Europa Report – Sind wir alleine?

Originaltitel: Europa Report (USA 2013)
Regie: Sebastián Cordero
Drehbuch: Philip Gelatt
Kamera: Enrique Chediak
Schnitt: Alex Kopit, Craig McKay, Livio Sanchez, Aaron Yanes
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Christian Camargo (Dr. Daniel Luxembourg), Michael Nyqvist (Andrei Blok), Daniel Wu (William Xu), Karolina Wydra (Dr. Katya Petrovna), Sharlto Copley (James Corrigan), Anamaria Marinca (Rosa Dasque), Embeth Davidtz (Dr. Samantha Unger), Dan Fogler (Dr. Sokolov), Isiah Whitlock Jr. (Dr. Tarik Pamuk)
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.10.2013
EAN: 7613059802414 (DVD)/7613059402416 (Blu-ray)/7613059902411 (Limited Edition/Steelbook-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min. (DVD: 89 min.)
FSK: 12

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Das geschieht:

In einer nicht datierten aber offensichtlich nahen Zukunft kehrt der Mensch in den Weltraum zurück: Jahrzehnte nach der letzten Mondlandung fliegen vier Männer und zwei Frauen im Rahmen der Mission „Europa One“ zum Mond Europa, der Jupiter, den größten Planeten des Sonnensystems, umkreist.

Die Fernerkundung hat ergeben, dass Europa unter seinem Eispanzer einen riesigen Wasser-Ozean verbirgt, der an diversen Stellen durch unterirdische Quellen aus dem Mondinneren aufgeheizt wird. Dieses Umfeld könnte durchaus Leben hervorgebracht haben. Dem soll „Europa One“ nachgehen.

Die Reise dauert viele Monate. Isolation und Enge machen den sechs Menschen zu schaffen. Als ein Sonnensturm das Raumschiff trifft, bricht die Kommunikation mit der Erde zusammen. Der Versuch, den Schaden zu reparieren, kostet den Techniker Corrigan das Leben.

An Bord bricht Katzenjammer aus. Die Mission wird jedoch fortgesetzt. Endlich geht die Landefähre auf Europa nieder. Technische Probleme behindern die ferngesteuerte Entnahme von Wasserproben. Die Raumfahrer müssen selbst auf das Eis hinaus und die störrische Technik meistern.

Außerhalb der Fähre stellt sich jedoch nicht die Technik als Problem heraus. Erst unter und dann auf dem Eis rührt sich Seltsames. Außerdem hat man sich einen unsicheren Landeplatz ausgesucht. Das Eis ist brüchig, die Fähre droht zu versinken. Ein Neustart endet katastrophal: Die Kälte hat wichtige Triebwerksfunktionen gestört. „Europa One“ kehrt mit einer Bruchlandung auf den Mond zurück. Dort stellt sich endgültig heraus, dass man nicht allein auf der fremden Oberfläche ist …

Dilemma einer theoretisch gewordenen Raumfahrt

Die Zukunft mag begonnen haben, doch ausgerechnet die Zeit des Menschen im Weltall ist bereits Vergangenheit. Das klingt paradox, und 1972 hätte sicherlich niemand geglaubt, dass es so kommen würde. Doch mit „Apollo 17“ endete im Dezember des genannten Jahres die Ära der ‚richtigen‘ Raumflüge. Seitdem tummeln sich Menschen nur noch im Erd-Orbit, wo sie so tun, als würden sie in einer echten Raumstation leben und zwischendurch verstaubte Satelliten polieren.

Auf fremden Planeten und Monden landen heutzutage Hightech-Robotersonden. Sie werden von der Erde ferngesteuert und ‚lernen‘, selbstständig auf die Suche nach außerirdischen Wundern zu gehen. Sie zu konstruieren, zu bauen und auf den Weg zu schicken ist kostspielig aber deutlich billiger als die Entwicklung eines Gefährtes, in dem Menschen die viele Monate währende Reise durch das Sonnensystem antreten können. Außerdem ist das Risiko geringer, dank unschöner Zwischenfälle in die Medien zu geraten: Lebende Raumfahrer im orbitalen Schichtdienst sind keine Sensation mehr, aber tot sorgen sie weiterhin für Schlagzeilen.

Es gibt eben doch einen Unterschied zwischen schlauen Robotern und Menschen. Selbst wenn die Maschinen einen ausgezeichneten Job leisten, liebt der Zeitgenosse Geschichten von wagemutigen Männern (und heute auch Frauen), die persönlich Hand anlegen, wenn außerirdisches Gestein eingetütet werden soll. Traditionell begeben sich Entdecker in Gefahr. Dafür liebt sie der Durchschnittsmensch sogar stärker als für das dabei generierte Wissen. Ein Roboter wird nie zum Helden taugen.

