Laut Steven Spielberg ist „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ der schwächste Film der Reihe … diese Aussage traf er allerdings vor 2008 und somit vor „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Was Spielberg im nachhinein störte war der zynische und düstere Grundton, der den zweiten Indiana-Jones-Film essentiell prägt. Kein Wunder, steckten Spielberg und Lucas während der Dreharbeiten in bitteren Scheidungskriegen. Und das schlug dann auch auf Drehbuch und Regie durch. Aber gerade der Mangel an Leichtigkeit macht diesen Film so sehenswert.

Obwohl der zweite Teil der Indiana-Jones-Filmreihe, so spielt dieser ein Jahr vor „Jäger des verlorenen Schatzes“, also im Jahre 1935. Indy befindet sich diesmal in Shanghai, im Nachtclub Obi-Wan (ja, es ist eine Anspielung auf „Star Wars“). Hier lernt er während einem heftigen Kampf gegen einen Gangsterboss die Sängerin Willie kennen. Beide müssen Hals über Kopf verduften. Dabei hilft Indys Freund Shorty, ein chinesisches Kind. Die drei besteigen ein Flugzeug nach Delhi, das prompt abschmiert. Schon bald ist das Trio auf der Suche nach einem heiligen Shankara-Stein, stehen dem religiösen Opferkult der Thuggee gegenüber und haben es mit allerhand Schlangen und Insekten zu schaffen. Die Krönung des Abenteuers ist eine bombastische Achterbahnfahrt durch eine Mine.

„Indiana Jones und der Tempel des Todes“ ist ein Knaller, der großen Spaß macht. Doch Obacht, meist gibt es nur die geschnittene Fassung zu sehen (FSK 12). Weitaus besser ist natürlich die ungekürzte Fassung (FSK 16). Der Film ist eindeutig härter als sein Vorgänger und die beiden Nachfolger. Aber das macht gerade den Reiz an der Sache aus, denn es zeigt einige düstere Facetten in Indys Wesenszüge und sorgt somit auch für eine charakterliche Fallhöhe, die diese Figur um so glaubhafter werden lässt.

Das Dreamteam aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ hat mal wieder Großartiges geleistet. Handwerklich ist der Film ziemlich perfekt. Licht, Bilder, Musik, Schauspiel, Effekte – einfach grandios. Der Film ist aber nicht nur vor der Kamera der Knaller, sondern auch dahinter. Denn auch wenn Spielberg während der Dreharbeiten durch sein persönliches Tal der Leiden ging, so lernte er doch seine große Liebe und jetzige Ehefrau kennen: Kate Capshaw. Eine Beziehung, die bis heute Bestand hat.

Ebenfalls spannend zu wissen, dass der Film zwar in Indien spielt, Spielberg für Indien aber keine Drehgenehmigung erhielt und der Film später dort sogar zeitweilig verboten wurde. Der Streifen wurde jedenfalls wegen mangelnder Drehgenehmigung dann in Skri Lanka geschossen, deswegen sprechen die Einheimischen im Film auch Singhalesisch. Von der Stuntseite her gibt es ebenfalls Grandioses und Kurioses zu berichten. So fiel Harrison Ford wegen einer Rückenverletzung aus und sein Stunt-Double Vic Armstrong musste für zahlreiche Actionszenen einspringen, die Ford normalerweise selbst erledigte. Und da wir schon bei den Stunts sind: Die Absprungszene aus dem Flugzeug mit dem Gummiboot und der anschließenden wilden Fahrt über den Schnee… unglaublich, aber die hat es wirklich gegeben. Und in der Szene am Flughafen in Shanghai gibt es massig Cameos: Dan Aykroyd (Schauspieler), Steven Spielberg (Regie), George Lucas (Drehbuch), Frank Marshall (Produzent) und Kathleen Kennedy (Produzentin).

Ja, dieser Teil der Reihe ist düster, zynisch und gelegentlich etwas chauvinistisch, aber er macht trotzdem Spaß. Vor allem durch seine Ernsthaftigkeit, die alles so real wirken lässt und deswegen einen angenehmen Schauer über den Rücken jagt. Es gibt derart heftige Szenen, da stellen sich einem die Nackenhärchen auf. Fabelhaft!

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Bildmaterial (c) Paramount Pictures

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Indiana Jones und der Tempel des Todes
Originaltitel Indiana Jones and the Temple of Doom

Produktionsland: Vereinigte Staaten (1984)
Länge: 114 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12 (früher 16)

Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: George Lucas (Story), Willard Huyck, Gloria Katz
Produktion: Robert Watts
Musik: John Williams
Kamera: Douglas Slocombe
Schnitt: Michael Kahn

Harrison Ford (Dr. Henry „Indiana“ Jones), Kate Capshaw (Wilhelmina „Willie“ Scott), Jonathan Ke Quan (Short „Shorty“ Round), Amrish Puri (Mola Ram), Roshan Seth (Chattar Lal), Vic Armstrong (Dr. Henry „Indiana“ Jones)