Moon

Originaltitel: Moon (GB 2009)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Nathan Parker
Kamera: Gary Shaw
Schnitt: Nicolas Gaster
Musik: Clint Mansell
Darsteller: Sam Rockwell (Sam Bell), Kevin Spacey (GERTY; nur Stimme), Dominique McElligott (Tess), Rosie Shaw (Eve als Kind), Kaya Scodelario (Eve) u. a.
Label/Vertrieb: Koch Media
Erscheinungsdatum: 28.01.2011
EAN: 4020628955762 (DVD) bzw. 4020628955748 (Blu-ray) bzw. 4020628943820 (DVD-2-Disc Special Edition) bzw. 4020628943813 (Blu-ray-2-Disc Special Edition)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 12

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Das geschieht:

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist das globale Energieproblem gelöst. „Helium 3“ ist der Treibstoff der modernen Welt. Gewonnen wird er auf der Rückseite des Mondes. Dort hat der Konzern „Lunar Industries“ die Station „Sarang“ eingerichtet. Gigantische Maschinen schürfen das „Helium 3“ aus dem Mondgestein und schicken die Ausbeute zur Erde. Der Prozess ist weitgehend automatisiert. Da sich hin und wieder Fehlfunktionen einschleichen, benötigt „Sarang“ jedoch mindestens einen Menschen, der direkt eingreifen kann. Für diesen Job heuert der Konzern Männer an, die mit der Einsamkeit zurechtkommen, die nur Stationsroboter GERTY mit ihnen teilt. Nach einer dreijährigen Dienstzeit kehren sie fürstlich entlohnt auf die Erde zurück.

Aktuell ist Sam Bell „Lunar Industries“ Mann auf dem Mond. Nur noch zwei Wochen muss er ausharren und ist heilfroh darüber, weil er geistig und körperlich abbaut und vor Sehnsucht nach Gattin Tess und Tochter Eve vergeht, obwohl diese ihm regelmäßig Videobotschaften senden.

Eines Tages verunglückt Sam mit seinem Mondrover, als er eine der ‚Erntemaschinen‘ überprüfen will. Kurz darauf wacht er in der Krankenstation auf. An den Unfall erinnert er sich nicht, was GERTY mit einer Gehirnerschütterung erklärt. Als Sam sich wieder besser fühlt, will er seinen Auftrag nachholen. Er findet den beschädigten Rover – und darin einen Mann, der ihm aufs Haar gleicht!

Damit ist geschehen, was „Lunar Industries“ unbedingt verhindern wollte. Um Lohn- und Transportkosten einzusparen, hat der Konzern den ‚ersten‘ Sam Bell geklont. Alle drei Jahre wird der ‚verbrauchte‘ Klon gegen einen ‚fabrikneuen‘ Ableger ausgetauscht. Unglücklicherweise rief der Unfall ein ‚Rettungsteam‘ von der Erde auf den Plan. Es wird die Situation zum Wohle des Konzerns mit Waffengewalt bereinigen. Fieberhaft arbeiten die beiden Klone an einem Plan, der diesen Plan durchkreuzen soll …

Auf dem Rücken des Mondes

Das Ambiente: weiß, kahl, betont funktionell. Die Mondmaschinen: klobig, kantig, eleganzarm. Der Protagonist: struppig, einsam, abgedreht. Diese Dreiheit lässt im (historisch) bewanderten und die Science Fiction goutierenden Zuschauer gewisse Assoziationen aufkeimen. In der Tat sieht Regisseur Duncan Jones seinen Film-Erstling als Hommage an das SF-Kino der 1970er und 80er Jahre. „Silent Running“ (1972; dt. „Lautlos im Weltraum“), „Outland“ (1981; dt. „Planet der Verdammten“) oder „Alien“ (1979) sind drei der Filme, denen Jones nicht nur Design-, sondern auch Story-Elemente ‚entlieh‘.

In Mode geblieben und zum Klischee geronnen ist als Feindbild der skrupelfreie, gesichtslose, übermächtige Konzern, der im Arthouse-nahen SF-Film den glotzäugigen außerirdischen Invasoren ersetzt. Auch die Technik läuft dieses Mal nicht Amok. Im Gegenteil: Roboter GERTY ist aufgrund einer allzu ‚menschenfreundlichen‘ Programmierung (und anders als der ihm ähnliche HAL 9000 in „2001 – Odyssee im Weltall“) Sam Bells einziger ‚Freund‘.

Der Mensch ist der schlimmste Feind des Menschen, so schwebt es als Motto unsichtbar aber schwer über dem Geschehen. Die Sam Bells dieser Welt sind in einer von Geschäftsinteressen bestimmten Welt nur Rädchen, die entweder funktionieren oder ausgetauscht und auf den Müll geworfen werden, was in diesem Fall sogar wörtlich genommen werden darf.

