outlanderOutlander

Originaltitel: Outlander (USA 2008)
Regie: Howard McCain
Drehbuch: Dirk Blackman u. Howard McCain
Kamera: Pierre Gill
Schnitt: David Dodson
Musik: Geoff Zanelli
Darsteller: James Caviezel (Kainan), Sophia Myles (Freya), Jack Huston (Wulfric), John Hurt (König Rothgar), Cliff Saunders (Boromir), Patrick Stevenson (Unferth), Aidan Devine (Einar), Ron Perlman (Gunnar), Bailey Maughan (Erick), John E. Nelles (Donal), James Rogers (Björn), Scott Owen (Aethril) uva.
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 27.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 29.01.2010 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628961497 (Leih-DVD) bzw. 4020628961596 (Kauf-DVD/2-Disc Special Edition) bzw. 4020628957957 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 110 min. (Blu-ray: 115 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Nach dem katastrophal fehlgeschlagenen Versuch, den Planeten der Morween in Besitz zu nehmen, sollte Pilot Kainan die toten Siedler zurück zum Heimatplaneten bringen. Eine jener Kreaturen, denen die Kolonisatoren zuvor übel mitgespielt haben, konnte sich auf das Raumschiff schleichen. Während des Fluges fällt sie über die Besatzung her. Das Schiff gerät außer Kontrolle. Über dem Planeten Erde stürzt es ab. Nur Kainan überlebt – und die Morween.

Sie sind im Skandinavien des Jahres 709 n. Chr. gestrandet. Während Kainan auf die per Funk gerufene Rettung wartet, will er die Bestie jagen. Die hat inzwischen das Dorf des Wikinger-Führers Gunnar zerstört und sämtliche Bewohner getötet. Kainan fällt den Männern von König Rothgar in die Hände, die ihn für den Mörder halten. Seine Herkunft verschweigend, gibt Kainan sich als Erdling aus der Fremde aus. Die Warnung vor dem „Drachen“, der nun in den Wäldern hause, schenken die Wikinger keinen Glauben. Trotzdem gelingt es Kainan allmählich, das Vertrauen der Königs, seines designierten Nachfolgers Wulfric und der schönen Königstochter Freya zu gewinnen.

Während eines nächtlichen Festes dringt Gunnar, der mit seinen Kriegern von einer Handelsfahrt heimgekehrt ist, racheschnaubend in Rothgars Dorf ein. Der Kampf ist noch nicht entschieden, als die Morween Freunde und Feinde angreift. Notgedrungen verbünden sich die Überlebenden. Das Dorf verwandelt sich in eine Festung, die jedoch die Kreatur keinesfalls aufhalten wird. Wie tötet man ein Wesen, dessen Haut mit Eisen und Feuer nicht zu durchdringen ist? Kainan hat einen Plan, doch er unterschätzt die Intelligenz der Morween, und außerdem ahnt er nicht, dass sein Gegner nicht mehr allein ist …

Gut geklaut ist manchmal doch gewonnen

Kainan ist Beowulf und gleichzeitig der 13. Krieger aus einem etwas ferneren Morgenland, der gegen Grendel (und Grendels Mutter) aus dem All kämpft. So etwa lässt sich die Story von „Outlander“ knapp zusammenfassen, obwohl natürlich noch andere Zutaten in das Gebräu gerührt wurden, dass sich Drehbuch nennt: Mehr als ein bisschen „Predator“ kommt ins Spiel, und entstanden scheint dieser Film in den Kulissen vom „Herrn der Ringe“ (Teil 2: „Die zwei Türme“, Handlungssegment Rohan) zu sein.

Als Regisseur ist Howard McCain ebenso routiniert (oder gleichgültig) wie als Drehbuchautor. Über die Logik des Geschehens denkt man lieber nicht nach, worin die Freunde des B-Films viel Übung haben. Stattdessen freut man sich über die eingangs und dann in der zweiten Hälfte endlich zügig voranschreitende Handlung, die gefühlsduselige Durchhänger (Kainan spannt Wulfric die Braut aus und freundet sich mit einem Wikinger-Waisenkind an) verzeihen lässt. Filmkost dieser Qualität findet man außerhalb des Kinos immer noch selten, und tatsächlich wurde „Outlander“ ursprünglich für die große Leinwand gedreht.

