finden. Doch gerade als er in Chinatown nach erfolgloser Arbeitsuche in der Zeitung an einem chinesischen Imbißstand eine Mahlzeit zu sich nehmen will, holt ihn seine Vergangenheit ein:  Gaff, ein ziemlich zwielichtiger Kriminalbeamter, der wegen seiner frühinvaliden Gebrechlichkeit, die wohl von seiner Arbeit als Polizist herrührt, bereits am Stock geht, fordert ihn auf, seinen ehemaligen Chef Bryant aufzusuchen. In Bryants Büro erfährt Deckard, was passiert ist; daß vier Replikanten sich in der Stadt herumtreiben, sämtlich aus der modernsten Nexus-6-Serie des Tyrell-Konzerns, und daß man mit seiner Mitarbeit rechnet. Aber Deckard lehnt ab. Erst als Bryan durchblicken läßt, daß man ihn – mit anderen Mitteln – auch dazu zwingen könnte, er also gar keine Wahl hat, gibt Deckard resigniert nach. Er läßt sich von Bryan ein Videoband vorspielen, auf dem zu sehen ist, wie einer dieser Replikanten mit dem Namen Leon bei einem Einstellungsgespräch Fragen beantwortet, sich dabei verrät und den Fragesteller ermordet. Dieser Versuch der Replikanten, sich durch die Bewerbung für eine Arbeitsstelle beim Tyrell-Konzern einzuschleichen, mißlang also. Deckard erfährt jedoch, daß dies bereits der zweite Versuch war, an Tyrell heranzukommen. Zuvor hatte bereits ein anderer Replikant versucht, in das Direktionsgebäude einzudringen, war dabei jedoch von einem starken elektrischen Feld getötet worden. Da anzunehmen ist, daß der Tyrell-Konzern auch weiterhin das Ziel der vier übriggebliebenen Replikanten sein wird, macht sich Deckard auf, um Mr. Tyrell persönlich zu sprechen und ihn von den Infiltrationsabsichten der Replikanten zu unterrichten.

Tyrell, der die Replikanten in Massen herstellt, informiert Deckard über alles, was es über die neue Nexus-6-Serie zu wissen gibt. Was er nicht weiß, will er von Deckard erfahren. Er fordert ihn auf, ihm zu zeigen, wie er den „Voigt-Kampff-Gefühlstest“ anwendet, mit dem man Androiden als solche entlarven kann. Seine eigene Anwendung des Tests hatte immerhin das fatale Ergebnis, daß der Fragesteller von Leon getötet worden war. Zuerst will Deckard den Test jedoch bei einem Menschen erprobt sehen. Der Großindustrielle stellt ihm dazu seine Privatsekretärin Rachael zur Verfügung. Deckard findet heraus, daß auch sie eine Androidin ist, ohne daß sie selbst davon eine Ahnung hat. Tyrell erklärt Deckard, daß Rachael ein Prototyp, ein Sondermodell, sei, bei dem vieles anders konzipiert worden sei. So besäße sie auch keine Beschränkung der Lebensdauer; außerdem habe sie die Fähigkeit, wie ein Mensch zu fühlen. Deckard verläßt Tyrell, um sich das Hotelzimmer von Leon, dem Androiden, der den Tyrell-Mitarbeiter tötete, einmal genauer anzusehen. Doch Leon ist fort. In der Badewanne findet Deckard eine merkwürdige Schuppe und in einer Schublade die obligatorischen Kindheitsfotos eines Replikanten.

Zusammen mit Batty, dem Anführer der Replikanten, einem hochspezialisierten Kampfmodell, hat Leon unterdessen den chinesischen Genetiker Chew, der die Augen der Replikanten entwirft, ausfindig gemacht. Von ihm erfahren sie unter Anwendung von Gewalt -, wie sie an Tyrell herankommen können. Chew verrät ihnen die Adresse von Sebastian, einem fünfundzwanzigjährigen Bio-Designer, der ein besonders vertrauliches Verhältnis zum Konzernchef hat.

