Earth 2 – Die komplette Serie

Originaltitel: Earth 2
Produktionsland: USA (1994-1995)
Episodenlänge: je 45 Minuten
Episoden: 22 (inklusive Piloten)
Spieldauer: 990 Minuten
Erstausstrahlung: 6. November 1994 (USA) auf NBC
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 29. Oktober 1995 auf RTL

Idee: Billy Ray, Michael Duggan, Carol Flint, Mark Levin
Musik: David Bergeaud
Regisseur: Scott Winant
Darsteller: Debrah Farentino (Devon Adair), Joey Zimmerman (Ulysses Adair), Clancy Brown (John Danziger), J. Madison Wright (True Danziger), Sullivan Walker (Yale), Jessica Steen (Dr. Julia Heller), Rebecca Gayheart (Bess Martin), John Gegenhuber (Morgan Martin), Antonio Sabàto, Jr. (Alonzo Solace)

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 21. Oktober 2010

Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl DVDs: 6

Mit „Earth 2“ wurde in den 1990ern eine Science-Fiction-Serie abgedreht, die sich um eine mögliche Realität bemüht und zusätzlich weitgehend auf Weltraumszenen verzichtet. Die finden sich zwar im Pilotfilm der Serie und sind schick in Szene gesetzt, haben aber schlussendlich keine Bedeutung mehr. Ob die Planung vorsah in späteren Staffeln den Blick wieder zwischen die Sterne zu richten ist müßig, denn „Earth 2“ wurde 1995 auf Grund der hohen Kosten eingestellt. Durch die Brille der letzten Jahre und dem technologischen Fortschritt gesehen, ist das vom heutigen Stand aus lächerlich. Dafür wirken die Tricks und Animationen zu simpel gestrickt, zu offensichtlich und zu altbacken. Auch der Gerätepark und die Besetzung würden nach modernen Maßstäben sicherlich anders und vor allem kostensparender umgesetzt. Doch eine so alte Serie mit modernen Produktionen zu vergleichen, ist auch ein wenig unfair. Zumal die Serie – trotz allem – auch aus moderner Sicht gut gemacht und hochwertig produziert ist. Gaststars wie Tim Curry („The Rocky Horror Picture Show“, „Geschichten aus der Gruft“, „Muppets – Die Schatzinsel“) und Terry O’Quinn („Der Werwolf von Tarker Mills“, „Rocketeer“, „LOST)“ sorgen für ein gesteigertes Niveau und gute Unterhaltung.

Der Start in die Serie ist ziemlich heftig und zieht sofort alle Strippen der dramatischen Erzählung. Die Umweltbedingungen auf der Erde sind katastrophal und auch das Leben auf den Raumstationen hat Nachteile, denn dort werden immer mehr Kinder mit einer Syndrom genannten Krankheit geboren. Ein Ausweg scheint der Planet G889 zu sein. Also wird beschlossen dort zu siedeln und eine Kolonie aufzubauen. Dazu wird erst einmal ein Pionierschiff startklar gemacht. Mit von der Partie ist die Projektleiterin Devon Adair und ihr kranker Sohn Ulysses. Geplant ist, dass die Arbeiter kurz vor dem Start von Bord gehen, die Besatzung den Flug im Kälteschlaf verbringt, abgesetzt wird und den Planeten auf die Ankunft der Kolonisten vorbereitet. Natürlich geht die Sache schief, denn einige Leute von den Stationen haben keine Lust ihre Bewohner abwandern zu sehen. Also soll es ein Attentat geben. Aber Devon erfährt davon, lässt einen Notstart durchführen und verschwindet in den Weltraum. Die Arbeiter sind empört, aber ihr Vormann John Danziger – der seine Tochter True dabei hat – kann sie beruhigen, denn er handelt mehr Lohn aus. Die Mannschaft versinkt in Kälteschlaf und wacht erst nach zweiundzwanzig Jahren auf.

Und erneut geht etwas schief. Die Fracht blockiert das System, es kommt zu einem Absturz und somit der Evakuierung. Die an Bord befindlichen Leute müssen nun zwangsweise in die Rettungskapseln und auf den Planeten. Während die Überlebenden alle halbwegs geschlossen landen, werden die Container ziemlich abgetrieben. Und ab diesem Punkt geht die Serie erst richtig los, denn „Earth 2“ erzählt die Geschichte eines Trecks der nach Westen zieht, um dort die Landung der erwarteten Kolonisten vorzubereiten. Angelehnt ist die Geschichte dabei an die Roanoake-Kolonie, die im Jahre 1587 in Virginia gegründet wurde und die erste englische Kolonie war. Gegründet wurde die Kolonie von einer Gruppe, die aus Devon in England stammte. Dementsprechend finden sich auch viele versteckte Hinweise und Wortspiele in der Serie wieder, die Bezug auf die Roanoake-Kolonie nehmen. So zeigt, zum Beispiel. Danzigers Arbeitsjacke die Kennzeichnung „VA-1587“ (Postkennung Virginias und Gründungsjahr der Kolonie). Die Handlung selbst lehnt sich stark an die alten Siedlertrecks an.