B-Movie mit A-Schauspielern

Dass „Outlander“ nicht „direct to DVD“ gehen sollte, belegt auch die Darstellerliste. James Caviezel hat Schauspieltalent (und Leidensfähigkeit) u. a. als Jesus Christus in Mel Gibsons „Die Passion Christi“ (2004) unter Beweis gestellt. Als nicht nur unter Fremdlingen gestrandeter, sondern auch sonst vom Schicksal arg gebeutelter Mann beschränkt er sich dieses Mal zwar auf zwei Gesichtsausdrücke (traurig und böse), aber das reicht, um in einem Spektakel dieser Machart diverse Fragwürdigkeiten zu überspielen. (Wieso ist ein High-Tech-Soldat der Zukunft beispielsweise auch Meister des mittelalterlichen Schwertkampfs?)

Die meisten Nebenrollen bleiben hinter dichten Bärten und Zottellocken konturlos. Cliff Saunders gibt als glatzköpfiger Boromir den trinkfreudigen unerschütterlichen Kumpel, der mit einer tragischen Todesszene abtritt. Stets richtig liegt ein Regisseur, wenn er John Hurt engagiert, der hier selbst als Gandalf-Doppelgänger seiner Rolle individuelle Züge aufprägen kann. Kurz aber prägnant (oder lächerlich) bleibt Ron Perlmans Auftritt als lautstarker Kraftmensch Gunnar, der ebenfalls kahlhäuptig und bedrohlich tätowiert die Köpfe seiner Kampfgegner zwischen zwei Thorshämmern zerschmettert.

Als Wulfric spielt Jack Huston zwar eine der tragenden Nebenrollen, doch er ist blass als König in Ausbildung. Der dramaturgisch unausweichliche Konflikt zwischen Wulfric und Kainan, der eindeutig als Konkurrent und Nebenbuhler auftritt, ist kurz und flach. Viel zu schnell und reibungslos integriert sich Kainan, der Außerirdische, in die Wikinger-Schar.

Sophia Myles bleibt als Freya vor allem „love interest“. Zwar versucht das Drehbuch sie zur ebenso weiblichen wie schwertstarken Wikinger-Maid aufzubauen, doch dadurch wirkt Freya erst recht wie ein Klon der mittelirdischen Königsnichte Eowyn von Rohan. (Sie kocht aber offenbar besser.) Sie wird von zwei starken Männern geliebt und zwischendurch gerettet, wobei sie den einen oder anderen Stich selbst verteilen darf. Wieso Kainan sich ihretwegen für ein lebenslanges Erd-Exil entscheidet, will sich dem Zuschauer nicht erschließen.

Opulenz fürs Auge

Während in Sachen Kopf-Kino eher Schmalhans Küchenmeister ist, wird der Bauch – der beim Film-Zuschauer mit den Augen verkabelt ist – gut bedient. Knapp 50 Mio. Dollar sind für ein trickstarkes Epos im 21. Jahrhundert zwar ein Taschengeld – durchschnittlich gibt Hollywood für einen Film heutzutage (angeblich) 100 Mio. aus -, doch Regisseur Howard McCain bringt zwar keine Ideen aber jeden Cent auf die Leinwand.

Gedreht wurde „Outlander“ weder in Skandinavien oder in Neuseeland, wohin die Produktion zunächst ziehen (und vom Trickstudio WETA betreut werden) sollte (woran eventuell der „Boromir“ erinnert), sondern im östlichen Kanada, was aber in Ordnung geht, da die Wikinger Jahrhunderte, bevor Christopher Columbus Amerika ‚entdeckte‘, auch dort gesiedelt haben. In Kanada ist der US-Dollar deutlich härter als in Hollywood. Das Budget gab deshalb nicht nur ein originalgroßes Drachenschiff, sondern auch ein riesiges Wikingerdorf mit Langhäusern, Werkstätten und Stallungen, einen grandiosen Königspalast und eine umlaufende Palisade her. Die Kamera liebt diese Kulisse zu Recht und schwelgt in eindrucksvollen Panoramabildern.

Auch im Inneren gibt es viel zu sehen. „Outlander“ ist keiner dieser Spar-Filme, die Vergangenheit mit wackligen Pappmauern, kargem Inventar und viel Dunkelheit darstellen müssen. Hier wurde aus dem Vollen geschöpft. Selbst die Statisten tragen nicht die Lumpen aus einer „Stargate“-Staffel auf, sondern erscheinen in voller Wikinger-Pracht (aber ohne Hörner-Helme, womit gewisse historische Fakten gewahrt bleiben).

