Kill CommandEin Manöver Mensch gegen Kampfmaschine wird bitterer Ernst, als das aktuelle Modell einen freien Willen entwickelt und seine ‚Gegner‘ unter Einsatz sämtlicher Waffen auf die Probe stellt … – Diese Geschichte klingt nicht nur nach „Terminator“ oder „Aliens – Die Rückkehr“, sondern läuft auch ähnlich ab. Der Regisseur konzentriert sich auf die Action, klammert Hintergründiges klug aus und verblüfft angesichts des schmalen Budgets mit erstaunlichen Spezialeffekten: Unterhaltungskino der soliden Art.

Das geschieht:

In einer nicht mehr allzu fernen Zukunft haben Großkonzerne das Sagen auf dieser Erde. „Harbinger“ ist einer dieser Kraken, die sich um Gesetze oder gar Moralstandards längst nicht mehr kümmern, wenn es gilt, die Profite zu maximieren. Das Unternehmen engagiert sich vor allem in der Militärtechnik und arbeitet an einem künstlichen Krieger, der die unzuverlässigen menschlichen Soldaten bald ersetzen soll.

Captain Bukes und seine kleine aber verschworene Truppe ist verständlicherweise gar nicht gut auf „Harbinger“ zu sprechen. Dennoch müssen sie in den gespielten Krieg gegen die Konzern-Hardware ziehen und feststellen, ob die aktuelle Generation von Kampfrobotern hält, was „Harbinger“ versprochen hat: Sie sind lernfähig, können Schlüsse aus den Handlungen ihrer Gegner ziehen und Gegenmaßnahmen ergreifen.

Was man Bukes und seinen Gefährten verschweigt, sind merkwürdige Zwischenfälle, die darauf hindeuten, dass sich die neueste Serie von Kriegsmaschinen allzu selbstständig gemacht hat. Technikerin Mills, die selbst durch diverse Hard- und Software ‚aufgerüstet‘ wurde, soll Bukes‘ Gruppe deshalb begleiten, als diese in ein weiteres Manöver zieht.

Das Übungsgelände liegt irgendwo in der Wildnis; der Standort wird den Soldaten absichtlich vorenthalten. Das Manöver beginnt wie gehabt: Nachdem die Männer (plus eine Frau) sowie Mills eingetroffen sind, kommt es zu Gefechten zwischen Menschen und Maschinen, wobei letztere auf der Strecke bleiben. Dann schlagen die Roboter allerdings zurück – trickreich und erbarmungslos. Die schockierten Rest-Soldaten flüchten in den Stützpunkt zurück und werden dort von den entfesselten Maschinen belagert: Zumindest ihr Anführer hat ein Bewusstsein entwickelt und brennt darauf, den Gegner zu studieren – als Kämpfer und als Mensch, wobei ihn vor allem das Innenleben unter der Haut interessiert …

Kennen wir; macht trotzdem Spaß

Die Inhaltsangabe dürfte den erfahrenen Zuschauer aufhorchen lassen, doch keine Sorge: Regisseur und Drehbuchautor Steven Gomez macht nie einen Hehl daraus, dass „Kill Command“ eine Geschichte erzählt, deren Plot wir kennen. Ihm geht es darüber hinaus nicht um den philosophischen Aspekt, der dem Konflikt zwischen Mensch und Maschine innewohnt. Literatur- und Filmgeschichte sind reich an Storys, in denen Roboter Bewusstsein und Eigenwillen entwickeln. Dem folgt unweigerlich der Augenblick der Erkenntnis: Der menschliche Schöpfer ist weder perfekt noch überlegen; warum setzen wir ihn nicht ab, übernehmen den Laden und reorganisieren ihn nach Maschinenart? Die Folge sind Kämpfe, die vor allem im Film mehr oder weniger aufwändig in Szene gesetzt werden.