Szenenwechsel: Als Deckard den Fahrstuhl zu seiner Wohnung betritt, wird er dort von Rachael erwartet. Sie ist beunruhigt und will von ihm wissen, ob sie nun eine Replikantin oder ein Mensch sei. Deckard enthüllt ihr, daß alles, ihre Erinnerung, ja sogar ihre Kindheitsfotos, gefälscht sind, worauf Rachael die Nerven verliert und fluchtartig die Wohnung verläßt. Zurück bleibt ein nachdenklicher Deckard. Rachaels Frage, die sie ihm eingangs stellte, ob er den „Voigt-Kampff-Gefühlstest“ je an sich selbst vorgenommen habe, weckt in ihm Zweifel über die Unterscheidbarkeit von Androide und Mensch.

Einer der vier Replikanten, die hübsche Pris, ein Luxusmodell für den sexuellen Gebrauch in den Raumkolonien, hat sich mittlerweile an Sebastian herangemacht. Sie lauert ihm vor seinem Haus, dem verfallenen, bereits 1892 erbauten Bradbury Building, auf und spielt das arme, hungrige junge Mädchen in der bösen Großstadtmetropole. Sebastian, der schüchterne, gutmütige junge Mann, läßt sich nur zu gern auf das Spiel ein, denn er ist nicht gerade glücklich mit seiner Situation, und Ablenkung tut not. Zuerst ist ihm auch gar nicht bewußt, daß sie eine Replikantin ist. Seine geheime Sehnsucht ist es, zu den fernen Raumkolonien zu fliegen, was ihm aber verwehrt bleibt, da er die Gesundheitstests nicht bestehen würde. Zwar ist er ein fähiger Bio-Designer, als der er für die Tyrell-Corporation Teile für künstliche Menschen und Tiere entwirft, doch ironischerweise hat er das gleiche Problem wie die Replikanten: Er altert zu schnell. Während es bei diesen jedoch eine gewollte Funktion ist, ist bei ihm das sogenannte „Methusalem-Syndrom“ daran schuld, eine Drüsenerkrankung. Sebastian führt Pris, ihrer Schönheit erlegen, durch das nahezu leere Gebäude in seine Wohnung, wo Pris mit großem Erstaunen die vielen selbstgemachten Zwerge, Puppen und Wesen betrachtet, die sich Sebastian geschaffen hat und die nun zu seiner Begrüßung mit freundlichen Sprüchen in der Wohnung umherstolzieren. Dort erfährt Sebastian auch, daß Pris angeblich keine Eltern mehr hat, aber ein paar Freunde in Los Angeles kennt, die sie am nächsten Tag bei ihm abholen würden. Eine gemeinsame Nacht steht ihnen bevor.

Deckard, der inzwischen auf einem der Fotos, die er in Leons Hotelzimmer gefunden hat, mit einem Bildvergrößerer das Gesicht einer weiteren Androidin, einer gewissen Zhora, identirlzieren konnte, durchstreift die Bars von Los Angeles, fragend und das Foto in der Hand, um die Frau darauf ausfindig zu machen. Aber erst mit Hilfe der Schuppe, die sich als Teil einer künstlichen Schlange entpuppt, gelingt es ihm, sie in einer Bar, in der sie als Schlangentänzerin auftritt, aufzuspüren. Nach einer wilden Hetzjagd durch die Straßen der Stadt, über Autodächer und durch Schaufensterscheiben, erschießt der Blade Runner sein Opfer schließlich. Als sich uniformierte Beamte am Tatort einfinden, wird Deckard von Leon, Zhoras Partner und Liebhaber, im Schutz der neugierigen Masse beobachtet. Benommen von der Tatsache, zwar eine Replikantin zur Strecke gebracht, ihr dabei aber in den Rücken geschossen zu haben, entfernt sich Deckard vom Ort des Geschehens. Leon, der ihm gefolgt ist, überfällt ihn in einer Gasse, schlägt ihm die Pistole aus der Hand und prügelt ihn beinahe zu Tode. Erst im letzten Moment wird auch er von hinten erschossen. Rachael, die Deckard kurz vorher von einer Bar aus angerufen hatte, um sich dafür zu entschuldigen, wie er sie bei ihrem Besuch in seiner Wohnung behandelte, senkt die Pistole, die sie auf dem Boden gefunden hatte. Gemeinsam gehen sie in Deckards Wohnung, wo der Blade Runner erkennen muß, daß er sich in eine Replikantin verliebt hat, die sogar noch von der Polizei gesucht wird und als letzte auf seiner Abschußliste steht. Eigentlich müßte er sie nun töten. Doch dazu ist Deckard nicht imstande.