Staunenswerte Digitalitäten

„Outlander“ ist ein B-Movie, das vom Zuschauer nicht verlangt, billige Tricks im Kopf wohlwollend in reales Geschehen umzudeuten. Was wir sehen, wirkt realistisch, und das schließt das Wüten außerirdischer Ungeheuer ausdrücklich ein. Bereits die ersten Minuten stimmen auf handwerkliche Qualität ein: „Outlander“ setzt als SF-Abenteuer im Weltall mit einer turbulenten Absturzszene weit außerhalb der Erdumlaufbahn ein. Dieses Niveau kann fast durchweg gehalten werden. Der Planet der Morween ist ein bizarrer Ort, aber auch das von Wasser und Magma gleichermaßen durchströmte Höhlensystem unter dem Wikinger-Dorf ist ebenso aufwendig wie sauber getrickst. (Das ist wichtig, wenn man im schon 709 vulkanfreien Skandinavien dem Publikum ein Lava-Meer unter einem Wikingerdorf vorgaukeln will.)

„Digital“ ist indes weiterhin kein Synonym für „perfekt“. Die Grenze der Illusion ist stets erreicht, wenn im Computer gestaltet wird, was das menschliche Auge bzw. das Hirn kennt. Vor allem Abweichungen im Bewegungsbild werden erbarmungslos entlarvt. In „Outlander“ trifft es nicht unerwartet die Morweens. Verhalten sie sich ruhig, wirken sie außerordentlich echt, zumal sie oft altmodisch aber bewährt durch lebensgroße und mechanisch angetriebene Modelle verkörpert werden. Bei schnellen Bewegungen wirken die digitalen Morweens jedoch allzu offensichtlich der irdischen Schwerkraft enthoben. Ihr grünes Blut spritzt künstlich, die marsupilamilangen Kopf-ab-Schwänze schwingen eigenartig steif.

Ausnahmen bestätigen diese Regel: Großartig wirkt der Anblick der alten Morween, die ihren Schädel langsam von hinten durch einen Wasserfall schiebt. Glücklich war darüber hinaus der Einfall, dem an sich konventionell gestalteten Monster die Fähigkeit der Biolumineszenz zu gewähren: Ein Morween kann Körperteile und ‚Gesicht‘ in buntes aber kaltes Licht hüllen. Es macht seine Opfer dadurch neugierig und verwirrt Feinde. Außerdem spiegelt sich seine Stimmung im Leuchten wider, was dem Film verständlicherweise hilft und buchstäblich prächtig herüberkommt.

„Was Splatter ist, bestimmen wir!“

Mehr denn je gleicht die Festsetzung der Altersfreigabe für phantastische Filme in Deutschland einem Glücksspiel. Im Zweifelsfall lieber zensieren, scheint die Faustregel zu lauten. Konsequent ist das selten, nachvollziehbar erst recht nicht. Die Herren & Damen mit den scharfen Scheren sind offenbar gnädiger, wenn der zu prüfende Film nicht eindeutig dem Horror-Genre angehört. „Outlander“ profitiert von dieser Nachsicht als ein Film mit FSK-16-Freigabe, in dem Köpfe und andere Körperteile, begleitet von flüssigkeitsreichen Blutfontänen, durch die Lüfte wirbeln oder sich eine Königstochter aus einem Berg faulender Leichen wühlen muss. Diese Heftigkeiten gehören zur Geschichte, was aber aus Zensoren-Sicht längst kein Grund ist, sie überleben zu lassen.

Dass dem so ist, erfreut hoffentlich die Zuschauer sowie Regisseur McCain und seine Crew. Auf die Produzenten dürfte es wenig Eindruck machen. „Outlander“ gehört zu den Flops des Filmjahrs 2009. Freilich sind besagte Produzenten selbst Schuld. Sie verloren die Nerven und das Zutrauen zum Film, den sie in wenigen Kinos und quasi ohne Werbung durchlaufen ließen. Nicht einmal ein Drittel seiner Kosten spielte er auf diese Weise ein. „Outlander“ ist kein gutes Kino, aber dieses Schicksal ist unverdient. Das gute, alte, d. h. stringent auf Unterhaltung zielende B-Movie ist ganz und gar kein Auslaufmodell. „Outlander“ beinhaltet keinen einzigen originellen Einfall. Den Spaß verdirbt das nicht.

DVD-Features

Was den Produzenten an Profit im Kino entging, sollen DVD und Blu-ray ausgleichen. „Outlander“ erscheint deshalb in der DVD-Kaufversion als „2-Disc Special Edition“. Die üblichen Features – Trailer, „Making Of“, geschnittene Szenen, Bericht über die Spezialeffekte und Audio-Kommentar – hätte man mit dem Hauptfilm auf eine Scheibe brennen können, aber so lässt sich ein höherer Kaufpreis verlangen.

Infos zum Film gibt es außerdem im Internet.

[md]

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Preisrätsel/Gewinnspiel 2 x 1 -DVD: (2-Disc Special Edition)
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
In welchem Jahr stranden die Protagonisten in Skandinavien? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald zwanzig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Die Gewinner lauten: Liara Barkanowitz und Daniel Bergmann. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!