Während die Pioniere nun unterwegs sind, erfahren sie sehr viel Neues und geraten in etliche Gefahren. So ist der Planet wider allen Erwartungen bewohnt. Neben Außerirdischen (die überaus erdverbunden sind) leben auch Menschen auf dem Planeten. Der scheint wiederum selbst ein Lebewesen zu sein und auf metaphysischer Ebene zu kommunizieren. Um die ganze Sache abzurunden, haben die meisten der Pioniere Geheimnisse in der Hinterhand oder Eigenarten, die alle gefährden können. Also eine sehr spannende Ansammlungen von Verwicklungen, Persönlichkeiten und Ereignissen, die zuerst sehr klischeehaft beginnen, sich dann aber eigenständig und originell weiterentwickeln.

Vor allem aus den Figuren zieht „Earth 2“ seinen besonderen Reiz. Diese sind sehr stereotyp ausgerichtet und entsprechen den gängigen Mustern. Doch schnell beginnen sie sich zu wandeln, werden Teil einer Einheit und zeigen eine starke Charakterentwicklung. Das ist passend mit dem Planeten und seinen Bewohnern verwoben, was auch deutlich in der Episode „Der König der Terrianer“ („The Boy Who Would Be Terrian King“) zu sehen ist. Dabei handelt es sich um eine Zeitreisefolge. Zeitreisen sind ein ziemlich kniffliges Thema und können eine seriöse und authentische Grundstimmung leicht abrutschen lassen. In „Earth 2“ ist die Episode allerdings ein Glücksgriff, da die Serie – leider – nach einer Staffel eingestellt wurde. So hat der Zuschauer wenigstens eine ungefähre Vorstellung, in was für eine Richtung sich das Leben auf dem Planeten entwickeln könnte, zumal das Serienende selbst sehr offen gestaltet wurde und Raum für Interpretationen lässt.

Ebenso wie die Rollen, wissen auch das Ambiente und der technologische Hintergrund zu gefallen. Die meiste Zeit bewegen sich die Kolonisten zu Fuß oder mit wenigen Fahrzeugen über den Planeten. Es gibt zwar hochentwickelte Technik, aber diese ist begrenzt, da die Frachtcontainer weit verstreut sind und meistens geplündert wurden. Dadurch wird ein zu viel an Material vermeiden und die Pioniere sind stets unter Zugzwang, um Wasser, Nahrung und Technik in die Finger zu bekommen. Durch Zufallsfunde der Container oder Plünderlager können auch plötzliche handlungsrelevante Technologien erklärt werden. Langfristig eine kluge Idee, leider war der Serie keine lange Laufzeit gegönnt, um diesen Kniff vollends auszureizen.

Die Drehorte in Mexiko sind wunderschön gewählt und in Szene gesetzt. Es gibt sehr viele Außenaufnahmen und die Schauplätze wirken irdisch und gleichzeitig haben sie doch einen außerirdischen Anstrich – ohne großartig nachbearbeitet zu werden. Hier wurde ebenfalls hervorragende Arbeit geleistet. Produziert wurde die Serie übrigens von Amblin Entertainment, einer us-amerikanischen Firma, die 1983 von Steven Spielberg, Kathleen Kennedy und Frank Marshall gegründet wurde. Der Name Spielberg macht aus „Earth 2“ allerdings noch keine echte Spielberg-Serie.

Dank Ascot Elite erschien nun 2010 eine adäquate Gesamtbox auf dem Markt, die mit ihrer Aufmachung zu gefallen weiß. Das Bild ist im TV-Format 4:3 vorhanden und die DVDs liefern die deutsche und englische Tonspur jeweils in Dolby Digital 2.0. Das wirkt natürlich – vor allem für eine Science-Fiction-Serie – veraltet, ist aber vollkommen ausreichend, da die Serie auch mit etwas ruhigeren Tönen daherkommt. Leider gibt es kein Bonusmaterial, aber wenigstens Untertitel in Deutsch und Englisch. Die deutsche Synchronisation ist übrigens sehr gelungen.

Mit „Earth 2 – Die komplette Serie“ ist jedenfalls ein Klassiker zurück, der auch heute noch sehr gut unterhält. Technisch zwar etwas veraltet, aber dennoch mit überzeugenden Tricks (wobei die Masken der Außerirdischen ruhig ein wenig realer sein könnten). Vor allem für Fans ist die Box ein Pflichtkauf, Science-Fiction-Liebhaber sollten ruhig einen Blick riskieren und den Erwerb in Erwägung ziehen.

Nach all den Jahren ist es übrigens spannend zu erfahren, was aus den Darstellern der beiden Kinder wurde. Joey Zimmerman (als Ulysses) ist noch immer als Film- und Theaterschauspieler am arbeiten, auf der Leinwand allerdings in kleineren Rollen. 2005 führte er in „Dogg’s Hamlet, Cahoot’s MacBeth“ das erste Mal Regie. J. Madison Wright Morris (als True) verstarb im Jahre 2006 an einem Herzinfarkt, einen Tag nach ihren Flitterwochen. Sie wurde nur zweiundzwanzig Jahre alt.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD bei Libri.de