Als der Chefreplikant Batty am nächsten Tag die hübsche Pris bei Sebastian abholt, wird dem Bio-Designer endgültig klar, daß seine beiden Gäste Androiden sind. Voller Stolz erklärt er ihnen, daß ein Teil „seiner Arbeit~ auch in ihnen steckt. Daraufhin erklärt ihm Batty, warum sie auf die Erde gekommen sind, daß Pris bald sterben werde, was er doch nicht zulassen dürfe. Er bittet Sebastian, ihnen zu helfen, an Tyrell heranzukommen. Mit einem Trick verschafft der Bio-Designer dem Replikanten-Anführer Zugang zu Tyrells Privaträumen. Als der Konzernchef Sebastian und dann auch noch Batty vor sich stehen sieht, erklärt er, schon seit längerem erwartet zu haben, von den Replikanten Besuch zu bekommen. Batty bekennt, daß es für ihn nicht leicht sei, seinem Schöpfer zu begegnen. Mit den Worten ~Ich will mehr Leben, Vater!“ fordert er eine Aufhebung der Vierjahresbeschränkung. Tyrell erklärt ihm, daß das nicht möglich sei, und fügt hinzu, ein Feuer, das doppelt so hell leuchte, würde eben auch nur halb so lange brennen. Mit einem Kuß auf den Mund bricht Batty dem Konstrukteur das Genick, und Sebastian hetzt wie ein Tier in der Falle, Ausschau nach einer Fluchtmöglichkeit haltend, jedoch chancenlos, durch Tyrells Privaträume…

Nachdem Deckard in seinem Fahrzeug über Funk von dem Massaker an Tyrell und Sebastian erfahren hat, macht er sich sofort auf den Weg zum Bradbury Building, um in Sebastians Wohnung nach weiteren Anhaltspunkten zu diesem Doppelmord zu suchen. Bei seiner Ankunft bemerkt ihn Pris, die sich einen Schleier über den Kopf hängt, um in dem heillosen Durcheinander der vielen „lebenden“ Puppen und Figuren in der Wohnung des Bio-Designers für ein Spielzeug gehalten zu werden. Doch Deckard, dessen Blick für Menschlichkeit bei künstlichen Dingen seit der Begegnung mit Rachael geschärft ist, entdeckt sie, und es kommt zu einem Kampf, bei dem er auch Pris erschießt. Batty, der gerade im Gebäude eingetroffen ist, besinnt sich, als er die Tote sieht, auf seine genetische Konstruktion – seine ungeheure Kraft und Schnelligkeit, die ihn als lebende Kampfeinheit auszeichnen – und jagt den Replikantenjäger durch das ganze Haus. Der Showdown bahnt sich an: DerArm des Replikanten durchstößt plötzlich die Wand und zerrt Deckards Hand mit der Pistole durch das entstandene Loch. Batty nimmt ihm die Waffe ab, bricht ihm für die Morde an den beiden Frauen zwei Finger und gibt ihm die Pistole zurück. Dann läßt er dem Blade Runner einen Vorsprung von wenigen Minuten. Deckard bleibt nur ein Ausweg – hinauf aufs Dach und hinüber auf ein anderes Gebäude. Als er den Sprung wagt, kann er sich gerade noch am Rand des anderen Häuserdaches festklammern. Er versucht sich hochzuziehen, ist aber wegen der gebrochenen Finger nicht mehr in der Lage dazu. Da taucht Batty auf, der inz vischen einen Anfall hatte und dessen gealterter Körper seine Funktionen einzustellen droht.

