The Machine
They Rise. We Fall

Originaltitel: The Machine (GB 2013)
Regie u. Drehbuch: Caradog W. James
Kamera: Nicolai Brüel
Schnitt: Matt Platts-Mills
Musik: Tom Raybould
Darsteller: Toby Stephens (Vincent McCarthy), Caity Lotz (Ava/The Machine), Denis Lawson (Thomson), Sam Hazeldine (James), Pooneh Hajimohammadi (Suri), John Paul MacLeod (Paul Dawson), Helen Griffin (Paul Dawsons Mutter), Siwan Morris (Lucy), Nicola Reynolds (Joan), Jade Croot (Mary) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien AG
Erscheinungsdatum: 25.04.2014
EAN: 4013549053327 (DVD)/4013549050517 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 90 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

In einer nicht allzu fernen Zukunft droht ein offener Krieg zwischen den Westmächten und China. Da die militärische Stärke des Gegners gewaltige Verluste befürchten lässt, versucht man im Westen eine Alternative zu finden: Im Rahmen eines streng geheimen Programms sollen Roboter-Soldaten entwickelt werden, die ebenso furchtlos wie kaum verwundbar kämpfen können.

Da sie an der Front selbstständig planen und entscheiden müssen, ist es erforderlich, diesen Maschinenkriegern echte Intelligenz aufzuprägen. An dieser Herausforderung ist die Wissenschaft bisher gescheitert. Auch Vincent McCarthy, die vielleicht größte Kapazität auf diesem Gebiet, steckt in einer Sackgasse, bis er die junge Forscherin Ava kennenlernt. Gemeinsam gelingt es ihnen, das Problem zu vollenden.

Doch sowohl McCarthy als auch Ava erregen den Argwohn von Thomson, der das Projekt im Auftrag von Regierung und Militär überwacht. Er weiß, dass McCarthy hauptsächlich für ihn arbeitet, um eine Technik zu entwickeln, die es ihm ermöglicht, Verstand und Geist seiner todkranken Tochter in ein Roboterhirn zu kopieren. Ava muss derweil feststellen, dass abseits des Labors brutale Menschenversuche praktiziert werden. Thomson lässt sie als Sicherheitsrisiko umbringen.

McCarthy hatte Avas Gehirn als ‚Muster‘ für die erste KI des neuen Typs gescannt. Nun lässt er auch ihren Körper als Maschine nachbauen. Die Verschmelzung mit dem künstlichen Gehirn gelingt, doch nicht Ava, sondern ein eigenständiges Wesen erwacht: „die Maschine“. Während McCarthy zunehmend fasziniert deren Selbstständigkeit akzeptiert, will Thomson genau dies löschen, um die „Maschine“ auf eine gehorsame Mord-Marionette zu reduzieren. McCarthy versucht die „Maschine“ zu retten – und muss feststellen, dass unbemerkt von den Menschen längst ein Aufstand der künstlichen Intelligenzen begonnen hat …

Was ist „menschlich“?

Spätestens seit sowohl genetisch als auch technisch die Erschaffung einer ‚echten‘ künstlichen Intelligenz in Reichweite zu rücken scheint, gewinnt die Frage nach den Konsequenzen an Eindringlichkeit. Stillschweigend wird davon ausgegangen, dass diese KIs den Menschen an Geisteskraft überlegen sein werden. Sollte dies so sein, ist Unbehagen angesagt: Von sich auf andere schließend, muss der Mensch davon ausgehen, dass die KIs ihn als Herrn der Welt vom Thron schubsen werden.

Doch werden sie sich damit zufriedengeben? Auch Regisseur und Drehbuchautor Caradog James geht davon aus, dass die neue Intelligenz gewisse Denkschemata oder Fehler ihrer Vorgänger übernimmt. Oder ist es gar ein Naturgesetz, dass der Stärkere den Schwächeren nicht nur verdrängt, sondern als potenzielle Gefahr ausrottet? Diese Frage gewinnt an Gewicht, wenn sich KIs wie die auf Ava-Basis entstandene „Maschine“ daran erinnern, wieso sie geschaffen wurden und wie man sie behandelt hat – als Instrumente, denen jegliche Eigenschaft, die ein Lebewesen auszeichnet, vorsätzlich abgesprochen wurde.