Der künstlerische Ausweg

Mit fortschreitender Entwicklung filmischer Spezialeffekte werden selbst die einst drögen TV-Dokumentationen immer prächtiger. Wahrscheinlich kann die Wirklichkeit gar nicht mit den entfesselten Bits & Bytes mithalten. Wir stapfen mit der künstlichen Kamera nicht nur über stets wunderbar ausgeleuchtete und kristallklar bebilderte Planeten und Monde, sondern springen auch durch Schwarze Löcher oder beobachten den Urknall.

Wo Realität und Fiktion miteinander verschmelzen, ist der Spielfilm nie weit. Dank der weiter oben beschriebenen Satellitentechnik gibt es längst eindrucksvolle Bilder vom Jupitermond Europa. Die Wissenschaft weiß ansatzweise sogar, was unter dem Eis der Oberfläche vorgeht. Das Problem ist die Entfernung: Selbst wenn dinosauriergroße Ungetüme durch Europas Ozeane pflügen sollten, könnten wir sie nicht erkennen.

Regisseur Sebastián Cordero sorgt für Abhilfe. Er beschränkt sich ausdrücklich auf naturwissenschaftliche Realitäten und verzichtet auf typische, zum Klischee erstarrte Science-Fiction-Elemente. Spannung erzeugen im „Europa Report“ nicht hinter den Eiszapfen lauernde Außerirdische. Die Wirklichkeit ist nervenaufreibend genug, denn die (bemannte) Raumfahrt ist weiterhin wie Russisches Roulette: Irgendwann trifft der Zündstift auf eine scharfe Patrone.

Wie definiert sich Spannung?

Freilich ist der Zuschauer verwöhnt. Auch eine gefährliche aber monatelange Raumfahrt muss im Film verdichtet werden, um der sonst drohenden Langeweile vorzubeugen. Drehbuchautor Philip Gelatt bricht darüber hinaus die Chronologie: Die Ereignisse werden rückblickend erzählt. Wenn die Handlung einsetzt, ist „Europa One“ längst auf dem Mond gelandet. Immer wieder blendet Cordero auf die Anreise zurück.

Das funktioniert nicht wirklich. Die erste halbe Filmstunde zieht sich arg in die Länge. Daran ändert auch der tragische Tod eines Besatzungsmitgliedes lange vor der Landung auf „Europa“ wenig. Cordero benötigt die Vorgeschichte jedoch, um dem Zuschauer zu verdeutlichen, dass die Besatzung von „Europa One“ nicht nur auf sich gestellt ist, sondern auch sonst unter Druck steht. Selbst wenn alles planmäßig läuft, ist man viele Monate in einer kleinen Blechdose vom Rest der Menschheit isoliert. Das sorgt für psychischen Stress, der das Risiko erheblich erhöht, doch dies zu vermitteln ist schwieriger als die Erzeugung vordergründiger Spannung. Nach der Landung wird es offensichtlich: Die Gefahr wird zur Unterhaltung, weil sie ein ‚Gesicht‘ bekommt, selbst wenn (oder gerade weil) dieses nur schemenhaft sichtbar ist.

Die Spannung wird durch die Darstellung einer Welt geschildert, die zwar außerirdisch aber wiederum nicht im Science-Fiction-Stil dargestellt ist. Im „Making-of“ wird beispielsweise gezeigt, wie stark die „Europa“-Aufnahmen nachträglich abgedunkelt wurden, obwohl sie detailreich angelegt waren: Faktisch sind Kontraste auf einer atmosphärenlosen Oberfläche aufgrund der fehlenden Lichtbrechung deutlich schärfer als auf der Erde. An der Qualität der Spezialeffekte liegt es deshalb nicht, dass man verhältnismäßig wenig sieht – es entspricht den Vor-Ort-Verhältnissen.

Das Wissen und sein Preis

„Europa Report“ ist kein spielfilmtypisches Helden-Epos. Vor allem in Hollywood wird das Streben nach Wissen gern verklärt. In der Tat ist der Fortschritt in manchen Bereichen ein von Leichen gepflasterter Weg. Dort, wo zuvor noch nie jemand war, ist das Risiko allgegenwärtig aber nicht selten unbekannt. Dies gilt erst recht für eine Weltraum-Expedition. Nicht einmal die Luft zum Atmen ist im All selbstverständlich. Barbarische Kälte wird ergänzt durch die Strahlung der Sonne, die jedes Raumschiff in eine Mikrowelle zu verwandeln droht. Außerhalb der trügerisch schützenden Hülle ist es schlimmer: Schon ein simpler Riss im Raumanzug kann den Tod bedeuten.

Hinzu kommt die schon erwähnte Isolation, während sich gleichzeitig stets dieselben Personen sehr nahe auf den Pellen sitzen. Um dies zu ertragen, muss es ein Ziel geben, an das man sich klammern kann. Hier ist es die Sehnsucht, zuerst eine fremde Welt zu erforschen. Obwohl jeder an Bord der „Europa One“ weiß, wie gefährlich die Reise ist, geht niemand davon aus, den höchstmöglichen Preis zahlen zu müssen. Das Drama besteht in der fundamentalen Entscheidung, die jeder Wissenschaftler treffen muss: Fliegen bzw. flüchten wir zurück zur Erde, oder machen wir weiter, obwohl uns dies höchstwahrscheinlich das Leben kosten wird?