Um seinen Tod noch einmal hinauszuzögern, hat er sich einen langen, verrosteten Nagel durch die linke Handfläche gedrückt. Eine weiße Taube in der Hand, wagt nun auch er den Sprung, der ihm mühelos glückt. Batty tritt an Deckard heran, beugt sich über ihn und fragt, wie man sich fühle, „wenn man ein Sklave, ein Verfolgter ist, dem der baldige Tod bewußt geworden ist“. Deckards verletzte Hand versagt ihren Dienst. Auch der Griff der anderen lockert sich immer weiter, bis er abrutscht. Im letzten Moment schießt die Hand des Replikanten vor, jene, in der der Nagel steckt, und zieht Deckard auf das Häuserdach hinauf. Erstaunt über seine Rettung, aber voller Furcht, drückt Deckard sich gegen eine Wand. Batty läßt sich vor dem Blade Runner, die weiße Taube noch in der Hand, im Schneidersitz nieder. Er erzählt ihm von Dingen, die er erlebt und gesehen hat, die die Menschen auf der Erde nicht für möglich halten würden; dann schließt er mit den Worten, daß es Zeit sei zu sterben. Er sieht Deckard an, und Augenblicke nach seinem Tod fliegt die weiße Taube auf.

Später geht ein Polizeigleiter auf dem Dach nieder, und Gaff steigt aus, sichtlich beeindruckt vom Ergebnis der Replikantenjagd. Nach einem langen Blick auf den Toten äußert er, für Deckard bedrohlich: „Was für ein Jammer, daß sie nicht leben wird…!“ Der Blade Runner ist verunsichert. Hat man Rachael in seiner Wohnung, wo er sie nach ihrer gemeinsamen Liebesnacht zurückließ, entdeckt? Er findet die Replikantin im Bett vor, horcht sie nach Lebenszeichen ab, und sie erwacht. Bei ihrer Flucht aus der Wohnung bemerkt er eine der seltsamen Origami-Figuren, die Gaff während der Ermittlungen ständig aus Papier- und Zigarettenabfällen gebastelt und in die Landschaft gestellt hatte. Aus dem off vernimmt der Zuschauer Deckards Gedanken: „Er hat sie also doch gefunden, aber am Leben gelassen; sicher weil er dachte, daß wir sowieso nur vier Jahre haben würden.“ Und später: „Aber er hatte sich getäuscht, alle hatten sich getäuscht…“ Gemeinsam mit Rachael fliegt der Blade Runner im Gleiter aus dem Stadtmoloch Richtung Natur, und fast steigt zu guter Letzt sogar noch die Sonne am brennenden Horizont auf…

Besprechung
BLADE RUNNER geht auf eine Romanvorlage von Philip K. Dick, einem der profiliertesten amerikanischen SF-Autoren, zurück. Do Androids Dream of Electric Sheep? erzählt von einem Kopfgeldjäger, Rick Deckard, der sechs Androiden verfolgt, die vom Mars, wo sie als Teil eines Kolonisierungsprogramms ausgesetzt wurden, auf die Erde zurückgeflohen sind, um dort wie normale Menschen zu leben. Sie töten ihre Herren, um frei zu sein; da sie sich biologisch nicht von echten Menschen unterscheiden, bedarf es komplizierter psychologischer Tests, um sie zu entlarven. So ist es nicht verwunderlich, daß Deckard schließlich in ernsthafte Gewissenskonflikte gerät, was das „Echte“ und das „Unechte“ im Menschen angeht.