Interessant wird „The Machine“ spätestens dann, wenn der Zuschauer erkennt, dass James keineswegs klare Fronten zieht. Zwar repräsentiert Thomson als eiskalter Repräsentant einer Regierung, die Effizienz über Menschenrechte stellt, automatisch die ‚böse‘ Seite. Gleichzeitig stellt James weder Vincent McCarthy noch die „Maschine“ als Gutmensch bzw. Heiland einer zukünftigen Generation von Menschmaschinen dar, die zukünftig friedlich neben den ‚echten‘ Menschen existieren werden: Der eine ist vor allem daran interessiert, seine sterbende Tochter wiederaufleben zu lassen, während die andere ungeachtet der Zuneigung, die sie Vincent – und nur ihm – entgegenbringt, die Evolution nicht beeinflussen will oder kann. Das ebenso lakonische wie starke Ende deutet nicht nur an, dass Thomson auf seine verquere Art richtig lag: Die Zeit der ‚natürlichen‘ Menschen ist abgelaufen.

Große Fragen in kleinem Rahmen

„The Machine“ gehört zu jenen seltenen aber umso erfreulicheren Filmwerken, die ungeachtet eines minimalen Budgets ihre Geschichte ebenso spannend wie überzeugend erzählen. Nur knapp 1 Mio. Euro standen James zur Verfügung, weshalb u. a. Hauptdarstellerin Caity Lotz sämtliche Stunts selbst übernehmen musste. Wer sie dabei beobachtet, wie sie akrobatisch tanzt oder als Kampfmaschine ihre Gegner gleich gruppenweise verhackstückt, kann James dazu beglückwünschen, eine derartig bewegliche Schauspielerin gefunden zu haben.

Darüber hinaus setzte der Regisseur auf ein Gut, das vor allem die Produzenten von Hollywood-Blockbustern entweder nicht kennen oder scheuen wie der Teufel das Weihwasser: Gemeint sind gute Ideen, die nachweislich jede aufwandgewaltige Zerstörungsorgie kümmerlich aussehen lassen können. James hat das Rad nicht neu erfunden. „The Machine“ erzählt eine durchaus bekannte Story ohne inhaltliche Überraschungen. Allerdings gibt es genug Variationen und Abweichungen, die ein Publikum fesseln können, das eben nicht erwartet, dass James ein Inferno à la „Terminator Genesys“ entfesselt. „The Machine“ Ist eher ein Kammerspiel mit drei Hauptrollen. Dem ‚Schöpfer‘ steht die „Maschine“ gegenüber, und beide müssen sich mit dem ‚Teufel‘ auseinandersetzen.

Schon 1931 sammelte das klassische Frankenstein-‚Monster‘ Sympathiepunkte, weil es trotz aller Hässlichkeit und Stärke eben nicht ‚böse‘, sondern unreif und unverstanden war. Die „Maschine“ ist ein feiner gesponnener Charakter. Sie kann auf den Wertkodex ihrer unfreiwilligen ‚Mutter‘ Ava zurückgreifen und ihre naive Unschuld rasch abstreifen. Gerade das schürt gleichzeitig Unbehagen: Die „Maschine“ ist trotz ihrer Skrupel bereit und fähig, sich notfalls gewaltsam einen Weg aus ihrer Zwangslage zu bahnen. Auf dieser Ebene stellt Thomson das dunkle Ebenbild McCarthys dar: Ihm offenbart die „Maschine“ ihre hässlichen Seiten, die sie McCarthy lieber verbergen möchte. Sollte man das Wissen um ihre Herkunft trotzdem verdrängen, lässt James ihre Augen in der Dunkelheit aufleuchten: Dies ist kein Mensch!

Spielplatz des Teufels

Eindrucksvoll tragen die Kulissen zur Geschichte bei. James drehte in der 1991 aufgegebenen RAF Station Greenham Common, einem Militärflugplatz der britischen Royal Air Force in der englischen Grafschaft Berkshire. Gelände und Bauten zeichnen sich durch gewaltige Dimensionen aus, die James geschickt nutzt, indem er ihre Maße vage in einem ständigen Halbdunkel verschwimmen lässt, das nur durch wenige Lichter aufgehellt wird. Auf diese Weise bleibt offen, wie groß die Anlage eigentlich ist, in der neue Kriegstechnik entwickelt und erprobt wird. McCarthys Labor verschwindet im Inneren einer gigantischen Halle, versteckte Gänge und Tore führen in immer neue, unübersichtlich verschachtelte Räume. Das Licht ist dort, wo es denn dominiert, eher grell als erleuchtend. Auch die wenigen Szenen, die im Tageslicht spielen, wirken künstlich. In diese diffuse Welt fügt sich jene Institution ein, die Thomson repräsentiert: Nie wird offen ausgesprochen, wer hier das Sagen hat; es ist ohnehin gleichgültig.

