Bei Libri.deGELD.MACHT.LIEBE
Volume 1 – Wie alles begann
Pilotfolge & Folge 1-5

Autoren: Jörg Brückner, Heike Brückner von Grumbkow
Regisseure: Christine Kabisch, Helmut Metzger
Musik: Hans Günter Wagener
Produzenten: Thomas Hroch, Gerald Podgornig
Produktionsjahre: 2008/2009
Produktionsunternehmen: Tivoli Film Produktion GmbH, Lisa Film GmbH
Verlag: edel motion

Darsteller: Anna Bertheau, Jytte-Merle Böhrnsen, Michael Brandner, Gunther Gillian, Jana Klinge, Roland Koch, Peter Kremer, Nana Krüger, Kai Lentrodt, Gerlinde Locker, Angela Roy, Susanne Schäfer, Anke Sevenich, Johannes Zirner

Die Serie „GELD.MACHT.LIEBE“ lief mit niedrigen Einschaltquoten bis 2009 im öffentlich rechtlichen Fernsehen und wurde von der Filmfirma Tivoli Film/Lisa Film für ARD und ORF produziert. Bei edel motion wurde die zur Serie passende DVD-Box auf den Markt gebracht: „GELD.MACHT.LIEBE: Volume 1 – Wie alles begann“. Das die Serie im TV kein Erfolg war, wird sicherlich ein Rätsel bleiben. Vielleicht lag es an den falschen Erwartungen.

Bereits im Vorfeld stellten die Produzenten eine Verknüpfung zu „Dallas“ her und beschworen den Geist dieser us-amerikanischen Kultserie, die als Pate für „GELD.MACHT.LIEBE“ herhalten sollte. Beide Serien handeln von einer Familiendynastie und sicherlich ist die deutsche Serie mit Motiven aus „Dallas“ konzipiert worden, kommt aber viel ländlicher und familiärer daher, als das große Vorbild aus den USA.

In „GELD.MACHT.LIEBE“ dreht sich alles um das Finanzunternehmen Rheinberg und dessen Angehörige. Die von Rheinbergs leben  luxuriös, beherrschen mit ihrer Bank die Frankfurter Finanzwelt, fördern die Kunst und frönen dem Reitsport. Sämtliche Familienmitglieder sind erfolgreich und die gealterte Liselotte (Gerlinde Locker) von Rheinberg achtet penibel auf Sitte, Anstand und Stand. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Sohn Markus (Roland Koch) die Firma und führt mit seiner Frau Sophia (Susanne Schäfer) eine vorbildliche Ehe, die wohlerzogene Kinder hervorbrachte: Frank (Johannes Zirner), Elena (Jana Klinge) und Marietta (Jytte-Merle Böhrnsen). Frank wird eines Tages die Firma übernehmen, Elena und ihr Mann Martine La Rocca (Gunther Gillian) – ein erfolgreicher Polospieler – kümmern sich um das Gestüt und Marietta hat eine gute Partie in Aussicht.

In den ersten Minuten des Pilotfilms wird eine bezaubernde Familienidylle aufgebaut, die jeglicher kritischen Betrachtung standhält. Geschickt wird ein herrliches Bauwerk errichtet, dass es später gezielt zu demontieren gilt. Erst Stück für Stück, dann Wand für Wand – bis nur noch die Grundmauern übrig sind. Das geschieht aber schleichend.

Zuerst einmal entpuppt sich die junge und talentierte neue Mitarbeiterin Ariane Seiler (Anna Bertheau) als Nichte von Markus. Auf der Suche nach ihren Wurzeln hat sie die von Rheinbergs gefunden und sich erst einmal heimlich einen Blick auf ihre Familie verschafft. Zu spät erkennt Ariane, warum ihre sich Mutter – Mona (Angela Roy) – von der Familie abwandte. Die von Rheinbergs hegen noch immer Groll und wäre es einst nach ihnen gegangen, hätte Ariane nie das Licht der Welt erblickt. Zu allem Übel stirbt auch noch Friedrich Blessmann (Ernst Jacobi), ein enger Vertrauter der Familie. Sein Sohn Alexander (Peter Kremer) sieht in den von Rheinbergs die Schuldigen und nutzt seinen Posten als städtischer Beamter, um ihnen zukünftig übel zuzusetzen.

Diese zwei ersten Nadelstiche in das makellose Äußere lassen schnell die Luft aus dem künstlich aufgeblasenen Familienclan. Der schöne Schein bricht nun stellenweise zusammen, was spannend inszeniert wurde und sehr plastisch geschieht. Arianes Initiative ruft natürlich auch ihre Mutter Mona auf den Plan, was wiederum zu Verwicklungen führt. Alter Hass, Vorurteile und Ängste brechen hervor. Zudem beginnt sich das Liebeskarussell schnell zu drehen. Tote Huren, Bestechung, Affären und Unfälle sind weitere Elemente, die am schönen Schein kratzen und mit jeder weiteren Episode die von Rheinbergs deklassieren. Das ist Unterhaltung pur!