Dicks Hauptthema ist die Entfremdung des Menschen und die ständige Suche nach der Realität. l

Als Dick 1973 den ersten Drehbuchentwurf des Films zu Gesicht bekam, fand er ihn so schlecht, so sehr auf Komödie abgestellt, daß er Robert Jaffe, den Autor, als er ihn vom Flughafen abholte, scherzhaft fragte, ob er ihn auf der Stelle zusammenschlagen oder damit warten solle, bis sie in seinem Appartement angekommen wären. Als die Option dann in andere Hände überging, gab Dick der Hoffnung Ausdruck, man möge seine Idee doch nicht in eine bloße Androidenhatz verwandeln. Ausgerechnet in diese Kerbe aber hieb Hampton Fancher, der neue Drehbuchautor. Ungefähr zu der Zeit, als die angeschlagene Filmways-Produktion aus dem Projekt aus- und die Ladd Company als Finanzier einstieg, schickte man Dick ein von David Peoples verfaßtes Skript, mit dem er endlich zufrieden war, sogar mehr als zufrieden – er fand es schlichtweg hervorragend. rIch geriet in Ekstase“, schreibt Dick. „Ich sagte zu meinem Agenten, würde ich morgen entdecken, daß ich Krebs habe, ich würde mit einem Lächeln ins Krankenhaus gehen, weil ich in all den Jahren zum erstenmal die aufregende Erfahrung gemacht habe, eines meiner Bücher von einem wirklichen Meister adaptiert zu sehen.“ 2

Skepsis befiel ihn erst wieder, als er ein Foto des holländischen Chefreplikanten-Darstellers Rutger Hauer in den Händen hielt, das ihn an einen blonden Herrenmenschen erinnerte. Seine Meinung über den fertigen Film konnte der Schriftsteller, der 1982 an den Folgen eines Schlaganfalls starb, nicht mehr abgeben.

Ähnlich wie der deutsche Regisseur Fritz Lang, der durch seinen Filmklassiker METROPOLIS Weltruhm erlangte, kam auch der heute in den USA arbeitende, allerdings in England geborene und dort aufgewachsene Ridley Scott ursprünglich aus einem anderen Metier, was sich in seiner Filmarbeit niederschlug: Lang war Architekt, Scott Maler und Bühnenbildner. Scott drehte einige hundert Werbefilme und eignete sich so ein Know-how an, das er auch in sein zweites phantastisches Filmwerk einfließen ließ. Mehr noch als in ALIEN ist es vor allem wieder die visuelle Qualität, die den Streifen über den Durchschnitt hebt.

BLADE RUNNER spielt zwar im Los Angeles des Jahres 2019, doch jene Megalopolis, die hier die Hochhaustürme anmaßend gen Himmel reckt, ist voll und ganz Ausdruck des heutigen Lebensgefühls. Gleich in den ersten Bildern entfaltet Scott das nächtliche Panorama der Stadt, zeigt eine Orgie von Licht und Feuer, den kalten Glanz der Neonlichtwelt und die Feuersäulen der Industrieschlote, doch, merkwürdig genug, was einmal die verführerische Metapher von Urbanität gewesen war, taugt nur noch zur Einschüchterung. Dieses Los Angeles der Zukunft ist ein Angstapparat, geboren aus Kalkül – eine abweisende, düstere Stadt, die die Schrecken nährt, denen der Mensch von heute, eingespannt zwischen Barbarei und Technik, ausgesetzt ist. Man könnte Scotts Film auch eine amerikanische Phantasie über den Dschungel der Großstadt nennen – wie damals Langs METROPOLIS eine deutsche Phantasie über die Zukunft der kapitalistischen Massengesellschaft war, das reale Grauen automatisierten Seins. Lang entwickelte seine Vision, in der viel Expressionismus gärt, aus dem Entsetzen der Jahrhundertwende, den Fließbändern, Großindustriellen und Gleichschritt-Fetischisten; Scott hat sein Los Angeles des Jahres 2019 aus Motiven entwickelt, die ihm im Los Angeles der achtziger Jahre dieses Jahrhunderts vor Augen standen: kaleidoskopartige und rasch ablaufende Technik-Szenarien, Giftfilter und air corldi~io~2 eben, so schmutzig wie chromglänzend, die mit halluzinatorischer Eindringlichkeit das funktionale, hysterische Lebensgefühl in der anonymen Betonlandschaft beschreiben. Vielleicht ist es ein Rest europäischen Erbes, daß Scott sein Metropolis dabei nicht auf einer amerikanischen Tabula rasa errichtete, wie sie die Grenzlandideologie nahelegt, sondern synkretisch zusammenfügt aus Gebäuden verschiedener Zeiten und Orte, des späten Jugendstils, der Pseudorenaissance und des Art Deco sowie eines Futurismus, der sich von den Maya-Pyramiden inspirieren ließ.