Gomez verkneift sich also derartige Fragen. Er setzt den intellektuellen Quantensprung als reines Ereignis voraus: Da die Technik immer weiter fortschreitet, muss es irgendwann geschehen. Nun spielt er durch, was dem folgen könnte. Dabei blendet er den globalen Zusammenhang aus und konzentriert sich auf einen kleinen lokalen Ausschnitt. Was sich auf dem Übungsgelände im Nirgendwo abspielt, dürfte dennoch enorme Auswirkungen nach sich ziehen, was auch der obligatorische Final-Gag andeutet. Die verschiebt Gomez jedoch auf eine durchaus mögliche Fortsetzung.

Ansonsten füllt Gomez mehr als neunzig Minuten mit den Abenteuern einer kleinen Menschengruppe, die von einem überlegenen Gegner gejagt wird. Hin und wieder werden system- und sozialkritische Reden gehalten, die jedoch kurz bleiben und obligatorisch wirken: Kritiker sollen besänftigt werden, was in diesem Fall kaum funktionieren dürfte, da der Vorwand als solcher allzu durchschaubar ist. „Kill Command“ bietet, was der Titel andeutet – nicht mehr, nicht weniger, wobei letzteres keineswegs selbstverständlich ist.

Gewusst wie: Action mit Pfiff

Nulpen-Filmer und Billigheimer setzen immer wieder auf dieses Konzept: Darsteller werden durch einen Bunker, eine Höhle oder eine andere Stätte gejagt, die jederzeit überschaubar ist. Freiflächen-Kulissen sind kostspielig, weshalb die Enge zum kostendämpfenden Faktor wird. Billige Monster lauern in dunklen Ecken u. a. Hinterhalten. Die Handlung beschränkt sich einerseits auf die Dezimierung der Figuren und andererseits auf den Kampf gegen den oder die Verfolger. In der Regel taumeln final der männliche Held und eine hübsche Frau geblendet ins Freie und in die einsetzenden Schlusstitel.

Grundsätzlich scheint auch Gomez dieses Schema abzuarbeiten. Allerdings sorgt er für willkommene Klischeebrüche: Die Romanze fällt aus, ausgerechnet der Gruppen-Tölpel überlebt, der Bösewicht bleibt ein eindimensionaler Killer-Robot und stellt weder Einsicht noch einen Plan zur Übernahme der Weltherrschaft zur Schau. Stattdessen reiht Gomez Ereignis an Ereignis. In der Kette stellt dies die Handlung dar.

Hier wird deutlich, dass Gomez seine Film-Wurzeln im Bereich der Spezialeffekte geschlagen hat. Dort hat er weniger für Spielfilme oder TV-Serien, sondern primär für Dokumentationen gearbeitet, für die er beispielsweise Fabeltiere, Parasiten oder ähnliche, eher kamerascheue Kreaturen zum ‚Leben‘ erweckte. Dies war offensichtlich eine gute Schule, die Gomez mit dem Wissen darüber abschloss, wie man überzeugende digitale Geschöpfe mit begrenztem Budget realisiert.

Masse und Klasse: So wird’s gemacht!

Formal weiß Gomez jedenfalls genau, was er zeigen will und kann, ohne dabei an Glaubwürdigkeit einzubüßen. „Kill Command“ ist ein B-Movie mit limitiertem Budget, dessen Effekte sich mit denen deutlicher kostspieligerer Produktionen messen können. Der Regisseur hat es keineswegs nötig, die Lebensgefahr für die Protagonisten mit nur einem überstrapazierten Killer-Roboter darzustellen. „Kill Command“ wurde im Format 2,40 : 1 gedreht. Gomez nutzt die gesamte Breite der Leinwand, Roboter angreifen zu lassen. Dabei tritt eine ganze Armada schießwütiger Maschinen auf, die keineswegs einen fußlahmen Eindruck hinterlassen. Sie wirken nicht künstlich, sondern ‚stehen‘ glaubhaft in ihrer jeweiligen Umgebung.

Für den vom Blitz der Erkenntnis getroffenen Robot-Anführer ließ sich Gomez ein schlichtes aber eindringliches Design einfallen. Dieses Modell besitzt ein „Gesicht“ aus Linsen und LED-Leuchten, ist aber gleichzeitig bizarr genug, um Schrecken zu erzeugen. Wie sämtliche Maschinen bewegt sich auch dieses Modell nicht auf zwei Beinen. So ‚weiß‘ der Zuschauer, dass man ihm keine verkleideten und animatronisch aufgerüsteten Menschen als Roboter präsentiert. Auf diese Weise wirken die Roboter besonders fremd und gefährlich.