Ungeachtet des mageren Budgets ist die „Maschine“ eine geniale Schöpfung. James ignoriert realtechnische Vorgaben, sondern konzentriert sich auf ungewöhnliche Bilder, die nichtsdestotrotz einen überzeugenden Schöpfungsprozess schildern. Schon als Ava stellt Caity Lotz – die zuvor eine ähnlich fabelhafte Leistung in dem Psychothriller „The Pact“ geboten hatte – eine vielschichtige Person dar. Als „Maschine“ balanciert sie perfekt auf dem Grat zwischen ‚Erinnerung‘ und eigenständiger Persönlichkeit, zwischen argloser Neugier, Angst, Zuneigung und Wut.

Toby Stephens ist weder Held noch Sympathieträger. Erst allmählich zeigt der schroffe Mann, dem offenbar gleichgültig ist, dass seine Arbeit fragwürdigen Zwecken dient, einen ‚menschlichen‘ Kern, der über die Sorge um seine Tochter – die allein ihn an die Welt jenseits seines Labors bindet – hinauswächst und unfreiwillig die Revolution der Menschmaschinen auslöst. Denis Lawson ist als Thomson ein wenig zu sehr Bösewicht, um mit diesen beiden Darstellern mithalten zu können. Immerhin verleiht er dem alltäglichen Bösen, das sich hinter dem buchstäblichen Totschlagargument der „nationalen Sicherheit“ verbirgt, ein Gesicht: Obwohl künstlich, ist die „Maschine“ definitiv humaner als er.

Licht und Schatten

Das Spiel mit Licht und Schatten greift die Ambivalenz des Geschehens auf. Der kühle „Noir“-Stil wird durch einen sorgfältig der Atmosphäre angepassten Musik-Score unterstrichen. Kein 1000-köpfiges Symphonieorchester versucht dröhnend das Publikum zu überwältigen. Bild und Ton finden zueinander, was beispielsweise den Tanz der nackten Maschine in der Laborhalle kennzeichnet: Die (nur für den Zuschauer hörbare) Musik, die gleichzeitig die Stimmung des Wesens widerspiegelt, teilt sich über Lichteffekte unter der ‚Haut‘ der Maschine optisch mit.

Manchmal siegt der Style über den Inhalt, was nicht überrascht, da dieser wie gesagt der Form nicht gewachsen ist. So wirkt die Überraschung, vom allgegenwärtigen Thomson überwacht und ertappt zu werden, wenig glaubhaft angesichts des Intelligenzquotienten, über den sowohl McCarthy als auch Ava angeblich verfügen. Ebenso unwahrscheinlich ist auf der anderen Seite Thomsons Unwissen über die vorrevolutionären Heimlichkeiten des androidenähnlichen Wachpersonals.

Ungeachtet dessen bietet „The Machine“ anderthalb Stunden solide Unterhaltung mit einer Botschaft, die dem Zuschauer nicht platt vorgesetzt wird, sondern filmspielerisch einfließt. Caradog James hat gute Arbeit geleistet, die jedes „Transformers“-Spektakel peinlich und lächerlich wirken lässt. (Wahrscheinlich ist das ein schlechter Vergleich, da selbst „Sharknado“ I-III dies bieten können.)

DVD-Features

Wieder einmal bleibt ein interessanter Film ohne jedes Hintergrundmaterial. Einige Blick hinter die Kulissen bietet immerhin diese Website.

Kurzinfo für Ungeduldige: Eine als Kampfmaschine konzipierte Roboter-‚Frau‘ entwickelt echte Intelligenz und eigenen Willen; während ihr Erschaffer die Entwicklung des Wesens fördert, verlangen die Auftraggeber die versprochene Mord-Drohne … – Die alte Frage nach den Konsequenzen, die das Erscheinen einer nicht nur künstlichen, sondern auch überlegenen Intelligenz für die Menschheit hätte, wird interessant variiert. Trotz Minimal-Budgets werden erstaunliche Schauwerte geboten, und gute Darsteller runden den positiven Eindruck ab.

[md]

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