TerminusMeteoriten entpuppen sich als Reise-Kapseln, die einen außerirdischen Organismus enthalten, der selbst schwerste Wunden heilen kann. Der US-Geheimdienst jagt einen Provinz-Proleten, der einen der Besucher birgt und sich in den Dienst der Erdfremdlinge stellt … – Etwas ‚andere‘ Science-Fiction-Geschichte jenseits genretypischer Stereotypen; leider ist die sie weder neu und leidet sichtlich unter einem Non-Budget. Die offenbar von einem Schwarm heiserer Krähen eingesprochene Synchronisation gibt dem Film den Rest: Schade um die Mühe (und das Publikum).

Das geschieht:

Irgendwo in der US-Provinz geht Automechaniker David Chamberlain mechanisch seinem Tagwerk nach. Gattin Jane fiel einer Krankheit zum Opfer, Tochter Annabelle studiert und hat sich dem Vater entfremdet. Nun muss die Werkstatt schließen. Da David die Studiengebühren nicht mehr zahlen kann, kehrt Annabelle mangels Alternativen widerwillig nach Haus zurück.

Kurz darauf geschieht ein Autounfall: David wurde in der Nacht vom grellen Licht eines niederstürzenden ‚Meteoriten‘ geblendet. Schwerverletzt schleppt er sich zum Krater. Kurz darauf ist er wieder kerngesund. Außerdem wächst ihm eine fehlende Niere nach: Eine heilkräftige Kreatur ist auf die Erde gefallen. Zusammen mit dem (zunächst) einbeinigen Ex-Soldaten Zach birgt David das Wesen und versteckt es in seiner Scheune. Der Geist von Jane erscheint ihm und fordert den Bau eines gut gepanzerten Verstecks. David und Zach stehlen einen Betonmischer und funktionieren dessen Drehtrommel um.

Allerdings hat der Absturz auch das Interesse des Geheimdienstes geweckt. Schon mehrfach sind solche ‚Meteoriten‘ entdeckt und untersucht worden, doch stets waren ihre ‚Passagiere‘ bereits tot. Agent Stipe ist fanatisch auf der Suche nach einem lebenden Organismus: Die USA haben sich im Nahen Osten in einen verlustreichen Krieg verstrickt. Weil die Zahl der Opfer ständig steigt, wächst landesintern der Widerstand. Der US-Regierung käme eine Macht, mit der sich waidwunde Soldaten ‚reparieren‘ und zurück in den Kampf schicken ließen, gerade recht.

Die eigentliche Mission der Wesen interessiert nur David, Zach und Annabelle. Dabei hängt das Überleben der Menschheit davon ab, dass sie ihr Ziel erreichen, während Stipe das Trio immer gewalttätiger unter Druck setzt …

Manchmal kommt Gutes tatsächlich von oben

Beginnen wir mit den positiven Aspekten, von denen dieser Film erfreulicherweise einige aufweist. Dazu gehört eine Story jenseits jener Dümmlichkeiten, die das „Marvel“- oder „Transformers“-Franchise verbreiten. Schon finanziell könnte „Terminus“ da nicht mithalten; man darf davon ausgehen, dass Regisseur und Drehbuch-Mitautor Marc Furmie seinen Film plus zehn Fortsetzungen mit dem Geld hätte drehen können, das im Rahmen eines durchschnittlichen Blockbusters für den Kauf von Büroklammern fällig wird.

Er musste deshalb einen in Hollywood eigentlich verhassten Weg gehen und versuchen, das fehlende Budget mit einer guten Idee und ihrer entsprechenden Umsetzung auszugleichen. Gelungen ist das in Ansätzen, obwohl selbst drei Autoren nur eine Geschichte ersannen, die nicht nur in ihren Einzelheiten, sondern auch insgesamt recht bekannt wirkt. Grundsätzlich geht es um Außerirdische, die nicht im Zuge einer Invasion auf die Erde kommen. Ein versehentlicher Besuch nach einer Notlandung und die daraus resultierenden Komplikationen sind aber nicht Fundament der Handlung.