Scott benutzte für die Kulissen eine bereits 1929 errichtete Hollywooder Studiostraße, die häuflg in Schwarze Serie-Filmen Verwendung fand, und überlagerte deren Chandlersches Flair mit einem Dekor, das auf das moderne New York, Tokio, Mailand und London verweist. Auch hier die Parallelen zu Langs Metropolis: Das Leben in der Unterwelt, in einem verdreckten Chinatown, von Lichtreklamen der omnipräsenten japanischen Medienindustrie überstrahlt, deren Glanz sich in den Pfützen eines sauren Dauerregens spiegelt. Vangelis‘ düstere elektronische Musik trägt ihren Teil dazu bei, die Szenerie ausweglos und verloren erscheinen zu lassen.

Die Dramatik des Films lebt von der raffinierten Umkehrung gängiger Handlungsmuster.

Kämpften die Polizeieinheiten – nach dem üblichen Gut-BöseSchema – zu Beginn noch gegen die menschengleichen Bioroboter, so wird später den Replikanten eine Menschlichkeit, eine Sehnsucht zugebilligt, die in merkwürdigem Kontrast zu dem technokratischen Denken der ursprünglichen Identifikationsfiguren steht. Auch die moralischen Gewichte scheinen bereits durch die Typisierung verteilt: Den gotteslästerlichen Wissenschaftler Tyrell ziert eine erbarmungslos funkelnde, randlose Brille, sein Mienenspiel geht ins Dämonische, am Ende wird er selbst das Opfer seines maßlosen Genies. Im Grunde handelt es sich auch hier wieder um die alte Geschichte vom Zauberlehrling, der der Geister, die er rief, nicht mehr Herr werden kann. Nur ist die Prage, ob es sich bei den Geistern um die Androiden oder um die Menschen handelt, längst nicht entschieden – sie ist vielmehr tragendes Element des Films.

Vordergründig scheint das Künstliche, Unnatürliche gesiegt zu haben, die Tiere sind ausgerottet und nur noch als lebensechte Reproduktionen erhalten. Selbst Deckard, der Blade Runner, wirkt, wie er da mit seinem Schlapphut und Trenchcoat in einer Imitation jenes Kinodetektivs, den Humphrey Bogart so ideal verkörperte, hinter den Androiden herjagt, wie eine Art Replikant. In ihm verbindet sich der sarkastische Pessimismus der Schwarzen Serie mit den Ängsten der No-Future-Welle. „Replikanten sind wie alle anderen Maschinen“, sinniert Deckard noch zu Beginn der Handlung. Später ist er sprachlos, als Rachael ihn fragt, ob er den „Voigt-Kampff-Gefühlstest“ jemals an sich selbst vorgenommen habe, oder als Batty ihn aufs Dach zieht und, anstatt ihn zu töten, ihm seine Eindrücke und Gefühle seines kurzen Lebens nahebringt. Die Fragen, die Deckards Opfer bewegen, sind eigentlich Fragen, die sich die Menschen stellen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wieviel Zeit bleibt mir? Das sind Fragen, die sich nicht gesondert betrachten lassen, und sie finden im Origami-Spiel des Kriminalbeamten Gaff ihre vollendete Symbolisierung.

Dreh- und Angelpunkt für ein Verständnis der Handlung ist die Kunst, aus zweidimensionalen Körpern dreidimensionale zu schaffen, aus Bewegungsmaschinen Denkmaschinen. Das ist gleichzeitig das Geheimnis der Überzeugungskraft des gesamten Mediums Film. Die Frage nach dem Wie kann nicht beantwortet werden, an dem faktischen Daß herrscht zumindest in Bezug auf Menschen kein Zweifel. Analog dazu sehen sich die Bewohner der Erde in den Replikanten nicht etwa reinen Robotern gegenüber, sondern Wesen, die ihre Künstlichkeit bestreiten. Gerade das ist aber ein Zug, den sie mit den Menschen in dieser futuristischen Welt gemein haben.

