Firefly – Der Aufbruch der Serenity

Originaltitel: Firefly

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 625 Minuten

Regie: Joss Whedon
Darsteller: Nathan Fillion, Gina Torres, Adam Baldwin, Alan Tudyk, Jewel Staite, Morena Baccarin, Summer Glau, Sean Maher

Produktion: USA 2002
Produktionsfirmen: Fox
Produzent: Gareth Davies, Joss Whedon (Executive Producer)

Die Western-Science-Fiction-Serie „Firefly“ ist ein gutes Beispiel für eindeutige Fehlentscheidungen eines Fernsehsenders, in diesem Fall des us-amerikanischen TV-Senders FOX. Jedenfalls sind sich die Fans der Serie darin einig …

FOX beauftragte den kreativen Kopf Joss Whedon (bekannt durch seine Serien „Buffy“ und „Angel“) damit, eine neue Science Fiction-Serie zu entwerfen. Whedon kreierte daraufhin ein Setting, das 500 Jahre in der Zukunft spielt, ohne Aliens auskommt und den Wilden Westen in die Zukunft katapultiert. Zusätzlich packte Whedon neun Helden ein, die an Bord des Raumfrachter der Firefly-Klasse „Serenity“ zu einer Familie zusammenwachsen. Dabei geht es allerdings moralisch fragwürdig und verdammt rau zu – vor allem auf den Randwelten.

Das Konzept passt, wurde aber von den FOX-Verantwortlichen unterschätzt. Diese setzten die Serie nach nur 14 Episoden ab. Allerdings war der zeitnahe Verkauf der DVD-Box ein Kassenerfolg. Innerhalb eines Vierteljahres wurden mehr als 200.000 Einheiten verkauft. Für eine Wiederaufnahme der Serie reichten die Zahlen nicht aus, doch Whedon gelang das Wunder Gelder für einen Kinofilm („Serenity“) genehmigt zu bekommen, der einige offene Fragen aus der Serie beantwortet. Diesen Erfolg verdankt er zum Großteil seiner Fangemeinde, den sogenannten Browncoats – benannt nach einem Element aus „Firefly“.

Whedon hat sich eindeutig etwas einfallen lassen. Geschickt spinnt er einen Faden aus der Gegenwart in die Zukunft und bedient sich bei bekannten Serien und Filme, um einen Fundus an originellen Ideen zu bekommen. Der Clou ist allerdings, dass kaum eine Szene endet, wie man es vermutet. Zudem ist Whedon dafür bekannt, auch beliebte Charaktere sterben zu lassen. Man traut ihm einfach alles zu – was er gekonnt einsetzt.

So ist es bei TV-Geiselnahmen normalerweise üblich, dass erst einmal ein Gespräch stattfindet. Doch Whedons Captain Malcolm “Mal” Reynolds (Nathan Fillion) ist sehr pragmatisch und hat dafür keine Zeit. Also pustet er den Geiselnehmer (ein fieser Agent der Allianz) einfach über den Haufen – mitten im Satz und „Scheiß auf Freundlichkeit“.

Dieser Pragmatismus lässt die Serie authentisch wirken – und scheinbar auch unmoralisch. Doch die Crew an Bord der Serenity besitzt Moral, allen voran der Captain. Doch Moral muss man sich leisten können.

Die Welt der Zukunft kommt ohne Aliens aus. Die Menschheit hat die Erde verlassen und in einem neuen Sonnensystem die dortigen Planeten und Monde terraformt, um sie weitgehend lebensfähig zu gestalten. Allerdings sind die Kernwelten besser weggekommen und konnten eine technologisch weit entwickelte Zentralregierung aufbauen: Die Allianz.

Die Welten zum Rand des Systems hin kamen schlechter weg, verlassen sich weitgehend auf menschliche und tierische Arbeitskraft. Aber sie lieben ihre Unabhängigkeit und so kam es unweigerlich zum Vereinigungskrieg – der us-amerikanische Bürgerkrieg lässt grüßen, allerdings sind Nord- und Südstaaten-Vorbilder gut vermischt.

Mal diente auf Seiten der Browncoats und somit für die Unabhängigen. Die Allianz blieb siegreich und Mal traumatisiert. Er kauft einen Frachter, nennt ihn Serenity und zusammen mit seiner ehemaligen Untergebenen Zoe (Gina Torres) steigt er ins Frachtgeschäft ein.

Zu Beginn der Serie – sechs Jahre nach dem Krieg – leben noch weitere Menschen an Bord der Serenity, die ihr aller zuhause ist. Da wäre noch Hoban „Wash“ Washburn (Alan Tudyk), ein begnadeter Pilot und eigentlich ein Weichei, das mit Plastikdinos spielt. Ausgerechnet er ist mit Zoe verheiratet, die als moderne Amazone betrachtet werden kann.