Nicht fehlen darf bei der Anprangerung dieser Sünde der Hinweis auf den Menschen als chronischen Umweltzerstörer. Nicht von ungefähr hat „Lunar Industries“ den Abbau von „Helium 3“ auf die Rückseite des Mondes verlegt. Um das Verfahren so simpel und damit kostensparend wie möglich zu halten, wird die Mondoberfläche im Tagebau abgetragen. Dies hinterlässt hässliche, sogar aus dem Weltall deutlich sichtbare Narben, die man den Erdmenschen vorenthalten möchte: Aus den Augen – aus dem Sinn. Dies ist eine Erkenntnis, die noch jeder Konzern verinnerlicht hat. (Stephen King hat es drastisch aber sehr schön in diese Worte gefasst: „Wo man isst, da scheißt man nicht.“)

Auf dem Rücken des Zuschauers

Der Filmkritiker ist in seiner Mehrheit empfänglich für den Lockruf des echten, wertvollen, symbolträchtigen Kinos. Duncan Jones ist zudem ein Sohn des Musik-Avantgardisten David Bowie. In der Addition dieser Faktoren wurde „Moon“ zu einem Kultfilm und Meilenstein des SF-Films, bevor sich die Zuschauer auf breiter Front ein eigenes Urteil bilden konnten. Um nicht als Banausen und Dummköpfe dazustehen, schlossen sie sich vorsichtshalber der Kritik an.

Wie üblich zeigt der nüchterne Blick matte Flecken auf dem so in die Höhe gehobenen, glänzenden Schild. „Moon“ mag stilistisch die Vergangenheit der Zukunft gelungen aufleben lassen, die Story bietet jedoch in Idee und Ablauf keine Überraschungen. Dass ein illegal klonender Konzern hinter den Rätseln von „Sarang“ steckt, ist eigentlich klar. Nicht einmal Jones macht daraus einen Hehl und lässt die beiden Sam Bells sehr früh darüber diskutieren.

Ist das geklärt, verwandelt sich „Moon“ in einen Wettlauf mit der Zeit, der filmisch den Regeln des Thrillers folgt, sich dabei aber in Sachen Action zurückhält und aufgrund des knappen Budgets zurückhalten muss. Die Uhr tickt deutlich sichtbar an einer Stationswand, während die beiden auf jede erdenkliche Weise gehandicapten Bells nach einem Ausweg suchen. Er wird gefunden, lässt aber Raffinesse vermissen. Nur der gute Wille des Zuschauers bzw. die Prämisse, dass allzu viele Jahre ohne Zwischenfälle sogar einen misstrauischen Konzern einlullen können, führt zur Akzeptanz der Lösung.

Den Umständen entsprechend

Die Stirn muss zumindest der wache Zuschauer oft runzeln. „Moon“ gehört zu den Filmen, die ihre Botschaft über die Logik stellen. Dies ist ein Privileg des Kinos und wird vom Publikum akzeptiert, das über entsprechende Brüche hinwegsieht, solange es anderweitig entschädigt wird. Hier irritiert vor allem die Prämisse, dass „Lunar Industries“ jedem Klon die vollständige Erinnerung des originalen Sam Bell ins Hirn pflanzt. Funktioniert ein Arbeitssklave besser bzw. nur, wenn er in sentimentalen Erinnerungen schwelgen kann?

Auf der anderen Seite scheint „Lunar Industries“ durchaus auf das Hirn seiner Klone einzuwirken. Wie sonst könnte die Langmut zu erklären sein, mit der die Bells den ständigen Ausfall des Kommunikationssystems hinnehmen, der den direkten Kontakt mit der geliebten Familie verhindert? (Dies wird übrigens durch ein aufwändiges System aus zwanzig um die Station verteilten Störsendern erreicht; wäre es nicht einfacher, das Kommunikationssystem der Station selbst zu manipulieren?)

Entschuldbar ist die Tatsache, dass auf dem Mond keine verringerte Schwerkraft zu herrschen scheint: Im Budget war diese physikalische Eigenart einfach nicht enthalten. (Konsequent wurde dies seltsamerweise nicht ignoriert: Als Sam in den Schlussminuten über die Mondoberfläche tollt, bietet er plötzlich das bekannte Bild eines Kängurus im Taucheranzug.) Ebenfalls in Kauf genommen werden die altmodischen (aber stimmungsvollen) Modelltricks oder die kümmerlichen CGI-Effekte, denn „Moon“ bietet wie gesagt andere Attraktionen.