Cordero und Gelatt sind dafür zu loben, dass sie diesen Prozess ohne Sentimentalität oder gar Schmalz darstellen. Die Entscheidung fällt quasi zwangsläufig zugunsten der Missionsfortsetzung. Schließlich wurden für diesen Flug gezielt Menschen ausgesucht, die charakterlich entsprechend gepolt sind. Das macht die Männer und Frauen von „Europa One“ zu echten Helden, die tun, was um der Sache wegen getan werden muss. Nach ihnen werden andere kommen und dort anknüpfen, wo diese Crew ihr Ende gefunden hat.

Sachlich, objektiv und kühl

Auch in der Figurenzeichnung gehen Cordero und Gelatt eigene Wege. Zwar wird der menschliche Faktor keineswegs ausgeklammert, doch fehlt beispielsweise die sonst filmtypische Liebesgeschichte völlig. Auch Rangeleien um die Macht an Bord oder der immer gern eingesetzte, irrsinnig werdende Raumfahrer bleiben in Hollywoods Mottenkiste. Sie gehören in eine Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll.

Wir beobachten sechs Spezialisten, die sich einer schwierigen Aufgabe widmen. „Europa Report“ ist eine „Found-Footage-Mockumentary“, die angeblich Ausschnitte aus dem Filmmaterial zeigt, die Pilotin Rosa Dasque zur Erde schicken konnte. Das im Spielfilm oft überreizte Konzept ist schlüssig, weil das Innere jedes Raumschiffes mit Kameras gespickt ist. Weil die Raumfahrer dies wissen, benehmen sie sich entsprechend und verlieren selten die Fassung. Wirklich warm werden wir mit der Besatzung von „Europa One“ deshalb nicht. Das ist aber nicht den Schauspielern vorzuwerfen.

Die Auflösung mag dem Hardcore-SF-Fan recht unspektakulär erscheinen. Sekundenbruchteilkurz sehen wir schließlich, was unter dem Eis von Europa leuchtend sein Unwesen trieb. „Europa One“ scheitert, weil man sich zu weit in eine fremde Ökosphäre vorwagt, deren Population sich keineswegs auf die vorsichtig vermuteten Einzeller beschränkt. Ähnliche Fehleinschätzungen haben auch auf Erden manchen Entdecker das Leben gekostet. Mit „Europa Report“ wird das thematisiert; schade nur, dass sich die Spannung insgesamt in Grenzen hält. Selbst der thematisch ähnliche und von der Kritik vehement geschmähte „Apollo 18“ fesselt auf seine routinierte Art das Publikum stärker als diese vielleicht doch ein wenig zu dokumentarisch geratene Entdeckungsreise.

DVD-Features

Für „Europa Report“ werden die Werbetrommeln kräftig gerührt. Der Film sei etwas Besonderes, sogar der Vergleich mit Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968) wird bemüht, was vom gesunden Selbstbewusstsein der zuständigen Werbeagentur (bzw. von frecher Dreistigkeit) kündet. Zum Film gibt es deshalb scheinbar eine Fülle interessanter Hintergrundinfos, die sich bei näherer Betrachtung als Mogelpackung entpuppen. Einziges ‚echtes‘ Film-Feature ist ein kurzes „Making of“, das sich auf die Spezialeffekte beschränkt. Ansonsten gibt es ausschließlich Extras aus der DVD-Steinzeit wie eine Galerie mit Fotos, die vor der Kamera und hinter den Kulissen entstanden, und Bio- und Filmografien einiger Darsteller.

Über das Sonnensystem und speziell über den Planeten Jupiter und seine Monde wurden ansehnliche und informationsreiche Dokumentationen gedreht. Wer unter dem Menü-Stichpunkt „Fakten & Informationen: Jupitermonde“ entsprechendes Material erwartet, wird sich wundern: Hier gibt es nur unbeholfen zusammengestoppelte Texte, die der Zuschauer lesen soll. Ähnlich nutzlos sind alternative Entwürfe zum Film-Poster und der Originaltrailer: Schade, hier wurde Potenzial mutwillig (aber kostensparend) verschenkt.

Kurzinfo für Ungeduldige: Eine Expedition wird zum Jupitermond Europa geschickt, weil unter dessen Eis womöglich außerirdisches Leben existiert; schon der Flug birgt viele Risiken, doch wirklich gefährlich wird es auf Europa selbst, wo Eigenartiges vorgeht … – Betont auf reale Weltraumtechniken abgestimmtes SCIENCE-Fiction-Garn, das über den Authentizitätsfaktor die Spannung vernachlässigt und erst im letzten Drittel Fahrt aufnimmt: sympathisch durch den Verzicht auf Klischees wie z. B. die schwerelose Love Story und beachtlich bebildert, bietet die Story insgesamt kaum Neues.

[md]

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