Was da vom Himmel fällt, ist stattdessen in einer Mission unterwegs, die sich allmählich enthüllt, wobei nie geklärt wird, wer hinter den Wurfsendungen als dem All steckt. Einmal diskutieren Wissenschaftler über die Natur der Wesen. Demnach repräsentieren diese nicht die Evolution, sondern die Schöpfung selbst – eine aussagearme aber eindrucksvolle Auskunft, die dem Geschehen eine kosmische – oder göttliche – Dimension verleiht. Der Zuschauer darf wählen. Furmie ist klug (oder nicht dreist) genug, es sich in dieser heiklen Frage mit jemandem zu verderben. Für das Geschehen ist eine Antwort ohnehin unerheblich.

Noah – dieses Mal von ganz unten

Die Enge des Produktionsbudgets scheint sich im Handlungsmilieu widerzuspiegeln. Dort, wo David Chamberlain lebt, schwebt man stets nur eine Fingerbreite über Armut und Obdachlosigkeit. Da der Bau großer Kulissen finanziell nicht möglich war, hat Furmie in tatsächlich existierenden Werkstätten, Industriebrachen und Wohnbarracken gedreht. Dies ist in jeder Beziehung der Rand der US-Gesellschaft. Von hier aus gibt es nur noch eine Richtung: endgültig nach unten.

Rezession und Hoffnungslosigkeit liegen dick über dem Geschehen. Nicht einmal bzw. vor allem nicht die eigene Regierung kümmert sich um diese Bürger, solange sie in ihrem Unglück verharren. Mucken sie auf, schickt man ihnen Geheimdienst-Schergen auf die Hälse, die sich hinter Notstandsverordnungen verbergen und die Bürgerrechte ignorieren können. Im Notfall springt ihnen gern der diensteifrig-devote Sheriff zur Seite.

Ausgerechnet David Chamberlain, den Bart, Flanellhemd und Schirmkappe bereits äußerlich als „white trash“ brandmarken, wird zum neuen Noah. Umgebungskonform wird ein Betonmischer zur Arche umgebaut. Allerdings steigt der Verkünder des nahen Unheils dieses Mal selbst auf die Erde hinab. (Was genau er bzw. es fordert, soll hier verschwiegen werden, um denjenigen, die nach der Lektüre dieses Textes noch eine Sichtung von „Terminus“ planen, den Spaß nicht zu verderben.) Womöglich ist das gar keine schlechte Idee, da sich dort, wo die Chamberlains leben, die Menschen um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern.

Keine Wasser-, sondern eine Feuerflut

Ebenso gelungen wie politisch unkorrekt ist ein Ansatz, der Furmie ermöglicht, die gesamtirdische Uhr auf 5 vor 12 zu drehen. Er greift eine reale Krise der Gegenwart auf und spitzt sie auf eine mögliche Katastrophe zu. Dafür lässt Furmie den Krieg im Nahen Osten eskalieren. In dieser sehr nahen Zukunft hat sich die Region für die USA in ein zweites Vietnam verwandelt. Immer neue Soldaten werden nach Übersee geschickt, wo sich ‚der Feind‘ nicht nur erbittert, sondern auch erfolgreich wehrt und den Amerikanern blutige Verluste zufügt.

Niemand will nachgeben, weshalb der Druck im Kessel unaufhörlich steigt. Immer wieder blendet Furmie Nachrichten ein, die von der Gefahr eines Atomkriegs künden. Er bleibt seinem Pessimismus treu, wenn er das einzige Interesse des US-Geheimdienstes darin sieht, die lebensspendende Kraft aus dem Kosmos als Elixier für den Bau eines ‚unzerstörbaren‘ Kriegers zu missbrauchen. Agent Stipes überschreitet zwar mit der Privatjagd auf David Chamberlain seine Kompetenzen; dies aber nur, weil ihn seine Vorgesetzten an die Front schicken wollen, wo er destabilisierend im feindlichen Untergrund wirken soll.