Der doppelte Mann im Mond

„Moon“ ist trotz des exotischen Schauplatzes das großartige Heimspiel des Hauptdarstellers Sam Rockwell. Die meiste Zeit muss er die Handlung im Alleingang tragen. Später sieht man ihn ständig in zwei Rollen. Dass hier Filmtricks im Spiel sind, gerät nicht nur in Vergessenheit, weil die Zeiten vorüber sind, die ‚gedoppelte‘ Schauspieler auf ‚ihre‘ Hälfte der gesplitteten Kulisse beschränkten. Längst können sie sich vor und hinter ihrem Ebenbild bewegen und (scheinbar) direkt interagieren.

Rockwells eigentliche Leistung besteht in der differenzierten Anlage seiner Rolle, die zwar in beiden Fällen „Sam Bell“ heißt, jedoch faktisch zwei völlig unterschiedliche Charaktere präsentiert. „Sam 1“ ist der ‚alte‘, abgeklärte, müde Bell: er wird mit dem jungen, jähzornigen „Sam 2“ konfrontiert, der sein Schicksal auf keinen Fall hinzunehmen gedenkt. Rockwell verleiht beiden Sams die entsprechenden Züge. Dank Rockwell könnte man sie sogar ohne Kleidung auseinanderhalten.

Zusätzliches Interesse und Sympathie kann die Figur auf sich ziehen, weil sie alles andere als ein Held oder ein Rebell ist. Sam Bell ist ein Jedermann, den nicht nur das Geld, sondern auch die Suche nach Läuterung auf den Mond getrieben hat. Die idealisierte Familie Bell hat nie bestanden, wie er irgendwann selbst zugibt; Sam wollte in der Isolation ein besserer Mensch werden. Dass ihm dies gelungen ist, macht die Tatsache, dass „Lunar Industries“ ihn betrogen hat, zur Tragödie.

Ein bisschen anders reicht manchmal

Die Abwesenheit hollywoodtypischer Instant-Emotionen ist ein weiteres „Moon“-Plus. Ruhig und über weite Strecken wortlos fordert der Film den „Blockbuster“-berieselten Zuschauer heraus. Die Musik besteht nicht aus massentauglichen Songs, die als Soundtrack separat vermarktet werden sollen, sondern bietet einen echten Score, der die Handlung unterstützt.

Dass immerhin Kevin Spacey GERTY die Stimme gibt, bleibt denjenigen Zuschauern, die ihr Kino synchronisiert vorziehen, natürlich verborgen. Der eigentlich ‚nur‘ allzu aufgabendicht und damit am Konzerninteresse vorbei programmierten Roboter, sammelt trotzdem Sympathiepunkte, weil nicht nur Sam ‚menschliche‘ Regungen in dessen Kastengestalt projiziert.

Auf seine nicht bedächtige aber ruhige, nicht simple sondern geradlinige sowie durchdachte Art ist „Moon“ zwar niemals das bejubelte Juwel aber ein Film, der nicht um den Preis der Unterhaltung ‚anders‘ sein will aber anders ist, indem er das Bekannte aus weniger bekannten Blickwinkeln präsentiert. Das ist durchaus und auf jeden Fall eine Leistung, die zum Schaden des Zuschauers nicht gerade vielen Filmen gelingt.

DVD-Features

Vorschusslorbeeren bringen Werbe-‚Fachleute‘ stets ins Grübeln: Wie können wir den kostenlosen Ruhm nutzen, um dem Kunden noch mehr Geld aus der Tasche zu locken? Inzwischen beinahe standardisiert sind diese Verfahren. Nr. 1: Extras gibt es nur auf der (teureren) Blu-ray. Nr. 2: Extras gibt es auf einer eigenen DVD/Blu-ray, die es im Rahmen einer „Special Edition“ zu erwerben gibt; diese Bezeichnung suggeriert vor allem dem Film-Nerd einen Mehrwert, auf den er keinesfalls verzichten kann.

In unserem Fall haben wir es mit Nr. 2 zu tun. Die ‚Features‘ der Single-DVD/Blu-ray beschränken sich auf den Trailer zum Hauptfilm sowie zwei Audiokommentare (der eine mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie den Bühnenbildnern Gavin Rothery und Tony Noble, der andere mit Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan).

Wer wie beschrieben tiefer in die Tasche greift, findet auf der zweiten Scheibe den knapp halbstündigen Kurzfilm „Whistle“, in dem Duncan Jones 2002 die Geschichte eines Killers und seiner Gattin erzählte. Speziell zu „Moon“ gibt es ein etwa viertelstündiges „Making of“, eine Featurette über „Die Spezialeffekte“ sowie zwei Interviews, die insgesamt ein halbe Stunde dauern. Persönlich vertritt dieser Rezensent die Ansicht, dass sich der erwähnte Mehrwert in engen Grenzen hält.

Zum Film gibt es eine schöne Website.

[md]

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