Des weiteren verrichtet die junge Kaywinnit Lee „Kaylee“ Frye (Jewel Staite) ihre Arbeit als Mechanikerin. Sie hat ein goldenes Händchen für Maschinen, ist die Kleine in der Crew, lebenslustig und stets auf der Suche nach Sex.

Kein Wunder, dass sie sich so gut mit Inara Serra (Morena Baccarin) versteht, eine Companion, die eines der Shuttle der Serenity gepachtet hat. Companions sind Kurtisanen, die sich in Gilden organisieren und zur oberen Gesellschaftsschicht gehören. Ihre Liebesdienste sind Legende – auch wenn Mal Inara abfällig als Hure bezeichnet, doch was sich liebt, das neckt sich eben. In der Serie wird die niemals eingestandene Liebe zwischen Mal und Inara entsprechend thematisiert.

Als letztes Crewmitglied ist Jayne Cobb (Adam Baldwin) an Bord, ein käuflicher, unmoralischer, dummer Söldner, der erst schießt, dann redet und dann nachdenkt. Reden und nachdenken fallen öfters mal aus. Seine Liebe zu Waffen wird unter anderem daran erkennbar, dass er in jeder Episode eine andere Waffe einsetzt, pflegt, liebt, streichelt oder mit Namen anspricht.

Die Serie beginnt nun damit, dass Mal neue Passagiere an Bord nimmt. Einer von ihnen entpuppt sich als Spion, wird aber schnell erschossen und ist eher unwichtig. Doch die anderen Menschen werden quasi Teil der Besatzung und somit Teil der Firefly-Familie.

Shepherd Book (Ron Glass) wäre da als erstes zu nennen. Der ältere Shepherd kommt gerade aus einer Abtei und sucht eine Passage. Doch schon bald kümmert er sich um das Seelenheil der Crew, was auch dringend nötig ist. Shepherd Book ist ein Farbiger, besitzt eine mysteriöse Vergangenheit und bildet das philosophische Element der Mannschaft. Allerdings fällt einem auf, dass im Firefly’verse (so die Bezeichnung unter Fans) die Farbigen meistens talentierte Kämpfer im Auftrag der Regierung sind, die einen Spleen haben und jederzeit Leben auslöschen können. Leider wird nie ganz aufgeklärt, ob Book ebenfalls in diese Kategorie fällt.

Jetzt wird es spannend, denn Simon Tam (Sean Maher) ist zuerst einfacher Passagier, wird dann aber zum Bordarzt. Der Allianz jagt nämlich den junge Mann, da er seine jüngere Schwester River (Summer Glau) aus einem Allianz.Krankenhaus befreite. Dort wurde River modifiziert und erst im Laufe der Serie, stellen sich ihre Fähigkeiten heraus. Allerdings ist River unberechenbar, wahnsinnig, tödlich, launisch und noch weitere Dinge, die diesen Charakter faszinierend machen. Verfolgt man die Serie genau wird allerdings schnell deutlich, dass der angebliche Wahnsinn Methode hat und von der Crew falsch ausgelegt wird.

Die Tams und deren Flucht vor der Allianz bilden nun den roten Faden, der sich durch alle Episoden zieht. Diese sind in sich zwar weitgehend abgeschlossen, bauen aber noch zusätzlich aufeinander auf. So zieht Mal in einer Folge den Auftrag an Land Rinder zu transportieren, in der nächsten werden diese verkauft … na ja, oder beinahe. Denn immerhin lebt die Serie von überraschenden Komplikationen. Eigentlich ist nie die Frage „ob“, sondern „wie“ etwas Schlimmes passiert.

Auch Nebendarsteller kommen stets nochmals vor, was die Welt lebendig wirken lässt. Alte Bekannte und Feinde tauchen gerne mal wieder auf und sorgen für ein erfrischendes „Hallo!“. Nachtragende Feinde sind somit ebenfalls ein Thema im Firefly’verse.

Die Geschichten der „Serenity“-Crew sind spannend, witzig und überraschend. Die Figuren wachsen einem schnell ans Herz, wirken lebendig und sympathisch – was vor allem an den Darstellern und der stets präsenten Spielfreude liegt. „Firefly“ zu drehen hat Spaß gemacht – und das merkt man jeder Seriensekunde an. „Firefly“ links liegen zu lassen, ist fast schon eine kleine Sünde, da es sich bei der Serie um einen innovativen Meilenstein des Genres handelt. Bedingungslos zu empfehlen! Leider sind die 14 Episoden viel zu schnell vorbei, doch man beginnt gerne wieder von vorne.

Auch das Bonusmaterial der Serie weiß zu überzeugen. Es gibt zu etlichen Folgen mit Audiokommentaren, Easter Eggs und Featurettes. Zusätzlich die obligatorischen entfallenen Szenen. Das sorgt für viele weitere Stunden Spaß. Shiny!
(Günther Lietz)

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