Der Kunstgriff mit den Nachrichten verschafft „Terminus“ die dringend erforderliche ‚globale‘ Dimension. Ansonsten bliebe die Handlung ein Kammerspiel in der US-Provinz. Furmie fehlen die Mittel, die Weltlage unmittelbar einfließen zu lassen. Die Dringlichkeit der Lage gerät deshalb ins Hintertreffen. Wesentlich gefährlicher scheint das Katz-und-Maus-Spiel mit dem Geheimdienst zu sein, das allerdings sehr konventionell in Szene gesetzt wird.

Das Unmögliche zumindest sichtbar machen

Sein Minimal-Budget hortet Furmie, um es in wenigen aber gut umgesetzten Szenen planvoll einzusetzen. Die Spezialeffekte sind erstaunlich wohlgeraten. Vor allem die final aufschießenden Atompilze lassen an Eindringlichkeit nichts zu wünschen übrig. Viele Tricks wurden nicht digital realisiert, was im engen Rahmen der Inszenierung die Glaubwürdigkeit steigert: Die Evolution der CGI-Effekte hat längst bewiesen, dass ‚altmodisch‘-analoges Trick-Handwerk zumindest minderwertige Digitaltechnik auf jeden Fall in den Schatten stellt.

Seine Darsteller fand Furmie erwartungsgemäß im Pool US-amerikanischer TV-Schauspieler. Dem Publikum sind in der Regel nicht ihre Namen, sondern ihre Gesichter bekannt, weil sie in zahlreichen Nebenrollen auftreten. Diese Prominenz mag zweitklassig sein, was jedoch nichts über die Qualität der darstellerischen Leistung aussagt. In unserem Fall machen die Schauspieler vor allem ihren Job. „Oscar“-reife Leistungen sind nicht zu verzeichnen, Ausfälle bleiben freilich ebenfalls aus. Dem deutschen Publikum bleiben zudem die Irritationen erspart, die ein Film, der angeblich in den USA spielt aber in Australien gedreht wurde, zwangsläufig erzeugt, weil eben nicht sämtliche Unterschiede angeglichen wurden – große Zeiten für „Nitpicker“, die es lieben, fehlerhafte Verkehrsschilder, Lebensmittelmarken oder andere Alltäglichkeiten aufzulisten!

Wenn der Zuschauer dennoch Frustration spürt, wurzelt diese in den Ohren: Der Sparstrumpf blieb auch für die deutsche Fassung von „Terminus“ fest verschnürt. Echte Synchronsprecher wurden nicht ins Studio gelassen. Möglicherweise hat ein und derselbe Pechvogel sämtliche Rollen synchronisiert; zwischendurch wurde ihm kräftig auf den Kehlkopf gehauen, um die Stimmlage zu verändern. Gemeinsam ist den Männerstimmen jedenfalls eine dumpfe, stimmungstötende Ausdruckslosigkeit. Besser lässt sich Produkt-Gleichgültigkeit kaum ausdrücken. Das erzürnte Publikum übersetzt „Terminus“ letztlich mit „Abschalten“, was kaum im Sinne des Labels sein dürfte.

DVD-Features

„Terminus“ erscheint ohne Bonusmaterial, was schade ist, weil man gern etwas über diese in der Realisierung schwierige Produktion erfahren = einige Blicke hinter die Kamera geworfen hätte.

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Terminus – The End Begins Here
Originaltitel: Terminus (Australien 2015)
Regie: Marc Furmie
Drehbuch: Marc Furmie, Shiyan Zheng, Gabriel Dowrick
Kamera: Kieran Fowler
Schnitt: Gabriel Dowrick
Musik: Brian Cachia
Darsteller: Jai Koutrae (David Chamberlain), Kendra Appleton (Annabelle Chamberlain), Todd Lasance (Zach), Bren Foster (Agent Stipe), Brendan Clearkin (Ned Wilcox), Vincent Andriano (O‘Mally), William Emmons (Agent Lubinski), Katherine Hicks (Jane Chamberlain), Steve Le Marquand (Sheriff Williams), John Manning (Tony Cerillo) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 18.03.2016
EAN: 4260034635388 (DVD)/4260034635395 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 94 min.)
FSK: 16

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