Stehen sich jedoch Replikant und Mensch eins zu eins mit der Vorstellung gegenüber, ihre eigene Künstlichkeit nur im anderen zu sehen und in sich nur Menschlichkeit, so werden Replikanten und Menschen austauschbar. Weder wer Mensch ist, läßt sich entscheiden, noch wer Maschine. Klarheit besteht darüber, daß beide dreidimensionale, räumliche Wesen, das heißt mit Denkvermögen ausgestattet sind. Ist Denkvermögen jedoch keine Qualität des Biologischen mehr, kennzeichnet es nicht mehr nur Menschen, sondern auch Kunstmenschen, Computer, Datennetze, den Moloch Großstadt, ist jedes Urteil über Menschsein obsolet. Menschsein ist Maschinesein – vor dieser Drohung bleibt nur die Flucht in Religiösität. Hier siedelt sich das Jesus-Motiv von BIADE R~NER an, die Verkörperung des Replikanten Batty als jenes Heilands, der mit der Friedenstaube in der gekreuzigten Hand zu seinem Schöpfer aufsteigt.

Eine Möglichkeit, dem Grauen zu begegnen, das von der Vorstellung der Maschine „Mensch“ ausgeht, der Falle der Religiösität zu entgehen, besteht nicht in der Liebe des Mannes zum Vater, sondern zur Frau, in christlicher Tradition: zur Jungfrau Maria. Schließlich mußte es ausgerechnet dem Blade Runner passieren, daß er sich in eine Replikantin verliebt.

Replizieren heißt nicht nur antworten, sondern auch entgegensetzen, das lateinische plica~e „wieder auseinanderfalten“.

Das durchgängige Motiv des Origami-Spiels im Film, die in die Landschaft gestellten Papierfaltungen, erhält so seine nachträgliche Bedeutung als Rätsel, das es zu lösen gilt, als Rückverwandlung dreidimensionaler Körper in zweidimensionale.

Genau dies geschieht, als Deckard, nachdem er Gaffs Papierfaltung in seiner Wohnung fand, sie zerknüllt und die Einzelteile zu Boden fallen. Die Zerstörung des Denkens, die dieser Akt ebenso wie Battys Aufstieg zum Heiligen Vater bedeutet, wird aufgrund der Drohung Maschine „Mensch“ auf den Liebesakt verschoben – auf den Liebesakt mit einer Replikantin, der Deckard die Worte zuraunt: „Sag, ich liebe dich!“ Worauf die Maschine „Mensch“ mit eben diesen Worten antwortet.

BIADE RUNNER läßt sich als modernes Filmwerk, als modernes Instrumentarium, verstehen, das die Beweggründe des Menschen thematisiert und Anstöße geben könnte, ihm beizubringen, mit seinen Ängsten umzugehen. So wird deutlich, daß der Science Fiction-Film durchaus in der Lage ist, neben seiner Rolle als konsumorientiertes Freizeit-Medium eine soziale Aufgabe zu erfüllen. Darüber muß sich der Regisseur selbst nicht im klaren sein. Auf die Frage, ob es ihn beunruhige, daß ihm Kritiker vorwerfen, nur an der kommerziellen Seite des SF-Booms interessiert zu sein, an Spezialeffekten, hinter denen – etwa im Gegensatz zu den „kleinen“ Filmen eines Eric Rohmer – die eigentlichen menschlichen Konflikte zurückstehen, antwortete Scott einmal: „Das ist das Problem dieser Leute, nicht meins. Mit ihren kleinen Hirnen sind sie unfähig zu begreifen, daß es unterschiedliche Erscheinungsformen von Film gibt. Wären alle Filme so klein und bedeutungslos vie die eines Eric Rohmer, würde sich Kino in Fernsehen verwandeln. Es~gäbe kein Kino mehr. Filme, wie wir sie machen, halten das Kino am Leben.“3