Dabei bleibt die Serie stets sehr ländlich und in einem familiären Rahmen. Die wirtschaftlichen Verwicklungen der Beteiligten werden zurückhaltend behandelt und nur punktiert eingesetzt. Dadurch mangelt es „GELD.MACHT.LIEBE“ leider ein wenig am Nervenkitzel der Hochfinanz, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig gewollt auf den Figuren und ihren Beziehungen untereinander. Durch ständig wechselnde Verhaltensweisen, aber stets den persönlichen Motiven treu, ergibt sich ein dynamisches Gesamtbild, das mit ständigen Überraschungen und Offenbarungen aufwartet.

Einige dieser Überraschungen wirken jedoch etwas aufgesetzt, gar deplatziert. Dazu zählt der Handlungsstrang von Grace Chang, Staatsanwältin und Freundin von Frank von Rheinberg. Scheinbar war die geheime Beziehung zwischen der Staatsanwältin und dem Finanzier ungenügend und mit dem mysteriösen Tod von Changs Vater sollte eine persönliche dramatische Komponente eingebracht werden. Doch genau diese Komponente wirkt künstlich, beinahe wie ein Fremdkörper. Hier zeigt das an sich hervorragende Drehbuch Schwäche.

Im Zentrum der Handlung stehen erst einmal drei Personen, die als Leitsterne der Geschichte fungieren:  Liselotte, Markus und Mona – eine Mutter und ihre beiden Kinder. Diese Konstellation sorgt natürlich für Reibung, vor allem da die alten Feindschaften unvergessen sind. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Gerlinde Locker, Roland Koch und  Angela Roy bieten hier Schauspielkunst in Reinform. Mit offensichtlicher Spielfreude hauchen sie ihren Figuren Leben ein und sorgen für greifbare Persönlichkeiten. Dadurch wirkt „GELD.MACHT.LIEBE“ authentisch und auch die anderen Rollen wirken dadurch passend, da sie schlussendlich auf dem Konflikt zwischen diesen drei Menschen aufbauen.

Doch die Riege der anderen Darsteller leistet ebenfalls hervorragende Arbeit. Das gilt insbesondere für Anna Bertheau, die eine kluge und gleichzeitig kindlich naive Ariane Seiler zum Besten gibt – und zwar sehr überzeugend. Ariane sehnt sich nach ihrer Familie. Obwohl sie moralisch erzogen wurde, ist der Wunsch nach Anerkennung, nach Geld, Macht und Liebe größer, als ihre Verbindung zur Mutter. Und schlussendlich ist es Mona selbst, die in der abschließenden Episode der DVD-Box das Verhältnis zu ihrer Tochter in den Grundfesten erschüttert. Sehr ergreifend und fesselnd.

Wie es sich für eine Serie gehört, sind plötzliche Wendungen an der Tagesordnung. Dabei behält die Geschichte stets die Balance zwischen rotem Faden und Überraschungen. Es ist genau die richtige Dosis, die hier dem Zuschauer verabreicht wird. Auch das trägt zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. Warum die Serie geringe Einschaltquoten hatte und die Produktion schlussendlich eingestellt wurde, bleibt ein kleines Rätsel. Eventuell ist es zu viel Landleben und zu viel Familie, um als Geschichte einer Familiendynastie der Frankfurter Hochfinanz akzeptiert zu werden.

Die DVD-Box aus dem Hause edel motion wird der gediegenen Serie jedenfalls vollends gerecht. Das Cover zeigt im Innenteil der durchsichtigen Plastikbox einen kleinen Stammbaum der Familie, darin sind auch die Namen der Schauspieler eingetragen. Insgesamt sind drei Silberscheiben enthalten, die das Wappen der von Rheinbergs zeigen. Als Bonusmaterial gibt es auf der letzten DVD drei Interviews, die mit Roland Koch, Gerlinde Locker und  Angela Roy geführt wurden. Die Interviews weisen eine unterschiedliche Länge auf und kommen insgesamt auf mehr als dreißig Minuten. Die Fragen drehen sich natürlich alle um die Serie und geben informative Einblicke hinter die Kulissen.

Das Bild ist 16:9 PAL und sehr sauber. Auch der Ton in Dolby Digital 2.0 kommt gut daher, allerdings werden selten sämtliche Tonausgänge bemüht. Die Tonspur liegt auch nur in Deutsch vor, ein Untertitel fehlt vollkommen. Schade, aber auch kein allzu großer Missstand.

„GELD.MACHT.LIEBE: Volume 1 – Wie alles begann“ ist ein gelungener Einstieg in diese Serie. Eine gute Geschichte, Intrigen, persönliche Dramen und eine hervorragende Besetzung sorgen für Kurzweil – mit Tendenz zum Serienkult.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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