Die Bewegungsabläufe sind erstaunlich flüssig, die Interaktion zwischen Mensch und Maschine reibungslos. Deshalb muss die Kamera die Nähe zu den Robotern nicht meiden – sie können auch aus der Nähe überzeugen und erschrecken. Als Profi kennt Gomez den Trick, die ‚Realität‘ digital ‚existierender‘ Maschinen durch nur scheinbar unwichtige Details zu unterstreichen; so ziehen beispielsweise die Kamera-Drohnen eine dünne aber unübersehbare Abgasfahne hinter sich her.

Der Faktor Mensch

Eine Geschichte wie diese benötigt weniger Schauspieler als Darsteller, die einerseits körperlich fit sein müssen, wenn es gilt, in Deckung zu hechten oder getroffen über den Boden zu rollen, während es ihnen andererseits gelingen sollte, mit ‚Maschinen‘ zu ‚spielen‘, die meist nachträglich digital kreiert werden. Natürlich verzichtet Gomez nicht auf den typischen Landser-‚Humor‘, der tatsächlich vorhandene Kamerad- und Freundschaft rau aber herzlich überdecken soll. Trotzdem sind die Mitglieder der Manövergruppe mehr als Schießbudenfiguren, auch wenn echte Tiefe natürlich vor allem behauptet wird.

Eine gewisse schauspielerische Präsenz muss höchstens Vanessa Kirby als androide Mills an den Tag legen. Als solche ist sie verdächtig für ihre Gefährten und deshalb auch dem Zuschauer suspekt. Erst allmählich kristallisiert sich heraus, dass Mills nicht unbedingt freiwillig zum verlängerten „Harbinger“-Arm geworden ist. Eine Romanze scheint zwischen Mills und Bukes aufzukeimen, aber Gomez zieht sofort die Notbremse, lässt großkalibrige Feindgeschosse einschlagen und die drohenden Klischees buchstäblich zerstieben, wofür ihm die Mehrheit des Publikums dankbar sein dürfte.

Natürlich können sich Genrekenner und Nitpicker trotzdem ein Spiel daraus machen, jene Szenen, Figurenzeichnungen oder Äußerungen zu identifizieren, die Gomez aus anderen Genrefilmen ‚entliehen‘ hat. Warum sich jedoch absichtlich den Spaß verderben, den „Kill Command“ zweifellos verbreiten kann? Handwerklich ist dieser Streifen dem ermüdenden Pseudo-Trash, den Film-Fabriken wie „The Asylum“ oder „Syfy“ produzieren, jederzeit überlegen. Anderthalb Stunden wurden wir viel zu oft deutlich übler angeschmiert als von Steven Gomez, dessen Namen wir deshalb gern in einer Hirn-Abteilung speichern, die nicht für Flüche und Warnungen reserviert ist.

DVD-Features

Es klingt verheißungsvoll, was den Hauptfilm als „Extras“ begleitet: B-Roll, Featurette, Interviews. Wie so oft handelt es sich tatsächlich um in Stücke gehackte Info-Häppchen, die oft genug nahtlos in Filmwerbung übergehen oder sich in gegenseitigen Lobhudeleien erschöpfen und deshalb von sekundärer Bedeutung sind.

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Kill Command – Die Zukunft ist unbesiegbar
Originaltitel: Kill Command (GB 2016)
Regie/Drehbuch: Steven Gomez
Kamera: Simon Dennis
Schnitt: Celeste Bothwick u. Alex Mackie
Musik: Stephen Hilton
Darsteller: Vanessa Kirby (Mills), Thure Lindhardt (Captain Bukes), David Ajala (Drifter), Bentley Kalu (Robinson), Tom McKay (Cutbill), Mike Noble (Goodwin), Osi Okerafor (Loftus), Kelly Gough (Hackett), Deborah Rosan (Labortechnikerin) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 03.06.2016
EAN: 0888751918191 (DVD)/0888751918092 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 16

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