Rohmers Filme sind nicht bedeutungslos. Vielmehr verkennt Ridley Scott, daß auch seine Regiearbeiten von den „eigentlichen menschlichen Konfikten“ leben. Der Aufwand an Ausstattung, den er betreibt, ist nur ein Zusatz zur verborgenen Qualität der Handlung. BLADE RUNNER darf zweifellos zu den Werken gezählt werden, die schon heute als Kunstwerke intelligenten Kinos gelten dürfen.
DH/MN

Anmerkungen
1Der Titel des Films stammt übrigens nicht von Dick, sondern geht vielmehr auf einen SF-Roman von Alan E. Nourse zurück, in dem eine zukünftige Erde geschildert wird, die derartig überbevölkert ist, daß nur denjenigen medizinische Hilfe zuteil wird, die sich dafür freiwillig sterilisieren lassen.
2 Rolf Giesen: Cirtema-SF-Filmjahrbuch 1988. Hamburg 1987. S. 80
3 Rolf Giesen: Lexikon des Phantastischen Films Band II. Frankfurt/Berlin/Wien 1984. S. 193

Literaturhinweise Buch
Dick, Philip K.: Traumen Robofer von elektrischen Schafen? Düsseldorf 1969 (Vorlage)
Zeitschriftenartikel/Hintergrundberichte
Rolf Giesen: Lexikon des Phantastischen Films Band I. Frankfurt/Berlin/Wien 1984. S. 68-73
Michael K. Iwoleit: Perspektiven des SF-Films. Am Beispiel von Ridley Scotts „Blade Runner“ und Terry Gilliams „Brazil“. In Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr #S Ausgabe 1990. München 1990. S. 357-384
Herb A. Lightman/Richard Patterson: Blade Runner. Production design and photography. In: American Cinematograpl1e/; Nr. 63/7, Juli 1982, S. 684-91 (+ 19 S.)
Paul M. Sammon: The Making of Blade Runner. In: Cinefantastique Nr. 12/5-6, 1982
Don Shay: Blade Runner. 2020 foresight. In: Cinefex Nr. 9, Juli 1982, S. 4-71
J.P. Telotte: The doubles of fantasy and the space of desire. In: Film Cnticism Nr. 7/1, 1982, S. 56-68
o.A.: Der Blade Runner – Das Heft zum Film. Hannover 1982
o.A.: Blade Runner. Special photographic effects. In: Amencan Cinematographer, Nr. 63/7, Juli 1982, S. 692 f. (+ 10 S.)

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Blade Runner: Final Cut. Premium Collection
Untertitel: Katalanisch, Niederländisch, Italienisch, Portugiesisch, Dänisch, Norwegisch,…
Blu Ray

EAN: 5051890013477
Libri: 5048125
Untertitel: Katalanisch, Niederländisch, Italienisch, Portugiesisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Finnisch.
FSK freigegeben ab 16 Jahren.
Audiokommentar, Dokumentationen.
Laufzeit ca. 120 Minuten.
Bildformat: 16:9 (2. 40:1).
Produktionsjahr: 1982.
Regie: Ridley Scott
Mit Harrison Ford, Sean Young, Edward James Olmos
Warner Bros Entertainment

Mai 2010 – Blu Ray

Titel bei Libri.de (Blu-ray)

Sammleredition im hochwertigen Digibook mit ca. 25 Seiten Hintergrundinformationen und Bildmaterial zum Film!“Blade Runner“ kehrt in Form von Ridley Scotts definitivem Final Cut mit erweiterten Szenen und noch nie veröffentlichten Spezialeffekten zurück auf die Bildschirme – ein Fest fürs Auge, mit überragenden Action-Sequenzen und einem fesselnden Blick auf die Zukunft: Seit seinem Kinostart 1982 hat der Film nichts an Brisanz verloren. Ein Meilenstein in Harrison Fords Karriere ist die Rolle des Blade Runners Rick Deckard: Ford spielt ihn in diesem eleganten Film-noir-Thriller als männlichen, aber auch verletzlichen Helden. Deckard jagt flüchtige, mörderische Replikanten und verfällt einer geheimnisvollen Frau, deren Geheimnisse seine Seele korrumpieren könnten.